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Es gibt in Deutschland viele Menschen, die an der "Rechenschwäche" wie der Dyskalkulie leiden. Dabei sind nicht nur Kinder betroffen, sondern auch bei Jugendlichen und Erwachsenen kann das Fundament des mathematischen Verständnisses nicht oder nur sehr verschwommen vorhanden sein. Da solche Menschen keine wirkliche Anschauung zu den Begriffen und Zahlen der Mathematik haben, ist jedes stumpfsinnige "Einüben" oder "Automatisieren" völlig vergeblich.
Zudem ist es natürlich eine Vergeudung wertvoller Lebenszeit, in der sich die Beteiligten mit wesentlich sinnvolleren Tätigkeiten beschäftigen könnten. Betroffene können eine regelrechte Angst vor Zahlen entwickeln und selbst das einfache Bezahlen im Supermarkt wird für sie zum Horror.
Hier ist es noch interessant zu erwähnen, dass die überwiegende Mehrheit der arbeitslosen oder nicht ausgebildeten Jugendlichen rechenschwach ist. Ebenso kann eine große Zahl der privaten Insolvenzen - ganz unabhängig von der Wirtschaftskrise - auf Rechenschwäche zurückgeführt werden.
Einige Studien gehen davon aus, dass bis zu 10 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland unter dieser Rechenschwäche leiden. Und da diese Schwäche den meisten Betroffenen sehr peinlich ist, tun sie natürlich alles, um nicht aufzufallen. Meist versagen hier alle Standard-Methoden wie Nachhilfe-Unterricht oder ein intensives Pauken des Unterrichtsstoffes kläglich.
Zudem wird von Lehrern oder Eltern das eigentliche Problem gar nicht erkannt und man unterstellt diesen Menschen, dass sie "faul" oder "lernunwillig" sind, da sie in anderen Bereichen durchaus gute Leistungen erbringen. Insofern verwundert es nicht, wenn sich diese Menschen für ihr "Unvermögen" schämen und sich mit ihrem Problem nicht outen wollen.
Es fängt schon bei so grundlegenden Dingen an, dass man den Sinn und Zweck der Mathematik gar nicht erfassen kann. Zahlen und Formeln sind leere Worthülsen ohne Bedeutung bzw. die verstandene Bedeutung kann nicht adäquat abstrahiert werden. Da andere Menschen anscheinend ganz selbstverständlich mit mathematischen Aufgaben umgehen, zweifeln die Betroffenen sogar an den Fähigkeiten ihres Verstandes oder halten sich grundsätzlich für "unfähig". So kann aus einer einfachen Rechenschwäche ein Problem für das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl werden. Man empfindet sich selbst als "minderwertig".
Doch urteilt man vorschnell, wenn man diese Menschen einfach als "dumm" bezeichnet. Denn in vielen Fällen entwickeln sie andere Stärken - oder beweisen in anderen Wissensgebieten - eine enorme Kreativität und Kompetenz. Seit dieser Umstand bekannt ist, sucht man heute verstärkt nach alternativen didaktischen Methoden, wie man ein Verständnis erzeugen kann. In diesem Artikel will ich Ihnen die Wasserglasmethode der Diplom Psychologin Angelika Schlotmann vorstellen, die mit dieser Methode gute Erfolge erzielt.
Bei der Wasserglasmethode wird versucht mit Wassergläsern und Flüssigkeiten eine Anschauung zu Zahlen, Mengen und Formeln zu geben. Man ist also nicht gezwungen sich Zahlen nur "im Kopf" vorstellen zu müssen, sondern kann sowohl die Zahlen als auch die entsprechende Rechenoperation über das Schütten von Flüssigkeiten veranschaulichen. Dadurch können sich Betroffene ein konkretes Bild davon machen, was in der Mathematik überhaupt passiert und über die Aktion - das Schütten von Flüssigkeit - verstehen, was eine Rechenoperation überhaupt bedeutet.
Auf den ersten Blick mag es nicht unbedingt einleuchtend erscheinen, wie man über das Schütten von Flüssigkeiten in Gläsern zu einer Anschauung der Mathematik kommen kann. Daher haben wir an dieser Stelle ein erklärendes Video von Youtube namens "Rechnen mit Wasser" eingebunden. Hier wird nach der Methode von Angelika Schlotmann gezeigt, wie man mit der Wasserglasmethode beispielsweise das Bruchrechnen ganz anschaulich zeigen kann.
Interessant an der Wasserglasmethode ist zudem, dass nicht nur einfache Rechenoperationen wie Plus- oder Minus-Rechnen veranschaulicht werden. Es können auch Multiplikation, Division und sogar noch höhere Rechenarten (wie beispielsweise Wurzeln und Funktionen) problemlos damit abgebildet werden. Damit ist die Wasserglasmethode nicht nur für Grundschüler geeignet, sondern auch für Gymnasiasten, die eine Anschauung von höherer Mathematik benötigen.
Laut einem Bericht von RTL liegt die Erfolgsquote dieser Methode bei etwa 90 Prozent. So besteht für viele Betroffene die Hoffnung endlich eine didaktisch ausgereifte Methode praktizieren zu können, die das Anschauungsproblem - welche konkrete Bedeutung Zahlen und Rechenoperationen haben - löst.
Wenn Sie diese Methode interessiert, finden Sie auf der Homepage von Angelika Schlotmann weitere Informationen, wie die Methode angewendet und gelehrt wird. Darüber hinaus wäre es natürlich wünschenswert, wenn sich auch interessierte Lehrer mit dieser Methode befassen. So wird man als Lehrer nicht nur für das Problem sensibilisiert, sondern kann Menschen mit Dyskalkulie durch diese neue didaktische Methode vielleicht endlich auch ganz praktisch im Unterricht helfen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Spaß beim Rechnen!
Wert 4.1 |
Thema: 4 | Information: 3.8 | Verständlichkeit: 4.4 |
| Stimmen: 5 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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| Wasserglas statt Mathe | Fred Steeg | 13.07.2010 13:37 |
| Es ist fast unglaublich. Wenn man nicht Rechnen kann, soll man stattdessen Wasser schütten - auch im Kopf versteht sich ! Man ersetzt einfach Zahlenverständnis durch "gezieltes Wasserschütten" ! Zahlen muss man dann nicht mehr abstrakt verstehen und auch nicht zählen können, denn das Zählen, als angeblich falsche - weil rechenschwache - Rechenmethode, ist ja angeblich die Ursache für das Ganze Übel - wenn man mit Schlottmann mitdenkt. Dass das Schütten als Rechenersatz schon unterstellt, dass man zählen kann, wird ignoriert. Die Zahl als Ergebnis kann also auch getrost durch das Bild vom vollen oder teilweise (?) vollen oder zu vier Zehntel (?) vollen Glas ersetzt werden. Der Begriff der Eins oder vom Ganzen und den Teilen versteht sich doch von selbst, sagt der Wasserglastherapeut - frei nach dem Motto: Das sieht man doch! Na denn Prost! Eine mathematisch glasklare Kritik der Wasserglasmethode findet sich unter:
http://www.rechentherapie.net/pdf/wasserglas.pdf Gruß Fred Steeg |
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