Atlantis enträtselt – die Spuren führen nach Helgoland

Über die geographische Lage des sagenhaften Atlantis gibt es viele Spekulationen. Ich stelle hier das Bild vor, das sich sehr schlüssig aus zahlreichen zusammenpassenden Indizien ergibt und von dem Archäologen Jürgen Spanuth in einer Reihe von Werken vorgestellt worden ist. (Quellenangabe 1)

Die Weltanschauung von der Großen Mutter als der Schöpferin der Welt, war bis vor 3000 Jahren noch weltweit verbreitet. Die Große Mutter bringt jungfräulich aus sich heraus die Schöpfung hervor – versinnbildlicht als Göttinsohn, mit dem sie innig verbunden bleibt.

Das symbolisiert die damals verbreitete Weltanschauung von der Gottdurchdrungenheit der Schöpfung, die noch durch den weltweit gefeierten Kult der „Heiligen Hochzeit“ verdeutlicht wurde: Eine Priesterin als Sinnbild der Großen Mutter vereinigte sich auf einem heiligen Berg mit dem „Heiligen König“, dem Sinnbild für den Sohn und zugleich Heros der Großen Mutter.

Die weltweite Verbreitung dieses Kultes führt man auf die Ausbreitung der Megalithkultur zurück. Riesige Steinsetzungen in immer größerer Vollendung, bis hin zu den ägyptischen Pyramiden, sind ihr Kennzeichen.

Muttergöttin „In den megalithischen Mysterienlegenden“ von der Heiligen Hochzeit spielt auch der „Glasberg“, auf dem sie stattfindet, eine große Rolle. „Daß diese Sage aus dem Norden stammt oder im Norden lokalisiert wurde, geht (u. a.) daraus hervor, daß in vielen Überlieferungen der Glasberg unter dem Polarstern gesucht wird. Selbst in der indischen Sage vom Meruberg, von dem diese Geschichte erzählt wird, heißt es, daß der Meruberg unter dem Polarstern liegt.“ (Sp)

„Der Name Meru bedeutet – wie Glasberg – der leuchtende Berg. Genau über ihm steht der Polarstern, und „die Sterne umwandeln ihn in engeren und weiteren Kreisbahnen“. Er hat drei ringförmige Absätze und Stufen … Auf dem Gipfel des Meru wohnen die Götter und die Ahnenseelen,“ zitiert Spanuth den Mythenforscher Huth.

Einen solchen Glasberg, eine solche Trojaburg, schildert auch der Atlantisbericht, den Platon überliefert hat: Platon gibt in seinen Dialogen den Atlantisbericht des Kritias wieder, den der Staatsmann und Dichter Solon in Ägypten erfahren, aber leider wegen dringender Staatsgeschäfte bei seiner Rückkunft nicht aufgeschrieben, sondern dem Großvater des Kritias nur mündlich erzählt habe, von dem wiederum Kritias ihn weitererzählt bekommen hatte. In diesem Atlantisbericht wird von einem überaus reichen Land im Atlantik erzählt, das dem Gott der Meere Poseidon bei der Verlosung der Länder unter den Göttern zugefallen sei.

Denn „der Name des Gottes Poseidon wird von den Sprachforschern mit dem griechischen Wort ,posis’ = ,Gatte’ (lat. pot-is, pot-ens, got. faths) in Zusammenhang gebracht und als ,Gatte’ der ,magna mater’ gedeutet“, als ihr Heros also. „Damit stimmt überein, daß Poseidon auch im Atlantisbericht (Krit. 113d-114a) als Gatte der auf der Bernsteininsel geborenen Kleito genannt wird“. (Sp)

griechischer Tempel Kleito war die Große Mutter, die Schöpferin der Welt, wie sie auch „in der Bretagne – und damit auch in Nordeuropa –“ vor mehr als 4000 Jahren dargestellt wurde und damit älter ist als die Darstellungen im Nahen Osten. Das bedeutet, daß diese Weltanschauung und Kultur den Weg von Nord nach Südost und nicht umgekehrt gegangen ist.

In dem Namen „Kleito“ steckt die griechische Form Leto. Kleito ist in Griechenland zu Leto geworden. Kleito, Leto, Hledis bedeutet in allen Fällen „die Ruhmreiche“. Kleito zeugte mit Poseidon 10 Söhne, die je einen Landesteil als König zugeteilt bekamen, so geht die Sage, und das Land Atlantis und das Meer Atlantik hätten ihren Namen von dem erstgeborenen König Atlas erhalten. Wie Atlas war die Irminsul als Himmelstütze gedacht. Sie wurde auch auf griechischem Geschirr gefunden.

Diodor von Sizilien, der das damalige Helgoland bereist hatte, berichtete im 1. Jahrhundert v. Chr.: „Atlas, der 1. König auf der heiligen Insel und Ahnherr des dort herrschenden Geschlechts hat viel Mühe und Fleiß auf die Kenntnis der Gestirne verwendet und mit großem Scharfsinn herausgefunden, daß der Himmelsbau eine Kugel sei. Atlas … hat die Bewegung der himmlischen Gestirne erfaßt und den Menschen offenbart. Dadurch entstand die Sage, daß er den Himmel auf seinen Schultern trüge.“

Atlantis habe nicht nur reichlich Nahrung für Mensch und Tier geschenkt, sondern in seinem Untergrund verschiedenfarbiges Gestein und Erz enthalten, das von den Atlantern geschürft und zu prachtvoller Ausgestaltung der Bauten auf der Insel genutzt worden seien.

Schon die äußerste Ringmauer um den zentral gelegenen Tempel des Poseidon sei in ihrer ganzen Länge außen mit Kupfer und innen mit Zinn überzogen, der innerste Ring aber sei ganz mit dem „wie Feuer glänzenden Bergerz“ (Quellenangabe 2) übergossen – offenbar mit Bernstein, den es an der Küste Frieslands in der Eidermündung ebenso wie an der ostpreußischen Samlandküste zu finden gab und noch heute gibt und mit dem die Seevölker auch regen Handel trieben.

Hier wird also offensichtlich eine Trojaburg beschrieben, wie sie von Nordeuropa bis Nordafrika und Kleinasien zu finden sind. Sie alle stammen aus der Megalithzeit.
Nach Homers Ilias hat Poseidon auch „um die Stadt (Troja) eine Mauer errichtet, breit und herrlich, als unzerbrechliche Wehr für die Stadt“. Poseidon galt also schon sehr früh als Erbauer von Troja und den Trojaburgen. Das bedeutet mythisch ausgedrückt: Das Volk Poseidons, die nordischen Seefahrer, waren die Erbauer der Trojaburgen und Trojas im Land der Hethiter.

Von dem Königssitz innerhalb der Burg von Atlantis berichtet Kritias, daß sich in seiner Mitte „ein unzugängliches, der Kleito und dem Poseidon geweihtes Heiligtum (befand), mit einer goldenen Mauer umgeben … Von außen hatten sie den ganzen Tempel mit Silber überzogen, mit Ausnahme der mit Gold überzogenen Zinnen. Im Innern war die Wölbung von Elfenbein, mit Verzierung von Gold und Silber und Bergerz (also Bernstein); alles übrige, Wände, Säulen und Fußboden, bedeckten sie mit Bergerz.“

Goldene Standbilder wären dort aufgestellt, darunter das des Gottes Poseidon, auf einem Wagen mit sechs geflügelten Rossen stehend und von einer Größe, daß er mit dem Scheitel die Decke berührte, „um ihn herum auf Delphinen hundert Nereiden, denn soviel, glaubte man damals, gäbe es von ihnen“, erzählt Kritias.

Die Nereiden waren Meerjungfrauen. Sie galten als die Töchter des Nereus, eines weiteren Meeresgottes. Poseidon verblaßte in Griechenland, der neuen Heimat der Seefahrer, dafür gewann Apollo an Bedeutung. Sein Name und die Stärke seines Ansehens traten an Poseidons Stelle. Auch eines seiner Sinnbilder ist das Meereswesen Delphin.

„Man mag diese Sagen für wertlos halten“, schreibt Spanuth. „Die kundigen Vorgeschichtler tun das nicht. In zahlreichen Fällen hat die Spatenforschung nachgewiesen, daß die Volkssagen richtige Nachrichten aus längst vergangenen Zeiten überliefert haben. Der Inhalt von unberührten Gräbern aus der Bronzezeit wurde in mehreren Fällen in der Volksüberlieferung richtig angegeben.“

Tempel des Apollo Ein weiteres Sinnbild für Apoll sind die Schwäne. Homer schildert in seiner Odyssee auch das glücklich und sorglos lebende Seefahrervolk der Phäaken mit seinen Gesängen. Mit den Phäaken ist offensichtlich das Volk der Atlanter auf der Bernsteininsel Basileia gemeint.

Diese Insel, auch „Elektris“ genannt, soll in der Mündung des antiken Bernsteinflusses Eridanos gelegen haben. Und der Eridanos ist die Eider, die, wie Homer schreibt, von „Morgen“, also von Ost nach West fließt. Auf dieser Insel soll es der Sage nach einen großen Teich mit vielen Schwänen gegeben haben. Noch heute überwintern in Norddeutschland die sibirischen Singschwäne, und wir können besonders in der Stille der Nacht ihre lieblichen Gesänge hören.

Die basileische Königin Arete habe den schiffbrüchigen Odysseus gastfreundlich im prächtigen Königspalast aufgenommen und mit herrlich gewebten Gewändern, Gold und anderen schönen Dingen beschenkt und ausgerüstet, und der König Alkinóos habe ihn dann auf einem seiner schnellen Schiffe und 52 Mann Besatzung in seine Heimat Ithaka leiten lassen.

Seine Phäaken, sprach der König stolz, bedürften für die Fahrt „auch der Piloten nicht; haben sie nur den Namen des Orts, so finden sie die Fahrt durch Nacht und Nebel!“ So gut kannten sie sich in der Geographie aus.

Zahllose Abbildungen von Schiffen der Megalithiker sind an der gesamten europäischen Westküste, an der Mittelmeerküste und sogar auf dem amerikanischen Kontinent gefunden worden. Die meisten tragen Schwanenköpfe, und auch die Trojaburg der Bernsteininsel ist oft in den Abbildungen dabei. Sie sind in den Küstenländern ebenso verbreitet wie die gesamte Megalithkultur.

Desgleichen hat es bereits zur Megalithzeit eine Schrift gegeben, und zwar bereits eine Alphabetschrift, die Tifinag-Schrift, die Barry Fell in Kanada entdeckt und entziffert hat. Die Tifinag-Schrift ist die Vorgängerin des Runen-Alphabets. Der norwegischen König Woden Lithi ritzte in dieser Schrift um 1700 v. u. Z. auf einen Felsen in Ontario die Nachricht von seinem Tauschhandel (Webwaren gegen Gold) mit den einheimischen Indianern.

Homer hat die Odysseus-Sage aufgeschrieben. Die darin geschilderte Irrfahrt des Odysseus nennt Spanuth „eine wertvolle Quelle, vielleicht ein Fahrtenjournal, aus mykenischer Zeit, also aus der Zeit vor dem Zusammenbruch der mykenischen Kultur und vor dem Beginn der Naturkatastrophen, die zur ,Großen Wanderung’ um 1200 v. Chr. führten …“ (Sp)

Die Katastrophe von 1220 v. u. Z.

1220 v. d. Z. gingen die großen Kulturen rund um das östliche Mittelmeer unter: die hethitische, die mykenische, die minoische. Die mykenische Kultur Griechenlands hat ihren Namen von der versunkenen Stadt Mykene, die minoische nach dem sagenhaften König Minos von Knossos auf Kreta. Das Hethiterland ist die heutige Türkei. Ihre Hauptstadt war Hattusa. In den Erdschichten unter dem Brandschutt wurden herrliche Kunstwerke gefunden.

Doch was war los 1220 v. Chr.? Was trieb Apoll aus dem hohen Norden nach dem Orient am Mittelmeer, von wo er aber der Sage nach für die Zeit des Winters nach dem Norden, zu seinem Hyperboreerland mit den Singschwänen, zurückkehrte?

Spanuth weist nach, daß die geheimnisvolle, untergegangene Königsinsel Atlantis in der Helgoländer Bucht gelegen hat. Die heutige Insel Helgoland ist der übriggebliebene Rest des ehemaligen Atlantis.

Aber ein Teil der Insel ist zeitweilig wiederaufgetaucht. In der Edda heißt es:

„Da seh ich auftauchen zum anderen Male
Vom Grunde der See die grünende Erde,
Es fallen die Wasser, der Adler fliegt wieder …“

Auch hier streiten die Gelehrten, aber in einem sind sie sich einig, schreibt Spanuth: die „heilige Insel Elektris“, die „Basileia“, ist in der Eisenzeit wieder aufgetaucht. Und so konnte um 350 v. Chr. Pytheas von Massilien die Insel betreten und ihre Lage genau beschreiben, wobei er auch das sog. Schlamm-Meer hervorhob, von dem Platon berichtet, die Untiefe zwischen Helgoland und dem Festland, die nicht befahrbar sei. Heute müssen „rund 600 schwimmende Seezeichen und 80 Leucht- und Balkentonnen und zahlreiche Leuchttürme auf den Inseln und Halligen den Seefahrern die Fahrrinnen anzeigen“. (Sp)

Diese „schlammige Untiefe“, die wir heute als Wattenmeer und als Sandbänke kennen, war aber auch einst bewohnbares Land. Aus den geomorphologischen und archäologischen Befunden ist in Übereinstimmung mit alten Sagen und Berichten zu schließen, daß um 1220 v. u. Z. ein Meteorit eine außergewöhnliche Naturkatastrophe in Europa hervorrief. Der Meteorit stürzte auf Helgoland ab. Noch heute besteht an der Stelle auf dem Meeresgrund das sog. Helgoländer Loch in der Nähe der damaligen Eidermündung!

Der Meteorit vernichtete nicht nur Atlantis, sondern rief eine ungeheure Flutwelle hervor. Wir Heutigen konnten 2005 am Fernseher die Tsunami-Katastrophe verfolgen. Wir können uns daher ein Bild machen von so seiner Flutwelle, auch wenn der Tsunami des Jahres 2005 im Indischen Ozean sicher klein war im Gegensatz zu dem vor rund 3000 Jahren.

Diese ungeheure Meereswoge überflutete die Westküste Jütlands und Schleswig-Holsteins und riß u. a. die weiten Geestvorsprünge fort, so daß der Geestrücken begradigt wurde. „So wurde z. B. ein etwa 8 km breiter, einst weit nach Westen vorspringender Geestrücken bei Heide und ein noch größerer Geestvorsprung von St. Michaelisdonn bis Süderdonn und Averlak fortgerissen“. (Sp)

Steilküste Die Steilküsten, die damals die tobende Nordsee riß, heißen heute Klev oder Kliff. An jenen Stellen, an denen die alte Geest tiefe Einbuchtungen hatte, warf die Nordsee hohe Brandungswälle auf, unter denen der größte sich in einer Länge von 25 km, nördlich von Heide beginnend, bis zur Insel Nordstrand in einer Höhe von bis zu 10 Metern hinzieht. Dieser Wall ermöglichte die Datierung der Katastrophe, weil unter ihm stein- und bronzezeitliche Funde gemacht wurden, auf ihm keine bronzezeitlichen, dafür aber eisenzeitliche. Das beweist, daß der Brandungswall in der Bronzezeit noch nicht vorhanden war.

Der Meteoriteneinschlag versenkte viele Inseln und Marschen an der Westküste Jütlands und Schleswig-Holsteins, darunter Atlantis. Der Meteorit muß aber vor seinem Zusammenprall mit der Erde kurze Zeit am Himmel zu sehen gewesen sein. Die Sagen sprechen von einer Blitze streuenden Feuerkugel. In Erdnähe hinterließ der Meteorit einen riesigen Brandstreifen, ehe er in der Nordsee verschwand. Von den Bränden berichten viele Sagen der Völker, aber vor allem auch die verbrannten Erdschichten selbst.

Kein Wunder ist auch, daß der Meteoriteneinschlag in weiten Teilen Europas Erdbeben auslöste und Vulkane ausbrachen, darunter vor allem der Santorin, der Vulkan auf der Insel Thera in der Ägäis. Die Massen, die die Vulkane aus dem Erdinnern in die Luft schleuderten, müssen so gewaltig gewesen sein, daß die Sonne tagelang nicht zu sehen war.

Die monatelangen verheerenden Brände vernichteten die Wälder und ließen Flüsse austrocknen. Durch das Flußbett des Nil konnte man trockenen Fußes von einem Ufer zum andern gehen, bis die Gletscher in seinem Quellgebiet durch die Gluthitze geschmolzen waren und das Wasser zurückkehrte und in altbewährter Weise das Land entlang seines Flußlaufes überschwemmte. Da war die Flußoase Ägypten weit und breit das einzige fruchtbare Land und damit Ziel hungernder Völkerschaften von auswärts.

Die Explosion des Santorin verursachte ihrerseits eine hohe Flutwelle im Mittelmeer. Die Sintflut hat tatsächlich stattgefunden. Das bis dahin subtropische Klima der Bronzezeit auch im Norden Europas kühlte sich ab. Ströme von Regen im Süden Europas und starke Schneefälle im Norden folgten.

Bis heute lesen wir bei den Vorgeschichtsforscherinnen und -forschern, die gigantische Kulturvernichtung in den Ländern des Mittelmeerraumes zu genau der Zeit dieser Erdkatastrophe sei das Werk nordeuropäischer Seevölker gewesen, die hier über die Mittelmeervölker hergefallen seien und als kulturlose Barbaren mit der dortigen Hochkultur nichts anderes anzufangen wußten, als zu morden und zu brennen. Die Bevölkerung am östlichen Mittelmeer sei bei der Katastrophe bis auf 1 % ihres vorherigen Bestandes vernichtet worden, wird angenommen.

Die Vorstellung, daß eine derart gründliche Zerstörung über weite Länder der Erde von einer einzigen Gruppe von Menschen bewerkstelligt worden sein soll, ist – gelinde gesagt – fantastisch. Sie hält sich bis heute, obwohl die archäologischen Funde ihre eigene, ganz anders lautende Sprache sprechen.

„Ein durchgängiger Brandhorizont in den Mooren der Norddeutschen Tiefebene bestätigt eine umfassende Katastrophe in der ausgehenden Bronzezeit … Es muß dabei ein orkanartiger Sturm getobt haben, denn unzählige der als standhaft geltenden Eichen wurden entwurzelt. Archäologen fangen Überreste dieser Bäume in Schleswig-Holstein und im Emsland“, berichtet Günter Bischoff.

„Bei den Ausgrabungen (in Kleinasien, Türkei) wurde in allen Städten des Hethiterreiches, in denen die Archäologen Grabungen unternommen haben, festgestellt, daß schwere Erdbeben Häuser, Tempel und Burgen zum Einsturz brachten und daß dann überall furchtbare Brände gewütet haben müssen.“ (Sp) Die Ausgräber der hethitischen Hauptstadt Hattusa Bittel und Naumann berichten:

„Die Stadt ist in einer großen Katastrophe zugrunde gegangen. Wo immer wir den Spaten ansetzten … fanden wir untrügliche Zeugen einer verheerenden Feuersbrunst, die alles Brennbare verzehrt, Lehmziegel zu roter, harter oder schlackiger Masse durchglüht, Kalksteine gesprengt oder zersplittert hat … Die intensive Hitze machte Hattusa zu einem riesigen Töpferofen und verwandelte seine Häuser in Keramik. Selbst auf der Spitze der Zitadelle ist nichts mehr als die Fundamente des königlichen Palastes erhalten geblieben.“ Nach Meinung der Ausgräber muß Hattusa „wochenlang, ja monatelang gebrannt“ haben.

ruine „Wenn man durch Kleinasien fährt, dann sieht man an vielen Stellen, an denen neue Straßen durch Hügel gegraben wurden, bis zu 1 m mächtige schwarze Ascheschichten, in denen nicht selten verbrannte Holzstrunken liegen. Das sind offenbar die Reste der großen Wälder, die einst Kleinasien bedeckten und von denen hethitische Texte bis in die Zeit kurz vor dem Untergang des hethitischen Reiches berichten … Heute sind diese Gebiete baumlos.

In Syrien und Palästina wurden dieselben Beobachtungen gemacht. Ugarit, heute Ras Schamra, an der syrischen Küste gegenüber der Ostspitze von Zypern gelegen, war bis 1200 v. Chr. eine reiche und mächtige Königsstadt. Eine zusammenhängende Liste der Könige, die bis 1200 v. Chr. dort regierten, ist uns erhalten … Erdbeben und Feuersbrünste vernichteten Ugarit für immer …“ (Sp)

„Dasselbe Schicksal wie alle anderen Gebiete im östlichen Mittelmeerraum erlitt auch Zypern. Auch auf dieser Insel zeugen die Schichten aus dem 14. und 13. Jhdt. v. Chr., daß dort eine blühende Kultur herrschte.“ (Sp)

Daß zur gleichen Zeit die nordischen Seevölker auf ihren Schiffen im Mittelmeer erschienen, läßt nun die Forscherinnen und Forscher vermuten, daß sie die Zerstörungen angerichtet hatten. Daß die Seevölker aber selbst ihr Land in der Heimat verloren und aus Not auf der Suche nach neuem Siedlungsland gewesen sein könnten, wird merkwürdigerweise nicht angenommen.

Doch die wichtigste Quelle, die die Ereignisse um 1200 v. d. Z. schildert, sind die ägyptischen Inschriften des Palasttempels des Pharaonen Ramses III. in Medinet Habu. Ramses III. regierte von 1200 bis 1168 v. d. Z., trat also genau zu der Zeit sein Amt an, als die gesamte Kultur rund ums östliche Mittelmeer in Schutt und Asche gelegt war. Als er „als vierzigjähriger Mann auf den Thron kam, mußte (er) wie auch alle anderen Pharaonen zwei Bauten bei seinem Regierungsantritt beginnen: einen Tempel und eine Grabanlage … Der großartige Palasttempel Ramses III. wurde in den Jahren 1927-1936 vom Oriental Institute der University of Chicago ausgegraben. Man fand etwa 10 000 qm noch gut erkennbare Inschriften und Wandbilder.“ (Sp)

Der amerikanische Übersetzer Breasted schreibt: „Auf der Westseite von Theben, an der Stelle, die heute Medinet Habu heißt, begann er (Ramses III.) den Bau eines großartigen und herrlichen Amontempels, der, von Jahr zu Jahr wachsend, zu einer riesigen Urkunde der Kriegsstaaten des Königs wurde. Hier erscheinen die Horden der Nord- und Seevölker im Kampf mit den Scherdensöldnern des Ramses; die erste Seeschlacht von der die Geschichte erzählt, ist hier dargestellt, und in diesen Reliefs können wir die Rüstung und Kleidung, die Waffen und Kriegsschiffe jener nördlichen Völker studieren, mit deren Auftreten Europa zum erstenmal angreifend auf der Bühne der Weltgeschichte erscheint.“ (zit. bei Sp)

Des weiteren sind in Memphis Papyrus-Rollen gefunden worden. Im Papyrus Harris wird das Gleiche beschrieben wie in den Texten und Wandbildern in Medinet Habu. Vom Inhalt dieser Texte erfuhr Solon, als er im 6. Jh. für 10 Jahre in Ägypten weilte, durch einen betagten ägyptischen Priester. Dieser Priester berichtet Solon von der „Insel Atlantis“ und sagt einleitend:

„Ach, Solon, Solon, ihr Hellenen bleibt doch immer Kinder … Jung in den Seelen … seid ihr alle: denn ihr hegt in ihnen keine alte, auf altertümliche Erzählungen gegründete Meinung und noch ein durch die Zeit ergrautes Wissen … Viele und mannigfaltige Vernichtungen der Menschen haben stattgefunden und werden stattfinden, die bedeutendsten durch Feuer und Wasser, andere, geringere, durch tausend andere Zufälle.

Das wenigstens, was auch bei euch erzählt wird, daß einst Phaethon, der Sohn des Helios, der seines Vaters Wagen bestieg, die Oberfläche der Erde, weil er die Bahn des Vaters einzuhalten unvermögend war, durch Feuer zerstörte, selbst aber, vom Blitze getroffen, seinen Tod fand, das wird wie ein Märchen berichtet; das Wahre daran beruht aber auf der Abweichung der am Himmel um die Erde kreisenden Sterne und der nach langen Zeiträumen stattfindenden Vernichtung des auf der Erde Befindlichen durch mächtiges Feuer.

Dann pflegen demnach diejenigen, welche Berge und hoch und trocken gelegene Gegenden bewohnen, eher als die an Flüssen und dem Meere Wohnenden unterzugehen, uns aber rettet der auch sonst uns Heil bringende Nil durch sein Übertreten aus solcher Not.

Wenn dagegen die Götter der Erde, um sie zu läutern, mit Wasser überschwemmen, dann kommen die Rinder- und Schafhirten auf den Bergen davon; die bei euch in den Städten Wohnenden dagegen werden von den Strömen in das Meer fortgerissen. Hierzulande aber ergießt sich weder dann noch bei andern Gelegenheiten Wasser von oben her über die Fluren, sondern alles pflegt von Natur von unten herauf sich zu erheben.

Daher und aus diesen Gründen habe sich, sagt man, das hier Aufbewahrte als das älteste erhalten; das Wahre aber ist, allerorten, wo es nicht eine übermäßige Kälte oder Hitze verbietet, lebt eine bald größere, bald kleinere Zahl von Menschen; was sich aber, sei es bei euch oder hier oder in andern Gegenden, von denen uns Kunde war, Schönes und Großes oder in einer andern Beziehung Merkwürdiges begab, das alles ist von alten Zeiten her hier in den Tempeln aufgezeichnet und aufbewahrt.

Bei euch und andern Völkern dagegen war man jedesmal eben erst mit der Schrift und allem andern, dessen die Staaten bedürfen, versehen, und dann brach, nach Ablauf der gewöhnlichen Frist, wie eine Krankheit eine Flut vom Himmel über sie herein und ließ von euch nur die der Schrift Unkundigen und Ungebildeten zurück, so daß ihr vom Anbeginn wiederum gewissermaßen zum Jugendalter zurückkehrt, ohne von dem etwas zu wissen, was so hier wie bei euch zu alten Zeiten sich begab.

Was du daher eben von den alten Geschlechtern unter euch erzähltest, o Solon, unterscheidet sich nur wenig von Kindergeschichten, da ihr zuerst nur einer Überschwemmung, deren vorher doch viele stattfanden, euch erinnert. So wißt ihr ferner auch nicht, daß das unter Menschen schönste und trefflichste Geschlecht in eurem Lande entsproß, dem du entstammst und euer gesamter jetzt bestehender Staat, indem einst ein winziger Same davon übrigblieb.

Das blieb vielmehr euch verborgen, weil die am Leben Erhaltenen viele Menschengeschlechter hindurch der Sprache der Schrift ermangelten. Denn einst, o Solon, vor der größten Verheerung durch Überschwemmung, war der Staat, der jetzt der athenische heißt, der tapferste im Kriege und vor allen durch eine gute gesetzliche Verfassung ausgezeichnet; er soll unter allen unter der Sonne, von denen die Kunde zu uns gelangte, die schönsten Taten vollbracht, die schönsten Staatseinrichtungen getroffen haben.“ (Quellenangabe 3)

Auf Atlantis nun, so berichtet der Ägypter dem Solon, „vereinte sich eine große, wundervolle Macht von Königen, welcher die ganze Insel gehorchte sowie viele andere Inseln und Teile des Festlandes; außerdem herrschten sie auch innerhalb, hier in Libyen bis Ägypten, in Europa aber bis Tyrrhenien.“ Klar geht hieraus hervor, daß die nordeuropäische Kultur von Nordeuropa bis in die Länder am östlichen Mittelmeer ausgebreitet war.

Und weiter berichtet der Ägypter: „Indem aber in späterer Zeit gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen eintraten, versank, indem nur ein schlimmer Tag und eine schlimme Nacht hereinbrach, eure Heeresmacht insgesamt und mit einem Male unter die Erde, und in gleicher Weise wurde auch die Insel Atlantis durch Versinken in das Meer den Augen entzogen. Dadurch ist auch das dortige Meer unbefahrbar und undurchforschbar geworden, weil der in geringer Tiefe befindliche Schlamm, den die untergehende Insel zurückließ, hinderlich wurde.“

Das sind bis auf den heutigen Tag das Wattenmeer und die Sandbänke in der Nordsee. Atlantis war das Heilige Land des Nordens, Helgoland, von dem heute nur noch der rote Felsen aus dem Meer herausragt.

Quellenangaben:

1. Jürgen Spanuth, … und doch: Atlantis enträtselt, Stuttgart 1955; Die Atlanter, Tübingen 1976; Die Philister, Osnabrück 1980; Die Phönizier, Osnabrück 1985; Die Rückkehr der Herakliden, Tübingen 1999 – Zitate von Spanuth mit (Sp) im Text gekennzeichnet.
2. Platon, Kritias
3. Platon, Timaios

Heidrun Beißwenger

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