Die lebendige Welt der germanischen Götter

Fast alle im nord- und zentraleuropäischen Raum verwurzelten Menschen haben, zumindest zum Teil, germanische Vorfahren. Dennoch wird heute ein jeder, welcher sich mit unserer alten Religion auch nur befaßt, zumindest skeptisch beäugt.

Im Zuge der Christianisierung wurde der alte Glaube mit Feuer und Schwert bekämpft, die heiligen Plätze zerstört, meist mit christlichen Kirchen besetzt und so Unmengen von unschätzbarem Wissen vernichtet. Bis in die Neuzeit wurde durch die Inquisition versucht jedwede Erinnerung auszulöschen. Die wenigen, noch Verbliebenen, welche einen Teil des alten Wissens bewahrt hatten, mußten sich in den Untergrund zurückziehen oder endeten auf dem Scheiterhaufen. Mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert begannen etwas andere Töne zu erklingen. Jedoch gerade diese sind es, die uns heute den größten Schaden zufügen.

Es begann eine Ära, in der die germanische Kultur so wie die alten heiligen Symbole und Mythen verfälscht und auf übelste Weise für eine krankhafte Idee von Herrenrasse, Blut und Boden mißbraucht wurden. Den Höhepunkt fand dieser Wahnsinn in der Propaganda des sogenannten 3.Reiches.

Vergessen wird hierbei meist die Tatsache, daß sich eine faschistische Diktatur in keinster Weise mit dem ursprünglichen germanischen Weltbild vereinbaren läßt. Wer einen Blick für Zusammenhänge hat, wird bei den Gesten, Aufmärschen und Standarten dieser unseligen Epoche, eher an die Legionen eines imperialistischen Roms erinnert.

Leider scheinen wir alle, seit jener Zeit, unter einem Trauma zu leiden, das unseren Blick trübt und uns eine differenzierte Betrachtungsweise erheblich erschwert. Dies wiederum bringt mit sich, daß heute eine erneute "Hexenjagd" begonnen hat, gegen all jene, welche sich zu unserer alten germanischen Religion bekennen.

Allzu oft werden Angehörige der alten Religion einfach pauschal dem rechten Lager zugeordnet, was für diese natürlich Anfeindungen, Diskriminierung und zuweilen offene Angriffe mit sich bringt. Erschwerend kommt hinzu, daß tatsächlich faschistische Kreise immer öfter die alte Religion als Deckmantel benutzen und auch versuchen in der Heidenszene Fuß zufassen. Doch hier gilt: "An ihren Taten werdet ihr sie erkennen!"

Faschisten tragen die alten Götter wohl auf den Lippen, jedoch niemals im Herzen! Schon vor über zwanzig Jahren wurde mir, durch den engen Kontakt zu Indianern, deren Kultur und deren altem Wissen gewahr, daß es für mich von äußerster Wichtigkeit sein mußte, in den Tiefen meiner Wurzeln die Verbindung zum Göttlichen zu suchen, die Weisheit meiner Ahnen zu erforschen und das Band zu Mutter Erde neu zu knüpfen. Nach einigen Jahren intensiver Arbeit wurde ich praktizierender Wicca-Priester.

Es folgte eine bewegte Zeit, in welcher sich der germanische Teil meiner Herkunft zu Wort meldete und immer mehr vertiefte ich mich in die Studien der germanischen Mythen. Zusammen mit einigen Wiccas, Asatru und anderen Heiden, begann ich gemeinsam die Verbindung zu unserem Urgrund zu knüpfen. Fragment für Fragment wurde zusammengetragen. Es ging uns nicht darum, alte Rituale einfach nur stumpf zu wiederholen, sondern die wirkliche Verbindung zu schaffen. Wenn eine Religion lebt, so bewegt sie sich.

Es sind keine verstaubten Knochen, die von irgendeinem Archäologen sortiert werden. Weit gefehlt, es ist Leben! Die germanische Religion ist hoch komplex und schlüssig, voll von Energie und Mythe und dennoch voll von metaphysischer Logik. Am Anfang war das große Chaos, im nordgermanischen Ginungagab geheißen. Die Riesen/ Thursen/ Joten sind die Mächte des Chaos, der Naturgewalten in ihrer zerstörerischen Form.

Aus dem Riesen Ymir schufen die Götter die Welten, sie brachten das Chaos in Form. Da war das eine Göttliche, das unbenennbar ist. Die Götter waren deren Viele, geschaffen von dem Unbenennbaren und dennoch gleichzeitig die Eins und das unbenennbare Göttliche selbst (in der Metaphysik durchaus logisch, newtonsche Mechanik und aristotelische Logik sind da eben zuweilen nicht ganz ausreichend). Die Verbindungen des Göttlichen mit den Urgewalten erzeugte die ersten Götter. Diese Götter formten aus den Naturgewalten (Riesen) die Welten.

Dazu sei noch zu sagen, daß nach dem alten Wissen, es zyklische Wandlungsphasen gibt, in welchen Altes zerstört und Neues geschaffen wird, wie in der Götterwelt, so auch bei den Menschen. Diese Wandlungsphase wird im Nordischen Ragnarök genannt.

Bei jedem Neubeginn wird aus der Naturgewalt (den Riesen) Neues geschöpft, Auch Götter vergehen und entstehen. So gilt als Ahn des Burr, der schließlich den Odin / Wotan zeugte, der Riese Bergelmir, sein Vater war Drugelmir und dieser wurde wiederum von Örgelmir und Urm gezeugt usw..

Auch die Sonne, welche als Sol / Sul eine eigene Gottheit ist, wird zu Ragnarök von zwei Wölfen (Sköll und Hati) gefressen. Danach wird ihre Tochter als neue Sonne über der Erde erscheinen. Interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang, daß nach den alten Mythen, die Sonne beim nächsten Ragnarök ihren Schild, mit Namen, Swalin=Sänftiger verlieren wird, so das Berge und Wälder Feuer fangen .

Nun gibt es auch zwei Stämme der Götter; die Äsen und die Wanen.

So beschreiben die Mythen, daß zuerst Krieg zwischen den Beiden ausbrach. Nachdem sie aber erkennen mußten, daß sie gleich stark waren und um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, schlossen sie Frieden. Es wurde vereinbart, daß einige Asen zu den Wanen kommen, um dort gleichberechtigt aufgenommen zu werden und ebenso umgekehrt. So geschah es auch (Njörd, Freyer und Feya sind Wanen).

Bemerkenswert ist hier, daß wie in der Götterwelt so auch bei den Menschen sich ähnliche Begebenheiten abspielen; Aus der "Megalitkultur" (Matriachal, Fruchtbarkeitskult ackerbauend-, "wanisch" ) und der "Streitaxtkultur" (eher patriachal, viehzüchtend, teil nomadisch, Kriegerkult -"asisch") entstand die "Jasdorfkultur" welche wiederum den Ursprung der germanischen Stämme bildete.

Zum besseren Verständnis: Die Römer bezeichneten pauschal alle rechtsrheinischen Stämme als Germanen, daher bezeichnen wir heute die gesamte "Sprachfamilie" so. Im Ursprung entstammt diese Bezeichnung offenbar durchaus der germanischen Sprache (Germanen = Speerleute), jedoch bezeichnete sich wohl nur ein Stamm oder eine Gruppe so oder wurde von einer Nachbarsippe so bezeichnet. Die einzelnen Gottheiten wurden auch von Stamm zu Stamm verschieden benannt, hatten regionale Besonderheiten und wurden verschieden stark verehrt. Auch Unterschiede in der Gesamtsichtweise der alten Mythen waren üblich.

Oft wurden bestimmte Gottheiten auch miteinander verschmolzen. Hier jedoch gehe ich von metaphysischen Gesichtspunkten in einer einigermaßen schlüssigen Form aus. So will ich jetzt ein wenig auf einige der alten Götter näher eingehen.

15.06.2016 © seit 09.2005 Arto F.J. Lutz
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