Wandfarbe Vergleich: Billigfarbe oder hohe Deckkraft?

Wer die Qualität von Wandfarbe zum Zimmerstreichen vergleichen will, hat es schwer. Kann man viel Geld mit einer Billigfarbe sparen oder lohnt sich die teurere Alternative? Was macht die Qualität von Wandfarben aus und wie kann ich eine gute Farbe mit hoher Deckkraft erkennen? Hier erklären wir, was Sie wissen müssen und worauf Sie beim Kauf einer Wandfarbe achten sollten.

Video Vergleichstest: Billigfarbe oder gute Deckkraft?

In diesem Video erklären wir, was eine gute Wandfarbe ausmacht und warum Billigfarbe nicht selten teuer ist.

Wandfarbe Qualitätsvergleich: Billig oder hohe Deckkraft?

Zum Aktivieren des Videos müssen Sie auf den Start-Button klicken. Wir weisen darauf hin, dass beim Starten des Videos Daten an YouTube übermittelt werden.

Was macht weiße Wandfarbe teuer / billig?

Um die Qualität und den Preisunterschied zwischen den Wandfarben zu verstehen, sollte man zunächst wissen, woraus sie bestehen. Eine Dispersionsfarbe besteht normalerweise aus Wasser (Lösungsmittel), Bindemittel (Kleber), Pigment (Farbstoff), Füllstoff und Additiven.

Lösungsmittel und Bindemittel sorgen für die Haftung des Pigments am Untergrund und sind relativ günstig. Ebenso Additive, die nur in sehr geringen Mengen verwendet werden. Bei Füllstoffen sagt der Name alles – billige Zugaben, die das Volumen strecken – die Farbe billiger machen.

Wandfarbe Qualität Preisunterschied

Pigmente – die den Farbton ausmachen – sind im Vergleich recht teuer. Wer also eine billige Wandfarbe herstellen will, braucht also nur am Pigment zu sparen. Entweder reduziert man einfach die Menge oder die Qualität des Farbstoffes und schon hat man eine billige Wandfarbe.

Beispiel: Um eine hohe Deckkraft zu erreichen, braucht eine weiße Wandfarbe ca. 25 bis 30 Prozent Titandioxid (weißes Pigment). Wer nur 15 bis 20 Prozent Pigment verwendet, bekommt immer noch eine weiße Wandfarbe – allerdings mit mangelnder Deckkraft.

Deckkraft von Wandfarben: Was ist das?

Das Deckvermögen einer Wandfarbe bestimmt deren Eigenschaft, wie gut Farbunterschiede zum Untergrund abgedeckt werden können, d. h. ob die Untergrundfarbe nach dem Anstrich noch durchscheint oder nicht. Je höher der Hell-Dunkel-Kontrast, desto mehr Deckkraft wird benötigt, wenn man mit einem Anstrich den Untergrund völlig abdecken will.

Die Faustregel lautet: Je höher der Kontrast der Wandfarbe zum Untergrund ist, desto mehr Deckkraft braucht eine (weiße) Wandfarbe, um den Farbtonunterschied vollständig abzudecken.

Deckkraft Wandfarbe auf hohem Kontrast

Die Deckkraft wird im Labor geprüft, indem man eine Farbe mit definierter Schichtdicke auf eine Deckkraftkarte aufträgt, die schwarze und weiße Felder hat. Dann kann man messen, wie stark die Farbe bei weißen Feldern aufgehellt bzw. bei schwarzen Feldern abgedunkelt wird. Den Grad der Farbtonänderung wird in Prozent angegeben.

Daraus ergeben sich (nach der DIN-Norm EN13300 für den Innenbereich) vier Deckkraftklassen, die man beim Kauf auf den Farbeimern ablesen kann. Da dem Laien die Bedeutung dieser Deckkraftklassen wenig sagen, will ich sie im Folgenden aufzeigen und die Bedeutung in der Praxis erklären.

Achtung: Selbst die billigste Wandfarbe wirbt noch mit Aussagen wie „gute Deckkraft“ oder ähnlichen, was völlig irreführend ist. Das sind reine Fantasiebezeichnungen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Nur die Deckkraftklasse ist eine DIN-Norm, die aussagekräftig und überprüfbar ist!

Deckkraftklassen bei Wandfarben erklärt

Um die Bedeutung der Deckkraftklassen zu verstehen, sehen wir uns zuerst an, wie sie unterteilt sind:

  • Deckkraftklasse 1 – 99,5 % oder mehr Deckvermögen
  • Deckkraftklasse 2 – 98-99,5 % Deckvermögen
  • Deckkraftklasse 3 – 98-95 % Deckvermögen
  • Deckkraftklasse 4 – weniger als 95 % Deckvermögen

Wer auf eine hohe Deckkraft seiner Farbe wert legt, sollte immer die Deckkraftklasse 1 – also die beste Deckkraft – wählen. Damit hat man gewöhnlich schon nach einem Anstrich den richtigen Farbton an der Wand.

gute Deckkraft Deckkraftklasse 1

Ein Laie wird hier einwenden, dass der Unterschied nur wenige Prozent beträgt und kaum ins Gewicht fällt. Doch der Unterschied ist dramatisch, wenn man sich das Ergebnis an der Wand ansieht. Hier einige Erfahrungen aus der Praxis …

Wie oft muss ich streichen, bis die Farbe deckt?

Ob eine Farbe günstig ist oder nicht, zeigt sich im Aufwand und Materialverbrauch einer Farbe – also an der Frage, wie oft ich einen Untergrund überstreichen muss, bis ich eine deckende Farbschicht erhalte. Als Beispiel wähle ich hier eine weiße Wandfarbe.

Deckkraftklasse 1: Hier reicht gewöhnlich eine Schicht Farbe aus, um sämtliche Untergründe deckend mit der neuen Farbe zu überstreichen.

Deckkraftklasse 2: Eine Schicht reicht nur dann aus, wenn der Untergrund fast weiß ist. Ist er dunkler, muss man mindestens zwei Schichten streichen. So kann man in der Praxis meist mit der doppelten Menge an Farbe rechnen.

Deckkrafttest gute Deckkraft Wandfarbe

Deckkraftklasse 3: Je nach Helligkeit des Untergrunds braucht es zwei bis drei Anstriche – also etwa die dreifache Menge – bis die Farbe deckt.

Deckkraftklasse 4: Hier kann man – je nach Kontrast – bis zu vier Anstriche benötigen, bis man den Farbton wirklich deckend sieht. Solche Farben sind eigentlich nur noch dann geeignet, wenn bereits derselbe Farbton am Untergrund vorhanden ist, der nur noch etwas „aufgefrischt“ werden soll.

Wann lohnt sich teuere / billige Wandfarbe?

Als Referenz wähle ich hier wieder weiße Wandfarbe, die deckend auf der Wand aufgetragen werden soll.

Teuere Wandfarbe mit hoher Deckkraftklasse 1 lohnt sich immer dann, wenn mit einem Arbeitsgang – egal bei welchem Untergrund – die Farbe deckend sein soll. Da nur ein Arbeitsgang erforderlich ist, spart man damit viel Zeit.

Bei der Deckkraftklasse 2 rechne ich fast immer mit zwei Anstrichen für eine gute Deckkraft. Man verbraucht also doppelt so viel Material und Zeit, bis die Arbeit fertig ist. Einzige Ausnahme ist, wenn der Untergrund schon den gleichen Farbton hat – also nur aufgefrischt werden soll – dann kann eine Schicht reichen. Nicht selten muss man mit zwei Tagen Arbeit für dasselbe Ergebnis rechnen, da die Farbe erst trocknen muss, bevor die zweite Schicht aufgetragen werden kann.

Ungenauigkeiten – d. h. wie gleichmäßig man die Farbe gestrichen hat – sind sichtbar. Nach dem ersten Trocknen sieht man also noch deutlich durchscheinende Stellen des Untergrunds, was sehr unschön aussieht. So bekommt man meist erst nach dem zweiten Anstrich einen halbwegs gleichmäßigen Farbton zu sehen.

Wandfarbe platzt ab

Wohnt man in einem Altbau, bei dem mehrere alte Farbschichten überstrichen werden müssen, kommt es oft zum Abplatzen der alten Farbe. Sprich – die alte Farbe löst sich beim Überstreichen von Untergrund – verliert die Haftung – und bröckelt von der Wand ab.

Solche Stellen müssen dann entfernt und vorsichtig neu überstrichen werden, um den Abplatzer zu kaschieren. Dazu kommt – je öfter ich überstreiche, desto mehr alte Farbe blättert ab. In solchen „Problemfällen“ kann sich der Arbeitsaufwand also leicht verdreifachen!

Sie sparen also ihr Geld am Ende nur, wenn vorher bereits dieselbe Farbe überstrichen werden soll. Muss mehrmals gestrichen werden, verdoppelt oder verdreifacht sich auch der Preis (und die Arbeitszeit), die Sie für eine hohe Deckkraft ausgeben müssen. In vielen Fällen ist damit die teure Farbe am Ende „billiger“.

Die Deckkraftklassen 3 und 4 kommen für mich in der Praxis – aufgrund der minderwertigen Qualität – eigentlich nicht mehr in Betracht. Denn die Probleme, die ich oben für die Deckkraftklasse 2 beschrieben habe, werden nur multipliziert und die Arbeitszeit mehr als verdreifacht.

Qualitätskriterium Ergiebigkeit

Neben der Deckkraftklasse ist auch die Ergiebigkeit einer Wandfarbe ein Qualitätskriterium für den Käufer. Die Ergiebigkeit gibt für eine bestimmte Farbmenge an, wie viel Quadratmeter bei einem einmaligen Anstrich (deckend) gestrichen werden können.

Wandfarbe Ergiebigkeit

Sie finden diese Angabe auf den Farbkübeln in der Form „10 Liter für ca. 55 qm“ oder „85 m² / 10 Liter“. Als Faustregel gilt hierfür: Je mehr Quadratmeter sie mit demselben Volumen deckend streichen können, desto höher ist Ergiebigkeit und damit die Deckkraft / Qualität.

Damit kann man gut Anbieter innerhalb einer Deckkraftklasse vergleichen. Je mehr Quadratmeter ich mehr bei einer Farbe streichen kann, desto weniger Farbe brauche ich – spare also am Ende Zeit und Geld mit einer höheren Ergiebigkeit.

Sonderfall: Abgetönte Wandfarben

Viele wollen gar kein reines Weiß an den Wänden, sondern eine farbige Wand. Hierzu gibt es Farbtabellen, bei denen eine weiße Wandfarbe als Basis dient und dann zusätzliche Abtönfarben beigemischt werden, bis der gewünschte Farbton erreicht ist.

Abtönfarben Deckkraft

In Abtönfarben sind die Pigmente hoch konzentriert. Je dunkler oder kräftiger ein Farbton werden soll, desto mehr muss das „weiß“ der Grundfarbe überdeckt werden. In diesen Fall kann ein billiges Weiß mit wenig Deckkraft von Vorteil sein. Denn die Abtönfarbe liefert das zusätzliche Pigment für eine gute Deckkraft bzw. je weniger Weiß gefärbt werden muss, desto weniger Abtönfarbe benötige ich für einen dunkleren Farbton.

Weiße Wandfarbe mit hoher Deckkraft rentiert sich hier also nur, wenn sehr helle (z. B. pastelle) Farbtöne gewünscht sind. Die Deckkraft wird dabei schon von der Basisfarbe geliefert und es wird nur wenig Abtönfarbe nötig sein, um das Weiß leicht einzufärben.

Damit kennen Sie nun die wichtigsten Kriterien, die zur Beurteilung der Qualität einer Wandfarbe wichtig sind. Je nach Anwendungsbereich können Sie damit auch die „günstigste“ Variante wählen, bei der Sie wirklich Zeit und Geld sparen.

Viel Erfolg beim Zimmerstreichen!

Tony Kühn

Teilen

Einen Kommentar schreiben

Die Angabe des Namens ist optional.
Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung, Verarbeitung und Veröffentlichung der angegebenen Daten durch diese Website einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.