Traumarbeit: Luzides Träumen lernen

Viele Menschen kennen luzides Träumen nur als spontanes Phänomen. Aber sind Klarträume wirklich nur Zufall oder kann man diese Art des Träumens lernen? Erfahrene Träumer berichten, dass bestimmte Voraussetzungen und Übungen die Wahrscheinlichkeit von luziden Träumen erhöhen. In diesem Artikel will ich anhand eigener Erfahrungen berichten, wie man an diese Art der Traumarbeit herangehen kann.

Falls Sie mit dem Thema noch nicht vertraut sind, empfehle ich vorab die Einführung "Klartraum: Was ist luzides Träumen?" zu lesen. Dort habe ich bereits einige grundlegende Fragen wie: Was ist ein Klartraum? Welche Arten von Klarträumen gibt es? Was kann man beim Klarträumen tun? usw. ausführlicher behandelt.

Kann man luzides Träumen lernen?

Viele Menschen haben in ihrem ganzen Leben nur 1 bis 2 spontane luzide Träume. Menschen, die sich sehr aktiv mit ihren Träumen beschäftigen und gezielte Übungen zur Traumarbeit durchführen, kommen auf etwa 6 bis 10 Klarträume im Jahr. Luzide Träume sind also selbst bei erfahrenen Traumpiloten eher selten bzw. eine Ausnahme.

luzid träumen lernen Klarträume

Man braucht auf jeden Fall eine Menge Geduld und Beharrlichkeit, um diese Art von Träumen vermehrt zu erzeugen; eine einfache "Technik" oder ein schnelles Patentrezept gibt es nicht. Dennoch sind einige Voraussetzungen und Übungen zu nennen, die ein häufigeres Auftreten von Klarträumen fördern.

Günstige Voraussetzungen für luzides Träumen

Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, dass man sich für seine Träume interessiert: Man versucht sich an sie zu erinnern, sie zu deuten und eigene Erfahrungen zu notieren. Da jeder Mensch in der Nacht etwa 3 bis 6 Mal träumt, stellt sich die erste Frage, wie man sich an diese Träume nach dem Aufwachen erinnert. Hierzu gibt es bereits viele Tipps im Artikel: "Träume erinnern: Wie geht das?"

Es ist möglich die Traumerinnerung anzuregen, indem man beispielsweise an ungewohnten Orten schläft, den Schlaf in der Nacht einmal oder mehrmals unterbricht (Wecker) oder vor dem Einschlafen eine Suggestionsübung zur Traumerinnerung vornimmt.

Damit die Träume an Bedeutung gewinnen, sollte man lernen sie zu deuten (siehe Artikel: "Traumdeutung lernen: Erfahrungsbericht eines Träumers"). Denn nur dann, wenn Dinge oder Phänomene uns etwas bedeuten und wir anfangen sie zu verstehen, werden wir mit diesen Informationen arbeiten und sie länger im Gedächtnis behalten.

Die Bedeutung einiger Träume erschließt sich manchmal erst nach Tagen oder Wochen. Daher empfiehlt es sich, die wichtigsten, am besten alle Träume, in einem Traumtagebuch zu notieren. So haben wir lange Zugriff auf unsere Erinnerung und können auch Serienträume, d. h. bestimmte Themen, die sich wiederholen oder immer weiter fortsetzen, erkennen.

Wer dies täglich über einige Monate macht, wird sich an immer mehr Träume erinnern. Die Träume werden lebendiger und intensiver und man schult die eigene Intuition, was die Träume zu erzählen haben. Wenn man diese "Basics" gewohnheitsmäßig ausführt, dann werden sich auch die folgenden Übungen zum Anregen von luziden Träumen als hilfreich erweisen.

Realitätscheck: Träum ich oder wach ich?

Einer der bekanntesten Übungen zum Anregen von Klarträumen ist der Realitätscheck. Die Idee dahinter ist, dass unsere Wahrnehmung von uns selbst und der Umwelt im Wach- bzw. Traumbewusstsein sehr unterschiedlich ist. Wenn wir uns diese Unterschiede bewusst machen, haben wir im Traum eine Chance zu bemerken, dass wir träumen.

Das Prinzip der Übung besteht darin, dass wir uns zunächst täglich im Wachbewusstsein die Frage stellen "Träum ich oder wach ich?" und dabei einen kleinen Realitätscheck (praktisch!) ausführen. Dies tut man solange, bis der Check zu einer festen Gewohnheit des Alltags, also automatisiert wird. Die Gewohnheit kann dann ins Unterbewusste "einsickern" und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Realitätscheck auch im Traum ausführen. Gelingt dies, ist das fast eine Garantie dafür, einen luziden Traum zu erzeugen.

Um erfolgreich zu testen, müssen uns einfache Kriterien klar sein, die die Traumrealität von der wirklichen Welt unterscheiden. Die Unterschiede sollen möglichst prägnant sein und zur eigenen Wahrnehmungsgewohnheit passen. Als Anregung folgen einige Beispiele.

Die erste Variante ist der Kontinuitätscheck. In der Wachwelt ist meine Wahrnehmung der Zusammenhänge kontinuierlich. Wenn ich gedanklich in die Vergangenheit zurückgehe, wie ich in ein Zimmer kam, was ich vorher gemacht habe, warum ich dort hinging, wie ich aufgestanden bin etc., kann ich eine Kette von zusammenhängenden und lückenlosen Ereignissen erinnern, die mein Erleben kontinuierlich und folgerichtig verknüpfen.

luzid träumen lernen - der Realitätscheck

Im Traum hingegen kann ich durch die Haustür gehen, plötzlich in den Straßen einer fremden Stadt stehen und kurz darauf auf einem Dach turnen. Sobald ich den Kontinuitätscheck ausführe und mich frage, wie es möglich ist, so schnell die Orte zu wechseln, wird mir auffallen, dass etwas nicht stimmt. Die Wahrscheinlichkeit zu erkennen, dass ich mich in einem Traum befinde, ist dann extrem hoch.

Die zweite Variante nenne ich den Sinnescheck. Denn auch unsere Sinneswahrnehmungen unterscheiden sich deutlich in beiden Welten. Ich kann beispielsweise im Traum nichts riechen, während in der Wachwelt jeder Gegenstand einen sehr eigenen Geruch hat. Klopfe ich auf Gegenstände, erzeuge ich sehr viele unterschiedliche Töne, während meine Traumwelt nur sehr wenige akustische Unterschiede hergibt.

Schlage ich ein Buch auf, kann ich die Schrift lesen, während im Traum die Buchstaben anfangen zu wandern, zu tanzen oder zu verschwimmen. In der Wachwelt kann ich jederzeit auf meine Armbanduhr sehen und die Zeit ermitteln, während ich im Traum keine Uhr am Arm trage und wenn doch, ich die digitale Schrift / den Zeiger nicht deutlich sehen kann.

Welchen Sinnescheck man wählt, ist im Grunde egal. Der Test sollte nur sehr einfach durchzuführen sein und den Unterschied eindeutig zeigen. Wenn Sie also auch im Traum sehr gut riechen können, sollten Sie einen anderen Sinnescheck wählen, der zu Ihrer Wachwelt einen deutlichen Unterschied aufweist.

Eine dritte Variante nenne ich den "Personencheck". Hier frage ich mich, sobald ich einer Person begegne, beispielsweise: Wer ist das? Woher kenne ich den Menschen? Was haben wir bislang zusammen unternommen? usw. Denn im Traum kommt es häufiger vor, dass sich ein "Wildfremder" ganz selbstverständlich als "Arbeitskollege" ausgibt. Schon ein kurzer Personencheck, lässt so eine "Täuschung" auffliegen.

Solche Realitätschecks in den Alltag einzubauen, ist sehr einfach und kostet (fast) keine Zeit. Ich empfehle den Realitätscheck ca. 3 bis 6 Mal pro Tag durchzuführen, am besten zeitlich über den ganzen Tag verteilt. Empfehlenswert ist es, sich für eine bestimmte Variante (und Abfolge) von Realitätschecks zu entscheiden und diese dann regelmäßig auszuführen. Wenn man zu häufig wechselt, ist es viel schwerer, den Check ins Unterbewusste als "Automatik" zu bekommen.

Meditation und Suggestionsübungen

Ein andere Option, Klarträume zu erzeugen ist, vor dem Einschlafen eine Autosuggestion mit entsprechenden Affirmationen vorzunehmen. Als Technik bietet sich beispielsweise die "Autosuggestion mit der Countdown-Methode" an. Als Affirmation können Sie Formulierungen wählen wie:

  • Ich prüfe immer, ob ich träume oder wache.
  • Ich werde mir bewusst, dass ich träume und wache im Traum auf (bzw. werde im Traum bewusst).
  • Ich werde heute Nacht einen Klartraum haben und XY ausprobieren.

Innere Bilder helfen dabei, solche Affirmationen zu verstärken. Während ich die Affirmation in Worten wiederhole, stelle ich mir bildlich vor, wie ich im Traum meinen Realitätscheck durchführe. So werden die Worte mit einer klaren "Vorstellung" verbunden, die das Unterbewusstsein verstehen kann.

Kleine Rituale und Klartraumhilfen

Auch kleine Rituale oder Gegenstände können vor dem Einschlafen einen luziden Traum anregen. Man kann beispielsweise einen bestimmten Duft räuchern, der für "Klarträume" stehen soll. Man kann sich besondere "Traumsteine" besorgen und diese mit ins Bett nehmen, unters Kopfkissen legen. Man kann sich vor den Spiegel stellen und sagen "Ich bin im Traum erwacht (oder bewusst) und erkenne, dass ich träume".

Eine etwas aufwendigere Variante ist, sich einen kleinen Traumaltar zu gestalten, auf den man Gerüche, Bilder, Gegenstände, Statuen oder einen Traumfänger stellt. Das sind nur Anregungen, wie das funktioniert, werde ich an anderer Stelle genauer beschreiben.

Bei mir und vielen meiner Bekannten haben diese Übungen geholfen, gezielt Klarträume zu erzeugen. Ich hoffe, dass auch für Sie genug Anregungen zum Ausprobieren dabei waren.

Viel Erfolg beim Erzeugen von luziden Träumen!

28.03.2018 © seit 03.2018 Tony Kühn  

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