Moderation: Visualisieren - Werkzeug des Verstehens

10.07.2008
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Gerda Börne
  

In diesem Artikel erfahren Sie, warum Visualisieren - d.h. etwas sichtbar machen - in einer Moderation so wichtig für unser Verstehen ist. Desweiteren stellen wir Ihnen einige Beispiele vor, wie Sie diese Technik selbst nutzen können. Etwas zu verstehen bezieht sich hier auf einen selbst, aber auch auf andere Menschen (z.B. in der Wissensvermittlung).

Moderation VisualisierenVisualisieren - was ist das?

Zwei Bedeutungen von Visualisierung sind für unser Verstehen wichtig:

  • Ganz allgemein, das Sichtbarmachen von Inhalten, in Form eines Bildes oder Textes, bzw. einer Kombination davon.
  • Im Speziellen werden Visualisierung verwendet, um etwas zu veranschaulichen, zu verdeutlichen.

Woran erkennt man eine gute Visualisierung?

Visualisierungen sollen den Blick auf das Wesentliche lenken. In der Abbildung rechts lenkt die Visualisierung unsere Aufmerksamkeit auf die zu beantwortende Frage, nämlich was Visualisierungen bedeuten.

Im Weglassen liegt die Kunst. Alles Unnötige soll bei Visualisierungen weggelassen werden, denn sie lenken die Aufmerksamkeit nur vom Wesentlichen weg. Aus diesem Grund sollen Visualisierungen nicht dazu verwendet werden Texte zu dekorieren oder zu schmücken.

Visualisierungen sollen so konkret wie möglich sein. Je lebendiger und lebensnaher eine Visualisierung auf den Betrachter wirkt, desto besser. Er sollte sich in die Situation, die dargestellt ist, hineinversetzen können. Das gilt insbesondere für bildhafte Visualisierungen. Beim Visualisieren von Texten sollen die Inhalte so kurz wie möglich gehalten werden. Kurze Sätze - Merksätze prägen sich besser in unser Gedächtnis ein, als lange und ausschweifende Formulierungen.

Visualisierungen sollen für andere nachvollziehbar sein. Hier soll man es vermeiden Symbole zu verwenden, die kein Mensch versteht und erst erklärt werden müssen. In der ersten Abbildung wird mit sehr einfachen Mitteln visualisiert. Jeder, der das Bild sieht, wird es verstehen - es sind keine weiteren Erklärungen nötig.

Visualisierungen müssen geübt werden. Eine Schrift, die man selbst kaum lesen kann, wird nicht gerade zum Lesen einladen. Bilder, die schlampig und undeutlich gezeichnet sind, wirken eher abstoßend als einladend. Um verständliche Visualisierungen zu verbildlichen, muss man kein guter Zeichner sein. Man muss nur wissen, auf was es beim Zeichnen ankommt. Die beiden Personen in Abb. 1 kann jeder zeichnen, wenn das auch vielleicht bei dem ein oder anderen, mit mehr oder weniger Übungsaufwand verbunden sein mag.

Es gibt sehr viel mehr Kriterien einer guten Visualisierung, d.h. einer Visualisierung, die veranschaulicht. Doch wer die obigen 5 Kriterien bei seinen Visualisierungen berücksichtigt, wird zu guten Ergebnissen kommen. Im Folgenden sehen Sie ein Beispiel, wie sich diese 5 Kriterien textlich und so kurz wie möglich visualisieren lassen:

  • Wichtiges springt ins Auge.
  • Im Weglassen liegt die Kunst.
  • Visualisierungen sollen konkretisieren.
  • Visualisierungen sollen nachvollziehbar sein.
  • Üben, üben, üben...

Diese 5 Punkte lassen sich leicht mit einem Blick erfassen. Es fällt daher leicht, sie im Gedächtnis zu behalten.

Warum ist Visualisierung so wichtig?

Moderation GehirnUm diese Frage zu beantworten, ist ein kleiner Exkurs in unser Gehirn nötig. Wichtig für unser Verstehen sind folgende drei Teile unseres Gehirns (evolutionsgeschichtlich gesehen):

  • Hirnstamm
  • limbische System
  • Großhirn

Wir werden mit einer Kurzbeschreibung des ältesten Gehirnteils beginnen und zu den jüngeren fortschreiten. Eine Regel ist in diesem Zusammenhang wichtig: die jeweils ältesten Gehirnteile müssen ihre Arbeit tun, damit die jüngeren Gehirnteile ebenfalls ihre Arbeit tun können. D.h. treten im Hirnstamm Störungen auf, so wirkt sich das hemmend auf die anderen beiden Gehirnteile aus.

Hirnstamm

Der Hirnstamm ist der älteste Teil des menschlichen Gehirns. Es wird auch das Reptiliengehirn genannt. Der Hirnstamm ist verantwortlich für Atmung, Herzschlag, Hunger und den Schlaf-wach-Rhythmus, für den Instinkt - kurz für unser Überleben.

Wenn das Stammhirn Störungen meldet, so wirkt sich das auf unser Verstehen aus. Jemand der Hunger hat, kann nicht verstehen oder denken. Wenn wir Glück haben, wird er vielleicht die Hälfte von dem mitbekommen, was um ihn herum geschieht (manche Untersuchungen berichten über höchstens 30 % der Aufnahmefähigkeit). Das Gleiche gilt für Übermüdung. Wer nicht genügend geschlafen hat, wird nicht sonderlich viel verstehen.

Limbische System

Der zweitälteste Gehirnteil ist das limbische System. Es wird auch als emotionales Gehirn bezeichnet. Dabei handelt es sich um das (Kontroll-) Zentrum für Gefühle und sexuelle Reaktionen. Hier haben die für alles Lernen und Handeln nötigen Gefühle ihren Ursprung. Ohne Gefühle kein Handeln, kein Lernen, kein Verstehen.

Informationsaufnahme, Lernen und Verstehen fällt uns umso leichter, je stärker es mit Gefühlen verbunden ist. Angenehme Empfindungen, Humor und persönliche Geschichten/ Bilder haben daher eine entscheidende Funktion. Aber auch hier gilt, wenn das limbische System Störungen meldet, z.B. Liebeskummer oder Angst ist Denken und Verstehen kaum möglich.

Großhirn

Der evolutionsgeschichtlich jüngste Teil des Gehirns ist das Großhirn. Es ist beim Menschen wesentlich größer als bei den Tieren. Es macht etwa 85 % der Gehirnmasse des Menschen aus. Seine Funktion ist grob gesagt, dass hier Erfahrungswissen gespeichert und eine kognitive Kontrolle über emotionale Impulse ausgeübt wird.

Das Großhirn ist zuständig für Sprache, Mustererkennung und Kreativität. Doch Voraussetzung ist immer, dass sowohl der Hirnstamm als auch das limbische System kooperieren, also funktionieren.

Die Bereiche im Gehirn, in denen Emotionen verarbeitet werden, sind mit den Gehirnteilen vernetzt, die beim logischen Denken benötigt werden und umgekehrt. Vernunftbetontes Denken beruht auf Gehirnprozessen, in denen nicht nur logische Strukturen, sondern auch Gefühle eine große Rolle spielen. Nicht die Ratio allein machen den Menschen aus, sondern Geist und Gefühl spielen zusammen.

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