Zuckersucht selbst bekämpfen / besiegen

Zucker ist heute in vielen Lebensmitteln enthalten und schadet nicht nur unserer Linie. Übermäßiger Zuckerkonsum kann auch zu einer Art Zuckersucht führen, die vielen Betroffenen gar nicht bewusst ist. Hier erklären wir, was Zuckersucht ist, welche Auswirkungen sie hat und geben Tipps, wie Sie sie bekämpfen / besiegen können.

Zuckersucht erkennenStellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem langen Tag nach Hause. Schon beim Öffnen der Haustür kommt Ihnen ein verführerischer Duft entgegen. Sie gehen in die Küche und vor Ihnen steht ein Blech mit frisch gebackenen Keksen. Sie haben keinen Hunger. Außer Ihnen befindet sich niemand in der Küche. Was würden Sie tun?

Wenn Sie in Anbetracht dieser Vorstellung zu Schmunzeln beginnen und denken, dass Sie auf jeden Fall mindestens einen der Kekse probieren werden, sind Sie vermutlich zuckersüchtig! Und auch, wenn wir es uns als Betroffene nicht vorstellen können: Es gibt Menschen, die bei diesem Bild nicht emotional reagieren.

Sie antworten dann, dass sie trotz der Kekse zunächst einmal, wie gewohnt den Anrufbeantworter abhören oder bequemere Kleidung anziehen würden, halt eben das tun würden, was sie sonst auch immer tun, wenn sie nach Hause kommen. Manch einer würde vielleicht auch einen Keks probieren, doch im Großen und Ganzen reagieren „Nicht-Betroffene“ recht gelassen auf die geschilderte Situation.

Wenn Sie jedoch zuckersüchtig sind, dann wissen Sie, dass kein Weg daran vorbeiführen wird, sich die frisch gebackenen Kekse einzuverleiben. Denn, um essen zu wollen, müssen wir als Zuckersüchtige nicht hungrig sein. Allein die Vorstellung, was der Geschmack im Mund mit uns macht, wie die noch warme Schokolade im Mund zerschmilzt, kann die Lust aufs Naschen wecken.

Als Zuckersüchtige verbinden wir mit Essen mehr als bloß einen Sattmacher. Essen bedeutet immer auch eine Portion Zuwendung, Liebe und Geborgenheit. Und wir wissen, dass wir uns mit nur einem Keks ganz sicher nicht zufrieden geben und im Nu viel mehr gegessen haben, als uns lieb ist.

Zuckersüchtig? Auf den persönlichen Leidensdruck kommt es an

Obwohl ich dieses Beispiel sehr gelungen und eindrucksvoll finde, das übrigens von der in den USA sehr geschätzten Zuckersucht-Expertin Kathleen DesMaisons stammt, kommt es bei der Frage danach, ob jemand zuckersüchtig ist oder nicht, meiner Meinung nach, noch auf einen weiteren Faktor an: das persönliche Empfinden. Nicht jeder, der gerne nascht, hat ein Problem mit Zucker.

Nur, wenn sich jemand persönlich betroffen fühlt, er also unter seinem Verhalten in irgendeiner Weise leidet, ist er meiner Ansicht nach wirklich zuckersüchtig. Wer nicht darunter leidet, dass er mehr isst, als er eigentlich möchte, hat demnach kein wirkliches Problem, weil er es subjektiv nicht so empfindet.

Ich würde Zuckersucht daher folgendermaßen definieren: Wenn Sie beim Verzehr von Süßigkeiten, Backwaren oder Nudeln keine Impulskontrolle darüber haben, wie viel Sie essen (und zwar unabhängig davon, ob Sie die Kontrolle freiwillig abgeben oder sie unwillentlich verlieren) und Sie spätestens hinterher darunter leiden, dass Sie so viel gegessen haben (Schuldvorwürfe, schlechtes Gewissen, ausgleichende Diätpläne), sind Sie vermutlich zuckersüchtig – und zwar unabhängig davon, ob oder wie viel Sie gerne abnehmen würden. Auch schlanke Menschen können unter einer mangelnden Impulskontrolle leiden und zuckersüchtig sein.

Ein Selbstexperiment, um herauszufinden, ob Sie zuckersüchtig sind

Zuckersucht bekämpfenAbsolute Klarheit, ob Sie zuckersüchtig sind oder nicht, gibt Ihnen auch folgendes Selbstexperiment: Versuchen Sie einmal für einen Zeitraum von fünf Tagen jeglichen Zucker in Ihrer Ernährung zu vermeiden.

Also nicht nur den offensichtlichen Zucker im Kaffee, in Softgetränken oder in Süßigkeiten, sondern auch den in süßen Brotaufstrichen, Müslis, Säften, Teigwaren, Ketchup, Senf, Konserven, Tiefkühlwaren und vielen anderen versteckten Quellen vorkommenden Zucker.

Wenn Ihnen das problemlos gelingt, dann betrifft Sie das Thema Zuckersucht vermutlich nicht. Falls Sie sich bereits kurz nach Start des Experiments gereizt, gestresst oder müde fühlen oder vielleicht sogar Kopfschmerzen oder Übelkeit bekommen, reagiert Ihr Körper mit suchttypischen Entzugssymptomen und alles deutet darauf hin, dass Sie süchtig nach Zucker sind.

Falls Ihnen allein bei der Vorstellung dieses Versuchs mulmig zumute werden sollte oder Sie das Experiment bereits nach ein oder zwei Tagen abbrechen müssen, dann ist die Sache sogar völlig klar: Sie sind zuckersüchtig.

Zuckersucht ist keine Schande, sie kann jeden treffen

Falls Sie erkennen oder bereits längst erkannt haben, dass Sie zuckersüchtig sind, machen Sie sich bitte keine Vorwürfe. Diese Sucht kann jeden treffen und hat nichts mit einem Mangel an Disziplin oder Willenskraft zu tun. Im Gegenteil, viele Betroffene sind in anderen Bereichen ihres Lebens äußerst zielstrebig und ehrgeizig, nur eben beim Thema Süßigkeiten werden sie schwach und verlieren die Kontrolle.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben der ererbten oder in frühster Kindheit erworbenen Veränderung der Biochemie spielen auch emotionale, also psychische Faktoren eine Rolle. Darüber hinaus haben aber auch das soziale Umfeld und die Kultur, in der wir leben, genauso, wie die einseitige Ernährung von heute (Stichwort Vitalstoffmangel) und die Macht der Gewohnheit, einen Einfluss auf die Entstehung von Süchten.

Nicht jeder reagiert gleich stark auf Zucker. Nur, wenn bestimmte Vorbedingungen zusammenkommen, passiert es, dass wir abhängig vom Zucker werden. Und obwohl Zucker (noch) nicht offiziell als Droge anerkannt ist, zeigt sich in wissenschaftlichen Versuchen an Mensch und Tier immer wieder: Zucker kann zu suchtähnlichem Verlangen führen, das bei Betroffenen ähnlich starke Reaktionen auslöst wie Kokain oder Heroin.

Jemand, der „normal“ auf den Verzehr von Zucker reagiert, kann solch ein Verhalten natürlich nicht nachvollziehen und wundert sich, wie es ein Problem sein kann, nach einem Stück Schokolade oder ein paar Keksen wieder aufzuhören. Dabei ist es keine Schande zuckersüchtig zu sein, sondern kann jeden treffen. Zuckersucht hat nichts mit einem schwachen Charakter oder zu wenig Willenskraft und Disziplin zu tun. Es ist nicht Ihre Schuld, dass Ihr Körper so stark auf Zucker und Weißmehl reagiert, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Was tun, um die Zuckersucht zu überwinden?

Zuckersüchtig SelbsttestWenn Sie zuckersüchtig sind, dann bringen Diäten und Verbote Sie vermutlich nicht viel weiter. Was Sie brauchen, ist eine gezielte Strategie, um der Zuckerfalle zu entkommen. Nur, wenn Sie die biochemischen Prozesse in Ihrem Körper verstehen und erkennen, welche Kräfte hinter Ihrer Naschlust stecken, können Sie das Problem an der Wurzel packen.

Um die Zuckersucht zu überwinden, ist eine Ernährung, die Ihren Körper mit all den Nährstoffen versorgt, die er braucht, entscheidend. Nur dann, kann die Lust auf Süßes verschwinden.

Gleichzeitig sollten Sie auch an den emotionalen Verstrickungen hinter Ihrem Essverhalten und den blockieren Glaubenssätzen arbeiten. Denn Zuckersucht ist kein Problem, das allein durch eine Ernährungsumstellung gelöst werden kann. Auch der Geist und die Seele müssen mit einbezogen werden.

Die gute Nachricht: Der Ausstieg aus der Zuckersucht ist tatsächlich möglich. Auch ich habe es geschafft, mich nach über 20 Jahren von meiner Sucht zu befreien. Das heißt nicht, dass ich nie etwas Süßes esse, sondern dass ich wieder frei darüber entscheiden kann, ob und wie viel ich naschen möchte.

Mit diesen 3 Tipps gelingt der Zuckerentzug

Jeder Weg in die Zuckerfreiheit beginnt mit einer Entwöhnung vom Zucker, auch Zucker-Detox genannt. In dieser Phase, die mindestens vier Wochen, besser noch sechs oder sogar zehn Wochen dauern sollte, ist es wichtig, keinerlei Haushaltszucker zu sich nehmen. Nur so bekommt der Körper die Chance, seine Biochemie wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Auch die Geschmacksknospen erhalten so die Gelegenheit, sich zu erneuern. Nach dem Zuckerentzug wird Sie bereits die natürliche Süße von Früchten völlig zufrieden stellen. Ein großer Gewinn für jeden Zuckersüchtigen. Mit den folgenden drei Tipps wird auch Ihnen der Einstieg ins zuckerfreie Leben gelingen.

Tipp 1: Über das Warum klar werden

Der Zuckerentzug ist machbar, aber man muss ihn wirklich wollen. Gerade die ersten Tage der Zuckerentwöhnung können schwierig sein. Der Verzicht der gewohnten Dosis Süßes kann körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Zittern oder Schlafprobleme auslösen und auch psychische Symptome wie Stimmungsschwankungen, Gereiztheit oder tiefe Trauer verursachen. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, sich über das Warum hinter seinem Entschluss klar zu sein.

Wieso wollen Sie auf Zucker verzichten? Wozu machen Sie diesen Entzug? Um Ihrer Gesundheit oder Ihrer Figur etwas Gutes zu tun? Oder einfach nur, um endlich wieder frei entscheiden zu können, was wann in welcher Menge genascht wird? Notieren Sie sich die Gründe und werfen Sie in kritischen Momenten immer wieder einen Blick auf diese Liste. Das wird Ihnen helfen, den Zuckerentzug durchzuhalten.

Tipp 2: Entfernen Sie Süßes aus Ihrer Wohnung

Gerade in den ersten Tagen ist es völlig normal, dass immer wieder die Lust zu naschen aufkommt. Da kann es zum Verhängnis werden, wenn sich noch etwas Süßes in der Wohnung befindet. Es gehört daher zu den essentiellen Vorbereitungen eines jeden erfolgreichen Zuckerentzugs, dass Sie alle Nahrungsmittel, die Zucker enthalten, aus Ihrer Wohnung entfernen.

Packen Sie Schokolade, Kekse, Konfitüre, Honig, Müslis und alles, was Sie verführen könnte, in eine Kiste und bitten Sie einen Freund, sie für Sie aufzubewahren. Oder noch besser: Verschenken Sie die Kiste einfach.

Tipp 3: Legen Sie zuckerfreie Vorräte an

Parallel dazu sollten Sie Ihre Vorratskammer mit Lebensmittel füllen, die Sie während des Zuckerentzugs bedenkenlos essen können. Käse, Avocado, Oliven haben sich gegen gelegentlich aufkommenden Süßhunger bewährt. Aber auch ein Stück Obst, Naturjoghurt, Gemüsesticks, ein hart gekochtes Ei oder zuckerfreies Popcorn sind gute Alternativen, um der Naschlust auf gesunde Weise zu begegnen.

Seien Sie kreativ, erlaubt ist alles, was schmeckt und keinen Zucker enthält. Der Zuckerentzug ist keine Zeit des Kalorienzählens oder des Verzichts, hier geht es darum, zuckerfreie Alternativen zu entdecken.

Nach der Zeit der Zuckerentwöhnung sind kleine Mengen Zucker wieder erlaubt. Allerdings sollte der süße Genuss das bleiben, wofür er ursprünglich gedacht war: ein gelegentlicher Genuss! Wenn Sie merken, dass es Ihnen auch nach der Zuckerentwöhnung schwer fällt, nur gelegentlich und kleine Mengen Süßes zu essen, sollten Sie den Zuckerentzug noch für eine Weile ausdehnen.

Last but not least: Seien Sie nicht zu streng mit sich!

Wenn Ihnen der Zuckerentzug trotz der genannten Tipps nicht so recht gelingen mag und Sie rückfällig werden sollten, seien Sie nicht zu hart mit sich. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Rückfälle gehören meiner Erfahrung nach zum Weg aus der Zuckerfalle eben dazu. Ich zumindest kenne niemanden (mich eingeschlossen), dem der Ausstieg aus der Zuckersucht beim ersten Versuch reibungslos gelungen wäre. Gut möglich, dass Sie für eine endgültige Überwindung Ihrer Sucht, auch an den emotionalen und mentalen Gründen hinter Ihrem Essverhalten arbeiten müssen.

In „Raus aus der Zuckerfalle – So schaffst Du den Ausstieg aus der Zuckersucht“ (Link zum Buch) zeigt die Ernährungs-, Diät- und psychologische Beraterin und ehemals selbst Zuckersüchtige Marion Selzer Betroffenen, wie sie es schaffen, ihren Körper Schritt für Schritt vom Zucker zu entwöhnen, und, wie sie ihre Biochemie wieder ins Gleichgewicht bringen, um ungesunde Gelüste zum Verschwinden zu bewegen.

Darüber hinaus bietet das Buch wertvolle Methoden zur Auflösung von emotionalen Verstrickungen und mentalen Glaubenssätzen. Persönliche Anekdoten, zahlreiche Tipps zum Zuckerentzug und Rezepte inklusive.

06.09.2016 © seit 08.2016 Marion Selzer  

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