Raufasertapete selber tapezieren – Anleitung

Rohe Wände lassen sich durch das Tapezieren von Raufasertapeten leicht verschönern. In dieser Anleitung zeigen wir, wie man das Tapezieren auch als Anfänger mit einer Raufasertapete ganz einfach machen kann.

Was muss ich zum Tapezieren vorbereiten?

Alte Tapete entfernen

Damit die neue Tapete gut haftet, ist es in den meisten Fällen notwendig, die alte Tapete von der Wand zu entfernen. Hierzu gibt es im Fachhandel einen sogenannten „Tapetenlöser“ oder man verwendet einfach lauwarmes Wasser mit etwas Spülmittel. Damit wird die alte Tapete eingeweicht, um den darunter liegenden Kleister wieder anzulösen.

Nach ca. 10 Minuten ist die alte Tapete dann so lose, dass man sie mit der Hand plus einem Spachtel abziehen kann.

Löcher in der Wand verspachteln

Ist die Wand nur mit Farbe gestrichen, so muss man nur einige kleine Löcher in der Wand verspachteln und kann direkt auf den bestehenden Untergrund die Tapete aufbringen.

Als Spachtelmasse kann man Gips für Innenräume nehmen, da es sich sehr gut verarbeiten lässt. Damit lassen sich Bohrlöcher oder andere Unebenheiten mit einer Spachtel gut ausgleichen.

Rohe Wand grundieren

Ist die Wand frisch verputzt, so empfiehlt es sich, sie einmal mit einer farblosen Grundierung oder Wandfarbe vorzustreichen. Mit dieser Methode bekommen Sie eine gute Trennschicht. Tapeten lassen sich so später einfacher wieder ablösen – falls Sie in ein paar Jahren neu tapezieren wollen.

Rohe Wand mit farbloser Grundierung streichen

Außerdem hat ein vorgestrichener Untergrund – gerade bei sehr stark saugenden Wänden – den Vorteil, dass der Tapetenleim nicht zu schnell trocken wird und so keine losen Stellen unter der Tapete entstehen, an denen sie nicht (oder nur noch schlecht) haftet.

Wände absaugen

Ebenso sollten Dreck und Staub von den Wänden entfernt werden. Hier reicht es die Wand (Decke) mit einem sauberen Besen sorgfältig abzubürsten oder mit einem Staubsauger abzusaugen.

Wandfläche berechnen

Nehmen Sie sich als Nächstes ein Maßband und rechnen Sie aus, wie viel Quadratmeter tapeziert werden müssen. Auf Raufasertapeten-Packungen wird meist angegeben, für wie viele Quadratmeter eine Rolle reicht. Da Raufaser nicht teuer ist, rate ich Ihnen lieber eine Rolle zu viel als zu wenig zu kaufen.

Machen Sie einen Notizzettel (Materialliste), die Sie später zum Einkaufen mitnehmen können. Notieren Sie die Quadratmeterzahl auf Ihrer Einkaufsliste (siehe auch „Materialliste zum Einkaufen“). Die Quadratmeter sind für die Menge der Tapetenrollen und die Anzahl der Tapetenkleisterpackungen wichtig.

Es wäre gut, wenn Sie den Raum zum Tapezieren ausräumen bzw. einen Raum in der Nähe haben, in dem Sie die Tapeten (auf einem Tapeziertisch) vorkleistern können.

In der folgenden Materialliste habe ich beispielhaft aufgeführt, was Sie zum Tapezieren alles benötigen …

Materialliste zum Einkaufen

  • Tapetenlöser
  • Spachtelmasse (z.B. Gips für Innenräume)
  • Spachtel (Malerspachtel)
  • (Gummi-) Gefäß zum Anrühren der Spachtelmasse
  • Weiße Wandfarbe (?)
  • Raufasertapete für x Quadratmeter
  • Tapetenkleister für x Quadratmeter
  • Tapeziertisch
  • Büste
  • Gummihandroller
  • Kantenroller
  • Quast (oder Waschl)
  • Schere (oder Tapeziermesser)
  • Bleistift (HB)
  • Maßband oder Zollstock

Wie tapeziere ich selbst Raufasertapeten?

Tapetenbahnen zurechtschneiden

Stellen Sie den Tapeziertisch auf und schneiden Sie die Tapeten von der Rolle auf die gewünschte Höhe zurecht. Hier gebe ich meist ca. 10 cm Höhe dazu, denn kürzen kann (bzw. muss) man die Tapete immer. Am Ende sollte genug Tapete zugeschnitten sein, dass sie für alle Wände reicht. Die Tapete selbst wird mit der Rückseite auf den Tapeziertisch gelegt.

Kleister ansetzen

Setzen Sie den Tapezierkleister an – auch hier lieber etwas zu viel als zu wenig. Beachten Sie, dass die meisten Kleister erst etwas „ziehen“ müssen, bevor man sie verwenden kann. Beachten Sie auch das Gewicht der Tapete (das Mischverhältnis mit Wasser wird auf jeder Tapetenkleisterpackung angegeben sein), damit der Kleister die richtige Konsistenz hat.

Tapeten einkleistern

Ist der Kleister fertig durchgezogen, kann man ihn mit dem Quast (Waschl) richtig dick und gleichmäßig auf die oberste Tapetenbahn auftragen. Tragen Sie den Kleister möglichst satt auf und achten Sie besonders darauf auch die Kanten und Ecken zu erwischen!

Mein Tipp: Stellen Sie den Tapeziertisch vor einem Fenster auf, dann sehen Sie (anhand der Spiegelungen des Kleisters) sehr genau, an welchen Stellen wie viel Kleister auf die Tapete aufgetragen wurde.

Nach dem Einkleistern nehmen Sie ein oberes Ende der Tapete und falten es in Richtung Mitte (Kleister auf Kleister) zusammen. Dasselbe tun Sie mit dem unteren Teil der Tapete und hängen die Bahn dann zum Einweichen etwa 5 Minuten auf.

So kann die Tapete den Kleister gut annehmen. Bereiten Sie ca. 4 bis 6 Bahnen (je nach Arbeitsgeschwindigkeit) auf diese Weise vor.

Raufasertapete tapezieren / anbringen

Nach 5 Minuten nehmen Sie die erste Tapetenbahn und öffnen den oberen Teil der umgeklappten Seite. Fangen Sie mit der ersten Bahn in einer Ecke des Raumes an und platzieren Sie die Tapete bündig mit der Decke und der Raumecke.

Nehmen Sie sich Zeit die Tapete oben anzudrücken – und sobald alles fertig platziert ist, bürsten Sie die Tapete von innen nach außen mit der Büste an die Wand.

Raufasertapete selber tapezieren glatt bürsten

Dann klappen Sie den unteren Teil der Tapete wieder aus – legen die Kante sauber an – und bürsten dann auch diese an die Wand. Damit die Tapete optimal haftet, können Sie anschließend mit einer Gummirolle drüber rollern und sie so überall fest an die Wand drücken. Dies ist für die spätere Haftkraft sehr wichtig.

Wenn Sie die Tapete bis unten an die Fußleiste angebürstet haben, nehmen Sie einen Bleistift und zeichnen Sie genau die Kante der Fußleiste auf die Tapete (mit leichtem Druck, damit die gezeichnete Kante genau dem Abschluss der Tapete entspricht).

Dann können Sie die Tapete nochmals leicht von der Wand abziehen und mit der Schere oder dem Tapeziermesser am Bleistiftstrich entlang schneiden. Genauso verfahren Sie – falls nötig – mit dem Tapetenabschluss an der Decke. So bekommen Sie einen perfekten Abschluss zur Zierleiste am Boden.

Raufasertapeten auf Stoß kleben

Raufasertapeten klebt man auf „Stoß“ zusammen, d. h. man klebt die Tapetenbahnen ohne Spalten oder Ritzen nebeneinander. Versuchen Sie möglichst „millimetergenau“ die Kanten aneinander zu setzen.

Hier empfiehlt es sich wirklich sehr sauber zu kleben, denn sowohl Spalten – als auch Überlappungen – wird man auch nach dem Überstreichen der Tapete deutlich sehen können. Ich lege die Tapete (oben leicht überlappend an die Decke) und füge dann den Stoß langsam von oben nach unten genau an die letzte Bahn an.

Raufasertapete auf Stoß kleben tapezieren

Mit dem Kantenroller fährt man den Stoß ab, d. h. man drückt ihn so kräftig an, dass alle vorhandenen Lichtkanten verschwinden – der Stoß am Ende möglichst eben ist.

Wenn oben oder unten etwas Tapete übersteht, macht das gar nichts. Wie vorher beschrieben, können Sie diese überstehenden Kanten mit einem Bleistift anzeichnen und anschließend mit einem Teppichmesser oder einer Schere abschneiden.

Raufasertapete schneiden

Mein Tipp: Tapezieren Sie zuerst die großen Flächen und am Ende die Fenster, dann haben Sie schon etwas Gefühl für das Material und die Verarbeitung. Hier muss man oft kleinere Bahnen extra zuschneiden und anpassen etc., was viel Feingefühl braucht.

Falten in der Tapete

Wenn Sie einen Faltenwurf beim Trocknen sehen, ist das meist ein Zeichen dafür, dass zu wenig Kleister verwendet wurde (oder Kleister zu dünn angesetzt wurde etc.) und die Tapete an einigen Stellen nicht sauber an der Wand haftet.

Wenn Sie so etwas sehen, nehmen Sie die Tapete wieder ab und tapezieren Sie neu. Die Tapete wird sich beim Trocknen zwar wieder etwas an die Wand ziehen, aber bei jedem erneuten Feuchtwerden (z.B. beim Überstreichen) wieder Falten werfen.

Seien Sie dann beim nächsten Einstreichen der Tapete mit Kleister nicht geizig bzw. streichen Sie sogar stark saugende Untergründe etwas mit Tapetenleim vor, damit überall genug Leim zur Haftung an die Tapete kommt.

Raufaser trocknen lassen vor dem Streichen

Bei einer Raumtemperatur von ca. 20 °C und guter Durchlüftung braucht die Tapete etwa 24 Stunden bis alles gut durchgetrocknet ist. Da die Raufasertapeten nach dem Tapezieren nicht wirklich schön aussehen, empfiehlt es sich, die Wände anschließend noch mit einer schönen Wandfarbe zu streichen.

Viel Spaß mit Ihrer neuen Tapete!

Tony Kühn

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