Kunstwerke und Weltreligionen: Kunst im Buddhismus

Teaser: Die großen Weltreligionen haben nicht nur die Weltbilder vieler Menschen geprägt, sondern auch lange Zeit die Kunst und Kultur beeinflusst. Hier entstanden viele zeitgenössische Kunstwerke, die wir heute noch bewundern. In diesem Artikel können Sie einen Abriss der Geschichte der Kunst im Buddhismus kennen lernen.

Seit den Lebzeiten Siddhartha Gautamas, dem historischen Buddha, gibt es die unterschiedlichsten Kunstformen, um den spirituellen und religiösen Aspekten des Buddhismus Tribut zu zollen. Dabei haben sich Form und Ausdruck im Laufe der Jahrhunderte verändert und sind grob in eine anikonische und ikonische Periode einteilbar.

Ihren Ursprung hat die buddhistische Kunst auf dem indischen Subkontinent und geht bis in das 5. Jahrhundert v. Chr. zurück, direkt nach dem Tod des historischen Buddha. Dabei wurden buddhistische Kunstformen bis in das 1. Jahrhundert hinein von anikonischen Darstellungsformen geprägt, was bedeutet, dass Buddha in keiner menschlichen Form dargestellt wurde.

Als eine der ersten Kunstformen überhaupt gelten die Stupas, welche schon lange vor der Entstehung des Buddhismus, als Grabhügel genutzt wurden.

Besonders in der anikonischen Periode wurden Stupas mit zahlreichen Flachreliefs versehen, welche von unterschiedlichen Zeichen und Symbolen geprägt waren. Ebenfalls wurden zahlreiche Steinsäulen erschaffen, welche auf buddhistische Motivation hin erbaut wurden.

Besonders im 3. Jahrhundert v. Chr. hatten buddhistisch geprägte Kunstformen ihre Blütezeit, während König Ashoka über das größte Reich der indischen Antike herrschte. Trotz der anikonischen Darstellungsweise gab es in der frühen buddhistischen Kunst zahlreiche Sinnbilder, die auch noch heute gebräuchlich sind, so zum Beispiel der Bodhi-Baum, unter dem Buddha zu seiner Zeit erleuchtet wurde.

Es handelt sich dabei um eine Pappelfeige, die nicht nur für die Erleuchtung an sich steht, sondern sogar schon in Vorbuddhistischer Zeit eine Bedeutung als Fruchtbarkeitssymbol hatte. Ebenfalls sehr oft auf Kunstwerken der anikonischen Periode zu sehen, ist ein einfaches Rad. Dieses steht für Dharmachakra, das Rad der Lehre, und setzt sich aus den Sanskritbegriffen Dharma (Lehre) und Chakra (Rad) zusammen.

Das Rad der Lehre ist eine Versinnbildlichung der Vier Edlen Wahrheiten und dem Edlen Achtfachen Pfad und stellt somit eine der elementarsten Begriffe des buddhistischen Glaubens dar. Die Edikte des Ashoka, bei denen es sich um insgesamt 33 Texte handelt, die als Inschriften auf Säulen und frei stehenden Felsen angebracht wurden, haben oftmals das Dharmachakra als Symbol mit inbegriffen.

Während der Bodhi-Baum oder auch das Rad der Lehre verschiedene Aspekte des buddhistischen Glaubens darstellen, gilt der Löwe als ein Symbol für Buddha selbst. Zu Zeiten König Ashokas war Siddhartha Gautama auch als „Löwe von Shakya“ bekannt. Dies bezieht sich vor allem auf den Namen Shakyamuni (Der Weise aus dem Volk der Shakya), einer der zahlreichen Titel, die Buddha verliehen wurden.

Der enorme Einfluss, den nicht nur Siddhartha Gautama sondern auch der Buddhismus auf Indien hatte, wird durch die Tatsache deutlich, dass das Wappen Indiens noch heute das Kapitell der Löwen-Säule zeigt, welche in Sarnath stand, wo Buddha die Vier Edlen Wahrheiten gelehrt hatte.

Neben dem bereits genannten Rad der Lehre, dem Bodhi-Baum oder dem Löwen, wurden noch einige andere Symbole in der anikonischen Periode verwendet, darunter die Lotus Blüte, die ein Sinnbild der Reinheit der Buddhanatur ist oder ein Fußabdruck, oftmals in Stein geschlagen, welcher die prägende Wirkung des Buddhismus auf die Welt verdeutlichen soll.

Die Gründe, warum es den damaligen Künstlern nicht möglich war, Buddha in menschlicher Form darzustellen, sind vielschichtig. Zu den plausibleren Gründen gehört wohl der Wunsch Buddhas, nach seinem Tod nicht als Mensch dargestellt zu werden. Diesen Wunsch äußerte er während einer Lehrrede, die im Digha-Nikaya im Pali-Kanon nachzulesen ist.

Während vor allem in den südlicheren Regionen Indien, die anikonische Periode noch bis in das 2. Jahrhundert andauerte, wurden erste menschliche Darstellungen Buddhas, welche schlussendlich die ikonische Periode einläuteten, in Nordindien bereits ab dem 1. Jahrhundert angefertigt. Besonders in zwei Regionen Indiens, Gandhara und Mathura (heute nordwestliches Pakistan und südlich von Delhi), entstehen die ersten bedeutenden Kunstwerke, die Buddha in menschlicher Form darstellen.

Während Gandhara, nach dem Feldzug Alexander des Großen, im Dunstkreis hellenistischer Reiche verblieb und dadurch auch Einfluss auf verschiedene Darstellungsformen hatte, war Mathura vor allem in der hinduistisch-indischen Tradition verwurzelt. Erst die schrittweise Verschmelzung der beiden Kunststile mündete in einer frühen Darstellungsform Buddhas, wie sie heute verbreitet und bekannt ist.

Das Gewand, welches den Rücken Buddhas bedeckt, die Sandalen und das gewellte Haar stammen aus Gandhara, während der Lotus, auf dem Siddhartha ruht und die Darstellung des Rads der Lehre in seiner Handfläche aus Mathura kommen.

Ab Beginn der Gupta Dynastie (4. bis 6. Jahrhundert) wurde dann die Darstellungsform so verfeinert, dass sie alle Symboliken vereint, die heute gemeinhin mit dem historischen Buddha in Verbindung gebracht werden und von einem idealisierenden Realismus charakterisiert sind.

Der Körper ist perfekt proportioniert und äußerst feingliedrig, der Haarknoten gibt einen Hinweis auf Buddhas Zeit als Asket und besonders hervorstechend sind die halb geschlossenen Augen, die meditativen Charakter haben und nach innen gekehrt sind.

Bis in das 8. Jahrhundert hinein erlebte sowohl der Buddhismus als auch jegliche, damit in Verbindung gebrachte Kunstformen, eine Blütezeit. Erst zwei Jahrhunderte später, aufgrund des erstarkenden Hinduismus und dem Vorrücken des Islam, wurde die buddhistische Kunst beinahe vollkommen verdrängt.

Ab dieser Zeit fand der Buddhismus in anderen Ländern, wie zum Beispiel China, Japan, Tibet, Thailand oder Sri-Lanka, große Verbreitung und die bis dahin entwickelten Kunstformen vermischten sich mit regionalen Einflüssen, um neue Darstellungsformen zu schaffen, die trotz allem an den historischen Gegebenheiten festhielten.

In Thailand, wo sich ab dem 13. Jahrhundert eine starke Zuwendung zum Theravada-Buddhismus entwickelte, fand zur selben Zeit auch ein Wandel in den traditionellen Kunstformen statt.

Während vorher noch der Khmer Stil prägend war, gingen die Formen nun vermehrt zu eleganten und weichen, beinahe fließenden Linien über. Besonders hervorstechend waren auch die zunehmend ovale Darstellung des Kopfes und die prächtigen Statuen, die sehr oft vergoldet und mit Edelsteinen besetzt wurden. Eine Besonderheit, die nahezu ausschließlich in Thailand zu finden ist, ist die Darstellung eines schreitenden Buddhas.

Viel Freude beim Betrachten buddhistischer Kunstwerke!

08.09.2017 © seit 06.2009 Andreas Schnell  
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