Leinöl Anwendung: Leinölfirnis als Holzschutz auftragen

Wer nach einem Holzschutz für alte Holzmöbel sucht, greift oft gerne auf natürliche Holzschutzmittel - wie Leinöl oder Leinölfirnis - zurück. Allerdings sollte man auch wissen, wie eine Anwendung mit Leinölfirnis funktioniert. Lesen Sie hier alle wichtigen Informationen, die Sie über Leinöl / Leinölfirnis und seine Anwendung benötigen.

Was ist Leinöl und Leinölfirnis?

was ist leinöl LeinölfirnisLeinöl ist ein natürliches Öl, welches aus der Flachs- oder Leinpflanze durch Auskochen gewonnen wird (siehe Abbildung rechts).

Da Leinöl schwer trocknet (mehrere Tage), versetzt man es heute gerne mit sogenannten Sikkativen (Trocknungsmitteln) und anderen Zusatzstoffen. Diese "Veredlung" nennt man dann Leinölfirnis. Falls schwermetallhaltige Sikkative zur Herstellung der Firnis verwendet wurden, müsste dies extra gekennzeichnet werden. Solcherart hergestellte Firnis würde ich nicht kaufen.

Leinölfirnis braucht etwa 24 Stunden bei 20°C, bis es durchgetrocknet ist - die Endhärte der Beschichtung ist aber erst nach ca. 4 Wochen erreicht. Im Gegensatz zu anderen Beschichtungen, z. B. Holzlacke, die wesentlich schneller trocken und ihre Endhärte erreicht haben, ist also etwas Geduld erforderlich.

Leinölfirnis härtet durch eine Oxidationsreaktion (Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft) und bildet dadurch eine Schutzschicht aus, die man Linoxin nennt. Linoxin bildet eine elastische, wasser- und witterungsbeständige Schicht aus, die für Innen- und Außenanwendungen geeignet ist. Daher findet Leinölfirnis nicht nur als Holzschutz bei Möbeln Anwendung, sondern wird sogar beim Bootsbau verwendet.

Leinölfirnis gilt laut Wikipedia für Menschen als gesundheitlich unbedenklich und bekam von der Stiftung Warentest (Punkt "Gesundheit") die Bewertung "Gut". Da Leinölfirnis mit fast allen Lacken gut überstrichen werden kann, ist es auch als Grundierung hervorragend geeignet.

Hier bekommen Sie eine komplette Anleitung mit Materialliste. Ganz unten finden Sie noch eine Videoanleitung, die ebenfalls alles Wichtige zeigt.

Leinöl Leinölfirnis AnwendungGefahren bei der Anwendung von Leinölfirnis

Bei der Verarbeitung von Leinöl besteht die Gefahr der Selbstentzündung, da die oxidativen Prozesse Wärme erzeugen. So dürfen Lappen, Pinsel oder Putzwolle, die mit Leinölfirnis getränkt sind nicht sofort in den Mülleimer gegeben werden, sondern sollten vorher auf einer feuerfesten Unterlage vollständig austrocknen.

Anwendung: Leinölfirnis als Holzschutz auftragen

1. Schleifen Sie das Holzstück / Holzmöbel vollständig ab, sodass das reine Rohholz sichtbar ist.

2. Waschen Sie mit einer Seifenlösung das Holz ab, um den Staub, Fett- oder anderweitige Schmutzreste vollständig zu entfernen. Lassen Sie das Holz ca. 1 Tag trocknen.

Tipp: Stellen Sie das Holzmöbel auf Böcke und legen Sie eine Plastikplane darunter. So können Sie bequemer arbeiten und falls Sie später kleckern, landet das Öl auf der Plane. Sorgen Sie für ausreichend Licht, sodass Sie die Schichtstärke des aufgetragenen Öls gut erkennen können.

Leinölfirnis Halböl herstellen3. Beim ersten Anstrich verdünnen Sie die Leinölfirnis mit Terpentinersatz (1:1), damit das Öl möglichst tief in das Holz eindringen kann. Die unverdünnte Firnis wäre etwas zu zähflüssig, d. h. würde zu wenig in die Spalten und Fasern des Holzes eindringen.

Da es relativ stark riecht, empfehle ich den Anstrich nicht im Wohnbereich, sondern in einer Garage, Werkstatt oder Hobbykeller (den man gut lüften kann) vorzunehmen.

Da Leinölfirnis recht lange zum Trocknen braucht, sollte der Raum zudem möglichst staubfrei sein. Insofern ist eine Applikation im Außenbereich weniger ratsam, da die Gefahr besteht, dass Staub und Insekten sich auf dem Holz niederlassen und festkleben.

Die Temperatur sollte mindestens 15°C, idealerweise aber 20°C oder mehr, betragen. Warten Sie ca. 24 Stunden, damit die Leinölfirnisschicht vollständig trocknen kann.

Tipp: Schwamm und Einweghandschuhe zum Auftragen der Leinölfirnis verwenden

Schwamm und Handschuhe bei der Verarbeitung von LeinölfirnisSchneiden Sie einen neuen, billigen Schwamm in drei Teile (für die drei Anstriche).

Schwämme haben den Vorteil, dass man die Menge der Firnis nicht nur gut dosieren, sondern bei "Pfützenbildung" auch wieder abnehmen kann.

In den Ecken und Kanten lassen sich Schwämme leicht hineindrücken, sodass die Firnis auch dort jeden Winkel erreicht. Die Einweghandschuhe schützen Ihre Haut und Hände.

Tipp: Wo beginne ich das Ölen?

Ich fange bei den Unterseiten des Möbelstücks mit dem Ölen an - lasse aber die Standfläche (also die Unterseite der Füße oder Stehleiste) aus.

Schichtstärke LeinölanstrichDann wende ich das Holzmöbel (es steht dann auf den "trockenen" Füßen) und öle anschließend alle Oberseiten / Seitenteile etc., die ich dann gut erreichen kann. Der Vorteil: Ich muss das fertig geölte Holz dann nicht mehr anfassen.

Da das Holz gerade beim ersten Anstrich stark saugt, sollte man das Holz so lange einölen, bis ein seidenmatter Film auf der Oberfläche stehen bleibt (siehe Bild rechts und das Video!).

Tipp: Nach dem Einölen auf Läufer prüfen

Sobald Sie das Holzstück fertig eingeölt haben, lassen Sie es ca. 10 Minuten stehen und prüfen dann optisch, ob irgendwo Läufer entstanden sind. Selbst wenn man sehr sauber ölt, kann es an kniffligen Stellen dennoch zur Läufer- oder Pfützenbildung kommen.

Diese sind aber nicht unbedingt sofort sichtbar, da die Leinölfirnis etwas zähflüssig ist, d. h. sich erst nach ein paar Minuten an den Problemstellen sammelt. Wischen Sie dann die Läufer / Pfützen einfach weg bzw. verteilen Sie sie gleichmäßig mit dem Schwamm. So erhalten Sie ein optimales Ergebnis und eine schöne gleichmäßige Schicht.

Tipp: Schwamm und Leinölfirnisreste in einem verschraubbaren Glas lagern

Leinöl Leinölfirnis lagernWenn Sie mehrere Holzmöbel einölen wollen, müssen Sie die gebrauchten Schwämme oder Leinölfirnisreste nicht wegwerfen.

Geben Sie diese einfach in ein verschraubares Glas (z. B. ehemaliges Marmeladenglas).

Dort können sie sich nicht entzünden und trocknen auch nicht aus - so lassen sich sowohl die Schwämme als auch das Öl mehrfach verwenden.

Tipp: Wie teste ich, ob die Leinölfirnis schon trocken ist?

Prüfen Sie bei 20°C und nach 24 Stunden an einer wenig sichtbaren Stelle die Trocknung der Beschichtung mit einem Fingertest. Sie legen Ihren Finger auf die Beschichtung, die sich dann vollständig trocken (staubtrocken) anfühlen sollte. Außerdem erkennen Sie auch optisch anhand des Glanzgrades, ob einige Stellen glänzen (noch feucht), oder seidenmatt (bereits trocken) sind.

4. Ab dem zweiten Anstrich können Sie die Leinölfirnis unverdünnt auftragen. Achten Sie beim Auftragen darauf, dass die Schicht gleichmäßig und dünn ist. Eine zu dicke Schichtstärke (z. B. bei Pfützenbildung) trocknet viel langsamer oder bei zu hoher Schichtstärke gar nicht mehr richtig durch. Das Ergebnis: Man erhält dann unschöne klebrige Stellen.

5. Ich empfehle noch eine dritte Schicht aufzutragen, dann sollte das Holz über Jahre gut genug geschützt sein.

6. Nach dem letzten Anstrich brauchen Sie nur noch etwas Geduld, denn 4 Wochen bis zur vollständigen Durchhärtung der Leinölfirnis ist schon eine recht lange Zeit. Auch die Geruchsbelastung nimmt mit der Zeit immer mehr ab. Nach der vollständigen Aushärtung ist das Holz dann nahezu geruchsneutral.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Tipps und Infos geholfen habe, selbst einen Holzschutz mit Leinölfirnis vornehmen zu können. Man braucht zwar etwas Geduld, bekommt damit aber einen guten - und gesundheitlich unbedenklichen - Holzschutz, der Jahre hält und sehr gut aussieht.

Materialliste zur Anwendung von Leinölfirnis

  • Schleifpapier / Schwingschleifer
  • Leinölfirnis
  • Terpentin / Terpentinersatz
  • Schwamm
  • Böcke
  • Plastikplane
  • Einweghandschuhe

Video-Anleitung: Leinöl / Leinölfirnis als Holzschutz

Hier finden Sie meine Tipps und Vorgehensweise auch als Video ...

Viel Erfolg beim selbstgemachten Holzschutz mit Leinölfirnis!

14.09.2016 © Tony Kühn  

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