Vier Lerntypen und wie sie am effektivsten lernen

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Sie Ihre Sinne gezielt beim Lernen einsetzen können, sodass Ihnen das Lernen leichter fällt? Denn Lernen kann sehr viel einfacher werden, wenn man seine Stärken und Schwächen kennt.

Jeder Lerntyp - egal ob Kind oder Erwachsener - hat seine eigene Art, wie er am einfachsten lernen kann. Denn je nach Lerntyp verwenden wir unterschiedliche Sinne, um Inhalte besser zu erfassen, zu verstehen und uns merken zu können.

In diesem Artikel stellen wir Ihnen vier Lerntypen vor. Lernen Ihre Stärken kennen und holen Sie sich Anregungen, wie Sie diese beim Lernen nutzen können.

Welcher Lerntyp bin ich?

Aus Erfahrung wissen wir, dass es verschiedene Arten des Lernens gibt. Manche können sich einen Lernstoff gut merken, wenn sie ihn lesen, andere, wenn sie einem Vortragenden zuhören und wieder andere lernen leichter, wenn sie schreiben oder sich mit Mitlernenden über die Inhalte austauschen.

Wenn Kinder in der Schule schneller bzw. langsamer lernen, hat das oft nicht mit der Intelligenz der Kinder zu tun, sondern mit unterschiedlichen Lerntypen.

Zum Lernen gebrauchen wir unsere Sinnesorgane. Neben Augen und Ohren gehören dazu auch der Geruchs-, Geschmacks- und Muskelsinn. Der Lernstoff gelangt über die beteiligten Sinnesorgane in unser Gedächtnis. Da die einzelnen Sinnesorgane bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, bedeutet dies, dass es unterschiedliche Lerntypen gibt.

In Anlehnung an die Sinnesorgane, die beim Lernen beteiligt sind, spricht man deshalb von auditiven, visuellen, kommunikativen und motorischen Lerntypen.

vier Lerntypen in der SchuleFinden Sie heraus, welcher Lerntyp Sie sind. Dann können Sie Informationen in der Weise aufnehmen und im Gedächtnis verankern, die für Sie am Besten ist. Sie machen hierzu einfach unseren kostenlosen Test: Welcher Lerntyp bin ich? >>

(Anmerkung der Redaktion: Sie können den Lerntypentest von uns auch in Papierform (kostenpflichtige Printversion) - z. B. für den Unterricht oder ein Seminar - erhalten. Anfragen hierzu bitte an die Redaktion (Tel. 05845 988904 oder E-Mail an Tony Kühn tony.kuehn@philognosie.net).

Bei der Lerntypbestimmung geht es um Tendenzen. Zum effektiven Lernen ist eine möglichst große Beteiligung und Nutzung aller Sinne wichtig. Sie sollten beispielsweise darauf achten, wenn Sie auditiv schwach sind, Informationen nicht nur über die Ohren aufzunehmen. Denn Sie werden von den Informationen dann nur wenig behalten. Ergänzen Sie Ihre Informationsaufnahme durch andere Lernmethoden, die Ihnen eher liegen.

Hilfreich ist, wenn Sie sich den Lernstoff über möglichst viele Sinneskanäle einprägen und verarbeiten. Denn je mehr Wahrnehmungsfelder im Gehirn beteiligt sind, desto mehr gedankliche Verknüpfungen können zu dem Lernstoff hergestellt werden. Damit wiederum können Sie Ihre Aufmerksamkeit und Lernmotivation steigern und einen größeren Lernerfolg erzielen.

Lerntypen sind in der Regel immer Mischtypen. Es gibt Menschen die unter Zeitdruck gut lernen und Menschen, die aus eigenem Antrieb besser lernen. Manche mögen eine leichte Geräuschkulisse und andere brauchen absolute Bibliotheksstille. Ebenso gibt es viele Misch-Lerntypen, die am besten in einer Kombination verschiedener Situationen und Umgebungsvariablen lernen. Wahrscheinlich gibt es genauso viele Lerntypen wie Lernende.

Ein wichtiger Teil der Selbsterkenntnis ist, zu wissen, wie man selbst am leichtesten lernt bzw. zu welcher Art Lerntyp man gehört. Am zuverlässigsten finden Sie Ihre individuelle Lernmethode heraus, indem Sie sich selbst beobachten und erinnern, auf welche Art und Weise Sie bisher die größten Lernerfolge erzielt haben.

Wenn Sie die Lernerfolge von Kindern verbessern wollen, dann finden Sie heraus, welchen Lerntyp das Kind bevorzugt. Nehmen Sie sich einen Lerninhalt, den das Kind schwer versteht und malen dazu ein Bild (visuell), lesen den Lernstoff vor (auditiv), reden mit ihm darüber und lassen es sich erklären (kommunikativ) oder machen Sie ein Experiment dazu, verwenden Gesten, gehen dabei im Zimmer auf und ab (motorisch). Bei welcher Lernmethode hat das Kind den Stoff am schnellsten/leichtesten verstanden? Ergänzen Sie alle weiteren Lerninhalte durch die entsprechenden Lernmethoden.

Die vier Lerntypen: 1. Lernen durch Hören - Der auditive Lerntyp

Lerntypen, Lerntyp, der auditiv hören lernt Der auditive Lerntyp kann gehörte Informationen leicht aufnehmen, sie behalten und auch wiedergeben. Er kann mündlichen Erklärungen folgen und sie verarbeiten. Für ihn hören sich Erklärungen stimmig an, er kann sich einen Reim darauf machen, sie klingen zutreffend.

Um das physikalische Gesetz "Druck gleich Kraft durch Fläche" zu verstehen, reicht dem auditiven Lerntyp eine vorgetragene Erklärung dieser Form aus: "Übt man auf einen Gegenstand eine bestimmte Kraft in vertikaler Richtung nach unten aus, wird - wegen der relativ großen Berührungsfläche des Gegenstandes - der Druck auf die Platte, auf welcher sich der Gegenstand befindet, keinen bedeutenden Effekt haben. Verringern wir jedoch die Berührungsfläche des Gegenstandes bei gleichbleibender Kraft, wird der Druck die Platte durchbohren."

Der auditive Lerntyp lernt am besten, wenn er den Lernstoff hört (z. B. über Lernkassetten), indem er sich den Text selbst laut vorliest oder einem anderen dabei zuhört. Er kann sehr gut auswendig lernen, indem er den Text laut spricht und ihm liegen mündliche Aufgaben.

Auditive Lerntypen führen oft Selbstgespräche beim Lernen. Sagen Sie sich die Lerninhalte laut vor, erzählen Sie anderen davon, erfinden Sie ein Lied dazu und trällern es vor sich hin. Auditive Lerntypen fühlen sich durch Umgebungsgeräusche schnell gestört und mögen meist keine Musik im Hintergrund.

Lernhilfen: Lernkassetten, Gespräche, Vorträge, Musik, ruhige Umgebung (keine Nebengeräusche)

2. Lernen durch Sehen - Der visuelle Lerntyp

Lerntypen, Lerntyp, der visuell durch sehen lerntDer visuelle Lerntyp lernt am besten durch das Lesen von Informationen und das Beobachten von Handlungsabläufen. Es fällt ihm leichter, sich Inhalte zu merken, wenn er sich diese in Form von Grafiken oder Bildern veranschaulicht. Er findet Erklärungen einleuchtend, er hat den Durchblick, wenn er etwas verstanden hat, wenn nicht, muss er den Stoff noch mal näher betrachten.

Um das physikalische Gesetz "Druck gleich Kraft durch Fläche" schnell zu verstehen, helfen dem visuellen Lerntyp diese Bilder:

Lerntyp visuell

Lerntyp durch sehen besser lernen

Als Erklärung: Wir sehen einen Gegenstand, der mit einer bestimmten Kraft auf eine Ebene gedrückt wird ... Verkleinern wir die Berührungsfläche des Gegenstandes (bei gleichbleibender Kraft!), gibt die Ebene durch den entstandenen stärkeren Druck nach.

Der visuelle Lerntyp liest gerne, schaut Bilder, Illustrationen oder Grafiken an, um Sachverhalte zu verstehen. Er braucht eine schöne Lernumgebung und arbeitet gerne mit Tafelbildern und schriftlichen Unterlagen. Er schreibt mit und nimmt Informationen durch Sehen und zeigen lassen auf. Er erinnert sich besonders an das, was er selbst gelesen und gesehen hat. Malen Sie Mindmaps, Bilder, arbeiten Sie mit farbigen Stiften oder Markern. Nutzen Sie Flipcharts oder Papierwände, arbeiten Sie mit Videofilmen oder Fernsehbeiträgen zum Thema. Machen Sie sich im Geiste Bilder zum Lerninhalt, wenn er Ihnen vorgetragen wird.

Dieser Lerntyp lässt sich leicht durch visuelle Unordnung ablenken.

Lernhilfen: Bücher, Skizzen, Bilder, Lernposter, Videos, Lernkarteien

3. Lernen durch Gespräche - Der kommunikative Lerntyp

Lerntypentest - wie Lerntypen lernenDer kommunikative Lerntyp lernt am besten durch Diskussionen und Gespräche. Für ihn ist die sprachliche Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und das Verstehen im Dialog von großer Bedeutung. Er muss Erklärungen durchsprechen - sie mit anderen diskutieren. Hilfreich ist, in Gesprächen sowohl die Position des Fragenden als auch des Erklärenden einnehmen zu können.

Der kommunikative Lerntyp muss sich ein Thema von einem Mitschüler (oder Kollegen) erklären lassen und es ausführlich diskutieren, um es zu verstehen und zu behalten. Das physikalische Gesetz "Druck gleich Kraft durch Fläche" versteht er am besten im Gespräch mit anderen.

Der kommunikative Lerntyp braucht den Austausch und die Unterhaltung zum Lernen. Diskutieren Sie alle Informationen, widersprechen Sie, regen Sie andere zum Nachdenken und Sprechen über die Themen an, stellen Sie Fragen zum Thema. Nehmen Sie an Gruppengesprächen teil, spielen Sie Rollenspiele mit Mitlernenden. Erklären Sie anderen, was Sie gelernt haben und lassen Sie sich dazu Fragen stellen.

Lernhilfen: Dialoge, Diskussionen, Lerngruppen, Frage-Antwort-Spiele

4. Lernen durch Bewegung - Der motorische Lerntyp

Lerntypen: Lerntyp motorisch begreifen HandDer motorische Lerntyp lernt am besten, indem er Handlungsabläufe selber durchführt und auf diese Weise nachvollzieht. Für ihn ist wichtig, am Lernprozess unmittelbar beteiligt zu sein und durch das "learning by doing" eigenständige Erfahrungen zu sammeln. Erklärungen begreift er, sie fühlen sich richtig an. Themen erkundet er und erarbeitet sie sich.

Dieser Lerntyp lernt am leichtesten, wenn er selbst etwas ausführt, zum Beispiel durch Ausprobieren, Rollenspiele und Gruppenaktivitäten. Bauen Sie Dinge nach, lassen Sie Rechenaufgaben mit Material ausrechnen oder nachlegen, laufen Sie Entfernungen ab und messen Sie Distanzen aus. Motorische Lerntypen erinnern sich ausgezeichnet an Informationen, die sie durch Bewegung, Handeln und Fühlen aufgenommen haben.

Das physikalische Gesetz "Druck gleich Kraft durch Fläche" versteht dieser Lerntyp am schnellsten, wenn er ein Experiment dazu durchführt. Der motorische Lerntyp muss diesen Sachverhalt sozusagen am eigenen Leib nachvollziehen können.

Bewegen Sie sich beim Lernen - laufen Sie im Zimmer auf und ab, wiederholen Sie dabei den Lernstoff und ergänzen ihn durch Gesten und Mimik. Suchen Sie sich passenden Gegenstände zum Lernstoff, die Sie anfassen können. Machen Sie Experimente, wann immer es geht.

Lernhilfen: (rhythmische) Bewegungen, Nachmachen, Gruppenaktivitäten, Rollenspiele

Kritik und Anwendung der Lerntypen

Niemand lernt mit nur "einem Sinn". Menschen sind sinnliche Wesen und erleben die Welt immer über alle Sinne. Daher wäre es in der Lehrpraxis unangebracht, eine Schulklasse in verschiedene "Lerntypen" aufzuteilen und entsprechend zu unterrichten. Spezielle Lernbereiche wie "Schuhe binden" kann auch ein visueller Typ nur durch "selber machen", also motorisch lernen. Die genannten Lerntypen sind auch nur eine valide Perspektive. Es gibt noch viele andere Faktoren - wie Motivation, Interessen, die Persönlichkeit des Lernenden - die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Versuchen Sie, unabhängig davon, welche Lernmethoden Sie bevorzugen, möglichst viele Sinne in Ihren Lernprozess mit einzubeziehen. Denn: Je unterschiedlicher wir uns unseren Lernstoff aneignen, desto vielfältiger sind die Möglichkeiten des Erinnerns und Behaltens. Deshalb steigt die Erinnerungsquote deutlich an, je mehr Sinne am Lernprozess beteiligt sind:

  • Nur Hören 20%
  • Nur Sehen 30%
  • Sehen und Hören 50%
  • Sehen, Hören und Diskutieren 70%
  • Sehen, Hören, Diskutieren und selber Tun 90%

Damit bin ich mit meiner kleinen Ausarbeitung am Ende. Ich hoffe ich habe Sie neugierig gemacht, sich selbst die Frage stellen, welcher Lerntyp Sie sind.

11.02.2004 © Petra Sütterlin  
Lerntypen und Lernstrategien

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Kommentare

Korrekturvorschlag 1 Antwort herbert vogl
Naive Annahme 1 Antwort Piktor Hesse