Religiöse Bauwerke: Architektur im Buddhismus

Teaser: In unserem Kulturkreis sind vorwiegend christliche oder moslemische Bauwerke bekannt. Die wenigsten kennen jedoch die großen architektonischen Leistungen, die der Buddhismus hervorgebracht hat. Lesen Sie in diesem Artikel mehr über die Geschichte der Architektur und die Baukunst der Buddhisten.

Im Christentum gibt es prächtige Kirchen und Kathedralen, im Islam wundervolle Moscheen und der Buddhismus kann ebenso mit großen architektonischen Leistungen aufwarten, auch wenn diese im Westen leider keinen nennenswerten Bekanntheitsgrad haben. Die Ursprünge der buddhistischen Architektur liegen, selbst wenn es im ersten Moment merkwürdig anmuten mag, noch vor der Geburt Siddhartha Gautamas, dem historischen Buddha.

Höhlentempel der BuddhistenBereits im 8. Jahrhundert v. Chr. waren die sogenannten Höhlentempel existent, bevor diese dann nach der Geburt Siddhartha Gautamas auch für buddhistische Zwecke benutzt wurden.

In der Anfangszeit waren es wenig mehr als natürliche Höhlen. Sie wurden als Tempel in erster Linie von Bettelmönchen und Asketen der Janismus Bewegung benutzt, aber auch von Hindus, die in der Epoche der Upanishaden stark vertreten waren.

Erst als Kaiser Ashoka (268 v. Chr. – 233 v. Chr.), der sich auch für die Edikte des Ashoka verantwortlich zeichnete, an die Macht kam und den Buddhismus für sich entdeckte, fanden die ersten tatsächlichen Bauten von Höhlentempeln statt, welche dann sowohl für die Aufbewahrung sakraler Objekte genutzt wurden, aber auch als Lebensraum für Mönche konzipiert waren.

Es ist ebenfalls im Pali-Kanon überliefert, dass Buddha selbst zahlreiche Höhlentempel für seine Zwecke nutzte. So zum Beispiel zur Meditation die Dungeshwari-Höhle bei Bodhgaya in Bihar und eine Höhle bei Rajagriha (Geierberg). Neben den Höhlentempeln sind es aber vor allem die Stupas, welche kennzeichnend für die frühe Phase in der buddhistischen Architektur sind.

Bereits zur Maurya-Zeit, also der Herrschaftszeit König Ashokas, entstanden die ersten Stupas, die aus lediglich mit Erde aufgeschütteten Grabhügeln hervor gingen. Die ersten Stupas, die aufgrund eines buddhistischen Hintergrundes gebaut wurden, bestanden aus einem abgeflachten Halbkugelbau, der aus Ziegeln oder Erdbruchsteinen gefertigt wurde.

Die innere Kammer wurde dann zur Aufbewahrung von Reliquien genutzt oder aber die Stupa im Ganzen, um an bedeutende Ereignisse in der Geschichte des Buddhismus zu erinnern. In Sanchi, einer indischen Ortschaft in der Nähe der Stadt Vidisha, stehen die ältesten noch erhaltenen Stupas, die aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert stammen.

In Sanchi selbst wurden aber noch Stupas bis in das 12. Jahrhundert hinein errichtet, als der Hinduismus die Vorherrschaft übernahm. Die größte Stupa ist der Phra Pathom Chedi, welcher in Thailand in der Nähe der Stadt Nakhon Pathom steht und 127 Meter hoch ist. Der Chedi ist eine Weiterentwicklung der singhalesischen Dagoba, die wiederum aus der traditionellen Stupa hervorging.

buddhistische ArchitekturNeben den Stupas und Höhlentempeln sind es aber vor allem die freistehenden buddhistischen Tempel- und Klosteranlagen, die äußerst beeindruckend sind und am ehesten im Gedächtnis bleiben.

Heute wird gemeinhin davon ausgegangen, dass die ersten buddhistischen Sakralarchitekturen aus Holz gefertigt wurden, welche jedoch - aufgrund der Vergänglichkeit des Baumaterials - nicht mehr erhalten sind.

Die ältesten Überreste freistehender Steinbaukunst finden sich im Nordwesten von Indien, in Gandhara. Dort entstanden seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. freistehende Klosteranlagen, welche aus Tempeln, Stupas und Wirtschaftsgebäuden bestanden und heute nur noch als Ruinen erhalten sind. Gut erhalten hingegen ist die Klosteruniversität Mahavihara in Nalanda im Nordosten von Indien.

Die Gebäude wurden im 5. Jahrhundert n. Chr. von den Gupta, einer Herrscher-Dynastie im antiken Indien, gegründet. Etwa siebenhundert Jahre später wurden die meisten Gebäude von den muslimischen Eroberern stark beschädigt, jedoch nicht vollkommen zerstört. Von vielen Gebäuden sind nur noch die Grundmauern geblieben. Erwähnenswert sind jedoch die nahezu vollständig erhaltenen Hochtempel, die heute noch viele Besucher anlocken.

Das wohl bedeutendste und sehr gut erhaltene, freistehende Bauwerk des Buddhismus befindet sich in Bodhgaya (Bihar, Nordostindien): der Mahabodhi-Tempel. An diesem Ort, unter dem Bodhi-Baum, einer Pappelfeige, erlangte Siddhartha Gautama die Erleuchtung. Bei dem Tempel handelt es sich um einen Ziegelbau, der im 6. Jahrhundert errichtet wurde, parallel zu den Frühformen hinduistischer Tempel im Guptareich.

Im 12. Und 13. Jahrhundert wurde er von Baumeistern aus Birma verändert, seine Grundform blieb jedoch erhalten. Der Tempel ist 55 Meter lang und die Außenfassade besteht aus sieben Stufen, die mit zahlreichen Buddhastatuen verziert sind. Um die Basis des Tempels verläuft an drei Seiten ein Fries, der insgesamt 85 Sandstein-Buddhas zeigt, die aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert stammen.

Im Zentrum des Tempelinneren befindet sich eine Statue des meditierenden Buddha, die vergoldet ist. An der Westseite des Tempels, in der Nähe einer pyramidenförmigen Stupa, von denen einige den Tempelhof zieren, befindet sich ein Ableger des legendären Bodhi-Baumes, unter dem Buddha die Erleuchtung fand. Weiter nördlich erstreckt sich der Juwelenpfad, der aus 19 steinernen Lotosblüten besteht, die den Weg markieren, auf dem Buddha direkt nach seiner Erleuchtung zwei Wochen lang Gehmeditation praktizierte.

Nach dem Mahabodhi-Tempel gilt die Borobudur-Tempelanlage als eine der wichtigsten, freistehenden Tempelanlagen und stellt die größte ihrer Art in Südostasien dar. Borobudur besteht in seinen Grundzügen aus einer kolossalen Pyramide, die sich auf der Insel Java in Indonesien befindet, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Yogyakarta.

Auf insgesamt neun Stockwerken, die auf einer quadratischen Basis von 123 Metern Länge stehen, befinden sich Flachreliefs an den Wänden, welche eine Länge von insgesamt 5 Kilometern haben. Sie beschreiben auf kunstvolle Weise das Leben und Wirken von Siddhartha Gautama. An der Spitze der Tempelanlage befinden sich insgesamt 72 Stupas, die sich auf drei Stockwerke verteilen, und die Hauptstupa mit einem Durchmesser von 11 Metern umrahmen.

Viele buddhistische Bauwerke wurden in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eingetragen, darunter die Borobudur-Tempelanlage, der Mahabodhi-Tempel und zahlreiche Höhlentempel, wie zum Beispiel Ajanta, Ellora und Mamallapuram.

Viel Freude mit der buddhistischen Architektur!

08.09.2017 © seit 06.2009 Andreas Schnell  
Kommentar schreiben