Wand spachteln: Löcher mit Gips selber verspachteln

Löcher in der Wand zu spachteln ist ein wichtiger Arbeitsschritt bei jeder Renovierung. Solche Löcher mit Gips selber zu verspachteln ist ganz einfach, wenn man die grundlegenden Tricks kennt. In dieser Anleitung zeigen wir, worauf man achten muss und wie man dabei vorgeht.

Einführung: Spachteln mit Gips

Wer Löcher in der Wand verspachteln will, hat grundsätzlich eine große Auswahl an Spachtelmassen zur Verfügung. Wir haben uns hier für den Einsatz von Gips entschieden, da er nahezu universell verwendbar und auch für Laien leicht zu verarbeiten ist.

Wand spachteln mit Gips

Gips ist zudem in Innenräumen für nahezu jeden Untergrund geeignet. Da er ungiftig ist, kann man die Abfälle einfach über den Hausmüll entsorgen. Wichtig ist im Grunde nur, sich eine langsam trocknende Gipsart (also nicht die schnell härtende Variante) zu besorgen. Genaueres besprechen wir in der Materialliste.

Ein Special unserer Methode ist, dass man sich das nachträgliche Schleifen von Kanten mit einem Trick sparen kann und trotzdem alle Unebenheiten glatt bekommt. Damit sollten auch Anfänger beim Renovieren ihrer Wände einfach, schnell und sauber arbeiten können.

Special: Wer seine Spachtelmasse für Innenräume selber in einer bestimmten Farbe herstellen will, findet bei uns ebenfalls eine einfache Anleitung.

Video Anleitung: Löcher mit Gips verspachteln

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Wand zum Verspachteln vorbereiten

Bevor wir mit dem Spachteln anfangen, müssen wir ein paar Vorarbeiten machen. Grundsätzlich sollte man wissen, dass man Löcher und Risse am besten auf der rohen Wand bearbeitet. Denn Tapeten und Tapetenreste lösen sich mit Nässe von der Wand, d. h. die Spachtelmasse würde darauf nur schlecht haften.

Da man beim Arbeiten immer etwas kleckert, legen Sie den Raum vorab mit einer Abdeckplane aus und schützen Sie die Türen, Türstöcke, Fenster, Möbel etc. ebenfalls mit der Folie. Lichtschalter und Steckdosen sollte man ebenfalls abkleben oder abschrauben.

Wand verspachteln Vorbereitung Raum mit Folie abkleben

Der zweite Schritt ist alle Tapeten und Tapetenreste von der Wand zu entfernen. Geben Sie hierzu warmes Wasser mit etwas Spülmittel in einen Eimer und streichen Sie die Tapeten vollständig mit Wasser ein. Nach ca. 10 Minuten Einwirkzeit hat sich der Kleister unter der Tapete angelöst und man kann sie so sehr leicht von der Wand lösen.

Wand spachteln Vorbereitung Tapete entfernen

In diesem Zuge ziehen Sie auch alte Dübel und Nägel mit einer Spitz- oder Kneifzange aus der Wand. Am Ende saugen Sie noch den Staub und die Spinnweben mit dem Staubsauger ab, womit man sie gleich noch für späteres Grundieren, Tapezieren oder Streichen vorbereitet hat.

Werkzeug und Materialliste zum Verspachteln

Damit Sie zum Verspachteln der Wand alles zur Hand haben, kann die folgende Liste zur Kontrolle hilfreich sein.

Arbeitswerkzeug – Spachtel-Set

Wir empfehlen zum Spachtel von Wänden ein kleines Set an Spachteln (mit unterschiedlichen Breiten) zur Verfügung zu haben. Grundsätzlich eignen sich sowohl Plastik- als auch Metallspachteln als Werkzeug – hier kann der Geldbeutel entscheiden. Wir präferieren Spachteln aus Metall, da sie auch stabil genug sind Tapeten oder Unebenheiten im Putz abzukratzen.

Werkzeug verschiedene Spachteln

Tipps zum Einkauf von Gips

Im Baumarkt bekommt man fertige Gipsmischungen für Innenräume angeboten, die nur noch mit Wasser angesetzt werden müssen, was die Arbeit sehr erleichtert. Lesen Sie dabei unbedingt die Anleitung zur Verarbeitung vom Hersteller, da dort auch immer die Zeit angegeben ist, wie Lange man die fertig angerührte Spachtelmasse verarbeiten kann.

Wir empfehlen dringend langsam trocknenden Gips (Pulver) zu besorgen, der ca. 40 bis 50 Minuten streichfähig bleibt. Es gibt auch schnell trocknende Varianten, die bereits nach 5 bis 10 Minuten härten, die man aber oft gar nicht so schnell verarbeiten kann, wie er in der Schale trocknet.

Gips langsam trocknend Pulver

Gips als Pulver hat den Vorteil, dass man nur exakt die Menge ansetzt, die man auch verbraucht. Reste bewahren Sie einfach auf – sie können noch Jahre später weiter verwenden werden. Wer sich das Anrühren sparen will, kann auch fertigen Fugenspachtel kaufen. Er ist aber leider teurer und wer sich in der Menge verschätzt, muss am Ende oft viel wegwerfen.

Gipsbecher aus Gummi

Um den Gipsspachtel anzusetzen und zu verarbeiten braucht es einen Behälter. Grundsätzlich kann man hier jede Art von Schale verwenden. Wir empfehlen hier jedoch einen Gipsbecher aus Gummi, da er die optimale Größe hat, einfach zu reinigen ist und ewig hält.

Werkzeug Gummibecher

Sonstiges Werkzeug zum Spachteln

Falls Sie unsere Methode zum Spachteln ausprobieren wollen, brauchen Sie noch

  • einen kleinen Wasserkübel
  • einen breiten Streichpinsel
  • Lampen / Baustrahler
  • Arbeitshandschuhe
  • Spitzzange oder Kneifzange

Spachtelmasse Konsistenz: Gips richtig anrühren

Wenn Sie Gips als Pulver kaufen, müssen Sie das Pulver meist mit Wasser selber ansetzen. Hierzu machen Sie den Gipsbecher aus Gummi ca. halbvoll mit Pulver und geben dann schrittweise – unter rühren – kleine Mengen Wasser hinzu.

Rühren Sie das Wasser immer vollständig ein, damit Sie die Konsistenz der Spachtelmasse genau sehen können. Wichtig ist, das die Gipsspachtelmasse am Ende stockig bleibt – sprich nicht so zu stark verdünnt wird, dass sie zu fließen beginnt.

Gips zum Spachteln anrühren Konsistenz

Ein Test ist mit der Spachtel in den Gips zu fahren – Vertiefungen sollten dabei stockig stehen bleiben (siehe Abbildung). Ist die Masse zu flüssig, bleibt sie in Löchern oder größeren Mulden nicht stehen, sondern fließt die Wand herunter.

Anleitung: Löcher in der Wand spachteln

Wand / Löcher vorab wässern

Verputze bzw. rohe Wände sind sehr saugfähig. d. h. sie saugen Wasser / Feuchtigkeit schnell auf. Gibt man den Gips auf eine trockene Wand, kann es sein, dass die Wand an der Trennschicht das Wasser schneller aufnimmt, als der Gips trocknen kann. So entstehen Hohlräume bzw. eine Enthaftung der Spachtelmasse. Der Gips fällt dann nach dem Trocknen einfach ab oder ist sehr lose.

Löcher in der Wand vorab wässern

Daher sollte man die zu spachtelnden Stellen vorab immer mit einem Pinsel und etwas Wasser nass machen. So kann sich der Gips optimal mit der Wand verbinden und bleibt auch in tiefen Löcher gut haften.

Trick: Feine Riefen und Dellen erkennen

Wer feiner Löcher, Ritzen und Kanten besser erkennen will, stellt eine Lampe abends so vor die Wand, da sie seitlich angeleuchtet wird. Das schräg einfallende Licht macht selbst kleinste Unebenheiten gut erkennbar. Daher spachteln wir gerne in der Dämmerung oder im Dunkeln, wo man das Licht selbst kontrollieren kann und so jede Unebenheit leicht erkennbar wird.

Löcher verspachteln

Je nach Lochgröße kann man kleinere oder größere Spachteln verwenden. Zuerst füllt man das Loch auf und verstreicht den Gips dann möglichst gleichmäßig auf der Wand.

Löcher in der Wand verspachteln

Bei größeren Löchern ist das erste Glattstreichen mit einer großen Spachtel am einfachsten. Kleinere Kanten kann man einfach lassen, da man sie mit dem folgenden Trick sauber glätten kann.

Kanten und Riefen nass glätten statt schleifen

Verarbeiten Sie immer nur einen Becher Gips auf einmal. Dann haben Sie anschließend genügend Zeit, Kanten und Übergänge zur Wand einfach mit einem Pinsel und etwas Wasser sauber glattzustreichen. So lassen sich Kanten und Übergänge ganz einfach glätten. Da langsam trocknender Gips bis zu 40 Minuten nachgearbeitet werden kann, hat man so auch als Anfänger genügend Zeit.

Kanten glätten abschleifen

Alternativ lassen einige den Gips auch durchtrocknen und schleifen die Kanten und Übergänge anschließend mit grobem Schleifpapier nach. Das funktioniert zwar ebenfalls gut, erzeugt jedoch unnötig Staub – d. h. das Zimmer staubt unnötig ein bzw. man braucht eine Maske, da der Feinstaub überall herumfliegt.

Abschluss: Wann ist das Finish fertig?

Wer schon mal einen Altbau renoviert hat, kennt die Buckelpisten, an denen man ewig herum spachteln kann. Zudem schärft sich beim Spachteln der Blick für jede Unebenheit, sodass man am Ende überall Ritzen und Löcher sieht. Hier stellt sich die Frage, wann man mit dem Spachteln fertig ist.

Wand fertig verspachtelt

Unser Tipp: Hören Sie auf – schlafen Sie eine Nacht darüber und sehen Sie sich die Wand am nächsten Tag bei natürlichem Tageslicht (Zwielicht) und etwas Abstand nochmals an. Wenn sie dann keine wirklich auffälligen Löcher mehr erkennen, hören Sie auf.

Bedenken Sie auch, dass bei den folgenden Nacharbeiten – wie dem Tapezieren mit einer Raufasertapete oder den Streichen mit Wandfarbe – viele kleinere Unebenheiten entweder verdeckt oder über die einheitliche Farbe vom Auge nicht mehr erkannt werden.

Falls die Wand anschließend gestrichen werden soll, kann man auffälligen Stellen auch später nochmals mit Gips nachspachteln.

Viel Erfolg beim Verspachteln Ihrer Wände!

Wacki Bauer

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