Kants Auseinandersetzung mit Swedenborg

Die Auseinandersetzung von Immanuel Kant (1724-1804) mit Emanuel Swedenborg (1688-1772) wirft ein Problem auf: Warum hat sich Kant, der Swedenborg privat als Gelehrten schätzte, öffentlich über ihn lustig gemacht?

Ernst Benz beantwortet diese Frage damit, daß sich Kant durch seine Beschäftigung mit Swedenborg eine kleine Gemeinde herangezüchtet hatte, die in ihm einen Kronzeugen für Swedenborgs Offenbarungen und einen „Apologeten der Geisterseherei“ sah (SD 266).

Um sich von dem Vorwurf zu befreien, daß er an den Hirngespinsten seiner Freunde schuld sei, schrieb er die „Träume eines Geistersehers“ (1766), in denen er darlegte, daß ein Philosoph eine andere Aufgabe habe.

Benz bringt Kants vermeintliche Bekehrung vom Offenbarungsgläubigen zum Vernunftkritiker folgendermaßen auf den Punkt: „Um zu beweisen, daß der Gott, dem er bisher Weihrauchopfer brachte, ein Götze sei, verbrennt er ihn und setzt ihm zuvor eine Narrenkappe auf.

Gerade diese seltsame Erfahrung, plötzlich als Wahrheitszeuge eines Visionärs zu gelten, hat ihn dann auch veranlaßt, sich grundsätzliche Gedanken über die Grenzen der Metaphysik zu machen“ (SD 266f).

Die Quellen für Kants Auseinandersetzung mit Swedenborg sind neben den „Träumen eines Geistersehers“ seine Briefe.

Brief an Charlotte von Knobloch vom 10.8.1763

Kant hat sich auf die Bitte der Adressatin hin eingehend über Swedenborg erkundigt. Er schreibt, daß ihm viele wahrscheinliche Geistergeschichten bekannt seien, die er jedoch bisher aufgrund des gesunden Menschenverstands abgelehnt habe. Denn sie seien „insgesamt nicht genugsam bewiesen“, unbegreiflich, nutzlos und leider häufig mit Betrug verbunden (B IX 35).

Immanuel Kant

Doch durch die Auseinandersetzung mit Swedenborg habe sich seine Haltung geändert. Ein dänischer Offizier, der bei ihm (Kant) studiert habe und mit dem er befreundet sei, habe die Wahrheit der Geschichte bezeugt, die von der Königin von Schweden erzählt werde (sie hatte Swedenborg um eine Auskunft gebeten, die er von anderen Menschen nicht erfahren konnte, aber von Geistern bekam, vgl. T 966f). Swedenborg sei „ein vernünftiger, gefälliger und offenherziger Mann“ und „Gelehrter“, der von Gott die Gabe habe, mit den Seelen Verstorbener umzugehen (B IX 36f).

Die zweite bezeugte Geschichte handelt von Madame Harteville, die zur Bezahlung einer Rechnung aufgefordert wurde, von der sie glaubte, daß ihr verstorbener Mann sie bezahlt hatte. Swedenborg sprach mit ihrem Mann, der ihm mitteilte, wo die Quittung lag: in einer verborgenen Schublade in einem Schrank, von der Madame Harteville nichts wußte.

Die dritte Geschichte handelt vom Brand in Stockholm (1756), den Swedenborg innerlich mitbekam, obwohl er sich in dem mehr als 50 Meilen entfernten Gothenburg aufhielt. Er bekam auch die Löschung des Brandes mit. Später wurde Swedenborgs Beschreibung des Brands in allen Einzelheiten bestätigt.

Kant wollte gerne selbst mit Swedenborg reden und schrieb ihm. Doch eine Antwort blieb aus.

Träume eines Geistersehers (1766)

Gemessen an Kants kategorischem Imperativ ist diese Schrift eine einzige Katastrophe. Man erkennt nichts dadurch, daß man es diffamiert oder lächerlich macht. So gesehen ist die Schrift eine Angelegenheit des Strafrechts (Beleidigung, Verleumdung, üble Nachrede), nicht der Wissenschaft.

Ein Vorbericht der sehr wenig vor die Ausführung verspricht

Swedenborg ist kein Phantast, wie Kant meint, sondern hat ehrlich wiedergegeben, was er erfahren hat. Kant ist im Verhältnis zu Swedenborg wie ein Blinder, der ihn über die Farben belehren will. Da er nichts sieht, kann es keine geben.

Schon Kants Ausführungen im „Vorbericht“ sind erbärmlich: Er gesteht, „daß er so treuherzig war, der Wahrheit einiger Erzählungen von der erwähnten Art nachzuspüren. Er fand […] nichts“ (T 924).

Daß das gelogen ist, wissen wir aus seinem Brief an Charlotte von Knobloch.

Die Fortsetzung ist Satire: Nichts zu wissen, sei schon ein ausreichender Grund, ein Buch zu verfassen. Doch Kant sei wahrlich in Not gewesen durch „das ungestüme Anhalten bekannter und unbekannter Freunde“ (T 924).

Mit diesen Ausführungen hat Kant die Philosophie gleich doppelt verraten: Wer nichts weiß, soll auch nichts schreiben. Und wer sich bedrängt fühlt, soll nicht lügen.

Der dritte Grund, den Kant für das Verfassen der Schrift anführt, ist immerhin akzeptabel: Er habe die „Himmlischen Geheimnisse“ Swedenborgs „gekauft und, welches noch schlimmer ist, gelesen […], und diese Mühe sollte nicht verloren sein“ (T 924).

Das ist zwar nicht schlimm, doch wer ein Buch gelesen hat, darf auch darüber schreiben. Nur soll er bescheiden bleiben: Kant schreibt über ein Buch, nicht über die Tatsachen, die diesem Buch zugrunde liegen. Denn von diesen Tatsachen hat er zugegebenermaßen keinerlei Erfahrungen.

Der e r s t e T e i l welcher dogmatisch ist

Erstes Hauptstück: Ein verwickelter metaphysischer Knoten, den man nach Belieben auflösen oder abhauen kann. Kant beklagt, daß von Geistern viel geredet, aber wenig gewußt wird. Besonders auf Akademien sei es ungebräuchlich, Nichtwissen zuzugeben. Es gibt nicht mal eine Definition des Begriffs „Geist“, die Kant zufriedenstellt.

Um die Bedeutung des Wortes zu ergründen, untersucht Kant, wie es verwendet wird. Das Problem sei, daß von Geistern geredet werde, obwohl es unklar sei, ob es sie überhaupt gebe. Denn die Erfahrungen von ihnen seien verloren gegangen.

In einer ersten Annäherung versteht Kant unter Geistern „Wesen […], die so gar in einem von Materie erfüllten Raume gegenwärtig sein können“ (T 927). Von Gott als dem Schöpfer und Bewahrer der Welt redet Kant hier nicht, auch wenn ihm eine geistige Natur zugeschrieben wird. Immaterielle Wesen mit Vernunft bezeichnet er als Geister, im Gegensatz zu materiellen Substanzen. Doch etwas zu definieren, heißt ja noch nicht, daß es das gibt, nicht einmal, daß es möglich ist. Bei der Seele sei unklar, ob sie nun materiell oder immateriell sei. Die Annahme, immaterielle Wesen seien möglich, könne man weder widerlegen noch beweisen.

Die Frage nach der Lokalisierung der Seele im Körper hält Kant für verfänglich, da sie etwas voraussetzt, von dem wir keine Erfahrung haben, „nämlich daß mein denkendes Ich in einem Orte sei, der von den Örtern anderer Teile desjenigen Körpers, der zu meinem Selbst gehöret, unterschieden wäre“ (T 931).

Kant beantwortet die Frage so: „wo ich empfinde, da bin ich. Ich bin ebenso unmittelbar in der Fingerspitze wie in dem Kopfe“ (T 931). Dasselbe gelte für die Seele. Die Meinung, die Seele sitze im Gehirn, kritisiert Kant mit dem Einwand, daß das Nachdenken nicht nur das Gehirn, sondern auch andere Körperteile anstrenge. Die Freude sitze im Herzen, andere Affekte im Zwerchfell, das Mitleid bewege die Eingeweide usw. Das Hauptproblem bestehe darin, daß die Natur der Seele zu wenig bekannt sei.

Das Ergebnis von Kants Überlegungen lautet so: „Ich gestehe, daß ich sehr geneigt sei, das Dasein immaterieller Naturen in der Welt zu behaupten, und meine Seele selbst in die Klasse dieser Wesen zu versetzen“ (T 934). „Es scheinet, ein geistiges Wesen sei der Materie innigst gegenwärtig, mit der es verbunden ist, und würke nicht auf diejenige Kräfte der Elemente, womit diese untereinander in Verhältnissen sein, sondern auf das innere Principium ihres Zustandes“ (T 935).

Zweites Hauptstück: Ein Fragment der geheimen Philosophie, die Gemeinschaft mit der Geisterwelt zu eröffnen. Während das erste Hauptstück dieses ersten Teils einigermaßen ernst gehalten ist, wird Kant nun wieder satirisch. Jetzt geht es nicht mehr um das Erkenntnisstreben eines Philosophen, sondern um die Initiation in die Geisterwelt. Nach „der beschwerlichen Vorbereitung“ macht sich Kant nun also auf „den gefährlichen Weg“ (T 936):

„Der Initiat hat schon den groben und an den äußerlichen Sinnen klebenden Verstand zu höhern und abgezogenen Begriffen gewöhnt, und nun kann er geistige und von körperlichen Zeuge enthüllete Gestalten in derjenigen Dämmerung sehen, womit das schwache Licht der Metaphysik das Reich der Schatten sichtbar macht“ (T 936).

Kant postuliert eine immaterielle Welt mit immateriellen Wesen, die die Materie beleben. In Schlagworten zum Mitschreiben und Auswendiglernen: „Der Hylozoismus belebt alles, der Materialismus dagegen, wenn er genau erwogen wird, tötet alles“ (T 938).

Nachdem er allerlei Schrullen von Hylozoisten zitiert hat, kommentiert Kant: „Ich verlange nichts von allem diesen auf Beweisegründen, denn außerdem, daß ich sehr wenig zum Vorteil von dergleichen Mutmaßungen würde zu sagen haben, so haben sie noch als bestäubte veraltete Grillen den Spott der Mode wider sich. […] Übrigens ist die Berufung auf immaterielle Prinzipien eine Zuflucht der faulen Philosophie“ (T 939).

Doch wenn der Hylozoismus wahr wäre, müßte man laut Kant denken, daß die Menschen Bürger zweier Welten seien: Die materielle Welt nehmen sie wahr, von der immateriellen Welt werden sie manipuliert, beeinflussen sie aber auch. Dementsprechend können die immateriellen Wesen die Menschen, insoweit sie körperlich sind, nicht wahrnehmen, manipulieren aber ihre Seelen und werden von ihnen beeinflußt. Der Himmel wird in dieser Anschauung zum seligen Teil der Geisterwelt.

Wir sehen: Ab jetzt ist alles als hypothetisch zu verstehen. Das darf man beim Weiterlesen nicht vergessen. Da bloße Ableitungen „aus dem Begriffe von der geistigen Natur“ etwas unschön sind, versucht Kant bei einer Systematisierung der Geisterwelt auf tatsächliche Beobachtungen zurückzugreifen. Dabei bittet er um „die Nachsicht des Lesers“ (T 942).

So könne man aus dem Pflichtgefühl Kräfte außerhalb von uns ableiten, die uns dazu bestimmen, etwas zu tun, das wir eigentlich lieber bleiben lassen würden. Kant bezeichnet diese Kräfte als „Regel des allgemeinen Willens“ (T 943).

Das ist eine Art moralischer Gottesbeweis. Nach dem Tod wird die Beziehung der Seele zur geistigen Welt fortgesetzt. Das ist eine Art Beweis der Unsterblichkeit der Seele. Je nach dem Niveau der eigenen Sittlichkeit landet man nach dem Tod bei guten bzw. bösen Geistern.

Doch Kant mahnt zur Vorsicht: Wenn man über Gott nachdenke, bleibe „immer ein starker Verdacht übrig […], daß die schwache Begriffe unseres Verstandes vielleicht auf den Höchsten sehr verkehrt übertragen worden, da des Menschen Obliegenheit nur ist, von dem göttlichen Willen zu urteilen aus der Wohlgereimtheit, die er wirklich in der Welt wahrnimmt, oder welche er nach der Regel der Analogie, gemäß der Naturordnung, darin vermuten kann“ (T 946).

Anders ausgedrückt: Da wir unsere Begriffe anhand der physischen Welt gebildet haben, dürfen wir sie nicht ohne weiteres auf die geistige Welt übertragen. Doch die Propheten tun es trotzdem und beschreiben einen zornigen, eifersüchtigen, barmherzigen und rachsüchtigen Gott. Die Dichter personifizieren Tugenden und Laster. Mathematiker stellen sich „die Zeit durch eine Linie vor, obgleich Raum und Zeit nur eine Übereinkunft in Verhältnissen haben und also wohl der Analogie nach, niemals aber der Qualität nach mit einander übereintreffen“ (T 948).

Angenommen, all das, was Kant inzwischen hypothetisch ausgeführt hat, sei richtig: Warum sind dann Erscheinungen, die aus der geistigen Welt kommen, so selten? Dieses Problem behebt Kant dadurch, daß er behauptet, daß, „was ich als Geist denke von mir als Mensch nicht erinnert wird, und, umgekehrt, mein Zustand als eines Menschen in die Vorstellung meiner selbst als eines Geistes gar nicht hinein kommt“ (T 947).

Aus der Ufo-Literatur ist dieses Phänomen bestens bekannt: Die Außerirdischen entführen Menschen, stellen mit ihnen Experimente an und unterrichten sie (z.B. über den Umwelt- und Tierschutz), doch am andern Morgen erinnern sich die Betroffenen nicht. Sie sehen höchstens irgendwelche Narben von Wunden, die sie am Tag davor noch nicht hatten.

Christlich ausgedrückt: Wir Menschen haben es in der Regel nicht mit Gott, sondern mit allerlei Engeln und Teufeln zu tun, und zwar mehr, als uns bewußt ist. Kant ist hier also auf einer richtigen Spur. Er weist ausdrücklich auf Erlebnisse hin, die wir beim Schlafen haben, und an die wir uns nur ungenügend bis gar nicht erinnern.

Die Träume schließt er dabei ausdrücklich aus, denn an diese erinnern wir uns ja. Sie gaukeln uns „lauter wilde und abgeschmackte Chimären“ vor, da sie aus Phantasien und Sinneswahrnehmungen montiert sind (T 947). Hier nimmt Kant also Freuds Gedanken von der Traumarbeit vorweg.

Nicht alle Menschen erleben Erscheinungen der geistigen Welt, sondern nur solche, die dafür disponiert sind, „deren Organen eine ungewöhnlich große Reizbarkeit haben, die Bilder der Phantasie dem innern Zustande der Seele gemäß durch harmonische Bewegung mehr zu verstärken, als gewöhnlicher Weise bei gesunden Menschen geschieht und auch geschehen soll“ (T 949).

Diese Passage enthält einen zweifachen Bruch mit dem bisher Gesagten: Religiöse oder spirituelle Erfahrungen werden als Ausgeburt des Unbewußten klassifiziert und als Ausdruck einer Gemütskrankheit interpretiert.

Auf einmal geht es nicht mehr um die Äußerungen der geistigen Welt, sondern um Halluzinationen, mit den Worten Kants: um „ein Blendwerk der Einbildung […], doch so, daß die Ursache davon ein wahrhafter geistiger Einfluß ist, der nicht unmittelbar empfunden werden kann, sondern sich nur durch verwandte Bilder der Phantasie, welche den Schein der Empfindungen annehmen, zum Bewußtsein offenbaret“ (T 949).

Diese Einbildungen bergen einen wahren Kern in sich, doch da sie „in Schattenbilder der sinnlichen Dinge umgeschaffen“ wurden (T 949), sei es unmöglich, Wahrheit und Einbildung zu unterscheiden. Das wiederum läßt am Nutzen zweifeln, den Botschaften aus der geistigen Welt haben. Anders ausgedrückt: Geisterseher sind kranke Phantasten.

Dazu kommen noch das Wischiwaschi der Metaphysik, die zur Erklärung spiritueller Erfahrungen herangezogen wird, und die Empfindlichkeit der Geisterseher, die sich vor Skeptikern und Entlarvern schützen: „Denn metaphysische Hypothesen haben eine so ungemeine Biegsamkeit an sich, daß man sehr ungeschickt sein müßte, wenn man die gegenwärtige nicht einer jeden Erzählung bequemen könnte, so gar ehe man ihre Wahrhaftigkeit untersucht hat, welches in vielen Fällen unmöglich und in noch mehreren sehr unhöflich ist“ (T 950f).

Kant geht noch einen Schritt weiter: Er denkt, daß man seinen gesunden Menschenverstand einbüßt, wenn man Geister sehen lernt, so wie der antike Seher Teiresias blind wurde, bevor er die Gabe der Weissagung bekam. Anders ausgedrückt: Wer lernt, sich in der Geisterwelt zurechtzufinden, kommt mit der physischen Welt nicht mehr klar.

Das stimmt natürlich nicht. Swedenborg ist mit der physischen Welt sehr wohl klar gekommen. Viele andere auch. Kant hätte folgendermaßen differenzieren müssen: Wer mit der physischen Welt nicht klar kommt, ist krank, wer mit ihr klarkommt, obwohl er Geister sieht, ist gesund.

Drittes Hauptstück: Antikabbala. Ein Fragment der gemeinen Philosophie, die Gemeinschaft mit der Geisterwelt aufzuheben. Kant kritisiert die Metaphysiker dafür, daß jeder sein eigenes Begriffsgebäude errichtet, und hofft, daß sie eines Tages zu einer Sichtweise aufwachen, die „die Einstimmung mit anderem Menschenverstande nicht ausschließt“ (T 952).

Mit den Geistersehern stehe es ähnlich, „weil sie etwas sehen, was kein anderer gesunder Mensch sieht, und ihre eigene Gemeinschaft mit Wesen haben, die sich niemanden sonst offenbaren, so gute Sinne er auch haben mag“ (T 953).

Die Metaphysiker sind für Kant wachende Träumer, die Geisterseher dagegen (modern ausgedrückt) Zwangsneurotiker, die „das Blendwerk ihrer Einbildung außer sich versetzen, und zwar in Verhältnis auf ihren Körper, den sie auch durch äußere Sinne empfinden“ (T 954). Charakteristisch für Zwangsneurotiker ist die Projektion, d.h., daß sie ihre eigenen Eigenschaften anderen Menschen andichten.

Kant hält das für „Betrug“ und fragt, wie er „möglich sei“ (T 954). Dazu überträgt er die physiologischen Vorgänge bei der sinnlichen Wahrnehmung auf das Geistersehen, also nach seiner Auffassung „die Bilder der Einbildung“, die Descartes zufolge „mit gewissen Bewegungen in dem Nervengewebe oder Nervengeiste des Gehirnes begleitet sind“ (T 956).

Den Unterschied beschreibt er dahin, daß beim Geisterseher sich „die Richtungslinien der Bewegung […] innerhalb dem Gehirne“, beim normalen Menschen, der mit seinen fünf Sinnen wahrnimmt, „aber außerhalb schneiden“ (T 956). Der Grund ist klar: Die Phantasien sind im Kopf, die materiellen Gegenstände außerhalb.

Von da aus schreitet Kant zu einer Erklärung des Wahnsinns fort: „Das Eigentümliche dieser Krankheit bestehet darin: daß der verworrene Mensch bloße Gegenstände seiner Einbildung außer sich versetzt, und als wirklich vor ihm gegenwärtige Dinge ansieht“ (T 956).

Bei Betrunkenen, die „mit beiden Augen doppelt sehen“, findet etwas Ähnliches statt, „weil durch die Anschwellung der Blutgefäße eine Hindernis entspringt, die Augenachsen so zu richten, daß ihre verlängerte Linien sich im Punkte, worin das Objekt ist, schneiden. Ebenso mag die Verziehung der Hirngefäße, die vielleicht nur vorübergehend ist, und so lange sie dauert nur einige Nerven betrifft, dazu dienen, daß gewisse Bilder der Phantasie selbst im Wachen als außer uns erscheinen“ (T 957).

Kant vergleicht diese Art der Täuschung mit dem Hineinsehen von Gesichtern in „mancherlei Fäden der Bettvorhänge oder des Bezuges oder die kleinen Flecken einer nahen Wand“ im Halbschlaf. „Das Blendwerk hört auf, so bald man will und die Aufmerksamkeit anstrengt“ (T 957).

Bei Geistersehern mögen auch noch „Erziehungsbegriffe von Geistergestalten“ mitspielen. Da es sich um keine Krankheit des Verstandes, sondern um eine Sinnestäuschung handele, seien Vernünfteleien nutzlos (T 958). Anders formuliert: Geisterseher seien unkorrigierbar und beratungsresistent.

Das alles ist schon schwierig genug. Doch wenn man sich als Philosoph auf dergleichen einlasse, mache man sich auch noch „zum Gespötte, welches, es mag nun gegründet sein oder nicht, ein kräftigeres Mittel ist als irgend ein anderes, eitele Nachforschungen zurückzuhalten. Denn auf eine ernsthafte Art über die Hirngespenster der Phantasten Auslegungen machen zu wollen, gibt schon eine schlimme Vermutung, und die Philosophie setzt sich in Verdacht, welche sich in so schlechter Gesellschaft betreffen läßt“ (T 959).

Anders ausgedrückt: Wir wissen so wenig über die Geisterwelt, weil Geisterforscher ausgelacht werden und in Verdacht geraten, geisteskrank zu sein. Kant ist jedenfalls keinem seiner Leser böse, der Geisterseher als Psychiatriekandidaten betrachtet und so allen weiteren Untersuchungen aus dem Weg geht.

Während man die Geisterseher früher verbrannt habe, gehe es inzwischen darum, sie zu reinigen. Es sei wie bei Blähungen: gehen sie nach unten ab, werden daraus Fürze, steigen sie ins Gehirn, würden daraus Erscheinungen oder heilige Eingebungen.

Das sind nicht originale Gedanken von Kant, sondern seine Paraphrasen nach der Verssatire „Hudibras“ (1663-78) „in drei Teilen zu je drei Gesängen“ von Samuel Butler d. Ä. (1612-1680). Darin verspottet Butler den Puritanismus seiner Zeit auf ziemlich derbe Art, wobei er sich an Cervantes und Ariost anlehnt. „Das hohe Ideal der Ritterschaft, dem Don Quijote nachjagt, ersetzt Butler kurzerhand durch den politischen und religiösen Fanatismus der verschiedenen puritanischen Sekten“. An die Stelle von Don Quijote tritt der Presbyterianer Sir Hudibras, der nur an seinen Vorteil denkt, vulgär und zynisch ist und mit seiner Belesenheit protzt. An die Stelle von Sancho Pansa tritt der „Knappe Ralph, der auf der Seite der Independenten steht“ (Redaktion KLL, in: KNLL 3/424f).

Viertes Hauptstück: Theoretischer Schluß aus den gesamten Betrachtungen des ersten Teils. Kant versucht ein objektives Urteil über die Geisterseherei, räumt jedoch ein, daß es durch die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod getrübt ist. Er zweifelt an jeder einzelnen Geistererzählung, mißt aber „allen zusammen genommen […] einigen Glauben“ bei (T 963).

Kant denkt, daß er alles gesagt hat, was man über das Thema wissen kann, auch wenn eventuell in Zukunft noch allerlei Meinungen darüber ins Kraut schießen würden. Mit „Thema“ ist hier nicht die Geisterwelt selbst, sondern die „Theorie von Geistern“ bzw. der philosophische „Lehrbegriff von geistigen Wesen“ gemeint (T 963). In Zukunft will sich Kant nicht mehr damit befassen.

Daß man mangels Erfahrungen nur negative Aussagen über die Geisterwelt machen könne, beruht laut Kant nicht auf Erfahrung oder Schlüssen, „sondern auf einer Erdichtung“, zu der „eine von allen Hülfsmitteln entblößte Vernunft ihre Zuflucht nimmt“ (T 964).

Der z w e i t e T e i l welcher historisch ist

Erstes Hauptstück: Eine Erzählung, deren Wahrheit der beliebigen Erkundigung des Lesers empfohlen wird. Kant erzählt von Swedenborg, der Umgang mit Geistern und Toten habe. „So wie er, wenn man ihm selbst glauben darf, der Erzgeisterseher unter allen Geistersehern ist, so ist er auch sicherlich der Erzphantast unter allen Phantasten“ (T 966).

Im folgenden bringt Kant die oben wiedergegebenen drei Geschichten, die der Beglaubigung Swedenborgs dienen sollen. Kants Aussagen sind hier widersprüchlich: Einerseits erzählt er die Geschichten so, daß man von deren Wahrheit überzeugt sein muß, andererseits bezeichnet er sie als „Märchen […], die ein Vernünftiger Bedenken trägt mit Geduld anzuhören, ja solche gar zum Text philosophischer Untersuchungen zu machen“ (T 968).

Doch er selbst habe sich ja ebenfalls als Märchenerzähler betätigt, denn sein dogmatischer Teil der „Träume eines Geistersehers“ sei „eben so wohl ein Märchen […] aus dem Schlaraffenlande der Metaphysik“; […] warum sollte […] das blinde Vertrauen in die Scheingründe der Vernunft“ besser sein als der unbehutsame Glaube „an betrügliche Erzählungen“? (T 968)

Zweites Hauptstück: Ekstatische Reise eines Schwärmers durch die Geisterwelt. Kant schreibt, „daß man entweder in Schwedenbergs Schriften mehr Klugheit und Wahrheit vermuten müsse, als der erste Anschein blicken läßt, oder daß es nur so von ohngefähr komme, wenn er mit meinem System zusammentrifft“ (T 972f).

Daß Swedenborgs Philosophie mit derjenigen von Kant übereinstimmt, ist kein Zufall. Es hängt damit zusammen, daß Swedenborg Mineraloge war, also wissenschaftlich dachte. Die Differenz zwischen Kant und Swedenborg besteht nicht in der Erkenntnistheorie, sondern in den Erfahrungen. Da alles Gegenstand der Wissenschaft sein kann, ist es unredlich von Kant, Swedenborg wegen der Gegenstände zu verurteilen, über die er schreibt.

Etwas später behauptet Kant, daß in Swedenborgs Schriften kein Tropfen Vernunft zu finden sei. Trotzdem „herrscht darinnen eine so wundersame Übereinkunft mit demjenigen, was die feineste Ergrübelung der Vernunft über den ähnlichen Gegenstand herausbringen kann“ (T 973).

Was will er damit sagen? Daß Swedenborgs Botschaften mit den metaphysischen Spekulationen übereinstimmen?

Kant schreibt, daß Swedenborgs „Himmlische Geheimnisse“ „acht Quartbände voll Unsinn“ enthalten (T 973). Das wirft die Frage auf, warum Kant viereinhalbtausend Seiten Unsinn auf Lateinisch gelesen hat. Sollte er nicht alles gelesen haben: Woher will er dann wissen, daß alles Unsinn ist?

Für Swedenborgs Bibelinterpretationen interessiert sich Kant nicht. Seltsam: Das ganze Werk ist nur eine Interpretation der Bibel, auch wenn kürzere Abhandlungen dazwischengeschoben sind. Hat Kant also nur diese Abhandlungen gelesen? Antwort: Nicht einmal das. Kant interessierte sich nur für die Visionen Swedenborgs in den „Beilagen zu seinen Kapiteln“ (T 974).

Er kritisiert den Stil von Swedenborg als „platt“ (T 974). Das ist er nicht. Swedenborg schreibt einfach und zwar so, daß man sich alles sehr gut vorstellen kann. Das heißt, sein Stil ist dem Gegenstand angemessen. Mehr kann man nicht tun.

Kant spekuliert: „Seine Erzählungen und ihre Zusammenordnung scheinen in der Tat aus fanatischem Anschauen entsprungen zu sein, und geben gar wenig Verdacht, daß spekulative Hirngespinste einer verkehrtgrüblenden Vernunft ihn bewogen haben sollten, dieselbe zu erdichten und zum Betruge anzulegen“ (T 974).

Hätte er mehr von Swedenborg gelesen, hätte er gemerkt, daß Swedenborg bei all seinen Visionen stets ganz nüchtern geblieben ist und einen klaren Kopf behalten hat. Er hat sich kein X für ein U vormachen lassen, sondern Engel, Geister und Tote auch korrigiert, wo ihm das notwendig schien. Von Fanatismus ist da keine Spur. Immerhin anerkennt Kant, daß Swedenborg nichts erfunden, sondern alles tatsächlich erlebt hat.

Für Kant sind Swedenborgs Visionen „Wahnsinn„, Swedenborgs denkerische Erfassung dieser Visionen Wahnwitz (Klügelei, Vernünftelei). Unter Rücksicht auf seine Leser verspricht Kant, viele wilde „Chimären“ Swedenborgs wegzulassen und „die Quintessenz des Buchs auf wenig Tropfen“ zu bringen (T 974).

Kants Darstellung der verschiedenen Arten von Swedenborgs Erfahrungen ist richtig und objektiv (T 975-980). Abstoßend (und objektiv falsch) sind nur seine Bewertungen als „Phantasterei“, Schwärmerei (T 978), Idealismus (T 979), „Ungereimtheit“, „Einbildung“, „Hirngespinste“ (T 980), „Träumereien“, „wilde Hirngespinste“ und verworrener Sinn (T 981). Sie widersprechen dem, was Kant weiter oben gesagt hat, nämlich daß Swedenborgs Schilderungen tatsächliche Anschauungen zugrundeliegen.

Dasselbe gilt für Kants Feststellung von den „wilden und unaussprechlich albernen Gestalten […], welche unser Schwärmer bei seinem täglichen Geisterumgange in aller Klarheit zu sehen glaubt“ (T 979). Swedenborg glaubte nicht, etwas zu sehen, sondern er sah es. Daran gibt es keinen Zweifel. Wer meint, mit den Geistern sei es inbezug auf Verstand und Moral besser bestellt als mit den Menschen, irrt sich. Denn all diese Geister waren ja vorher Menschen. Die einen entwickeln sich zum Besseren, die andern zum Schlechteren.

Das Problem liegt überhaupt nicht bei Swedenborg. Er hat getreulich geschildert und durchdacht, was er erlebt hat. Das Problem liegt bei denen, die ihm seine Erfahrungen verschafft haben. Sie verschaffen anderen Menschen andere Erfahrungen. Von daher das große Durcheinander in den Religionen, Weltanschauungen, Philosophien und Ideologien. Dieses Durcheinander ist m.E. gewollt. Meine Erklärung dafür ist, daß die geistige Welt die Menschen einerseits erziehen und bilden will, andererseits aber verhindern will, daß sie zu weise und mächtig werden. Es ist wie bei den Lehrern auf der Erde: Es sind nicht alle glücklich darüber, wenn ihnen die Schüler über den Kopf wachsen.

Kant macht Swedenborg noch einen moralischen Vorwurf: Swedenborg habe alles Häßliche und Unschöne zu unbekümmert mitgeteilt. Kant vergleicht das mit einem Natursammler, der anderen Menschen auch Mißgeburten zeigt. Das rufe bei schwangeren Frauen einen „schlimmen Eindruck“ hervor (T 981).

Doch in dieser Hinsicht könnte Kant unbesorgt sein: Tausende Seiten von Swedenborg liest man nicht eben mal aus Versehen, wie wenn man zufällig am Präparat einer Mißgeburt im Wohnzimmer eines Natursammlers vorbeikommt. Dasselbe gilt für die Schriften von Kant. Wer den ersten Hauptteil überstanden hat, wird sich nach Kants Zusammenfassung von Swedenborgs Philosophie keine „Mondkälber“ einbilden (T 981).

Bleibt das Problem der angeblich mangelnden Intersubjektivität: Swedenborgs Visionen seien nur „Privaterscheinungen“, die zu nichts führen, meint Kant (T 981). Doch ganz so schlimm ist es nicht. Man kann sie mit Visionen anderer Menschen vergleichen und dabei Übereinstimmungen sowie Unterschiede finden.

Kant zieht das Fazit, daß man durch Schaden klug wird, nämlich „daß das Klugdenken mehrenteils eine leichte Sache sei, aber leider, nur nachdem man sich eine Zeitlang hat hintergehen lassen“ (T 982).

Er habe sich nur um seiner leichtsinnigen Freunde willen daran gemacht. Als positives Ergebnis bleibe nur die Bestimmung der Metaphysik als „Wissenschaft von den Grenzen der menschlichen Vernunft“ (T 983).

Drittes Hauptstück: Praktischer Schluß aus der ganzen Abhandlung. Kurz: Keine Erkenntnis ohne Erfahrung.

Brief an Moses Mendelssohn vom 7.2.1766

Kant schickte dem Adressaten einige Exemplare seiner „Träume eines Geistersehers“ und bat ihn, sie an Hofprediger Sack, Oberconsistorialrat Spalding, Probst Süßmilch, Professor Lambert, Professor Sultzer und Professor Formey zu verteilen, um deren Beurteilung zu erfahren.

Als ob er sich dafür entschuldigen müßte, rechtfertigte sich Kant: „Es ist eine gleichsam abgedrungene Schrift, und enthält mehr einen flüchtigen Entwurf von der Art wie man über dergleichen Fragen urtheilen solle als die Ausführung selber“ (B IX 54f).

Brief an Moses Mendelssohn vom 8.4.1766

Mendelssohn war über den „Ton“ der „Träume eines Geistersehers“ befremdet. Kant betonte, daß er stets aufrichtig gewesen sei, wenn auch seine Schrift einige „Unordnung“ aufweise (B IX 56).

Daß er sich nach Swedenborg erkundigt habe, sei vorwitzig gewesen. Denn seither werde er mit allerlei Nachfragen bestürmt. Die „Träume eines Geistersehers“ habe er verfaßt, um „Ruhe“ vor diesen Nachfragen zu haben. Außerdem wolle er sich nicht „dem Gespötte“ aussetzen (B IX 56). Deshalb habe er über sich selbst gespottet.

Gegenüber metaphysischen Schriften habe er inzwischen einen Widerwillen und Haß entwickelt, da sie aufgeblasen und anmaßend seien. Sie würden nur „den Wahn und die Irrthümer ins unendliche vermehren“. Wenn man sie alle vernichten würde, wäre der Schaden nicht so groß, wie „die erträumte Wissenschaft mit ihrer so verwünschten Fruchtbarkeit“ (B IX 56f).

Doch Kant betonte, daß er die Metaphysik weder gering schätze noch für „entbehrlich“ halte. Von ihr sei sogar „das wahre und dauerhafte Wohl“ der Menschheit abhängig. Doch man müsse jegliche Dogmatik überwinden und skeptisch an die ganze Sache herangehen. Das Ergebnis sei dann zwar nur negativ, doch reinigend für „die Scheineinsicht […] eines verderbten Kopfs“ (B IX 57).

Das Wichtigste sei die Sammlung von Daten zu dem Problem, „wie […] die Seele in der Welt gegenwärtig“ sei, und zwar sowohl „den materiellen Naturen als denen anderen von ihrer Art“ (B IX 58).

Da es in dieser Hinsicht keine Erfahrungen gebe, fragt Kant, „ob es an sich möglich sey durch Vernunfturtheile a priori diese Kräfte geistiger Substanzen auszumachen. Diese Untersuchung löset sich in eine andere auf ob man nemlich eine primitive Kraft d. i. die erste Grundverhältnis der Ursache zur Wirkung durch Vernunftschlüsse erfinden könne und da ich gewiß bin daß dieses unmöglich sey so folget, wenn mir diese Kräfte nicht in der Erfahrung gegeben seyn, daß sie nur erdichtet werden können“ (B IX 58).

Übrig bleibt die Frage, „ob aus unseren Erfahrungen iemals eine solche Kentnis von der Natur der Seele möglich sey die da zureiche die Art ihrer Gegenwart im Weltraume so wohl in Verhaltnis auf die Materie als auch auf Wesen ihrer Art daraus zu erkennen“ (B IX 59).

Wenn wir diese Frage stellen und „die Beweisthümer aus der Anständigkeit oder den Göttlichen Zwecken so lange bey Seite setzen […] so wird sich zeigen ob Geburth (im methaphysischen Verstande) Leben und Tod etwas sey was wir iemals durch Vernunft werden einsehen können. Es liegt hier daran auszumachen ob es nicht hier wirklich Grenzen gebe welche nicht durch die Schranken unserer Vernunft nein der Erfahrung die die data zu ihr enthält festgesetzt seyn“ (B IX 59).

Kurz: Da sich Erkenntnis aus Anschauung und Denken zusammensetzt, gibt es eine Erkenntnisgrenze, die durch die Anschauung bestimmt wird: Wem diese Anschauung fehlt, kann nicht erkennen, er mag soviel denken, wie er will.

Swedenborg hatte diese Anschauung, Kant nicht. Doch Kant tat diese Anschauung Swedenborgs als „Träumereien“ ab (B IX 58), obwohl er sie mangels eigener Erfahrungen gar nicht beurteilen konnte. Insofern verstieß er gegen seinen eigenen Erkenntniskodex.

Benz hält Kants Beurteilung von Swedenborg für „einseitig“ und „ungerecht“. Sie scheine „mehr einer vorgefaßten Animosität als einer sachlichen Kritik entsprungen“ zu sein (SD 239).

Tatsächlich handelte es sich um eine Art von Notwehr: Aufgrund der Gedanken von Schwärmern über Kant drohte ihm der Verlust seiner Reputation als Wissenschaftler bzw. Philosoph. Daß er, um seine Reputation zu retten, selbst zu kontraproduktiven Mitteln griff, schadete ihm m.E. noch mehr als die Fehleinschätzung durch die Schwärmer.

Sein Glück war es, daß diese kontraproduktiven Mittel Schule machten, allerdings zum Schaden der Wissenschaft.

© Gunthard Rudolf Heller, 2023

Literaturverzeichnis

BENZ, Ernst: Swedenborg in Deutschland – F. C. Oetingers und Immanuel Kants Auseinandersetzung mit der Person und Lehre Emanuel Swedenborgs, nach neuen Quellen bearbeitet, Frankfurt am Main 1947 (SD)

– Emanuel Swedenborg – Naturforscher und Seher, München 1948

DRESCHER, Siegfried (Hg.): Wer war Kant? – Drei zeitgenössische Biographien von Ludwig Ernst Borowski, Reinhold Bernhard Jachmann und E. A. Ch. Wasianski, Pfullingen 1974

GULYGA, Arsenij: Immanuel Kant, Frankfurt am Main 1981

HELLER, Gunthard: Swedenborgs Interpretation der Offenbarung des Johannes I-VI (Facebook 2023)

– Swedenborgs Botschaft über Außerirdische (Facebook 2023)

– Swedenborgs Botschaft über das Jenseits (Facebook 2023)

– Swedenborgs Botschaft über die Liebe (Facebook 2023)

HÖFFE, Otfried: Immanuel Kant, München 21988

KANT, Immanuel: Werke Band IX und X – Briefe von und an Kant, hg. v. Ernst Cassirer, Berlin 1922 (B; Wiedergabe von Sperrdruck in Kursivdruck von mir)

– Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik, in: Werkausgabe Bd. 2, hg. v. Wilhelm Weischedel, Frankfurt am Main 1977, S. 919-989 (T; Wiedergabe von Sperrdruck in Kursivdruck von mir)

KINDLERS NEUES LITERATUR-LEXIKON, hg. v. Walter Jens, 21 Bände, München 1996 (KNLL)

KORELL, Federico: Kant und die „Fliegenden Teller“ – Eine zeitgemäße Betrachtung, Calw o.J.

MEYERS ENZYKLOPÄDISCHES LEXIKON, 25 Bände, Mannheim/Wien/Zürich 91980/81

MIERS, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens, München 61986

SCHULTZ, Uwe: Immanuel Kant mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt, Reinbek bei Hamburg 1987

SWEDENBORG, Emanuel: Himmlische Geheimnisse, die in der Heiligen Schrift, dem Worte des Herrn, enthalten und nun enthüllt sind, Übersetzung von Immanuel Tafel, Wichtige Hinweise für den Leser von Dr. Friedemann Horn, Studienausgabe in neun Bänden, Zürich o.J.

– Von den Erdcörpern der Planeten und des gestirnten Himmels Einwohnern, allwo von derselben Art zu denken, zu reden und zu handeln, von ihrer Regierungs-Form, Policey, Gottesdienst, Ehestand und überhaupt von ihrer Wohnung und Sitten, aus Erzählung derselben Geister selbst Nachricht gegeben wird. Ein Werk zur Prüfung des Wahren und Wahrscheinlichen, woraus wenigst vieles zur Philosophie und Theologie, Physik, Moral, Metaphysik und Logik kann genommen werden (London 1758), aus dem Latein übersezt und mit Reflexionen begleitet von einem der Wissenschaft und Geschmack liebt, Anspach 1771, Nachdruck Wrocław o.J.

– Himmel und Hölle nach Gehörtem und Gesehenem (1758), aus dem Lateinischen von Dr. Friedemann Horn, Zürich 1977

– Die enthüllte Offenbarung Johannis, worin die Geheimnisse, die darin vorhergesagt und bisher verborgen gewesen waren, aufgeschlossen werden, aus dem lateinischen Original (1766) übersetzt von Immanuel Tafel, Nachdruck der zweiten Auflage (1872-1874), Zürich o.J.

– Die Wonnen der Weisheit über die eheliche Liebe sowie Die Wollüste der Torheit über die buhlerische Liebe (1768), aus der lateinischen Urschrift übersetzt von Dr. I. Tafel (1845), Stuttgart 31891, Nachdruck Zürich 4o. J.

WILPERT, Gero von (Hg.): dtv-Lexikon der Weltliteratur – Autoren, München 1971

Gunthard Heller

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