Philosophie: Tipps zur Lektüre der Werke von Karl Jaspers

Karl Jaspers (1883-1969) gilt als "einer der Hauptvertreter der Existenzphilosophie". Sein philosophisches Werk hat viele Bereiche beeinflusst - unter anderem die Entwicklung der wissenschaftlichen Psychiatrie, die Religionsphilosophie, die Geschichtsphilosophie und die Interkulturelle Philosophie.

Aber auch seine einführenden Schriften zur Philosophie und politischen Themen haben hohe Auflagen erreicht und wurden so einem großen Publikum bekannt.

In dieser Ausarbeitung können Sie eine kleine Einführung in das Leben und Werk dieses Philosophen bekommen. Folgende Themen werden besprochen:

  • Einleitung
  • 1. Autobiographische Schriften und 2. Hegeleien
  • 3. Schriften zur Religion
  • 4. Geschichtsphilosophie
  • 5. Schriften zur Philosophiegeschichte
  • 6. Politische Schriften
  • 7. Texte zur Pädagogik
  • 8. Schriften zur Medizin
  • 9. Was ist Philosophie?
  • 10. Was ist Liebe?
  • Literaturverzeichnis

Einleitung

Einführung in Philosophie und Leben und Werk von Karl JaspersKarl Jaspers (1883-1969) gilt als "einer der Hauptvertreter der Existenzphilosophie" (Heinz-Ludwig Nastansky, in: EPW 2/308). Unter diesem Begriff werden "verschiedene philosophische Richtungen" zusammengefaßt, "die im wesentlichen auf einem subjektivistischen, individualistischen Begriff der Existenz aufbauen" (ders., in: EPW 1/620). "Existenz" (lat. existentia = Dasein) ist seit Marius Victorinus (um 360 n. Chr.) die "Bezeichnung […] für die Tatsache, daß etwas ist (im Unterschied zur Essenz, die besagt, was etwas ist" (Carl F. Gethmann, in: EPW 1/618). Sören Kierkegaard (1813-1855) hat den Begriff dann "auf das spezifische, unableitbare und individuelle Leben des Menschen beschränkt" (ebd.).

Kurz: Existenzphilosophen gehen von sich selbst aus, wenn sie philosophieren. In diesem Sinn ist der Begriff "Existenzphilosophie" keine Epoche der Philosophiegeschichte, sondern eine Methode, die schon Platon im 7. Brief sowie Augustinus und Rousseau in ihren "Bekenntnissen" angewandt haben.

Jean-Paul Sartre unterschied in seinem Essay "Ist der Existentialismus ein Humanismus?" "zwei Arten von Existentialisten […]: die ersten, welche Christen sind, unter die ich Jaspers und Gabriel Marcel (dieser katholischer Konfession) einreihen würde; und auf der andern Seite die atheistischen Existentialisten, zu denen Heidegger und auch die französischen Existentialisten und ich selber zu stellen sind. Gemeinsam haben sie die Überzeugung, daß die Existenz der Essenz vorangehe, oder, wenn Sie wollen, daß man von der Ichheit ausgehen muß" (zit. n. Drei Essays, S. 9).

Die genannten Philosophen waren mit dieser Zuordnung überhaupt nicht einverstanden und haben sie deshalb "mehr oder weniger vehement dementiert" (Carl F. Gethmann, in: EPW 1/619).

Wolfgang Stegmüller meinte in "Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie" sogar, "daß die Existenzphilosophie von Jaspers in bestimmter Hinsicht als 'Religionsersatz' gedacht ist" (S. 240). Zum Beispiel suchte ein katholischer Pfarrer im Anschluß an eine der Metaphysikvorlesungen Jaspers auf, um ihm seinen Dank abzustatten. Er hatte nur einzuwenden, "'dass das meiste von dem, was Sie vorgetragen haben, nach unserer Auffassung Theologie ist'" (zit. n. Schweizer 138).

Wieder Stegmüller: "Die Werke von Jaspers gehören zu jenen Philosophien, die sich nicht an den Menschen als Verstandeswesen wenden und deren Wirkung auf den Menschen daher davon abhängt, ob und wieweit er durch ihre Aneignung innerlich betroffen und verwandelt wird" (ebd. S. 231). "So war denn auch die Aufnahme seiner Äußerungen in der Öffentlichkeit zwiespältig. Teils war man von seinen Offenbarungen ergriffen, teils sprach man, wie etwa Karl Barth, vom 'Jasperletheater' oder vom 'Verführer der Jugend'; Einstein gar nannte seine Philosophie 'das Gefasel eines Trunkenen'" (Weischedel 266).

Im folgenden bespreche ich Jaspers' Philosophie anhand einer Einteilung in 1. autobiographische Schriften, 2. Hegeleien, 3. Schriften zur Religion, 4. Geschichtsphilosophie, 5. Schriften zur Philosophiegeschichte, 6. politische Schriften, 7. Texte zur Pädagogik und 8. Schriften zur Medizin. In zwei abschließenden Kapiteln behandle ich die Fragen, was Jaspers 9. unter Philosophie und 10. unter Liebe verstand.

04.04.2017 © seit 10.2012 Gunthard Heller

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