Goldene Regeln für eine tiefe Meditation

Wer Meditation erlernt, wird bemerken, dass sie unser gesamtes Leben und unsere Gewohnheiten widerspiegelt. Um tiefer in die Meditation einzusteigen, ist es förderlich, bestimmte Verhaltensweisen – hier goldene Regeln genannt – zu beachten. Sie verbessern nicht nur Ihre Meditation, sondern auch Ihre Lebensqualität.

Meditation – eine Reise ins eigene Selbst

Heutzutage gibt es viele Menschen, die irgendeine Art von Meditation aus unterschiedlichen Gründen praktizieren. Atemübungen helfen dabei eigenen Emotionen auszugleichen, verschiedene Asanas (Körperstellungen) den Körper zu entspannen und Mudras (Handhaltungen) bzw. Mantras (Lenkung der geistigen Aufmerksamkeit) sich besser zu konzentrieren.

Wer regelmäßig solche Techniken anwendet, wird bemerken, dass sie etwas in uns verändern. Wir werden gelassener, entspannter und konzentrierter, was uns bei einem positiven Erleben von uns selbst und der Welt hilfreich ist. Wir können uns mit einzelnen, positiven Wirkungen zufriedengeben oder weiter gehen, und uns fragen, was wir mit der Meditation sonst noch alles erreichen können.

Anleitung goldene Regeln Meditation

Heutzutage werden oft nur noch einzelne Techniken gelehrt, wobei der ursprüngliche Zweck – sie als Reise ins eigene Selbst zu nutzen – verloren gegangen ist. Viele traditionelle Schulen würden Effekte wie Konzentration, Entspannung, Harmonisierung nur als Nebeneffekte einer tiefen Meditation sehen.

Viel wesentlicher ist, dass wir dabei lernen können, vom Passagier zum Piloten unseres Selbst zu werden. Wir lernen die Fähigkeit uns selbst – und damit die Welt – zu ändern. Wir können uns von Fremdbestimmung lösen und uns so zu einer selbstbestimmten Person entwickeln. Und damit werden wir diejenigen, die über unser Verhalten und unseren Charakter entscheiden.

Denn letztlich finden wir auch in der Meditation immer nur uns selbst. Die Phänomene der Meditation sind ein Spiegel unserer Gefühle, unserer Gewohnheiten, Werte, Stärken und Schwächen. Doch müssen wir nicht die Opfer alter Prägungen bleiben, sondern können selbst zum Programmierer werden, der neue Verhaltensweisen erschafft.

Unter dieser Perspektive ist Meditation keine einzelne „Technik“, sondern ein ganzheitliches Werkzeug, die eigene Persönlichkeit kennen und formen zu lernen. Denn nur wer sich selbst kennt, findet auch seinen Platz in der Welt. Wenn ich im Weiteren von „tiefer Meditation“ spreche, verwende ich diesen Background als Leitfaden für meine Empfehlungen.

Solche Erfahrungen sind nicht nur Gurus vorbehalten, sondern jeder kann daran teilhaben, sofern er bereit ist, das Meditieren zu lernen. Die Reise ins eigene Selbst ist kein Wettbewerb, sondern eine persönliche Erfahrung, die jeder zu jeder Zeit beginnen kann.

Welche „Goldene Regeln“ mir beim Vertiefen der Meditation gute Dienste geleistet haben, will ich im Folgenden beschreiben. Sie sollen Anregungen sein, das eigene Leben und Verhalten zu reflektieren und zu überdenken, wie man das eigene Leben positiv verändern kann.

Goldene Regeln zum Vertiefen der Meditation

1. Eigene Gewohnheiten reflektieren

Hermes Trismegistos formulierte einmal die Idee „Wie innen – so außen“. Das ist eine Reflexionsmethode, mit deren Hilfe man Äußeres als Spiegel des eigenen Innern betrachtet und überdenkt. Die meisten Menschen haben eher die Einstellung, dass ihr Äußeres, ihre Wohnung oder ihr Verhalten nichts oder wenig mit ihrem Inneren, ihrer Persönlichkeit (Geist / Denken) zu tun hat.

Bei dieser Reflexionsmethode geht man davon aus, dass alles Äußere eine Abbildung unseres inneren Zustandes ist. So wird eine unordentliche Wohnung ein Spiegel für das Chaos in unserem Kopf – ein ungepflegtes Erscheinungsbild unseres Körpers ein Spiegelbild unseres Selbstwertgefühls.

Goldene Regel Meditation Selbstreflektion

Bringen wir beispielsweise das Chaos in unserer Wohnung wieder in Ordnung, sorgen wir damit für einen klaren Geist, da uns die Unordnung nicht mehr ablenkt. Wenn wir den Abwasch erledigen, „reinigen“ wir uns auch innerlich, z. B. von störenden Gedanken. Wenn wir unseren Körper pflegen und uns „schön machen“, zeigen wir uns selbst, wie wertvoll wir sind.

Experimentieren Sie mit dieser Einstellung einige Monate und betrachten Sie alles Äußere – so klein und selbstverständlich es auch sein mag – als Ausdruck Ihres Inneren. Dadurch werden Sie viele gute Anregungen zu positiven Verhaltensänderungen entdecken.

2. Lernen Sie Ihre Sinne zu beherrschen

Da wir Menschen immer mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen, ist es ratsam sie auch für die Meditation zu schulen. Wer immer nur den auditiven Sinn schult – beispielsweise nur das Mantram rezitiert – wird sich leichter von anderen Sinnen ablenken lassen, als jemand, der alle Sinne kontrollieren kann.

Hier einige Beispiele, wie sich durch die Meditation auch andere Sinne schulen lassen:

  • Atemmeditationen schulen die Kinästhetik.
  • Mantram-Meditationen schulen uns auditiv.
  • Imaginationen schulen uns visuell.
  • „Geruchsmeditationen“ (z. B. mit verschiedenen Räucherungen) schulen uns olfaktorisch.

Wir lernen dabei nicht nur unsere Sinne besser kennen und beherrschen, sondern verfeinern sie. Auch Phänomene in der Meditation können mit der Zeit intensiver, mit immer mehr Sinnen wahrgenommen werden.

3. Willen stärken – Begeisterung entwickeln

Träge Menschen haben oft das Problem, in der Meditation müde zu werden, zu stark abzusinken oder kein richtiges Interesse aufzubringen. Desinteresse an sich selbst, anderen Menschen oder Dingen gegenüber sind kein Naturgesetz, sondern das Resultat der eigenen Einstellung gegenüber der Welt. Meist hängt so ein Rückzug mit „schlechten Erfahrungen“ zusammen, die uns Begründungen liefern, warum wir an XY nicht mehr teilhaben wollen. Das Problem ist, dass sie uns solche Glaubenssätze nur Erfahrungen versagen, statt uns neue Wege zu eröffnen.

Um uns etwas Neuen gegenüber zu öffnen, brauchen wir die Fähigkeit, wieder ein echtes Interesse zu entwickeln – uns für einen Menschen oder Sache zu begeistern. Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und Lustlosigkeit sind nur die Begleiter fehlender Begeisterung. Sie verschwinden – so wie sie gekommen sind – wenn wir es wieder zulassen, einem echten Interesse zu folgen.

Wer seine Freude wiederfinden will, muss etwas Freudiges tun. Dabei ist es egal, wie groß oder klein die einzelne Sache ist – sobald wir es tun, lösen sich die dunklen Wolken auf. Tun Sie jeden Tag für sich selbst, ihren Freunden oder der Welt etwas Gutes – egal, wie klein die einzelne Sache sein mag. Freude ist eines der wenigen Gefühle, die sich vermehren, sobald wir sie zulassen. Freude ist die Energie – oder der Brennstoff – für Begeisterung. Und Begeisterung ist die Energie, die Trägheit vertreibt.

4. Lernen locker zu lassen, sich zu entspannen

Viele gestresste, nervöse oder cholerische Menschen haben das Problem ständig angespannt zu sein. Diese Anspannung wirkt sich nicht nur auf den Geist, sondern durch Muskelverspannungen auch auf den Körper aus.

Entspannung goldene Regeln vollkomenne Meditation

Das wird dem Körper zur Gewohnheit und er kann in Folge nicht mehr locker gelassen werden, was genauso für die Psyche gilt. Hier empfiehlt es sich, mit Entspannungstechniken für den Körper (z. B. Yoga, Tai-Chi, Stretching, Qi Gong etc.) zu beginnen. Wer seine Verspannungen im Körper löst, dem fällt es auch leichter „geistig“ loszulassen.

Neben den körperlichen gibt es auch „geistige“ Entspannungsübungen, wie Autogenes Training, Progressive Relaxation, Entspannungsmeditationen etc., die helfen, eine innere Anspannnung zu lösen und Körper und Geist zu harmonisieren.

5. Motivation und Erfolg

Jeder, der regelmäßig eine Tätigkeit durchführen will, wird irgendwann eine Durststrecke erleben. Dann ist es gut, die eigene Motivation (oder die eigenen Ziele) zu kennen und den eigenen Fortschritt (Erfolge) zu würdigen. Fragen Sie sich, was Ihnen die Meditation gibt. Welche Qualität bringt sie in Ihr Leben, die Sie vermissen würden? Welche Fortschritte machen Sie auf Ihrem Weg? Wie können Sie diese Fortschritte erkennen?

Wer sich die positiven Wirkungen bewusst macht, wird die Meditation als wichtiges Werkzeug erleben, um ruhig, gelassen und zentriert zu sein. Er wird sich bewusst an einer besseren Lebensqualität erfreuen. Da wir – leider auch positive – Erfahrungen leicht vergessen, kann ein Tagebuch hilfreich sein, uns an Fortschritte und schöne Erfahrungen zu erinnern.

6. Gleichmut erlernen

Wer aus jeder Mücke einen Elefanten macht, wird keine Ruhe finden. Gleichmut ist die Fähigkeit, sich vom Geschehen zu distanzieren, ruhig und gelassen auch auf stressige Situationen zu reagieren. Dabei muss man lernen, die eigenen Gefühle zu lenken. Es ist kein Naturgesetz, dass man notwendig genervt oder gestresst reagieren muss, wenn viel Arbeit ansteht.

Gleichmut förderlich für Meditation

Sie können genauso gut lächeln, die Herausforderung genießen, einen Witz machen. Das wirkt sich positiv auf das zu Erledigende aus und wird mehr Spaß machen.

Die Aufforderung zum Gleichmut, soll Ihnen lediglich vor Augen führen, dass Sie immer – in jeder Situation – die Wahl haben, ob Sie Ihr Leben annehmen und genießen oder sich darüber aufregen.

7. Verfeinern Sie Ihre ästhetischen Sinne

Ein Zitat aus einer alten Schrift: „Weisheit sagt, sei stark, dann kannst du mehr Freude ertragen. Sei nicht tierisch, verfeinere dein Entzücken. Wenn du trinkst, trinke nach den 98 Regeln der Kunst, wenn du liebst, übertrifft durch Zartheit und wenn du etwas Freudiges tust, lass Feinheit darin sein.“

In diesem Vers wird die Idee der ästhetischen Selbstgestaltung positiv ausgedrückt. Jeder, der seine Sinne in einem bestimmten Bereich verfeinert, kennt die negativen Wirkungen des Banalen, Unbewussten, Lieblosen, Empfindungslosen oder Bösen. Destruktive und völlig unbewusste Verhaltensweisen stören nicht nur andere Menschen, sondern verrohen und verstümmeln auch unser eigenes Selbst.

Wenn Sie etwas Bestimmtes tun wollen oder bevorzugen, lernen Sie mehr Differenzen kennen und wenden sie an. Lernen Sie ästhetisch zu kochen und nicht nur zu essen, um satt zu werden. Lernen Sie Musik zu verstehen, indem Sie selbst ein Instrument spielen. Geben Sie anderen Menschen nicht nur „Anweisungen“, sondern teilen Sie sich höflich, freundlich und humorvoll mit. Auch Bewusstheitsübungen wie „Die Kunst des bewussten Essens“ sind hier sehr hilfreich.

8. Liebevoller Umgang mit anderen Menschen

Menschen sind soziale Wesen, unser Umgang mit anderen hat einen großen Einfluss darauf, wie wir uns entwickeln. Dabei können wir zwar die Menschen um uns herum nicht ändern, aber wir können uns selbst ändern – „liebenswert“ sein.

Drei Kernpunkte drücken sehr gut aus, was man unter einem liebevollen Verhalten anderen gegenüber verstehen kann:

  • Miteinander reden – statt gegeneinander oder übereinander,
  • Aufeinander hören – statt weghören oder ignorieren,
  • Füreinander handeln – statt gegeneinander zu kämpfen.

Wer versucht nach diesen Prinzipien zu handeln, gestaltet nicht nur seinen eigenen Charakter. Letztlich ziehen wir damit auch andere Menschen an, die ähnliche Ideale schätzen und umsetzen wollen. Wenn wir demgemäß handeln, erschaffen wir uns ein soziales Umfeld, welches uns wirklich akzeptieren und fördern kann.

9. Meditation als Gewohnheit

Regelmäßig zu meditieren, ist vielleicht die wichtigste Grundregel, um mehr über Meditation zu lernen, sie zu vertiefen und zu vervollkommnen. Wer regelmäßig meditiert, wird seine Psyche stabilisieren und besser mit sich, anderen Menschen oder ungewöhnlichen Situationen umgehen lernen, vorausgesetzt, er lebt in einer interaktiven sozialen Umgebung und nicht von ihr abgeschottet.

Meditation als Gewohnheit


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Fortschritte in der Meditation stellen sich nur ein, wenn man regelmäßig meditiert.

Meditation formt unsere Psyche wie ein geduldiger Gärtner, der eine Eiche von klein auf großzieht und pflegt. Anfangs sind die Fortschritte noch „schwächlich“ und „fragil“, aber mit zunehmender Erfahrung trotzt die ausgewachsene Eiche am Ende dem stärksten Sturm.

Damit komme ich zum Ende und wünsche Ihnen, dass Sie einige Anregungen der goldenen Regeln auf Ihr eigenes Leben übertragen können.

Viel Spaß und Erfolg beim Meditieren!

Tony Kühn