Teresa von Ávila: Vom Umgang mit mystischen Erfahrungen

Dieser Artikel ist der Mystikerin Teresa von Ávila (1515 – 1582) gewidmet und stellt einige kritische Fragen zum Umgang mit mystischen Erfahrungen. In der Mystik geht es um religiöse Erfahrungen, Mysterien oder auch Geheimlehren, die eine Person angeblich von Göttern, Engeln oder anderen „höheren Wesenheiten“ empfangen hat. Neben einer Begriffsklärung werden auch unterschiedliche Perspektiven und Wirkungen solcher Erfahrungen besprochen.

1. Mystik und
Philosophie

Theresa von Avila Mystik Teresa
von Ávila (1515 – 1582) oder Theresa von Jesu hieß
eigentlich Teresa Sánchez de Cepeda y Ahumada. In den
Registern bzw. Inhaltsverzeichnissen zu den Philosophiegeschichten
von Aster, Hegel, Helferich, Russell, Störig und Weischedel
sucht man die Mystikerin vergebens. Bei Mittelstraß wird sie
im Artikel „Mystik“ wenigstens namentlich genannt, bei
Brugger und Prechtl/Burkard fehlt sie. Im „Theologenlexikon“
von Härle/Wagner ist ihr ein Artikel gewidmet.

Zur
Erinnerung: Die Theologie war noch für Platon und Aristoteles
eine Disziplin der Philosophie. Auch die Dichter Orpheus, Musaios,
Homer und Hesiod galten als Theologen. Die Stoiker unterschieden
zwischen mythischer (als Dichtung), physikalischer (als Kosmologie)
und politischer Theologie (als Stütze von Kultus und staatlicher
Ordnung). Die Skeptiker kritisierten sie aus erkenntnistheoretischen
Gründen, die Epikureer lehnten sie aus ethischen Motiven ab: sie
mache den Philosophen von fremden Gesetzen abhängig und gefährde
durch die Furcht vor den Göttern die Ideale der Ataraxie
(Seelenruhe) und Autarkie (Selbstgenügsamkeit).

Das
Wort „Mystik“ ist von
den griechischen Verben myein =
„sich schließen (von Lippen, Augen, Wunden), aufhören,
sich beruhigen, ruhen“ und myeín =
„in die Mysterien oder Geheimlehren einweihen“ abgeleitet.
Das zugehörige Adjektiv mystikos bedeutet
„geheimnisvoll, geheim“ (Menge-Güthling).

2. Sind Mystiker
geisteskrank?

„Mystik wird
aber bald von der gläubigen Orthodoxie als verdächtiges
Phänomen beurteilt, das im Bereich religiöser
Verstiegenheit geortet wird. Die Aufklärung verstand unter
Mystik den Bereich des Okkulten, Magischen oder völlig
Irrationalen. Diese negativen Beurteilungen von nur oberflächlich
verstandener Mystik herrschen bis heute auf breiter Ebene fort“
(Prechtl/Burkard 384).

Noch schlimmer: Wer
heutzutage mystische Erfahrungen macht, kann in den Verdacht geraten,
psychisch krank zu sein. So werden im Kapitel F20 der ICD-10 (der
Internationalen Klassifikation psychischer Störungen) über
die Schizophrenie bekannte Erlebnisse von Mystikern als Symptome
aufgeführt, z. B. „Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung
oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung“, „Wahnwahrnehmungen“,
„kommentierende oder dialogische Stimmen, die über den
Patienten und sein Verhalten sprechen, oder andere Stimmen, die aus
einem Körperteil kommen“, „anhaltender, kulturell
unangemessener und völlig unrealistischer Wahn, wie der, […]
im Kontakt mit Außerirdischen zu sein“, „anhaltende
Halluzinationen jeder Sinnesmodalität“ (S. 96).

Heute haben im
weltlichen Bereich die Psychiater die Rolle übernommen, die zur
Zeit Teresas die Beichtväter innehatten. In der Sprache Teresas
klingen die heute als Symptome gewerteten Erlebnisse folgendermaßen:

„Es sind
deutlich ausgeformte Worte, die man mit den leiblichen Ohren
allerdings nicht hört, doch viel deutlicher versteht, als wenn
man sie hörte. Und sie zu überhören, ist vergebliche
Mühe, so sehr man sich dagegen sträubte“ (Das Buch
meines Lebens, S. 358). „Wollen oder Nicht-Wollen spielen hier
also keine Rolle“ (ebd. S. 417). „Ich sah einen Engel neben
mir, an meiner linken Seite, und zwar in leiblicher Gestalt“ (S.
426). „Ich sah in seinen Händen einen langen goldenen
Pfeil, und an der Spitze dieses Eisens schien ein wenig Feuer zu
züngeln. Mir war, als stieße er es mir einige Male ins
Herz, und als würde es mir bis in die Eingeweide vordringen“
(S. 427).

Der Unterschied
zwischen der mystischen und psychiatrischen Interpretation ist
einfach: Ein Mystiker schreibt seine Erlebnisse konkreten geistigen
Wesenheiten zu, so Teresa Gott, verschiedenen Engeln oder dem Teufel
(dem „Bösen“, z. B. Das Buch meines Lebens S. 436). Ein
(materialistisch eingestellter) Psychiater negiert die Existenz
solcher Wesen und meint, der Patient habe seine akustischen oder
optischen Halluzinationen selbst erzeugt. Gerade diese Erzeugung von
Stimmen oder Visionen wird als krankhaft gewertet und heutzutage in
der Regel medikamentös zu unterdrücken versucht (vgl. z. B.
die Berichte von Kuiper und Millett; interessant ist, daß
Podvoll, der die Erfahrungen seiner Patienten in einen spirituellen
Kontext stellt, versucht, ohne Medikamente auszukommen).

Auch
Teresa selbst schwankte hinsichtlich ihrer Erlebnisse, ob es sich nun
um eine göttliche Gnade, eine teuflische Versuchung oder eine
banale Melancholie handelte. Unter letzterer verstand Teresa „’sowohl
depressive (Antriebsschwäche, Mutlosigkeit, Pessimismus) als
auch psychotisch gefärbte (Wahnerleben) Erscheinungsformen
psychischer Erkrankung (…) Als besonders eindrucksvolle
Symptome nennt Teresa von anderen nicht nachvollziehbare
‚Bedrängnisse‘ und ‚Skrupel‘ der Kranken, womit sie eher in die
Richtung der depressiven Störungen verweist, jedoch auch
‚Einbildungen‘ , die sie andernorts klar von ‚echten Visionen‘
unterscheidet‘
(B. Souvignier, Die Würde des Leibes, 144)“ (zit. n. Briefe I, Anm. 6, S. 105f).

Über den Umgang
mit Melancholikerinnen (gemeint sind Geisteskranke) schreibt Teresa
ausführlich im 7. Kapitel des „Buchs der Gründungen“.
Zunächst charakterisiert sie „diese Gemütsverfassung“
hinsichtlich des Charakters der Betroffenen und der Schwere der
Erkrankung: Demütige Menschen „mit einer sanften Wesensart
[…] haben […] es zwar schwer mit sich, schaden aber den
anderen nicht, vor allem wenn sie einen guten Verstand haben“
(S. 163).

Doch was ist mit den
anderen? „Wirklich, ich glaube, dass der Böse sich ihrer
bei manchen Personen als Mittel bedient, um sie möglichst für
sich zu gewinnen; und wenn sie nicht sehr auf der Hut sind, wird er
das auch fertig bringen. Da nämlich das, was diese Gemütsart
vor allem tut, die Unterjochung der Vernunft ist, was werden da die
Leidenschaften nicht fertig bringen, sobald diese einmal verdunkelt
ist? Das hört sich so an, als wären sie wahnsinnig, wenn
ihnen die Vernunft fehlt; und so ist es auch“ (S. 163).

Was tun? Mit ihnen
vernünftig umzugehen, „ist vergebliche Liebesmühe“
(S. 164). Teresa kennt nämlich „einige Leute, bei denen
fast nichts mehr dazu fehlt, dass sie jedes Urteilsvermögen
verlieren“ (S. 166). Es „geht ihnen […] vor allem
darum, mit dem durchzukommen, was sie möchten, und alles zu
sagen, was ihnen auf die Zunge kommt, und auf fremde Fehler zu
achten, um damit die eigenen zu verschleiern, und sich an dem zu
amüsieren, was ihnen Spaß macht, kurz, wie jemand, der in
sich keinen hat, der ihm Paroli bietet“ (S. 165).

Deshalb gibt es
„keine andere Abhilfe […], außer sie auf jede nur
erdenkliche Art und Weise in Schach zu halten. Wenn Worte nicht
ausreichen, dann eben Strafen; reichen kleinere nicht aus, dann eben
größere; falls es nicht ausreicht, sie einen Monat lang
einzusperren, dann vier Monate, denn für ihr seelisches Wohl
kann man nichts Besseres tun“ (S. 165f).

Ergänzend
schlägt Teresa medizinische Behandlung vor, „damit man sie
ertragen kann“ (S. 169). Bei leichteren Fällen genügt
eine Art Beschäftigungstherapie, „damit sie keinen
Spielraum bekommen, um sich in etwas hineinzuspinnen; denn darin
liegt ihr ganzes Übel.“ Selbst wenn die Kranken ihre
Aufgaben „nicht allzu gut erledigten, soll man die paar Fehler
bei ihnen ertragen, um von ihnen nicht andere, viel größere
ertragen zu müssen, wenn sie verloren sind […]. Auch soll
man dafür sorgen, dass sie nicht lange Zeit fürs innere
Beten haben“. Denn „sogar ohne das werden sie sich Dinge
einbilden, die weder sie, noch wer sie hört, ganz nachvollziehen
können.“ Ansonsten erlaubt Teresa den Kranken
Fastenerleichterungen und den gelegentlichen Verzehr von Fleisch bzw.
Fisch (S. 170).

In „Die
Seelenburg“ versuchte Teresa, die Arten von Ansprachen
(Stimmenhören), Verzückungen (Erregungszustände) und
Visionen (optische Halluzinationen) zu klassifizieren. Sie war sich
dessen bewußt, daß es viele Möglichkeiten der
Täuschung gibt. „Die Priorin oder der Beichtvater, denen
sie dergleichen Dinge mitteilen, müssen sie als Kranke anhören
und ihnen nur sagen, sie möchten darauf keinen Wert legen, da
hierin nicht das Wesen des Dienstes Gottes besteht“ (S. 131).

3. Welchen Nutzen
haben mystische Erfahrungen?

Es steht tatsächlich
die Frage im Raum, welchen philosophischen Nutzen mystische
Erfahrungen haben. Vergleicht man die Erlebnisse verschiedener
Mystiker, bekommt man den Eindruck, daß die Erfahrungen selbst
ähnlicher sind als die Interpretationen, die im jeweiligen
kulturellen Kontext erfolgen. So erscheint einem Yogi Krishna oder
Shiva, einem Christen Jesus oder ein Engel. Die mitgeteilten
Botschaften reichen bekanntlich von konkreten Verhaltensanweisungen
über Ekstasen bis zu Prophezeiungen für die Zukunft.

Während wir bei
der Beschäftigung mit Kunst, Philosophie und Wissenschaft
lediglich das Werk dessen oder derjenigen kennenlernen, der sie
inspiriert, erfahren wir bei der Lektüre der Mystiker direkt
etwas über den tatsächlichen Schöpfer, dessen
Werkzeuge die großen Künstler, Philosophen und
Wissenschaftler sind. Wer das irgendwie merkwürdig findet, lese
die Sammelbände von Dürr und Muthmann oder die „Theogonie“
von Hesiod.

Teresa maß
mystischen Erfahrungen keine große Bedeutung bei, vielleicht,
weil „sie sich ständig selbst wegen ihrer Visionen und
Verzückungen rechtfertigen musste“ (Buch der Gründungen,
Anm. 21 S. 137). Wichtiger war ihr das Einssein mit dem göttlichen
Willen.

4. Warum wollen
manche Christen leiden?

Völlig
unverständlich ist heutzutage das Verlangen mancher
Mystikerinnen zu leiden. So konnte es bei Teresa vorkommen, daß
„Gott ihr die
Gesundheit und die Kräfte nimmt, Bußwerke zu verrichten“
(Die Seelenburg, S. 213).

Während
das heutzutage ein psychosomatisch geschulter Mensch als Wink mit dem
Zaunpfahl auffaßt, seine Lebensweise zu ändern (vgl. die
Bücher von Dethlefsen und Dahlke), empfand Teresa die
Unmöglichkeit der Verrichtung einer Buße als „wahre
Buße“ (ebd.).
Über Verfolgungen freute sie sich sogar (Die Seelenburg, S.
215). Als sie die „Seelenburg“
niederschrieb, hatte sie „von der Zeit an, da der Herr ihr die
besprochene Gnade zu erweisen begann, auch nicht einen einzigen Tag –
es sind jetzt vierzig Jahre – ohne körperliche Schmerzen
und andere Leiden“ verbracht (ebd. S. 121; wie Paulus –
vgl. 2 Kor 12,2 – schrieb Teresa von sich öfter in der
dritten Person).

Eine
andere Christin, Madame Guyon (1648 – 1717), war „so verliebt in das Leiden, daß es das allergrößte
der Leiden gewesen wäre, überhaupt keines zu haben. […]
Ich flehte um irgendeine andere Strafe, nur nicht die, daß das
Kreuz von mir genommen würde“
(Autobiographie, S. 122f).

Die
Motivation scheint klar: Diese Frauen trieben eine Art
Hochleistungssport damit, Jesus nachzufolgen. Da Jesus gelitten hat,
bedeutete diese Nachfolge für sie, ebenfalls zu leiden. Je
größer das Leid, desto getreuer die Nachfolge.

Angesichts
der Berichte in den Evangelien hinkt diese Logik allerdings in
mehrfacher Hinsicht: 1. Jesus heilte viele Leidende von ihren
Krankheiten. Hätte er gewollt, daß sie ihm durch Leiden
nachfolgen, hätte er sie weiterleiden lassen müssen. 2.
Jesus verlangte, daß jeder sein
eigenes
Kreuz auf sich
nimmt, nicht das Kreuz von Jesus (vgl. Mt 10,38; Mk 8,34; Lk 14,27).
Christsein heißt, den Willen Gottes tun, nicht nach Jesus zu
rufen (Mt 7,21). 3. Mir ist in den Evangelien keine Stelle bekannt,
aus der hervorgeht, daß Jesus leiden wollte. Vor
der Kreuzigung bat er seinen himmlischen Vater ausdrücklich
darum, diesen Kelch vorübergehen zu lassen, bevor er sich in den
göttlichen Willen ergab (vgl. Mt 26,39; Mk 14,35f; Lk 22,42).

Erst
im Alter mäßigte Teresa ihr Verlangen nach dem von ihr als
„Prüfungen“ bezeichneten Leiden (Briefe II 508). Was
bei der Lektüre ihrer Werke weiter auffällt, ist, wie gern
sie sich klein und schlecht macht: was sie bereits geschrieben hat,
weiß sie nicht mehr, lesen kann sie es nicht mehr wegen
Kopfweh, die rechten Worte kann sie nicht finden, zum Schreiben ist
sie weder geeignet noch macht es ihr Freude, in allem unterwirft sie
sich ihren Vorgesetzten bzw. der Kirche, mit der sie höchstens „aus Unwissenheit und
nicht aus Bosheit“ nicht übereinstimmt (Die Seelenburg, S. 17).

5.
Teresas Briefe

Die
Lektüre der Briefe von Teresa zeigt, daß sie mit allen
irdischen Dingen angemessen umgehen konnte, daß sie also durch
ihre spirituellen Erfahrungen im täglichen Leben zwar mitunter
beeinträchtigt, aber nicht dauerhaft blockiert wurde. Am 23.
Dezember 1561 schrieb sie an ihren Bruder Don Lorenzo de Cepeda, daß
sie es sich „als Ehre
anrechne, geflickt herumzulaufen“
(Briefe I, S. 83).
Auch hielt sie sich für „eine
gute Feilscherin“
(I 530). Doch „Eingebungen
Gottes“ seien „nichts
für einen Brief“
(I 83).

Über
das Beten: „Ich
wünschte mir kein anderes Gebet als eines, das mich in den
Tugenden wachsen ließe“ (I 537). Zur Krankenpflege fühlte sie sich nicht berufen: sie
hatte „weder
die Gesundheit, um Kranke zu pflegen, noch genug Nächstenliebe“
(I 487).

Über
die Beichte: „So
leicht sind wir Frauen nicht zu durchschauen! Jahrelang hören
sie ihre Beichte und sind dann selbst entsetzt, wie wenig sie
verstanden hatten. Und das ist so, weil nicht einmal sie selbst sich
so verstehen, dass sie ihre Fehler benennen könnten, jeden aber
nach dem urteilen, was diese ihnen beichten“
(I 525).

Über Gott: Teresa glaubte,
daß irdische Ereignisse das Resultat göttlicher Fügung
sind (II 204f). Damit das geschieht, was Gott am meisten dient, muß
man viel beten (II 223). Gott kann alles (II 234). Es ist wichtig,
Gottes Willen zu erfüllen und ihn nicht zu beleidigen (II 307f).
Wenn Gott etwas will, „ist
alles leicht“ (II 386). Gerade dann, wenn man nicht mehr damit rechnet, bringt er
die Dinge in Ordnung (II 416). Gott macht Gutes und Böses
sichtbar (II 420f). Er „kann
aus Bösem Gutes hervorgehen lassen“,
und zwar „um
so mehr Gutes“,
wenn man ihn nicht beleidigt (II 465). Gott läßt die
Menschen leiden, die ihm dienen (II 454), und fordert viel Geduld von
ihnen (II 463). Er auferlegt ihnen Prüfungen (II 508), doch „niemandem
mehr […] als er tragen kann“
(II 487).

Alles
Gute kommt von Gott (III 39). Er selbst ist es, der in den Menschen
die Sehnsucht nach Leiden hervorruft (III 39f). Wir müssen
seinen Willen tun (III 40). „Gott
ist sehr treu“
(III 163) und „ein
echter Freund“. Er
läßt die
Menschen nicht im Stich (III 191). Wem er seine Gnade schenkt, der
muß Großes für ihn vollbringen (III 164). Seine
Gnade gewährt er auf vielerlei Art (III 214), wenn wir etwas
ausschließlich für ihn tun (III 172). Wer Gott dient, hat
stets genug zu essen (III 181). Er erbarmt sich der Menschen (III
194) und gibt alles, was
nötig ist (III 290f).
Die Starken prüft er daraufhin, ob ihre Liebe zu ihm in der Not
so groß wie im Glück ist (III 211). Durch Gottes Prüfungen
reift man zur Persönlichkeit (III 131). Gott bewegt die Herzen
der Menschen. Nur er kann die Wünsche der Tüchtigen
befriedigen (III 217).

Gott
sorgt dafür, daß diejenigen, die gegen die „Ordnung,
zu der die Liebe verpflichtet“,
verstoßen, dafür bezahlen müssen (III 346).
Diejenigen, die ihm dienen, prüft er. Diese Prüfungen
vergilt er mit seiner Liebe, die wiederum bewirkt, daß die
Geprüften Gott lieben (III 492).

So
erklärte Teresa das Schicksal der Heiligen María Díaz
de Vivar: „Sie
hatte alles, was sie besaß, für Gott weggegeben, nur eine
Decke war ihr noch geblieben, mit der sie sich zudeckte, und die gab
sie auch noch her. Bald schon suchte Gott sie mit größten
inneren Leiden und Dürrezeiten heim, worauf sie sich bitter bei
ihm beklagte und sagte: ‚So einer bist du, Herr? Nachdem du mich ohne
alles zurückgelassen hast, machst du dich auch noch davon?‘
Genau, meine Tochter [gemeint ist die Adressatin dieses Briefs Mitte
Mai 1582: Schwester Leonor de la Misericordia], so einer ist Seine
Majestät, denn er vergilt die großen Dienste mit
Prüfungen, und eine bessere Vergeltung kann es gar nicht geben,
denn das Entgelt dafür ist Gottesliebe“
(III 492).

Fazit: „Bei
Gott ist alles möglich“
(III 232). Seine
Ratschlüsse sind groß (III 377). Aber seine Fügungen
sind uns unverständlich (III 358): Teresa
war davon überzeugt, daß sie Mutter María de San
José wiedersehen würde, doch Gott fügte es nicht so
(III 421). Sie kehrte auch nicht mehr nach Ávila zurück
(III 447). Die Klostergründung in Madrid und ihr Wunsch, nicht
mehr reisen zu müssen, wurden ihr von Gott versagt (III 509).

© Gunthard Rudolf Heller 2013

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  • Weg
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    Band 2), herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich
    Dobhan und Elisabeth Peeters, Freiburg/Basel/Wien 22004
  • Gedanken
    zum Hohenlied, Gedichte und kleinere Schriften (Gesammelte Werke
    Band 3), herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich
    Dobhan und Elisabeth Peeters, Freiburg/Basel/Wien 2004
  • Das
    Buch der Gründungen (Gesammelte Werke Band 5), herausgegeben,
    übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan und Elisabeth
    Peeters, Freiburg/Basel/Wien 2007
  • Schicken
    Sie mir doch ein paar Täubchen. Briefe I (1546-1576),
    herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan und
    Elisabeth Peeters, Freiburg/Basel/Wien 2010
  • Noch
    nie habe ich Euch so geliebt wie jetzt. Briefe II (1576-1579),
    herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Ulrich Dobhan und
    Elisabeth Peeters, Freiburg/Basel/Wien 2011
  • Diesen
    großen Gott können wir überall lieben. Briefe III
    (1579-1582), herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von
    Ulrich Dobhan und Elisabeth Peeters, Freiburg/Basel/Wien 2013

THERESA
VON JESU: Die Seelenburg – Mit einem Anhang: Gedanken über
die Liebe Gottes / Rufe der Seele zu Gott / Kleinere Schriften
(Sämtliche Schriften Band 5), übersetzt und bearbeitet von
P. Aloysius Alkofer, München/Kempten 61981

MILLETT,
Kate: Der Klapsmühlentrip (The Loony Bin Trip,
1990), aus dem Amerikanischen von Erica Fischer, Köln 1993

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Edward M.: Verlockung des Wahnsinns – Therapeutische Wege aus
entrückten Welten (The Seduction of Madness,
1990), aus dem Amerikanischen von Konrad Dietzfelbinger, München
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WEISCHEDEL, Wilhelm:
Die philosophische Hintertreppe – 34 große Philosophen in
Alltag und Denken, München 121984

Gunthard Heller

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