Alte Holztüren renovieren: Lack entfernen und neu lasieren

Vor allem in älteren Häusern sind oft noch die originalen alten Holztüren vorhanden, die jedoch meist mit mehreren Schichten Lack überzogen wurden. Leider kommt so ihre Schönheit überhaupt nicht mehr zur Geltung.

Lesen Sie im folgenden Artikel, wie Sie den alten, verkratzen und rissigen Lack abbekommen und die Türen so renovieren können, dass sie wieder zu einem echten Schmuckstück werden.

Alte Holztüren renovieren: Lack entfernen und neu lasieren

Alten Lack mit dem Heißluftföhn entfernen

Um den Lack auf der Tür gut entfernen zu können, empfiehlt es sich sie auszuhängen und auf zwei Böcke zu legen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, entfernen Sie den Lack am Besten draußen, denn das Ablösen des Lacks stinkt fürchterlich.

Bei der Türzarge ist das natürlich nicht möglich. Achten Sie daher auf geöffnete Fenster! Beim Ablösen des Lacks entstehen giftige Dämpfe, daher ist eine gute Durchlüftung unumgänglich.

Mit einem speziellen Heißluftföhn, der im Baumarkt erhältlich ist, wird der Lack punktuell erhitzt und kann mit einem Spachtel an der erhitzen Stelle entfernt werden. Entfernen Sie die losen Lackreste und -splitter auf der Tür regelmäßig mit einem Handbesen.

Lack von alter Holztür entfernen

Bei der abgebildeten Tür wurde ein Heißluftföhn verwendet, bei dem zwei Stufen eingestellt werden können: 300 Grad und 500 Grad. Er kostet um die 30,- Euro (Stand April 2018), ist also erschwinglich. Es gibt teurere Heißluftföhne (bis ca. 80,- Euro), doch mit dem günstigeren Modell machten wir gute Erfahrungen.

Wer im Ablösen des Lacks noch unerfahren ist, dem sei empfohlen mit der niedrigeren Stufe zu föhnen, denn es geschieht sehr schnell, dass der Lack zu heiß wird und dunkle, angekokelte Stellen auf dem Holz hinterlässt. Die 300-Gradstufe reicht völlig aus, um den Lack zu entfernen.

An manchen Stellen, v.a. Ritzen, Rillen oder Holzverzierungen ist es schwer, den Lack mit der Föhnmethode wegzubekommen. Solche Stellen können im Anschluss mit einem speziellen Abbeizer behandelt werden. Dabei handelt es sich meist um eine gelartige Substanz, die mit einem Pinsel aufgetragen wird.

Sie soll 1-24 Stunden, je nach Menge der Lackschichten, einwirken. Danach wird der Lack mit dem Spachtel entfernt bzw. vorsichtig abgehoben. Im Bedarfsfall wiederholen Sie die Prozedur, je nachdem wie viele Lackschichten zu entfernen sind. Bei uns reichte eine einmalige Anwendung. Gehen Sie vorsichtig mit dem Abbeizer um, denn er ist aggressiv und kann der Gesundheit schaden. Beachten Sie die Schutz- und Gebrauchsanleitung auf der Dose.

Empfehlenswert ist jene Abbeizer zu verwenden, die mit Wasser abgewaschen werden können. Damit ersparen Sie sich teure und gesundheitsschädigende Lösungsmittel. Waschen Sie jene Stellen, wo der Abbeizer einwirkte, ab, damit später der neue Lack oder die Lasur auch haftet und hält.

alten Lack am Türgriff entfernen

Es soll Ihnen nicht vorenthalten werden, dass das Entfernen des Lacks eine Menge Arbeit macht. Doch der Aufwand hat sich bei uns gelohnt. Die Tür sieht in Naturholz wunderschön aus. Wenn Sie allerdings mehrere Altbautüren zu behandeln haben, planen Sie viel Zeit ein und beginnen Sie mit jener Tür, die Ihnen besonders wichtig ist. Sie werden dann selbst sehen und entscheiden können, ob und wie viele Türen Ihre Mühen wert sind. Wir haben es bis heute nicht bereut!

Holztüren abschleifen

Vor dem Schleifen empfiehlt es sich, die Türgriffe, das Schloss und die Scharniere auszubauen, damit keine Kratzer entstehen. Achten Sie aber darauf, dass Sie die Stellen, an der z.B. die Scharniere angebracht werden, später nicht mitlackieren oder - lasieren, sonst besteht die Gefahr, dass das Schloss oder die Scharniere nicht mehr richtig passen. Sie können diese Stellen einfach abkleben.

Wem der Ausbau zu mühsam oder zu kompliziert ist, sollte das Schloss und Scharniere sorgfältig abkleben.

Das Holz wird geschliffen, um eine schöne, glatte Fläche zu erhalten, die sich gut lackieren oder lasieren lässt. Je sorgsamer geschliffen wird, desto schöner kommt die Holzfaserung heraus. Ein weiterer Effekt des Schleifens ist die Anrauung des Holzes, damit der Lack oder die Lasur gut hält.

Schleifpapier Tür entlacken, renovieren

Für den ersten Schliff eignet sich grobes Schleifpapier. Die Körnung ist etwas abhängig davon, wie der Untergrund der Tür beschaffen ist. Befinden sich z.B. noch Lackreste (der klebrigen Art) darauf, so kann mit einer 40er Körnung begonnen werden. Entfernen Sie nach jedem Schleifvorgang den Staub mit einem Handbesen.

Wir begannen mit einer 100er Körnung, denn das Holz sah schon recht glatt und von Resten befreit aus. Auch eine 120er Körnung eignet sich gut für den Nachschliff.

Für den Feinschliff nahmen wir eine 180er bis 200er Körnung und erhielten ein glattes Resultat.

Schadhafte Stellen an der Holztür, z.B. Kratzer oder Dellen, können Sie mit Holzspachtelmasse oder Lack-Spachtelmasse ausbessern. Das kommt bei alten Türen oder Türen mit Weichholz vor. Denken Sie daran auch diese Stellen zu schleifen.

Für jene, die besonders glatte Flächen erhalten wollen, gibt es einen besonderen Tipp: Befeuchten Sie nach jedem Schleifvorgang das Holz mit einem Lappen und lassen Sie es vollständig trocknen. Schleifen Sie dann erneut darüber. Durch die Feuchtigkeit stellen sich die losen Holzfasernenden auf, die dann beim nächsten Schleifen weggeschliffen werden. Sie werden spüren, dass sich das Holz immer weicher und glatter anfühlt.

Holz streichen: Lack, Lasur oder Öl?

Behandelt werden sollte die Tür unbedingt, denn dadurch wird sie vor Umwelteinflüssen geschützt. Das gilt auch für Innenräume.

Bleiben wir vorerst bei der Frage, ob Lack oder Lasur. Beide Beschichtungsarten wirken ähnlich gut. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Lacke bilden auf dem Holz eine geschlossene Schicht. Handelt es sich um einen Farblack, so ist nach der Behandlung der Holztür die Holzstruktur nicht mehr zu sehen (bei einem farblosen Lack natürlich schon).

Tür alten Lack entfernen, lasieren

Die Lasur hingegen zieht in das Holz ein und schützt es eher von innen. Eine Lasur hinterlässt keine so glatte Oberfläche auf dem Holz wie ein Lack. Wenn Sie jedoch eine eingefärbte Lasur verwenden, so bleibt die Holzstruktur sichtbar. In der Abbildung wurde die Tür mit einer mahagonifarbenen Lasur behandelt.

Wenn Sie eine Tür in Ihrer Wohnung lasieren wollen, achten Sie unbedingt beim Kauf darauf eine Lasur zu wählen, die für Innenräume zugelassen ist. Es gibt Lasuren für den Außenbereich, die hochgiftige Substanzen enthält! Schon manch einer hat sich durch einen Fehlkauf seine Gesundheit ruiniert.

So bleibt es jedem selbst überlassen, ob er lackiert oder lasiert.

Für Umweltfreunde gibt es noch eine dritte Möglichkeit, nämlich das Holz mit einem speziellen Öl zu behandeln. Anschließend wird das Holz mit einem bestimmten Wachs (meistens Bienenwachs) eingelassen. Der Vorteil: Es handelt sich um die umweltfreundlichste Variante. Außerdem gelangen keine Giftstoffe in die Wohnung. Allerdings muss dieser Schutz ca. alle zwei Jahre wiederholt werden.

Viel Erfolg beim Renovieren alter Holztüren!

19.02.2019 © seit 09.2010 Cassandra B.  
Kommentar schreiben