Buddhismus Reisen: Pilgern in den Fußspuren Buddhas

Teaser: Die Christen kennen Jerusalem als heilige Stätte und die Muslime, Mekka. Doch welche Orte gelten den Buddhisten als sehenswerte Pilgerstätten? Eine Antwort auf diese Frage gibt Andreas Schnell, indem er die Reisen des Siddhartha Gautama (Buddha) beschreibt. So können Interessierte die heiligen Orte der Buddhisten entdecken.

Karte von NepalDas Leben und Wirken von Siddhartha Gautama, dem historischen Buddha, ist nicht nur für Buddhisten von Interesse. Jahr um Jahr reisen Tausende von Menschen an die Orte, an denen Buddha seine Spuren hinterlassen hat. Doch wo genau befinden sich diese Orte und was ist dort heute noch zu finden?

Das lateinische Wort peregrinari (dt.: in der Fremde sein) bildet den Ursprung für den Begriff des Pilgerns. Das Pilgern nimmt in allen Weltreligionen eine besondere Stellung ein.

Wie bereits aus der Bedeutung des Wortes erkennbar, geht es beim Pilgern nicht nur darum, heilige Stätten oder geweihte Orte zu besuchen, sondern ebenfalls um das Erlebnis der Reise und die Wirkung der Fremde auf den eigenen Geist.

Während Christen häufig nach Jerusalem pilgern und Muslime nach Mekka, gibt es für Buddhisten zwar keinen Ort, den man als Allerheiligstes bezeichnen könnte. Es bieten sich jedoch viele Plätze an, an denen Siddhartha Gautama während seines Lebens verweilte und die daher für Anhänger aller buddhistischen Schulen interessant sind. Bei einer der ersten Anlaufstellen für Buddha interessierte Reisende handelt es sich um die Ortschaft Lumbini, in der 563 v. Chr. Siddhartha Gautama geboren wurde.

An diesem Ort, der sich am Fuße des Himalayas in Nepal im Bezirk Rupandehi nahe der indischen Grenze befindet, finden sich zahlreiche buddhistische Tempel, unter anderem der Mayadevi Tempel. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Steinsäule von Lumbini, vor allem durch Anstrengungen des nepalesischen Archäologen Khadga Samsher Rana, entdeckt.

Es handelt sich dabei um einen über 6 Meter hohen Obelisken, der von König Ashoka im Jahre 245 v. Chr. erbaut wurde und auf dem sich folgende Inschrift befindet: „Zwanzig Jahre nach seiner Krönung kam König Devanampiya Piyadasi hierher und bezeigte seine Verehrung, weil der Buddha, der Weise aus dem Shakya Geschlecht, hier geboren worden ist.

Er ließ ein Steinrelief anfertigen und eine Steinsäule errichten, um anzuzeigen, dass hier der Erhabene geboren wurde. Das Dorf Lumbini befreite er von Steuern und setzte seine Naturalabgaben auf ein Achtel des üblichen Viertels.“ Neben der Steinsäule ist vor allem Puskarini, der heilige Teich, von Interesse, in dem Buddhas Mutter die rituelle Waschung durchgeführt haben soll, bevor sie niederkam.

Ebenfalls soll Buddha in diesem Teich sein erstes Bad genommen haben. Nur etwa 25 km weiter westlich, noch immer in Nepal, befinden sich die Ruinen von Kapilavastu, der Hauptstadt des Königreichs Shakya, in dem Buddha seine Jugendjahre verbracht hat. Dort wurde er im Alter von 16 Jahren mit Prinzessin Yasodhara vermählt und zeugte seinen einzigen Sohn Rahula.

Himalaya NepalBemerkenswerter als Buddhas Jugend ist aber das Erkennen der "Vier Zeichen", das an diesem Ort stattgefunden hat: Altern, Krankheit, Tod und Schmerz. Siddhartha Gautama entschied sich im Alter von 29 Jahren für ein Leben als Asket und verließ die vertraute Umgebung des Palastes und seine Familie.

Abgesehen von Lumbini und Kapilavastu, befinden sich die meisten buddhistischen Pilgerziele in Nordindien, so auch Bodhgaya, die meist frequentierte Stätte buddhistischer Historie.

Bodhgaya befindet sich im nordindischen Bundesstaat Bihar, etwa 96 km entfernt von der Millionenstadt Patna. Zwei der meist geehrten Orte liegen in Bodghaya, das zu Buddhas Zeiten Uruvela hieß: Der Bodhi Baum, ein Ableger der Pappelfeige, unter der Siddhartha Gautama die Erleuchtung erlangte und zum Buddha wurde, und der Mahabodi Tempel. Der Mahabodi Tempel, welcher zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, wurde zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert errichtet.

In seiner langen Historie wurde er mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass er in seiner jetzigen Grundform seit dem 6. Jahrhundert existiert. Im Innenbereich befindet sich eine, in meditativer Haltung verweilende, goldene Buddha-Statue und entlang der Nordseite des Tempels erstreckt sich der so genannte Juwelenpfad, auf dem Buddha zwei Wochen nach seiner Erleuchtung die Gehmeditation praktizierte.

Der Bodhi-Baum befindet sich an der Westseite des Tempels, an dessen Stelle König Ashoka, der auch als Begründer des Mahabodi-Tempels gilt, ursprünglich einen Schrein hatte bauen lassen. Sarnath, auch bekannt als Isipatana, befindet sich in dem indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, etwa 10 km Nordöstlich von Varanasi, einer der ältesten Städte der Welt.

Sarnath wurde im 12. Jahrhundert komplett zerstört. Im Laufe der Jahre konnten jedoch zahlreiche Funde zutage gebracht werden, wie zum Beispiel die Dhamek Stupa. Dies führte dazu, dass sich der Ort neben Bodhgaya zu einem der wichtigsten Reiseziele für Pilger entwickelt hat. Aufzeichnungen zufolge hat Buddha in Sarnath das erste Mal die "Vier Edlen Wahrheiten" gelehrt und die Sangha, die buddhistische Gemeinschaft, begründet, indem er Kondanna, Bhaddiya, Vappa, Mahanama und Assaji, seine fünf ehemaligen Gefährten aus den Jahren der strengen Askese, zu Mönchen ordinierte.

Viele Länder, in denen der Buddhismus eine wichtige Rolle spielt, so beispielsweise Thailand, Japan und Tibet, haben in Sarnath zahlreiche Klöster und Tempel errichtet, um so Pilgern weltweit eine Anlaufstelle zu bieten. Kushinagar, ebenfalls im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, zählt neben Sarnath, Bodhgaya und Lumbini zu einer der vier wichtigsten Pilgerstätten für Buddhisten und markierte das Lebensende von Siddhartha Gautama.

Im Jahre 483 v. Chr. starb Buddha an einer, so wird vermutet, Lebensmittelvergiftung und kehrte endgültig ins Nirwana ein. Ebenfalls wurde er in Kushinagar beigesetzt.

Obwohl sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten in Kushinagar befinden, sind die beiden meistbesuchten Orte die Mahaparinirvana Stupa, der Ort an dem Buddha tatsächlich starb, und Makutabandhana, die Stelle, an der er begraben wurde.

Allerdings ist auch einen Statue Buddhas, die ihn im Moment der Befreiung, des Einzugs ins Nirwana zeigt, einer der Orte, die man unbedingt gesehen haben sollte.

Das Kunstwerk befindet sich im Parinirvana Tempel, der erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt und restauriert wurde. Nicht weit von Kushinagar entfernt, befindet sich der Ort, an dem Buddha den größten Teil seines klösterlichen Lebens verbracht hat: Sravasti.

Zu Siddharthas Lebzeiten war Sravasti die Hauptstadt eines großen Königreichs, in dem schätzungsweise 180 Millionen Menschen gelebt haben. Heute findet man vor Ort noch Reste der historischen Stadtmauer, zwei Stupas, die Angulimala und Anathapindika geweiht sind, und ein Tempel, der Jain Tirthankara zu Ehren erbaut wurde.

Klöster zahlreicher Nationen, wie zum Beispiel Thailand, Japan und China, befinden sich in Sravasti. Nicht ganz so populär, aber nicht minder interessant und erbauend, ist Gridhakuta, der Geierberg. Diese Stätte, an der Buddha dem Pali-Kanon zufolge das Lotus-Sutra gelehrt haben soll, befindet sich in der Nähe der historischen Stadt Rajgir, welche sich im indischen Bundesstaat Bihar im Nalanda Bezirk befindet.

Während der Geierberg zu Buddhas Lebzeiten äußerst beschwerlich zu besteigen war, ist er heutzutage über eine Seilbahn erreichbar und wird von einer japanischen Shanti Stupa überthront. Anders, als beispielsweise im Christen oder Judentum, sind die Pilgerziele des Buddhismus nicht dazu gedacht, Sündenablass zu erhalten, Buße zu tun oder die Hoffnung auf Gebetserhörung zu steigern.

Es sind vielmehr Orte von historischer Bedeutung, die ein Gefühl dessen vermitteln sollen, was der Buddhismus im Stande ist zu tun und wo seine Wurzeln liegen, oder in denen eine historische Persönlichkeit gelebt und gewirkt hat. Auch für alle Nicht-Buddhisten, die aber dennoch ein kulturelles Interesse an Siddhartha Gautama oder dem Buddhismus haben, sind sie allemal eine Reise wert.

Viel Spaß beim Reisen in den Fußspuren Buddhas!

29.06.2013 © seit 04.2009 Andreas Schnell  
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