Bildungsgutscheine: Erklärung und Tipps zum Verwenden von „Bildungsschecks“““

Wer bekommt Bildungsgutscheine?

Bildungsgutscheine können Menschen fast jeden Lebensalters zugutekommen. Für Kinder einkommensschwacher Eltern sollen sie frühkindliche Förderung oder Nachhilfestunden ermöglichen. Mit dem Bildungsgutschein deckt der Studierende Studiengebühren ab. Auch die Bundesagentur für Arbeit vergibt Bildungsgutscheine.

In diesem Artikel werden die Gutscheine erklärt und Tipps zur Anwendung gegeben. (Stand März 2013)

Die Idee: Wahlfreiheit und Wettbewerb

dungsgutschein Bildungschecks Erklärung Tipps bekommen Theoretisch ist am Modell der Bildungsgutscheine vorerst nichts auszusetzen. Der Bürger im Besitz des Bildungsgutscheins kann sein Weiterbildungsinstitut, seine Universität oder die Kinderbetreuung für seinen Nachwuchs selbst aussuchen.

So soll der Bürger mehr Wahlfreiheit bekommen und durch die Auswahl in seiner Eigenverantwortung gestärkt werden. Bildungsinstitutionen wiederum würden um die Bildungsschecks konkurrieren.

Der Wettbewerb würde die Qualität der Bildungsangebote verbessern. Staatliche Einrichtungen wiederum würden durch die Bildungsgutscheine mehr Budgethoheit erlangen.

So ähnlich lesen sich die bereits 1955 publizierten Konzepte des liberalen Ökonomen Milton Friedman. Viele dieser Argumente werden von Befürwortern des Modells Bildungsgutschein bis heute verwendet.

Bildungsgutscheine für Kinder: Leistungen aus dem Bildungspaket

Nach Meinung von Kritikern greift dieses marktwirtschaftliche Modell in der Praxis zu kurz. Eltern mit Bildungsgutscheinen wählen lokalen Untersuchungen zufolge zwar Volksschulen mit gutem Ruf in begehrten Gegenden. Die Wahlfreiheit liegt dennoch aufseiten der Schule – sie sucht sich aus der Überzahl der Bewerber die passenden Schüler bzw. Eltern aus. Bildungsferne, Einkommensschwache und Migranten müssen mit den verbleibenden, weniger begehrten Plätzen vorlieb nehmen.

Solange die Schule oder der Kindergarten keine Supermarktkette ist, die nach Belieben Filialen eröffnen und schließen kann, hätte weder die begehrte noch die weniger begehrte Einrichtung besonderen Anreiz, ihr Angebot zu verbessern. Dafür würden durch die verstärkte soziale Segregation mehr Problemschulen entstehen.

Auf eine flächendeckende Einführung des Bildungsgutscheins für Kindergärten und Schulen wurde in Deutschland verzichtet. Für die Förderung von Kindern gibt es aber seit dem 1.4.2011 den Bildungsscheck. Diese Variante des Bildungsgutscheins ist für sozial Schwache gedacht und soll sicherstellen, dass das staatliche Geld auch bei den Kindern ankommt. Wahlfreiheit für Eltern kommt in diesem Konzept nicht vor – dass es um Kontrolle geht, wird offen ausgesprochen.

Der Bildungsscheck ist an den Bezug von ALG II oder Sozialgeld geknüpft, das in vielen Fällen nur für kurze Zeiträume gewährt wird. Innerhalb eines Schul- oder Kindergartenjahres muss der Bildungsscheck daher mehrmals neu beantragt werden. Für ein paar einzelne Nachhilfestunden zwischendurch klingt das zumutbar. Für die von der Politik viel zitierten Tanzstunden wären bereits mehrere Anträge erforderlich, da es sich hier üblicherweise um Semesterkurse handelt.

In der Praxis finanziert der Bildungsscheck weder Nachhilfe noch Tanzstunde, sondern das Mittagessen im Kindergarten oder Hort. Die ständigen Neuanträge schaffen zusätzlichen Aufwand für den Träger, aber keinen Anreiz, sein Angebot zu verbessern.

Tipps für Leistungen aus dem Bildungspaket

Das Bildungspaket gilt für alle Familien, die eine oder mehrere der folgenden Leistungen beziehen:

  • Arbeitslosengeld II (auch bekannt als Hartz IV)
  • Sozialgeld
  • Sozialhilfe nach dem SGB XII oder nach § 2 AsylbLG
  • den Kinderzuschlag
  • Wohngeld

Wer zu diesem Personenkreis gehört, hat einen Rechtsanspruch auf diese Leistungen.
Zu den Leistungen aus dem Bildungspaket zählen auch Ausflüge, die in der Kindertagesstätte oder der Schule unternommen werden. Außerdem bekommt jedes Kind aus einer anspruchsberechtigten Familie einen Zuschuss zu Lernmaterialien in einer Höhe von 100€ pro Schuljahr.

Auch die Kosten für die Fahrt zur nächstgelegenen Schule können übernommen werden. Ist ein Schulkind versetzungsgefährdet, werden die Kosten für die Nachhilfe übernommen. Auch ein Zuschuss zum Mittagessen ist vorgesehen, wobei ein Eigenanteil der Eltern von 1€ vorgesehen ist.

Der Zuschuss für die Lernmaterialien wird zu Beginn des Schuljahres (70€) und im Februar darauf (30€) direkt an die Eltern ausgezahlt. Alle anderen Unterstützungen aus dem Bildungspaket erhalten Eltern entweder als Gutschein oder die zuständige Stelle zahlt die Kosten direkt an den Anbieter.

Beispiele: Wenn die Kosten der Schülerbeförderung übernommen werden, wird der Betrag in der Regel direkt an die örtlichen Verkehrsbetriebe gezahlt. Wer sein Kind in einen Verein schicken möchte, bekommt den Zuschuss von bis zu 10 EURO als Gutschein, den der Verein dann bei der zuständigen Stelle abrechnen kann.

Das Studienkonto für Studenten

Bildungsgutschein Bildungschecks für Studenten Das Studienkonto, die universitäre Variante des Bildungsgutscheins, deckt die Studiengebühren innerhalb der Regelstudienzeit ab. Angesichts der Schwierigkeiten für deutsche Studenten, einen Studienplatz im gewünschten Fach am gewünschten Ort zu bekommen, stand das Thema Wahlfreiheit für den Inhaber des Studienkontos auch bei dieser Variante des Bildungsgutscheins nicht zur Debatte.

Es sollte Studenten Leistungsanreize geben, ihr Studium möglichst schnell zu beenden. Dazu nutzten Bundesländer das Studienkonto, um Studenten dazu zu bringen, ihren Wohnsitz an den Studienort zu verlagern. Da mittlerweile die meisten Bundesländer ihre Studiengebühren abgeschafft haben und die letzten in der Diskussion darum stehen, verliert das Studentenkonto allerdings an Bedeutung.

Bildungsgutscheine für Arbeitssuchende

Auch in der Arbeitsmarktpolitik ist der Bildungsgutschein ein Instrument der Steuerung. Bildungsgutscheine können Arbeitssuchenden oder sogar Kurzarbeitern gewährt werden. Ein Rechtsanspruch besteht nicht. Wie viele Bildungsgutscheine ausgegeben werden, hängt vom Budget ab. Der Arbeitssuchende, der die grundsätzlichen Voraussetzungen erfüllt und nach Meinung seines Beraters förderungswürdig ist, darf den Bildungsgutschein nur bei zertifizierten Institutionen einlösen.

Der Kurs, den sich der Arbeitssuchende aussucht, muss dem Bildungsziel entsprechen, das die Bundesagentur für Arbeit definiert hat. Die Dauer des Kurses richtet sich ebenfalls nach der Vorgabe der Bundesagentur. Minutiös legt die Bundesagentur zwei Quartale im Voraus fest, welche Bildungsgutscheine für welche Kursmodule vergeben werden.

Die Definition der Bildungsziele durch die Bundesagentur soll sicherstellen, dass die Arbeitssuchenden nur solche Kurse besuchen, die ihre Chancen auf dem aktuellen Stellenmarkt verbessern – möglichst Richtung Festanstellung. Eine Entwicklung Richtung Selbstständigkeit sehen viele lokale Agenturen nicht als förderungswürdig.

Wie weit sich die Praxis des Bildungsgutscheins von der liberalen Grundidee entfernt hat, wird in Regionen deutlich, in denen die lokale Bundesagentur Bildungsziele und die dazu gehörigen Kursinhalte besonders gründlich definiert. Eine genaue Definition der Kursinhalte in einer vorgegebenen Zeit läuft auf eine Lehrplanerstellung hinaus – und das für eine Unzahl von Berufsbildern.

Das kann die Bundesagentur fachlich nicht sinnvoll leisten, auch nicht mit externen Beratern. Die Kursvorgaben der Nürnberger Arbeitsagentur schrieben 2010 im Bereich Desktop Publishing beispielsweise veraltete Software vor. Im Bereich Web-Design fehlten Lerninhalte wie Interfacedesign und Usability. 2011 entschied die Nürnberger Bundesagentur, sämtliche Inhalte, die mit Internet/Web/E-Business zu tun hatten, aus den Kursanforderungen zu streichen, da diese Berufe nicht genügend Vermittlungen in Festanstellungen ergeben würden.

Tipps für Arbeitsuchende

Erst wenn alle anderen Maßnahmen gescheitert sind, kommt ein Bildungsgutschein infrage. Sie sind das letzte (weil teuerste) Mittel, auf das die Agentur für Arbeit zurückgreift, um Arbeitssuchende zu einer Beschäftigung zu verhelfen.

Anspruch auf einen Bildungsgutschein haben arbeitssuchende Personen, die …

  • mindestens 3 Jahre berufstätig waren,
  • erheblichen Aufwand im Sinne von Bewerbungsaktivitäten unternommen haben, aber trotzdem keine Anstellung gefunden haben und
  • bei denen die Weiterbildung nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit die einzige Chance auf eine erneute Beschäftigung ist.

In jedem Fall sollten sich Arbeitssuchende zunächst von der Bundesagentur für Arbeit beraten lassen. So wird auch geklärt, ob die persönlichen Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein vorliegen. Dennoch liegt es im Ermessen des jeweiligen Sachbearbeiters, ob der Bildungsgutschein bewilligt wird. Ein Rechtsanspruch darauf besteht nämlich nicht.

Die richtige Weiterbildung können Arbeitssuchende im sogenannten KURSNET der Arbeitsagentur finden. Dort lassen sich die Angebote danach filtern, ob sie mit dem Bildungsgutschein gefördert werden. Außerdem hat jeder Bildungsgutschein eine Gültigkeitsdauer. Die Weiterbildung muss innerhalb dieser Frist begonnen werden, da sonst der Bildungsgutschein verfällt.

Dieser Beitrag wurde Ihnen bereitgestellt von www.Gutscheinpony.de.

Sylvia Beil

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