Mudras – Handhaltungen in der Meditation

Eine Besonderheit bei den Meditationsstellungen sind die sogenannten Mudras oder Handstellungen. Mudras helfen die Konzentration zu halten und eine Harmonie zwischen Anspannung und Entspannung im regungslosen Asana zu erlernen. Hier stellen wir Ihnen einige Mudras und ihre Wirkung vor.

Das Mudra (Sanskrit „Siegel“) ist eine symbolische Handgeste (Handbewegung, Handstellung), die im alltäglichen Leben (z. B. die Gruß-Geste Namaste), in der religiösen Praxis und im indischen Tanz ihre Anwendung findet. Genau übersetzt bedeutet Mudra „das, was Freude bringt“. Mud heißt Freude, aber auch Geste, um den Göttern zu gefallen. Ra bedeutet „das, was gibt“.

In der Meditationspraxis wird bei jedem Asana ein Mudra – eine bestimmte Handstellung – eingenommen. Mudras haben auch religiöse Bedeutung, auf die hier nicht weiter eingegangen wird. Sie ist für das Erlernen des Meditierens nicht wichtig. Die Funktionen und Wirkungen der Mudras sind jedoch von entscheidender Bedeutung.

Mudras helfen die Konzentration zu halten und eine Harmonie zwischen Anspannung und Entspannung im regungslosen Asana zu erlernen. Die Mudras selbst können und sollen nie völlig ohne Spannung gehalten werden, daher wird diese Art der Spannung „Wohlspannung“ genannt.

„Wohlspannung“ meint, dass das Mudra nur mit einem Minimum an Kraft gehalten wird. Legt man zu viel Kraft ins Mudra, verspannt sich die Hand, legt man zu wenig Kraft ins Mudra, so „fällt es in sich zusammen“. Es ist also eine Gratwanderung zu erlernen, wie viel Kraft nötig ist. Das lässt sich nur in der Praxis herausfinden.

Hat sich der Körper jedoch erst einmal an diese „Wohlspannung“ gewöhnt, so wird das Mudra als angenehme und natürliche Handhaltung empfunden. In fortgeschrittenen Stadien der Meditation – also wenn der Körper beginnt „fest zu werden“ oder „einzurasten“ - bleibt auch das Mudra ohne Anstrengung stabil.

Außerdem ist das Mudra ein wichtiger Anzeiger und Gradmesser für die eigene Konzentration. Gerade bei Anfängern lässt sich häufig beobachten, dass das Mudra zusammenfällt; die Finger krümmen sich nach innen. Das ist ein Zeichen für mangelnde Konzentration. Sobald der Meditierende zu träumen beginnt, wird das Mudra schlaff.

Dieses Indiz zeigt dem Meditierenden, wann er sein Meditationsobjekt verloren hat. Es gibt eine Vielzahl von Mudras – im Folgenden werden nur einige Mudras beschrieben, die jeder leicht einnehmen und schnell erlernen kann.

1. Mudra: Jnana Mudra

Das sogenannte „Jnana Mudra“ ist ein nahezu universell anwendbares Mudra, welches in fast jedem Asana angewendet werden kann.

Ausführung: Bei diesem Mudra berühren sich jeweils die Spitzen der Zeigefinger mit den Spitzen der Daumen und bilden zusammen einen Kreis. Die drei anderen Finger werden ausgestreckt und bilden eine gerade Linie (als vorgestellte Verlängerung) zur Handfläche bzw. zum Unterarm.

Meditation Mudra Jnana

2. Mudra „Die offene Hand“

Bei dem Mudra der „Offenen Hand“ werden die Finger und Daumen aneinander gelegt und gerade ausgestreckt. Auch hier bilden die Finger bzw. der Daumen eine gerade Linie (als vorgestellte Verlängerung) zum Unterarm und zur Hand.

Die Handflächen können nach oben oder nach unten zeigen. Empfehlenswert ist bei allen Asanas, die Handflächen nach oben zu drehen, d. h., die Handrücken liegen auf den Oberschenkeln. Diese Stellung korrespondiert mit einer offenen inneren Haltung und Einstellung, welche für die Meditation ideal ist. Nur beim Savasana (der ersten Variante) werden die Handflächen nach unten auf den Boden gelegt, da es hier darum geht, die Schultern in eine korrekte Position zu bringen.

3. Mudra: Dhyana - Der Kelch

Legen Sie die rechte Hand in die Linke (oder umgekehrt) - die Daumen beider Hände berühren sich an ihrer Spitze. Legen Sie die Hand auf die Oberschenkel oder lassen Sie beide Hände ca. 10 cm über den Oberschenkeln schweben. Dieses Mudra dient zur Sammlung der Kräfte und ist am ehesten für „geschlossene“ Sitzhaltungen geeignet.

Mudra Meditation Kelch

Nehmen Sie einfach die verschiedenen Mudras ein und entscheiden Sie sich für eines, mit dem Sie beginnen möchten. Keines der hier genannten Varianten ist besser oder schlechter. Sobald Sie sich jedoch für ein Mudra entschieden haben, bleiben Sie dabei – wechseln Sie es nicht mehr.

Denn auch beim Mudra muss sich der Körper erst an die Stellung gewöhnen. Es kann durchaus einige Wochen oder Monate dauern, bis das Mudra in der korrekten Haltung mühelos „fest“ wird. Wenn Sie häufiger zwischen den Mudras wechseln, kann dieser gewünschte Effekt nicht eintreten.

09.11.2017 © seit 09.2017 Tony Kühn  

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