Igelhaus bauen: Igeln beim Überwintern helfen

Wer Igel oder eine ganze Igelfamilie im Garten findet, darf sich freuen, denn sie sind wertvolle Nützlinge. Da viele Gärten heute nicht mehr natur- oder "igelfreundlich" gestaltet sind, kann man als Igelfreund den Igeln beim Überleben / Überwintern helfen. In diesem Artikel erfahren Sie einiges Wissenswertes über Igel und darüber hinaus, wie Sie ein Igelhaus selber bauen können. Am Ende finden Sie von uns noch ein Video, das ebenfalls unsere Erfahrungen und Tipps zeigt.

Igel sind Nützlinge

Igelhaus bauen Igel überwinternBei den Igeln in deutschen Gärten handelt es sich meist um Braunbrustigel, deren dunkelbraunes Stachelkleid unverwechselbar ist. Die nachtaktiven Tiere verstecken sich tagsüber in Reisig- oder Laubhaufen und suchen in der Dämmerung nach Futter.

Sie fressen gerne Schnecken, Würmer, Asseln und junge Mäuse, was sie als Schädlingsbekämpfer sehr beliebt macht. Das ist Grund genug, um ihnen beim Überleben / Überwintern zu helfen.

Igel überwintern: Was Sie über den Winterschlaf wissen sollten

Ab Mitte Oktober gibt es für Igel immer weniger Essbares im Garten zu finden. Sinken die Bodentemperaturen regelmäßig auf 5 bis 0°C, wird es für sie Zeit, den Winterschlaf zu beginnen.

So schlummern sich Igel meist gegen Mitte November in den Winterschlaf, der - je nach Temperatur - bis Ende März oder April gehen kann. Ist das Wetter im nächsten Frühjahr besonders kalt, nutzen die Igel ihr wärmendes Quartier noch bis in den Mai hinein.

Wenn Sie dem Igel also ein Igelhaus gebaut haben, sollten Sie ihn in dieser Zeit nicht mehr stören bzw. das Igelquartier auch nicht mehr umsetzen.

Igel vor dem Winter füttern?

Igel müssen sich vor dem Winterschlaf ihren Winterspeck anfressen, um die kalte Jahreszeit gut zu überstehen. Igelkinder kann man zwischen Anfang Juli bis Ende September sehen. In dieser Zeit finden sie noch genug Nahrung im Garten, um sich einen Winterspeck anzufressen.

Wenn sie jedoch - z. B. beim zweiten Wurf - später zur Welt kommen, kann es mit der Nahrungsaufnahme eng werden. Es empfiehlt sich, sie durch artgerechtes Futter zu unterstützen.

Igel füttern Igelhaus bauenAls Igelfutter eignen sich Katzenfutter, Rührei, gekochtes Geflügelfleisch oder gegartes Hackfleisch - aber bitte niemals würzen!

Als Ballaststoffe kann man einen Esslöffel Weizenkleie, Haferflocken oder Igeltrockenfutter darunter mischen. Da Igel leicht Zahnstein bekommen, ist gekochtes (ungewürztes!) Hühnerklein zum Zähneputzen geeignet.

Zum Trinken bitte nur frisches Wasser verwenden! Sie mögen zwar auch Milch, die aber einen üblen Durchfall verursacht. Die Folge: Sie trocknen aus und sterben eventuell sogar daran. Ansonsten können Sie auch einen Tierarzt fragen, was noch für Igel geeignet ist. Aber bedenken Sie - falsches Futter kann mehr schaden als nützen!

Natürliches Igelhaus selber bauen

Die Natur liefert genug Materialien, damit daraus ein natürliches Igelhaus entstehen kann. Die Igel brauchen einen trockenen und warmen Hohlraum, um warm genug zu schlafen. Hierzu kann man beispielsweise einen Reisig - oder Heckenschnitthaufen im Garten liegen lassen und im Herbst darüber etwas Rasenschnitt und viel Laub geben.

Der Rasenschnitt und das Laub sollten mindestens 40 cm (besser mehr) dick sein, damit es gegen Regen und Kälte schützt. Zudem nutzen Igel solche Materialien gleich noch als Baumaterial, um ihr Nest im Inneren zu gestalten. Sie sind auch gerne in der Nähe von Komposthaufen, da diese durch die Gärung Wärme abgeben und noch kleine Insekten und Würmer als Snack abfallen.

Igelhaus aus Holz selber bauen

Das Holz für das Igelhaus sollte mindestens 2 cm (oder dicker) sein, damit es gut gegen Kälte isoliert. Der Eingang sollte so klein geschnitten sein, dass zwar Igel - aber keine Katzen - durchpassen. Außerdem sollte Innen - als Katzenschutz - noch eine zweite Trennwand (siehe folgende Abb rechts. oder Video unten) eingefügt werden.

Igelhaus selber bauenAls Baumaterial zum Nestbau gibt man in die "Schlafkammer" weiches Heu, trockene Blätter und feinen Reisig hinein. Das Igelhaus kann man mit Leinölfirnis gegen Feuchtigkeit imprägnieren (siehe Artikel "Anwendung Leinöl: Leinölfirnis als Holzschutz auftragen") oder mit Dachpappe schützen.

Zudem eignet sich ordentlich viel Laub als zusätzlicher Wärmeschutz rund herum und oben drauf.

Wie Sie in der rechten Abbildung erkennen können, ist unser Igelhaus im Garten von den Igeln - einer ganzen Familie mit 8 Kindern - angenommen worden. Hier beginnen sie gerade sich "häuslich" einzurichten und Reisig, Blätter und Heu zum Bauen des Nestes hineinzutragen.

Kranke Igel in eine Igelstation geben

Manchmal findet man auch kranke oder geschwächte Igel im Garten, die von sich aus nicht mehr überleben könnten. Kranke Igel reagieren apathisch, d. h. sie rollen sich bei Gefahr - oder einer Berührung - nicht mehr zusammen. Oftmals sind auch die Augen eingefallen und schlitzförmig. Auch Igelkinder mit einem Gewicht von unter 300 Gramm, die bei Frost noch unterwegs sind, brauchen fachmännische Hilfe.

Am besten kontaktierten Sie einen Tierarzt oder eine sogenannte "Igelstation", die es fast überall in Deutschland gibt. Adressen und Telefonnummern finden Sie auf folgender Webseite "Igelstationen in Deutschland" (Adressen). In Igelstationen gibt es nicht nur geschultes Fachpersonal - sie nehmen auch Igel zur Pflege oder Überwinterung auf.

Videoanleitung: Igelhaus selber bauen

Hier zeigen wir Ihnen, wie wir einer Igelfamilie ein Winterquartier gebaut haben.

Gartentipps für Igelfreunde

Die Gartenflächen in Deutschland übertreffen in ihrer Gesamtfläche alle Naturschutzgebiete bei Weitem. Doch viele machen daraus oft nur optisch schöne Ödflächen, die nicht mehr von heimischen Tieren und Pflanzen bewohnt werden können.

Dabei wäre es gar nicht so schwer einen Teil des Gartens verwildern zu lassen, Reisig- und Laubhaufen für Tiere liegen zu lassen, in denen viele Insekten, Würmer - und Igel - überwintern können. Zäune mit großen Öffnungen lassen kleinere Tiere - wie Igel - passieren.

Altes Holz kann Käfern als Wohnung dienen - Komposthaufen sind Brutstationen für Nützlinge - um einige Beispiele zu nennen. Büsche und Bäume dienen Vögeln und Insekten zum Nisten und überleben. Vernichten Sie nicht mit Laubbläsern oder Laubsaugern wertvollen Lebensraum.

Wenn Sie wenigstens einen kleinen Teil des Gartens wieder der Natur überlassen, schafft sie sich ganz von selbst wieder ein wertvolles Biotop, das allen Lebewesen zugute kommt.

Viel Erfolg beim Bau eines Igelhauses!

02.11.2016 © seit 10.2016 Tony Kühn    

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