Lerntypen nach Schrader und ihre Bedeutung

Ein weiteres Modell über Lerntypen stammt vom deutschen Prof. Dr. Josef Schrader. Er hat ein Modell mit fünf Lerntypen aufgestellt, die vor allem für Lehrende in der Erwachsenenbildung interessant sein könnten.

Wer ist Josef Schrader?

Josef Schrader ist der wissenschaftliche Direktor am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) in Bonn. Seit seiner Promotion hat Schrader umfangreiche Erfahrung in der Erwachsenenbildung gesammelt und war in verschiedenen leitenden Positionen tätig.

Lerntypen nach Schrader

Neben seiner Arbeit am DIE war Schrader auch als Autor tätig und hat zahlreiche Artikel und Bücher über Erwachsenenbildung veröffentlicht. Hierzu gehört auch sein Buch „Lerntypen bei Erwachsenen – Empirische Analysen zum Lernen und Lehren in der beruflichen Weiterbildung“.

Die dort enthaltenen Beschreibungen der Lerntypen wollen wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Lerntypen nach Schrader

Die Lerntypen nach Schrader sind so konzipiert, dass sie sich hauptsächlich auf die Lernmotivation von Lernenden konzentrieren, wie sie sich im Kontext der beruflichen Weiterbildung zeigten.

Der 5 Lerntypen nach Schrader

Diese Kategorisierung von Josef Schrader identifiziert fünf verschiedene Lerntypen, die er „Theoretiker“, „Anwendungsorientierte“, „Musterschüler“, „Gleichgültige“ und „Unsichere“ nennt.

Die genannten Lerntypen können in Rein- oder Mischformen auftreten.

Der Theoretiker

Der Theoretiker Lerntyp Schrader

Der Theoretiker lernt mit Freude und hat eine klare Vorstellung von seinen Lernzielen. Er interessiert sich nicht nur für die praktische Anwendung eines Lerninhalts, sondern kann auch mit abstrakteren Themen oder theoretischen Texten gut umgehen.

Er ist ein motivierter Lerner, der keine Schwierigkeiten hat, neues Wissen zu erwerben. Dabei interessiert er sich gleichermaßen für praktische Anwendungen und theoretische Hintergründe und legt großen Wert darauf, das „Ganze“ zu verstehen.

Er bevorzugt er das Verstehen von Zusammenhängen gegenüber dem Auswendiglernen von Fakten und Daten. Der Theoretiker lernt gerne aus Texten und geht neue Lerninhalte meist gelassen und zuversichtlich an.

Schwierigkeiten beim Lernen betrachtet er als intellektuelle Herausforderung, die er gerne bewältigt. Sein Verständnis für komplexe Zusammenhänge ermöglicht ihm ein schnelles und effektives Lernen.

Der Anwendungsorientierte

Der Anwendungsorientierte Lerntyp Schrader

Der Anwendungsorientierte ist ein Mensch, der sich besonders für Themen interessiert, die ihm praktisch nützen können. Er lernt lieber konkret und anschaulich, anstatt reine Theorien zu pauken.

Es ist für ihn wichtig, dass er eine Vorstellung davon hat, wie er einen Lernstoff in der Praxis anwenden kann. Dazu braucht er konkrete Beispiele oder muss sich bei abstrakteren Themen zumindest vorstellen können, welchen Nutzen sie für ihn haben werden. Er ist bestrebt, das Gelernte in die Praxis umzusetzen und lernt am besten, wenn er die Möglichkeit hat, Dinge auszuprobieren.

Reine Theorien und Faktenwissen allein reichen nicht aus, um sein Interesse zu wecken. Wenn keine Anwendungsmöglichkeiten oder praktische Beispiele verfügbar sind, kann es für ihn schwierig werden, den Lernstoff zu verstehen.

Er kann konzentriert arbeiten, sofern ihn die Themen ausreichend interessieren. Er hat öfter Probleme mit abstrakten Themen, deren Ziel und Nutzen er nicht in sein Erleben übertragen kann. Reine Gedankenspiele findet er langweilig, wodurch er an solchen Lerninhalten leicht das Interesse verliert.

Der Musterschüler

Der Musterschüler Lerntyp Schrader

Der Musterschüler zeichnet sich durch seine Ambition und hohe Arbeitsmoral aus. Er ist bereit, für seinen Erfolg zielstrebig zu arbeiten. Er setzt sich hohe Ziele und lernt hart, um gute Zeugnisse und Zertifikate zu erhalten.

Er bevorzugt es, angeleitet zu werden und eine Betreuung durch eine Lehrkraft anstelle von selbständiger Arbeit. Er bemüht sich, viele Fakten präzise auswendig zu lernen, um sie später möglichst fehlerfrei wiederzugeben.

Falls er Schwierigkeiten beim Lernen hat, versucht er hartnäckig, sie zu überwinden. Er gerät dabei manchmal in Hektik und Nervosität, insbesondere wenn es keine klaren Lösungswege gibt.

Der Musterschüler beherrscht das Auswendiglernen und die Reproduktion von Fakten und Daten. Für ihn ist es auch wichtig, dass seine Leistungen anerkannt und respektiert werden.

Allerdings legt er mehr Wert auf gute Bewertungen als auf das tatsächliche Wissen und die Fähigkeiten, die er durch das Lernen erlangt.

Der Gleichgültige

Der Gleichgültige Lerntyp Schrader

Der Gleichgültige zeigt im Unterricht wenig Engagement und eigenes Interesse an Lerninhalten. Er ist oft ruhig und zurückgezogen und wird meist nur dann aktiv, wenn er direkt angesprochen wird.

Er konzentriert sich auf das Erwerben von wichtigen Zertifikaten und Fortbildungen, die für seine Zwecke nötig sind. Er strebt nicht nach den besten Bewertungen, sondern will meist nur negative Auswirkungen vermeiden. An eigenständiger Arbeit ist er wenig interessiert. Seine Hauptmotivation ist, nicht durchzufallen.

Der Gleichgültige hat keine ausgeprägten Vorlieben oder Abneigungen und scheint alles als gleich wichtig oder unwichtig zu empfinden.

Obwohl er mehr leisten könnte, ist er nicht bereit, mehr Engagement zu zeigen. Schwierigkeiten im Lernprozess stressen ihn nur dann, wenn sein Fortkommen dadurch gefährdet ist.

Der Unsichere

Der Unsichere Lerntypen Schrader

Der Unsichere ist beim Lernen oft ängstlich und nervös. Er zweifelt an seinen Fähigkeiten und ist pessimistisch in Bezug auf seine Möglichkeiten.

Es fehlt ihm an Selbstbewusstsein, um sich zu motivieren. Aus Furcht, etwas falsch zu machen oder zu verstehen, begnügt er sich damit, möglichst unauffällig zu sein. Er versucht nicht den gesamten Kontext zu verstehen, sondern sich nur die wichtigsten Informationen einzuprägen.

Er benötigt äußeren Druck, um seine Lernblockaden zu überwinden. Manchmal fehlt ihm das Verständnis dafür, warum er etwas Bestimmtes lernen soll. Er geht davon aus, dass er Schwierigkeiten haben und viele Dinge nicht versteht.

Schwierigkeiten betrachtet er als Bestätigung seiner mangelnden Fähigkeiten. Er gibt sich mit unvollständigen Lösungen zufrieden und bestätigt so letztendlich sein negatives Selbstbild.

Anwendung von Schraders Lerntypen

Aus unserer Sicht sind die Lerntypen von Schrader eher für Lehrende als für Lernende gemacht. Das Problem ist, dass es aus Sicht eines Schülers schwer ist, sich mit den Beschreibungen zu identifizieren.

Hier scheint es ganz klar drei positive und zwei negative Typen zu geben. Diese Polarisierung ist wenig hilfreich, denn wer würde sich selbst gerne als „Gleichgültiger“ oder „Unsicherer“ bezeichnen.

Obwohl seine Ideen als Lerntypenbeschreibung angesehen wird, scheint sie uns am ehesten für Lehrer geeignet, die bestimmte Schülertypen kategorisieren wollen. Die Frage ist, welchen Wert so eine Bewertung hat.

Um eine Lerntypentheorie gemeinsam mit Schülern in der Praxis anzuwenden, empfehlen wir eher die Lerntypen nach Vester, zu denen wir auch einen frei zugänglichen Lerntypentest online anbieten können.

Aris Rommel

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