Problem Vergesslichkeit: "Digitaler Alzheimer" schon mit 30?

26.08.2009
6621 Views
Bewertung 4.5
Gerhild Löchli
www.brainobic.at
  

Digitale DemenzHaben Sie schon einmal von dem Phänomen des "Digitalen Alzheimer" gehört? Oder haben Sie die Diskussion darüber schon vergessen? Nein - nun gut - Spaß beiseite. Hinter diesem Kunstbegriff steht das Phänomen, dass wir immer mehr alltägliche Gedächtnisinhalte in digitale Medien auslagern und uns damit praktisch kaum mehr etwas zu merken brauchen.

In diesem Artikel will ich das Phänomen kurz beschreiben und am Ende auf einige Lösungsmöglichkeiten hinweisen. Doch beginnen wir mit einer kleinen Geschichte ...

"Nach dem Frühstück fragt sich Herbert W., ob er nichts vergessen hat. Noch schnell ein Blick auf den elektronischen Kalender. Alle Termine sind eingetragen. Dann ins Auto, Navi aktivieren und los geht’s. Während der Fahrt ist eine Erinnerungsmeldung vom Handy zu hören - ach ja, die Schwester hat Geburtstag. Ihre Nummer ist selbstverständlich im digitalen Adressbuch zu finden. Kurz darauf die nächste Erinnerung: Heute Abend kommen Freunde - Einkauf erledigen - die geschriebene Einkaufsliste ist über Google abrufbar ..."

Kommt Ihnen das bekannt vor? Wie gut, dass man ein so gut funktionierendes Netzwerk an externen Speichermöglichkeiten hat - oder? So „denken“ wir an alles, denn es ist ja irgendwo gespeichert. Wo? Bestimmt nicht im Gehirn!

Das digitale Gehirn vereinfacht unser Leben…

Viele von uns haben praktische digitale Speichergeräte und Datenbanken, die uns den Alltag erleichtern. Unsere Handys, Navigationsgeräte, Notebooks, Palms, PDAs und wie sie alle heißen mögen, speichern das Wissen, das wir täglich brauchen. Wozu sollen wir uns mit anstrengendem Lernen und Aneignen von Informationen quälen? Wozu brauchen wir überhaupt noch ein gutes Gedächtnis?

Immer mehr übernehmen die modernen Geräte die Aufgaben unseres Gedächtnisses und entlasten es. Wir können uns einfach auf sie verlassen….

… oder werden wir damit immer dümmer?

Seit einiger Zeit geistern Begriffe, wie „das Phänomen der digitalen Demenz“ oder „Digitaler Alzheimer“ durch die Medien. Was versteht man darunter?
Aufgrund seiner Forschungen erkannte ein Professor aus Südkorea - einem Land, das auf digitale Technik setzt - dass sich der Mensch immer mehr auf die Informationssuche, als auf das Erinnern verlässt. Wie wirkt sich das auf unser Gehirn - auf unser Gedächtnis - aus?

Gerade junge Menschen, so die Vermutungen der Wissenschaftler, sind von diesem Phänomen betroffen. Mit 20, 30 Jahren leiden sie zunehmend an Vergesslichkeit und nachlassender Konzentrationsfähigkeit - ihr Denken verlangsamt sich. Der Grund?

VergessenDie Informationslawine, die uns täglich überrollt, sorgt dafür, dass die Wahrnehmungs -, Konzentrations-, Merk- und die Erinnerungsfähigkeiten abnehmen. Die neuronalen Vernetzungen, die für das „Suchen von Informationen“ zuständig sind, entwickeln sich und nehmen zu. Wir brauchen uns immer weniger merken, da sich sämtliche Informationen sekundenschnell finden lassen.

Bei spezifischen Konzentrations- und Eignungstests werden oft keine auffälligen Vergesslichkeiten diagnostiziert. Im Gegenteil, oft schneiden aufstrebende, dynamische, junge Menschen gerade hier sehr gut ab, denn bei den Tests arbeiten sie gezielt und konzentriert.

Besonders im Berufsleben und privaten Alltag wirkt sich das Defizit aus. Wegen des fehlenden Trainings, verliert unser Gehirn eine elementare Fähigkeit: Die Merkfähigkeit. Zuständige Vernetzungen im Gehirn werden immer weniger genutzt und sterben ab: „Wer wenig hat, dem wird genommen!“. Die zunehmend geringere Merkfähigkeit führt zu einer größeren Abhängigkeit von digitalen Geräten. Wir sind im Teufelskreis … wir werden digital dement!

Was geschieht, wenn die digitalen Speichergeräte versagen?

  • Wir können niemanden anrufen, da wir keine Telefonnummer im Kopf haben.
  • Wir irren in den Gassen einer Stadt herum, da wir den Orientierungssinn weniger schulen.
  • Wir bekommen bei Vorträgen kein Wort über die Lippen, da die Verkabelung versagt und die Präsentation nicht gestartet werden kann.
  • Oder wir vergessen überhaupt den wichtigen Vortragstermin….

Wollen wir uns wirklich von den digitalen Speichermedien abhängig machen? Was können wir gegen die digitale Amnesie tun?

Das Wichtigste zuerst: Äußerst selten digitale Speichergeräte verwenden! Es gibt großartige Techniken, die uns das Speichern und Erinnern von wichtigen Informationen erleichtern. Mit Gedächtnistechniken, die leicht erlernbar und hocheffizient sind, haben wir eine faszinierende Möglichkeit, unser Gehirn zu trainieren. Dieses Training hinterlässt Spuren - ein Leben lang!

Entdecken Sie Ihr hocheffizient arbeitendes und zuverlässiges System im Kopf und nutzen Sie die faszinierenden Fähigkeiten, die Sie besitzen! Sie haben ein Gehirn - ein Gedächtnis, auf das Sie sich verlassen können. Mein Vorschlag - Benutzen Sie es!

Um das eigene Gedächtnis - und damit seine Merkfähigkeit wieder auf Vordermann zu bringen, gibt es viele Methoden, die uns gute Dienste leisten können. Falls Sie dieser Artikel dazu angeregt hat, ein paar von diesem Methoden zu testen, kann ich Ihnen folgende Artikel (Links) empfehlen:

Damit sollten Sie viele gute Anregungen bekommen, wie man die "Digitale Demenz" erfolgreich bekämpfen kann.

Viel Spaß beim Gedächtnistraining wünscht Ihnen ...

Gerhild Löchli

Quellen:

Florian Rötzer, "Droht uns die "digitale Demenz"?"
Digital Brainstorming: "Digitale Demenz"
Digital Alzheimer's: When Your Memory's Shot at 30
Digital Dementia Troubles Young Generation
KBS World - Digital Dementia

Empfehlungen zu diesem Thema

Gesamtstatistik der Bewertungen

5 Sterne
Wert 4.5
Thema: 4.5 Information: 4.3 Verständlichkeit: 4.7
Stimmen: 6 Legende:
5: super - bis 1: erträglich
Views: 6621
Auf Social Networks posten:

Beiträge

Digitaler Alzheimer Page Angel 07.09.2009 11:58
Perverse Begriffsbildung "Digitale Demenz" Hans-Jürgen Thomas 26.08.2009 12:36
  RE: Perverse Begriffsbildung Gerhild Löchli 26.08.2009 15:18