Philosophie: Tipps zur Lektüre der Werke von Karl Jaspers

Karl Jaspers (1883-1969) gilt als „einer der Hauptvertreter der Existenzphilosophie“. Sein philosophisches Werk hat viele Bereiche beeinflusst – unter anderem die Entwicklung der wissenschaftlichen Psychiatrie, die Religionsphilosophie, die Geschichtsphilosophie und die Interkulturelle Philosophie.

Aber auch seine einführenden Schriften zur Philosophie und politischen Themen haben hohe Auflagen erreicht und wurden so einem großen Publikum bekannt.

In dieser Ausarbeitung können Sie eine kleine Einführung in das Leben und Werk dieses Philosophen bekommen. Folgende Themen werden besprochen:

  • Einleitung
  • 1. Autobiographische Schriften und 2. Hegeleien
  • 3. Schriften zur Religion
  • 4. Geschichtsphilosophie
  • 5. Schriften zur Philosophiegeschichte
  • 6. Politische Schriften
  • 7. Texte zur Pädagogik
  • 8. Schriften zur Medizin
  • 9. Was ist Philosophie?
  • 10. Was ist Liebe?
  • Literaturverzeichnis

Einleitung

Einführung in Philosophie und Leben und Werk von Karl Jaspers Karl
Jaspers (1883-1969) gilt als „einer der Hauptvertreter der
Existenzphilosophie“ (Heinz-Ludwig Nastansky, in: EPW 2/308).
Unter diesem Begriff werden „verschiedene philosophische
Richtungen“ zusammengefaßt, „die im wesentlichen auf
einem subjektivistischen, individualistischen Begriff der Existenz
aufbauen“ (ders., in: EPW 1/620). „Existenz“ (lat. existentia = Dasein) ist seit Marius Victorinus (um 360 n. Chr.) die
„Bezeichnung […] für die Tatsache, daß etwas
ist (im Unterschied zur Essenz, die besagt, was etwas
ist“ (Carl F. Gethmann, in: EPW 1/618). Sören Kierkegaard
(1813-1855) hat den Begriff dann „auf das spezifische,
unableitbare und individuelle Leben des Menschen beschränkt“
(ebd.).

Kurz:
Existenzphilosophen gehen von sich selbst aus, wenn sie
philosophieren. In diesem Sinn ist der Begriff „Existenzphilosophie“
keine Epoche der Philosophiegeschichte, sondern eine Methode, die
schon Platon im 7. Brief sowie Augustinus und Rousseau in ihren
„Bekenntnissen“ angewandt haben.

Jean-Paul Sartre
unterschied in seinem Essay „Ist der Existentialismus ein
Humanismus?“ „zwei Arten von Existentialisten […]:
die ersten, welche Christen sind, unter die ich Jaspers und Gabriel
Marcel (dieser katholischer Konfession) einreihen würde; und auf
der andern Seite die atheistischen Existentialisten, zu denen
Heidegger und auch die französischen Existentialisten und ich
selber zu stellen sind. Gemeinsam haben sie die Überzeugung, daß
die Existenz der Essenz vorangehe, oder, wenn Sie wollen, daß
man von der Ichheit ausgehen muß“ (zit. n. Drei Essays, S.
9).

Die genannten
Philosophen waren mit dieser Zuordnung überhaupt nicht
einverstanden und haben sie deshalb „mehr oder weniger vehement
dementiert“ (Carl F. Gethmann, in: EPW 1/619).

Wolfgang
Stegmüller meinte in „Hauptströmungen
der Gegenwartsphilosophie“
sogar, „daß
die Existenzphilosophie von Jaspers in bestimmter Hinsicht als
‚Religionsersatz‘ gedacht ist“ (S. 240). Zum Beispiel suchte ein katholischer Pfarrer im Anschluß
an eine der Metaphysikvorlesungen Jaspers auf, um ihm seinen Dank
abzustatten. Er hatte nur einzuwenden, „‚dass
das meiste von dem, was Sie vorgetragen haben, nach unserer
Auffassung Theologie ist'“
(zit. n. Schweizer 138).

Wieder
Stegmüller: „Die
Werke von Jaspers gehören zu jenen Philosophien, die sich nicht
an den Menschen als Verstandeswesen wenden und deren Wirkung auf den
Menschen daher davon abhängt, ob und wieweit er durch ihre
Aneignung innerlich betroffen und verwandelt wird“ (ebd. S. 231). „So
war denn auch die Aufnahme seiner Äußerungen in der
Öffentlichkeit zwiespältig. Teils war man von seinen
Offenbarungen ergriffen, teils sprach man, wie etwa Karl Barth, vom
‚Jasperletheater‘ oder vom ‚Verführer der Jugend‘; Einstein gar
nannte seine Philosophie ‚das Gefasel eines Trunkenen'“ (Weischedel 266).

Im
folgenden bespreche ich Jaspers‘ Philosophie anhand einer Einteilung
in 1. autobiographische Schriften, 2. Hegeleien, 3. Schriften zur
Religion, 4. Geschichtsphilosophie,
5. Schriften zur Philosophiegeschichte, 6. politische
Schriften, 7. Texte zur Pädagogik und 8. Schriften zur Medizin.
In zwei abschließenden Kapiteln behandle ich die Fragen, was
Jaspers 9. unter Philosophie und 10. unter Liebe verstand.

1. Autobiographische Schriften und 2. Hegeleien

1. Autobiographische Schriften

Zu
Jaspers autobiographischen Schriften gehören seine
Selbstdarstellungen Mein
Weg zur Philosophie
(in: Wahrheit und Bewährung), Ein
Selbstporträt
und „Über meine
Philosophie“
(in: Was ist Philosophie?), Philosophische
Autobiographie
(in: Philosophische Aufsätze) sowie die Briefwechsel mit
Hannah Arendt und Martin Heidegger.
Hans Saner hat in Provokationen „Gespräche und
Interviews“ mit
Jaspers gesammelt. All das ist problemlos zu lesen und bedarf keines
Kommentars. Wer viel Zeit hat und Jaspers als Menschen kennenlernen
will, sollte damit anfangen.

2.
Hegeleien

Zu
den „Hegeleien“ rechne ich Jaspers Hauptwerke „Psychologie
der Weltanschauungen“,
die drei Bände „Philosophie“
und „Von
der Wahrheit“.
Sie sind allesamt sehr umfangreich, schwierig zu lesen und in allen
Details wohl kaum mehr zu verstehen, da Jaspers durchgehend von
konkreten Erlebnissen oder Situationen abstrahiert. Da steht also
nicht mehr: Es war (konkret) so und so. Sondern: Es ist (abstrakt) so und so.

Der
Begriff „Hegelei“ stammt von Arthur Schopenhauer (1788-1860). Er verstand darunter „den hohlsten Wortkram“, „die armseligsten
Sophismen […] und läppischen Aberwitz“.
Über die Hegelianer schrieb er: „durch das Aufnehmen
rasender Wortzusammenstellungen, bei denen etwas zu denken der Geist
sich vergeblich martert und erschöpft, sind ihre Köpfe
desorganisiert“ (I 22).

Die
Hegelei wurde übrigens nicht von Hegel erfunden. Sie ist
Schopenhauer zufolge ein uraltes Übel der Philosophiegeschichte:
„Seit der Scholastik, ja eigentlich seit Platon und Aristoteles,
ist die Philosophie großenteils ein fortgesetzter
Mißbrauch allgemeiner Begriffe.
Solche
sind z. B. Substanz, Grund, Ursache, das Gute, die Vollkommenheit,
Notwendigkeit, Möglichkeit und gar viele andere. Eine Neigung
der Köpfe zum Operieren mit solchen abstrakten und zu weit
gefaßten Begriffen hat sich fast zu allen Zeiten gezeigt: sie
mag zuletzt auf einer gewissen Trägheit des Intellektes beruhen,
dem es zu beschwerlich ist, das Denken stets durch die Anschauung zu
kontrollieren. Solche zu weite[n] Begriffe werden dann allmälig
fast wie algebraische Zeichen gebraucht und wie diese hin und her
geworfen, wodurch das Philosophieren zu einem bloßen
Kombinieren, zu einer Art Rechnerei ausartet, welche (wie alles
Rechnen) nur niedrige Fähigkeiten beschäftigt und
erfordert. Ja, zuletzt entsteht hieraus ein bloßer Wortkram:
von einem solchen liefert uns das scheußlichste Beispiel die
kopfverderbende Hegelei, als in welcher er bis zum baren Unsinn
getrieben wird“ (II 56f).

Die
Beispiele ließen sich leicht vermehren, doch ich denke, daß
klargeworden ist, um was es geht. Also zurück zu Jaspers!

In „Psychologie der
Weltanschauungen“
behandelt
Jaspers keine realen Weltanschauungen wie etwa den Marxismus oder die
Anthroposophie, sondern Typen von Weltanschauungen, die er selbst erfunden hat. Er schreibt also
nicht, was es tatsächlich gibt, sondern, was er alles für
möglich hält. Natürlich leitet er seine Einteilung in
Typen aus realen Weltbildern her, doch bei der Lektüre verläßt
einen nie der Eindruck, daß man mehr über Jaspers als über
den Gegenstand erfährt. Dementsprechend hat Jaspers das Werk
„später selber als das früheste Zeugnis der sog.
modernen Existenzphilosophie bezeichnet“ (Franz-Peter Burkard,
in: LPW 602).

Das
Buch ist zuerst 1919 erschienen. Jaspers hat es ebenso wie
„Philosophie“
und „Von
der Wahrheit“ seiner
Frau Gertrud gewidmet, die er am 14. Juli 1907 kennengelernt hatte.
„Sie war eines der neun Kinder einer orthodox jüdischen
Kaufmannsfamilie, die in Prenzlau, angesehen, alteingesessen
und in früheren Jahren durch einen Schutzbrief (1698) gesichert,
relativ wenig unter dem
Antisemitismus zu leiden hatte. Als sie noch ein Kind war, starb die
ältere Schwester mit siebzehn Jahren an Diphtherie. […]
Ihre erste Freundin starb, als sie selber zwanzigjährig war. Zur
gleichen Zeit mußte die jüngere Schwester, unheilbar
geisteskrank geworden, für immer interniert werden. Wenig später
nahm sich der Jugendfreund, der Dichter Walter Calé, das
Leben. Eine weitere Freundin und deren Mann starben an Tuberkulose“
(Saner 24f).

Auch
Jaspers, der damals Medizin studierte, war krank: „Bronchiektasen
der Lunge, in früheren Jahren angegriffene Nieren, durch
zunehmendes Emphysem sekundäre Herzinsuffizienz.“ Das war
nicht lebensgefährlich, doch Voraussetzung für das
Weiterleben „war der Verzicht auf jegliche physische Anstrengung
und damit auf ein normales Leben, regelmäßige Entleerung
des Auswurfs […]. Wurde sie unterlassen, stellte sich bald
Fieber ein, Schüttelfrost, Blutspucken, akute Lungenerkrankung“
(Saner 17f).

1910
heirateten die beiden. Von da ab erschienen Jaspers‘ Schriften zur
Medizin, durch die er berühmt wurde. 1913 habilitierte er sich.
Seine ersten Vorlesungen hielt er vor allem über Psychologie.
Darunter war die Vorlesungsreihe „Psychologie der
Weltanschauungen“, mit der Jaspers allgemeine Aufmerksamkeit
erregte. „Man spürte, daß eine neue Philosophie sich
ankündigte, die sich noch als Psychologie mißverstand“
(Saner 36).

Mit
der Lektüre philosophischer Werke begann Jaspers schon früh.
Sie wurde durch einen 1907 notierten Traum intensiviert, in dem Dr.
Voelcker dem Patienten wegen einem tödlichen Sarkom noch weniger
als ein Jahr Lebenszeit vorhersagte. So meinte der Arzt (im Traum!),
Jaspers‘ Medizinstudium sei sinnlos geworden, er solle sich nur noch
mit Philosophie befassen. Max Weber (1864-1920), der die Lektüre
der „Psychologie der Weltanschauungen“ sehr lohnend fand,
war Jaspers‘ großes Vorbild, obwohl er eigentlich kein
Philosoph war, sondern die moderne Soziologie als Wissenschaft
begründete. 1920 wurde Jaspers in Heidelberg Nachfolger von Hans
Driesch als außerordentlicher Philosophieprofessor, 1922
erhielt er einen Lehrstuhl für Philosophie.

Das
Verfassen der „Psychologie der Weltanschauungen“ wurde zu
Jaspers‘ „Weg zur Philosophie“, schreibt er selbst im
Vorwort zur 4. Auflage (S. IX). Er führte „von der
Psychologie über die verstehende Psychologie zur
Existenzphilosophie“ (S. XI). In der Einleitung heißt es
dann: „Unser Versuch soll ein systematischer, kein kasuistischer
sein. Er ist eine Konstruktion von Typen, die manchmal durch
Beispiele veranschaulicht, aber nicht bewiesen werden. Sie sind als
innere Anschaulichkeiten evident“ (S. 14).

Würde
ich nun versuchen, den Inhalt des Werks kurz zusammenzufassen oder
gar die Jasperschen Typen aufzählen, müßte ich mich
selbst der Hegelei in Potenz, nämlich einer Abstraktion der
Abstraktion bezichtigen.

Die
drei Bände „Philosophie“ erschienen 1932. Sie tragen die Untertitel „Philosophische
Weltorientierung“, „Existenzerhellung“ und
„Metaphysik“. „Der Dreigliederung entspricht das
methodische Vorgehen der Philosophie: sie transzendiert die
erforschbare objektive Wirklichkeit in Richtung auf das […]
Selbstsein und erkennt von da aus die Transzendenz als Grund allen
Seins“ (Franz-Peter Burkard, in: LPW 540f).

Anders
ausgedrückt: Es geht um „die Frage nach dem Sein. […]
Die drei Bücher befassen sich thematisch mit dem Weltsein, dem
Menschsein, und der ‚Transzendenz‘ als dem Seinsgrund schlechthin.“ Das zweite Buch „darf […]
mit Recht als Grundtext der modernen Existenzphilosophie gelten.“
Seine Grundaussage: „Nicht in seinem Weltsein, nicht durch sein
Denken, sondern in seinem Existieren werden dem Menschen die
Modalitäten der Seinsfrage wirklich und sagbar“ (Leonhard
H. Ehrlich, in: KNLL 8/646).

„Von
der Wahrheit“
erschien
1947. Eigentlich waren vier Bände unter dem Titel
„Philosophische Logik“ geplant, von denen Jaspers aber nur
den ersten vollendet hat. Band 2 sollte den Titel „Kategorienlehre“,
Band 4 den Titel „Wissenschaftslehre“ tragen. Was Jaspers
davon niedergeschrieben hat, ist im Nachlaß erhalten. „Wie
angesichts des durch die Zeitlichkeit des Menschen bestimmten Denkens
die Wahrheit des Seins in ihrer Einheit thematisch sein kann, ist die
durchgehende Grundfrage des Werkes“ (Leonhard
H. Ehrlich, in: KNLL 8/651). „Trotz seiner Bedeutung blieb dem
Werk bislang eine angemessene Rezeption versagt“ (Franz-Peter
Burkard, in: LPW 784).

In
der „Einleitung
zum Gesamtwerk“ handelt Jaspers von der philosophischen Logik, in der Einleitung zum
ersten Band vom „Denken
der Ursprünge“.
Gemeint ist das „erste Fragen nach dem, was Sein, Wissen,
Wahrsein sei“ (S. 29). Was in den drei Teilen des ersten Bands
steht, sieht der Leser anhand der Überschriften: „Das Sein
des Umgreifenden“ – „Das Umgreifende des Erkennens“
– „Wahrheit“.

„Die darin
entwickelte Lehre vom Umgreifenden kann als Grundgerüst seiner
Philosophie und als Schlüssel zu seinem Gesamtwerk betrachtet
werden“ (Franz-Peter Burkard, in: LPW 783). Mit „das
Umgreifende“ bezeichnet Jaspers das „Sein, das uns mit dem
Offenbarwerden aller entgegenkommenden Erscheinung als es selbst
zurückwich […], das weder (immer verengender) Gegenstand
noch ein in einem (immer beschränkenden) Horizont gestaltetes
Ganzes ist.

Dadurch,
daß ein Horizont ist, sich also ständig ein Weiteres
jenseits des Horizonts zeigt, welches jeden gewonnenen Horizont
einschließt, ohne selber Horizont zu sein, wird das Umgreifende
fühlbar. Dieses Umgreifende ist also nie der Horizont, in dem
unser jeweiliges Wissen steht und in dem uns jede bestimmte Weise des
Seins vorkommt, denn das Umgreifende wird nie als Horizont sichtbar.
Umgreifend ist das Sein, aus dem als dem schlechthin Umfassenden
vielmehr auch alle neuen Horizonte erst hervortreten“ (S. 38).

Falls
Sie das nicht verstanden haben, haben Sie nun zumindest einen
Eindruck davon, was Schopenhauer als „Hegelei“ bezeichnete. Zum Vergleich: „Es
kann nichts anfangen, weder insofern etwas ist, noch insofern es
nicht ist; denn insofern es ist, fängt es nicht erst an;
insofern es aber nicht ist, fängt es auch nicht an.- Wenn die
Welt oder Etwas angefangen haben sollte, so hätte sie im Nichts
angefangen, aber im Nichts oder das Nichts ist nicht Anfang; denn
Anfang schließt ein Sein in sich, aber das Nichts enthält
kein Sein. Nichts ist nur Nichts. In einem Grunde, Ursache usw., wenn
das Nichts so bestimmt wird, ist eine Affirmation, Sein enthalten.
[…]

Bei
der Voraussetzung der absoluten Geschiedenheit des Seins vom Nichts
ist – was man so oft hört – der Anfang oder das
Werden allerdings etwas Unbegreifliches;
denn man macht eine Voraussetzung, welche den Anfang oder das Werden
aufhebt, das man doch wieder zugibt,
und dieser Widerspruch, den man selbst setzt und dessen Auflösung
[man] unmöglich macht, heißt das Unbegreifliche“ (Hegel: Wissenschaft der Logik, zit. n. Werke 5/110).

Selbstverständlich
sind Hegels Unbegreifliches und Jaspers Umgreifendes zwei Paar Stiefel, auch wenn Jaspers es schafft, die beiden Begriffe
in einen einzigen Satz zu packen: „‚So
ist die Reihenfolge ein Aufsteigen zum Umgreifenden im Absteigen zum
Unbegreiflichen'“ (Nachlaß zur Philosophischen Logik, S. XXII).

Im
nationalsozialistischen Staat „galt Jaspers, auch ohne
Provokation seinerseits, als Staatsfeind, weil seine Frau Jüdin
war. Da er in der Welt einen Namen hatte, wurde er in die Kategorie
der privilegierten Mischehen eingestuft“ (Saner 44). Er hatte
trotzdem ein ungleich leichteres Schicksal als der jüdische
Romanist Victor Klemperer, dessen Frau „Arierin“ war. Denn
Jaspers durfte anfangs weiterhin publizieren und lehren. 1937 wurde
er in den Ruhestand versetzt. Ab 1938 wurde er am Veröffentlichen
gehindert, ab 1943 wurde ein Publikationsverbot erlassen. Einige
seiner Freunde distanzierten sich von ihm, z.B. Martin Heidegger und
Wilhelm Furtwängler. „Der Verlust der Rechtsgarantie im
eigenen Staat und das allmähliche Fallengelassenwerden wurden
zur Grunderfahrung“ (Saner 45).

„Das Werk, das
in der Bedrohtheit entstand, sollte der Unverläßlichkeit
der politisierten Wissenschaftler die reine Bindung an die
Wissenschaften entgegenhalten [gemeint ist die Überarbeitung der
„Allgemeinen Psychopathologie“, 1941/42], dem politischen
Aberglauben den tragenden Grund eines philosophischen Glaubens
[gemeint sind die unveröffentlichten „Grundsätze des
Philosophierens“, 1942/43], dem Wahn verrannter Irrlehren die
Huldigung an die Vernunft [gemeint ist „Von der Wahrheit“],
dem Versinken in einer niederträchtigen Gegenwart die Substanz
der großen Überlieferung [gemeint ist „Die großen
Philosophen“, s.u.]“ (Saner 48, 50).

3. Schriften zur Religion

Die
Abhandlung Nietzsche
und das Christentum
„ist
ausgearbeitet als Grundlage eines Vortrags, der auf Einladung des
Wissenschaftlichen Predigervereins in Hannover am 12. Mai 1938
gehalten wurde“ (S. 4). Jaspers charakterisiert Nietzsches Haßliebe gegenüber
dem Christentum folgendermaßen: „Nietzsche
vollzieht eine Entlarvung des Christentums, mit einer Sprache der
Empörung und der Verachtung, in einem Stile, der von ruhiger
Untersuchung bis zum Pamphlet geht. […] Wer nur diese
Feindschaft kennt, der wird sich beim Studium Nietzsches verwundern:
Er findet Sätze, die mit den antichristlichen durchaus
unverträglich scheinen“ (S. 5f). Doch insgesamt stehen „dem
Umfang nach die negativen
Wertungen […] im Vordergrund […], so sehr, daß
die positiven fast verschwinden“ (S. 6).

So
kommt Jaspers zu folgendem Ergebnis: „Nietzsches Feindschaft gegen das Christentum als Wirklichkeit ist untrennbar von seiner
tatsächlichen Bindung an
das Christentum als Anspruch. Und diese Bindung hält er selbst
nicht für eine nur abzuschüttelnde, sondern für eine
sehr positive. […] So also versteht sich Nietzsche: sein
Denken ist aus dem Christentum erwachsen durch die christlichen
Antriebe selbst. Sein Kampf gegen das Christentum will keineswegs das
Christentum einfach preisgeben, nicht es rückgängig machen
und nicht aus ihm zurückfallen, sondern er will es überwinden
und überbieten, und zwar mit Kräften, die das Christentum
und in der Welt nur dieses entwickelt hat“ (S. 9f).

Jaspers‘ „Der
philosophische Glaube angesichts der Offenbarung“
(1962) ist „eine
Art Summe seiner Philosophie, insbesondere eine Erweiterung und
Vertiefung seiner Lehre von der Philosophie als einem Glauben aus
eigenem Ursprung“ (Hermann Zeltner, in: KNLL 8/648). Neben der Lehre vom Umgreifenden
(vgl. „Von
der Wahrheit“)
bringt Jaspers hier auch seine Theorie von den Chiffern, die er schon
in „Philosophie“ behandelt hatte.

Chiffern
sind nicht einfach Zeichen für etwas, sondern „bedeuten
eine Sprache, die nur in ihnen selbst, nicht durch Bezug auf ein
Anderes hörbar ist, und deren sprechendes Subjekt selber
ungekannt und unkennbar und unerschließbar ist. Aber die
Chiffern lassen sich deuten […].

Was
kann Chiffer sein? Alles, was ist, und was von Menschen
hervorgebracht wird, Reales, Vorgestelltes, Gedachtes. Man findet sie
in der mythischen, religiös kultischen, sakralen, in der
dichterischen und künstlerischen Überlieferung, in der
Philosophie“ (S. 192f). Ein Beispiel: „Drei
keineswegs zusammenfallende Chiffern der Gottheit sind: Der eine Gott
– der persönliche Gott – Gott ist Mensch geworden“
(S. 214).

Jaspers
unterscheidet Offenbarungsglauben vom philosophischen Glauben. Was
ersterer ist, ist allgemein bekannt: der Glaube an eine göttliche
Offenbarung, etwa in Form der Gebote im Alten Testament. Der zweite
entsteht durch die „Teilnahme an der philosophischen
Überlieferung“ (S. 527). Die weiteren Unterschiede ergeben
sich aus der Verschiedenheit von Religion und Philosophie von selbst.
Beide können Jaspers zufolge „nicht im selben Menschen
verwirklicht werden. Sie schließen sich aber nicht aus, wenn
sie durch verschiedene Menschen in der Welt sich begegnen“ (S.
536).

Schon
in seinen Züricher Vorlesungen Der
philosophische Glaube
(1948) hatte sich Jaspers mit dem Thema befaßt: „Offenbarung
ist die unmittelbare, zeitlich lokalisierte, für alle Menschen
gültige Kundgabe Gottes durch Wort, Forderung, Handlung,
Ereignis“ (S. 554). „Der philosophische
Glaube, der Glaube des denkenden Menschen, hat jederzeit das Merkmal,
daß er nur im Bunde mit dem Wissen ist. Er will wissen, was
wißbar ist, und sich selbst durchschauen“ (zit. n. Mitverantwortlich, S. 513). „Der
philosophische Glaube […] kann nicht Bekenntnis werden. Sein
Gedanke wird nicht Dogma“ (ebd. S. 515).

Wie
hielt es nun Jaspers als Philosoph mit der Religion? Was dachte er
über Jesus, die Bibel, die Kirche? Ich greife nur die zentralen
Sätze aus „Der philosophische Glaube angesichts der
Offenbarung“
heraus:

„Jesus
ließ das Fragwürdige in allen Gesetzen und Ordnungen
offenbar werden, zeigte die Kraft der Liebe, bewährte seine
völlige Weltfreiheit in dem wahrhaftig erlittenen und nicht
stoisch verschleierten Sterben durch die qualvoll lang dauernde
Hinrichtung, wie sie von Menschen an Menschen auf mannigfache Weise
durch die Jahrtausende bis heute in unzähligen Fällen
vollzogen worden ist“ (S. 474f).

„Jesus
hat sich nicht zum Messias, nicht zum Christus erklärt […].

Jesus
hat sich nicht selbst zum Sakrament gemacht. Das Abendmahl als
Kulthandlung ist eine Gründung der Apostel.

Jesus
hat keine Kirche gestiftet, vielmehr das Weltende als in Kürze,
noch für diese Generation bevorstehend zur Voraussetzung seines
Lebens und Verkündens gehabt“ (S. 500f).

„Die
Bibel ist das Depositum der religiösen, mythischen,
geschichtlichen, existentiellen Erfahrungen eines Jahrtausends“
(S. 490). „Die Entstehung des Kanons Alten und Neuen Testaments
durch Auswahl aus den damals vorhandenen und heute nur zum Teil noch
erhaltenen Schriften […] ist für die Aneignung des
Gehalts unwesentlich“ (S. 491). „Sie ist nicht das Dokument
eines einzigen Glaubens, vielmehr ein Raum, in dem, bezogen auf die
Tiefe des Göttlichen, Möglichkeiten des Glaubens
miteinander kämpfen“ (S. 494).

„Die
Bibel ist voller Widersprüche. […] Es gibt weder eine
historisch feststellbare noch eine begrifflich fixierbare Mitte des
biblischen Erfahrens und Denkens. […] Auch die Einheit des
innerhalb der Bibel besonderen christlichen Glaubens im neuen
Testament ist historisch nicht feststellbar. […] Die Einheit
sehen wir faktisch nur in der Kirche, in ihrem Willen zur Einheit, in
ihrer Realität“ (S. 495). „Die Zerschneidung der Bibel
in einen jüdischen und einen christlichen Teil […] ist
ein empörender Akt christlicher Orthodoxie. […] Altes wie
Neues Testament stammen gleicherweise von Juden. […] Jesus war
Jude. Auch die Apostel waren ohne Ausnahme Juden“ (S. 496).

„Die
Gemeinschaft, mag sie Kirche oder Synagoge heißen, ist die
unumgängliche Überlieferungsform der Gehalte des Glaubens
und des Ethos. […] Die Kirche der Protestanten hat einen
anderen Sinn als ihn die der Katholiken hat. Sie ist Gemeinschaft in
Institutionen und Formen, die als solche nicht heilig sind, aber in
denen vom Glauben gekündet wird“ (S. 512).

Ausführlich
geht Jaspers auf die Kirchenkritik von Kierkegaard ein: „Er
erklärte die bestehende christliche Kirche für Verfälschung
und Verrat des Christentums. […] Kierkegaard stellt die
gegenwärtige Realität bloß: Alle nennen sich
Christen, das Christentum selber aber ist nicht mehr da. […]
Für ihn ist heute der Pfarrer, jeder Pfarrer und Theologe, eine
an sich verlogene, weil unchristliche Figur. Am Maßstab der
Forderungen des Neuen Testaments beurteilt er als Lüge: die
Konfirmation, die christliche Trauung, das christliche Familienleben,
die christliche Kindererziehung“ (S. 513).

„Kierkegaard
kämpft in diesem Kampf nicht als Christ für das
Christentum, sondern als Mensch für die Wahrhaftigkeit. […]
Die radikale Wahrhaftigkeit aber ist selber eine Forderung des
Christentums (hierin stimmen Nietzsche und Kierkegaard überein)“
(S. 514). „Niemals hat er Vorschläge zur Reform der Kirche
gemacht. Die Forderung ist eine einzige: Redlichkeit. […] Die
Kirche ist so völlig unchristlich, daß sie verschwinden
muß. Der Staat soll aufhören, die Pfarrer zu bezahlen“
(S. 515).

Wohlgemerkt:
Bisher hat Jaspers Kierkegaard lediglich referiert. Er kritisiert ihn
in einem eigenen Unterkapitel: „Kierkegaards These vom
Christentum des Neuen Testaments trifft wesentliche Züge, aber
keineswegs das Ganze des Neuen Testaments und durchaus nicht das
Ganze der Bibel. […] Kierkegaard folgen wir nicht, wenn er den
einen Zug – die Menschwerdung Gottes – für das Wesen
des Ganzen erklärt. Wir folgen ihm nicht, wenn er das
historische Studium des Neuen Testaments verwirft“ (S. 515f).
„Wenn Kierkegaard recht hätte, so wäre es das Ende des
Christentums in der Welt. Wenn der christliche Glaube das ist, als
was Kierkegaard ihn konstruiert hat, dann kann ihn vielleicht niemand
mehr glauben“ (S. 517). „Wir sollen auf ihn hören,
nicht um ihm zu folgen, außer in dem Willen zur Redlichkeit“
(S. 519).

In
dem Vortrag „Wahrheit und Unheil der Bultmannschen
Entmythologisierung“
(1953), den Jaspers auf dem
Schweizerischen Theologen-Tag hielt, kritisierte der 70-jährige
Jaspers den 69-jährigen Theologen: seine „Position“
sei „wissenschaftsfremd und philosophiefremd“ (zit. n. Die
Frage der Entmythologisierung, S. 38), sie sei wegen ihrer Entwertung
des Mythus „Aufkläricht“ (S. 42). Darunter versteht
Jaspers im Gegensatz zur wirklichen Aufklärung im Sinne Kants (=
das „Sichherausarbeiten aus der selbstverschuldeten
Unmündigkeit“) einen „Zustand des Bescheidwissens“
(S. 65).

Bultmann
sei „befangen in falschen Vorstellungen von moderner
Wissenschaft und von wissenschaftlicher Philosophie“ (S. 56) und
deshalb ein „Verführer […], der zu retten scheint
und nicht rettet, zu geben scheint und nicht gibt und dann
entscheidend eine unbewegliche Orthodoxie des Heilsgeschenes
festhält, das er doch zugleich durch die Unglaubwürdigkeit
seines glaubenden Gewaltakts auch untergräbt“ (S. 73).
Dieser Gewaltakt bestehe in der Übernahme der
Rechtfertigungslehre von Luther und Paulus, die besagt, daß
allein der Glaube den Menschen vor Gott rechtfertige. Eine solche
Haltung sei „ganz und gar orthodox und illiberal“ (S. 74),
seine existentiale Interpretation des Neuen Testaments (NT) sei
„historisch langweilig“ und übergieße den Leser
mit „Eigensinn und Trübheit“. Dabei habe er von dem
Historiker Bultmann „viel gelernt“ (S. 78).

Zusammengefaßt:
„Es scheint die wunderlichste Mischung von falscher Aufklärung
und gewaltsamer Orthodoxie zu sein“ (S. 79).

Rudolf
Karl Bultmann
(1884-1976) meinte mit Entmythologisierung
zweierlei: 1. die kritische Interpretation des NT im Hinblick auf die
Absicht von deren Autoren und 2. die existentiale Interpretation des
NT auf der Basis von Heideggers „Sein und Zeit“. „Glaube
und Unglaube (Sünde) werden als eigentliche Seinsweise des
Vertrauens bzw. als uneigentliche Seinsweise der Eigenmächtigkeit
interpretiert“ (Eckard König, in: EPW 1/358f).

Das
Bändchen „Jesus
Christus und die Mythologie“ (1958) enthält zwei Vorlesungsreihen aus dem Jahr 1951. Hier
definiert Bultmann die Entmythologisierung als „Methode
der Auslegung des Neuen Testaments, die versucht, die tiefere
Bedeutung hinter den mythologischen Vorstellungen wieder aufzudecken
[…]. Ziel ist nicht das Entfernen mythologischer Aussagen,
sondern ihre Auslegung“ (S. 16). „Entmythologisierung
macht […] erst die wahre Bedeutung von Gottes Geheimnis
deutlich“ (S. 47).
Worin besteht dieses Geheimnis Gottes? In der Rechtfertigungslehre: „Genauer ausgedrückt,
ist Entmythologisierung die radikale Anwendung von der Lehre von der
Rechtfertigung durch den Glauben auf das Gebiet des Wissens und
Denkens“ (S. 100).

Bultmann
fühlte sich von Jaspers nicht verstanden. In seiner „Antwort
an Karl Jaspers“ „Zur
Frage der Entmythologisierung“ warf er ihm vor, er habe seine „Ausführungen“ nur „wenig im Sinne
echter Kommunikation gehalten“,
vielmehr eine Art „Nekrolog“ geschrieben, auf den man
„nicht antworten“ könne (zit. n. Die Frage der
Entmythologisierung, S. 83). Er sei nicht von Heidegger abhängig,
auch wenn er von ihm gelernt habe. Jaspers habe nicht einmal das
eigentliche Problem erkannt. Er, Bultmann, wolle mit seiner
Entmythologisierung nicht „den
Glauben für den modernen Menschen akzeptabel […] machen,
sondern diesem klar […] machen, was christlicher Glaube ist“.
Ein paar Sätze weiter wird das schon wieder relativiert: „Daher
geht mein Versuch der Entmythologisierung allerdings davon aus, die
Anstöße hinwegzuräumen, die für den modernen
Menschen daraus erwachsen, daß er in einem durch die
Wissenschaft bestimmten Weltbild lebt.“
Er wolle zeigen, „daß Glauben etwas qualitativ anderes sei
als das Akzeptieren eines größeren oder geringeren
Quantums von Sätzen“ (S. 85), nämlich eine
persönliche Entscheidung, angestoßen vom skandalon des
NT.

Das
eigentliche Problem ist also das hermeneutische
,
d. h. das Problem der Interpretation der Bibel und der kirchlichen
Verkündigung in der Weise, daß diese als ein den Menschen anredendes Wort
verstanden werden können“ (S. 86). Dabei sei Jaspers‘ Auffassung der Mythen als „Chiffren
der Transzendenz“ von der seinen, Bultmanns, daß die Mythen
interpretationsbedürftig seien, gar nicht „so
verschieden“ (S. 87f). Dasselbe gelte für Jaspers‘ „‚Existenzerhellung'“ nnd Heideggers Daseinsanalyse (S. 90).

Nun
greift Bultmann Jaspers direkt an: „Die
Begriffe der Begegnung und der Anrede spielen bei Jaspers keine
Rolle. Das aber scheint mir nichts Geringeres zu besagen, als daß
die Geschicht-lichkeit des menschlichen Seins von ihm nicht voll
erfaßt ist.“ Auch sein „Begriff
von Transzendenz
“ sei „fragwürdig“,
aus der er seine „Deutung des Offenbarungsglaubens
ableite (S. 91f).
Überhaupt ignoriere Jaspers seine, Bultmanns, „Intention“ (S. 93). Wer von Offenbarung rede, müsse notwendig deren „Absolutheitsanspruch“ behaupten. Das liege schon in der Bedeutung des Begriffs „Offenbarung“ (S. 93). So schließt Bultmann seine Antwort auf Jaspers mit den
Worten des Petrus zu Jesus: „Herr,
zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6,68).

Jaspers reagierte im April 1954 mit dem offenen Brief „Erwiderung
auf Rudolf Bultmanns Antwort“.
Zu Beginn faßte er seine Position kurz zusammen: „Der
eigentliche Sinn aber meines Vortrags war die Selbstbehauptung der
Philosophie“ (S. 101). Um dem Vorwurf der Kommunikationslosigkeit zu begegnen,
zitierte bzw. paraphrasierte er diesmal Bultmanns Äußerungen
im einzelnen. Bultmanns Rechtfertigungslehre stellte er die Freiheit
des Philosophen gegenüber, „die
Kraft zum Guten zu gewinnen; dabei ergreift und trägt uns das
Bewußtsein, unsere Freiheit nicht uns selber zu verdanken“
(S. 104). Zweimal gestand er ein, Bultmanns Aussagen nicht zu
verstehen (S. 105f). Ausführlich ging er darauf ein, was
Verstehen überhaupt sei (S. 119-122, 129f). Vor allem verwarf er
den Ausschließlichkeitsanspruch des Christentums, besonders
wenn er zu „Zwang und Intoleranz“ (S. 112) führe:
„Niemand besitzt die eine Wahrheit für alle. Niemand steht
außerhalb auf einem Standpunkt, von dem her er alle Wahrheiten
überblicken, vergleichen und abschätzen könnte. Jeder
von uns steht vielmehr darin“ (S. 111).

Wenn er selbst eine
Stelle aus dem NT interpretieren müßte, würde er sie
mit früheren und zeitgenössischen Quellen vergleichen und
die Verwendung der Wörter überprüfen, aber auf eine
„existentiale Analyse“ verzichten (S. 130). Wäre er
dagegen Pfarrer, würde er so sprechen, „daß am Text
gegenwärtiger Glaubensgehalt aufgeht“ (S. 131).

Bultmann dankte Jaspers ganz kurz für seinen Brief. Er freute sich
darüber, „daß mir in ihm ein Wille zur Kommunikation
begegnet“ (S. 143). Auf Jaspers‘ Argumente einzugehen, behielt
er sich vor, doch es kam nicht mehr dazu, obwohl Jaspers noch bis
1969, er selbst bis 1976 lebte. Ob es mit daran lag, daß
Jaspers geschrieben hatte: „Die Diskussion muß ein Ende
haben“ (S. 135)? Oder lag es daran, daß Jaspers darüber
zornig war, daß Bultmann geschrieben hatte, „der
Gottesgedanke ohne Christus sei ein Wahn vom christlichen […]
Standpunkt aus“ (S. 137)? Daran, daß Jaspers eine
Begegnung mit Bultmann in den 1920er Jahren erwähnte, bei der
ihm der Theologe wie ein „Granitblock“ erschien, mit dem
ein Kontakt unmöglich gewesen sei (S. 138)? Daran, daß
Jaspers aus „Der philosophische Glaube“ eine Stelle über
das Kommunikationsgebaren von Theologen zitierte: „‚Sie
verstummen, sprechen einen unverständlichen Satz, reden von
etwas anderem, behaupten etwas bedingungslos, reden freundlich und
gut zu, ohne wirklich vergegenwärtigt zu haben, was man vorher
gesagt hat, – und haben wohl am Ende kein eigentliches Interesse …'“
(S. 138)? Oder lag es gar daran, daß Bultmann daran zweifelte,
ob Jaspers, der sich für einen Protestanten hielt (S. 107) und
die Liberalität des Protestantismus als Boden der Hoffnung für
die Religion in der Zukunft betrachtete (S. 142), überhaupt ein
Christ sei?

Nachträglich
hat es Bultmann „bedauert, jemals den für viele so
anstößigen Begriff ‚Entmythologisierung‘ geprägt zu
haben“, wenn er auch in der Sache keinen Rückzieher machte
(Heinrich Ott: Zur Wirkungsgeschichte der
Entmythologisierungsdebatte, in: Die Frage der Entmythologisierung,
S. 7; tatsächlich hat Bultmann den Begriff von Hans Jonas
übernommen, vgl. Jonas 10, 49f).

Auf
mich wirken alle beide, Jaspers und Bultmann, wie mauschelnde
Orakelpriester, die beim Reden über Religion das Manko des
Fehlens spiritueller Erfahrungen durch allerlei geistige Klimmzüge
auszugleichen versuchen. Warum können sie nicht einfach sagen:
Das und das im NT und in den antiken Quellen ist mir nicht
nachvollziehbar, weil mir die entsprechenden Erfahrungen fehlen? Was
gibt es denn da (mit Ausnahme des alttestamentlichen Gesetzes) in die
Sprache der Gegenwart zu übersetzen, da die inneren Erfahrungen
religiöser Menschen zu allen Zeiten einander ähnlich waren
und immer noch sind? Warum sonst braucht der „Glaube“ bei beiden eine so ungeheure Denkanstrengung, obwohl er doch laut NT
(vgl. Lk 2,40; Apg 4,33; 1 Tim 1,14) und den Mystikern aller
Religionen Gnade ist, laut Jaspers übrigens ebenso wie die Denkfreiheit
des Philosophen?

4. Geschichtsphilosophie

In vom
Ursprung und Ziel der Geschichte
versucht Jaspers, „das Schema einer Totalanschauung zu
entwerfen.

Bei
meinem Entwurf bin ich getragen von der Glaubensthese, daß die
Menschheit einen einzigen Ursprung und ein Ziel habe. Ursprung und
Ziel kennen wir nicht […]. Fühlbar sind sie nur im
Schimmer vieldeutiger Symbole […]:

In
Adam sind wir Menschen alle verwandt, stammen aus der Hand Gottes,
nach seinem Ebenbilde geschaffen.

Im
Ursprung war die Offenbarkeit des Seins in bewußtloser
Gegenwärtigkeit. Der Sündenfall brachte uns auf den Weg,
durch Erkennen und durch endliche Praxis mit Zwecken in der Zeit zur
Helle des bewußt Offenbaren zu kommen.

Mit
der Vollendung des Endes erreichen wir den Einklang der Seelen,
schauen einander in liebender Gegenwart, in grenzenlosem Verstehen,
einem einzigen Reich der ewigen Geister angehörend“ (S.
17f).

Hinsichtlich
der Vorgeschichte ist interessant, daß Jaspers zu beiden heute
noch kontrovers diskutierten Theorien Abstand hält – zur
Evolutions- und zur Schöpfungstheorie: „Die
Knochen-funde […] sind nicht zu ordnen in eine reale
genealogische Folge der Entstehung der Menschen-gestalt […].
Alle […] sind […] biologisch immer schon Menschen. […]

Diese
Befunde verwehren die Aufstellung einer Entwicklungsreihe. Nur die
Erdschichten, in denen die Funde gemacht werden, erlauben die
Aufstellung einer Zeitfolge, die zum Teil koinzidiert mit dem aus der
Art der Funde erschlossenen Nacheinander“ (S. 54).

Was
Jaspers im Hinblick auf die von verschiedenen Autoren (Ernst von
Lasaulx, Viktor von Strauß, Jaspers) so genannte „Achsenzeit“
(um 500 v. Chr.; S. 19) mit Konfuzius, Laotse, Buddha, Zarathustra,
den jüdischen Propheten, den griechischen Dichtern und
Philosophen als Protagonisten schreibt, ist man zuerst geneigt, auch
auf die Entstehung des Menschen anzuwenden: „Niemand kann
zureichend begreifen, was hier geschah […]. Es könnte
scheinen, als ob ich einen Eingriff der Gottheit beweisen wollte,
ohne es deutlich auszusprechen. Keineswegs. Denn das wäre nicht
nur ein salto mortale des Erkennens in eine Scheinerkenntnis, sondern
auch eine Zudringlichkeit gegen die Gottheit“ (S. 38).

Aber
gegen Schluß des Buchs suggeriert Jaspers doch seine Nähe
zur Schöpfungstheorie: „Die
Einheit also, auf die hin der Mensch lebt, wenn er eigentlich
geschichtlich wird, kann nicht in einer Einheit biologischer
Abstammung ihren Grund haben, sondern nur in dem höheren
Ursprung, der den Menschen unmittelbar aus der Hand der Gottheit
werden läßt“ (S. 299).

Entgegen
seiner Feststellung zu Beginn des Buchs, daß Ursprung und Ziel
der Geschichte unbekannt seien, versucht Jaspers am Ende doch noch,
sich dem Ziel der Geschichte wenigstens anzunähern, ähnlich,
wie er das bei der Behandlung der Vorgeschichte inbezug auf den
Ursprung der Geschichte getan hat. Zunächst diskutiert er
mehrere Ziele, die verschiedentlich angeführt werden:
Zivilisation und Humanisierung, Freiheit, Vervollkommnung und
Gotteserkenntnis (S. 306f). Dann stellt er fest, daß mit diesen
Zielen „nicht das
Gesamtziel der Geschichte […] gewonnen“
sei. „Die Einheit des Ziels schlechthin ist in keiner
Sinndeutung erreicht“ (S. 308). „Die Einheit des
umfassenden Ziels ist nicht zu zeigen“ (S. 311). Andererseits
hat Jaspers versucht, „die geschichtliche Einheit durch die der
gesamten Menschheit gemeinsame Achsenzeit zu gewinnen“ (S. 313).

Zusammengefaßt: „Die Geschichte liegt
zwischen Ursprung und Ziel, in ihr wirkt die Idee der Einheit. Der
Mensch geht seinen großen Weg der Geschichte, aber schließt
ihn nicht ab in einem verwirklichten Endziel. Die Einheit der
Menschheit ist vielmehr die Grenze der Geschichte. Das heißt:
die erreichte, vollendete Einheit wäre das Ende der Geschichte“ (S. 315).

Das
ganze Buch läßt einen unbefriedigt zurück. Im Grunde
sagt Jaspers nur folgendes: Wir kennen weder Ursprung noch Ziel der
Geschichte, können weder über die Vorgeschichte noch über
die Zukunft der Menschheit verläßliche Aussagen machen,
sehen aber eine gewisse Einheit in der Geschichte insofern, als um
500 v. Chr. in verschiedenen Kulturen ähnliche Philosophien
entstanden.

5. Schriften zur Philosophiegeschichte

Am
bekanntesten von Jaspers‘ Schriften zur Philosophiegeschichte ist Die großen
Philosophen
.
Dabei handelt es sich um den ersten Band eines unvollendeten größeren
Werks, „zu dem 1981
zwei Nachlaßbände […] erschienen sind“ (S. 5).

In
einer umfangreichen Einleitung befaßt sich Jaspers damit, was
Größe bei Menschen eigentlich ist. In den drei Teilen des
Werks behandelt er dann die „maßgebenden
Menschen“ (Sokrates,
Buddha, Konfuzius und Jesus), die „fortzeugenden
Gründer des Philosophierens“ (Plato, Augustin und Kant) und „aus
dem Ursprung denkende Metaphysiker“ (Anaximander, Heraklit, Parmenides, Plotin, Anselm von Canterbury,
Spinoza, Laotse und Nagarjuna).

Einzelne
Studien sind Nikolaus Cusanus, Schelling und Nietzsche gewidmet.

In „Nikolaus Cusanus“ ist folgende Stelle bemerkenswert: „Man kann, ergriffen von den
philosophischen Gedanken des Cusanus, vergessen, daß er Christ
und Kardinal ist. Wir bewegen uns mit ihm im Reiche Platos und
Plotins und asiatischer Denker, im Reiche der großen
spekulativen Metaphysik“ (S. 54).

Interessant
ist auch Jaspers‘ Frage, warum Cusanus „an den ständig von
ihm wiederholten trinitarischen Gedankenoperationen“ so „tiefe
Befriedigung“ empfindet (S. 102). Jaspers Antwort auf diese
Frage umfaßt anderthalb Seiten (S. 103f), doch hinterher weiß
man nicht so recht, was seine Antwort mit der Frage zu tun hat.
Vielleicht ist es deshalb am angemessensten, Jaspers Antworten
seinerseits als Fragen wiederzugeben, wobei die letzte Frage eher
Kritik als Verständnis zeigt: Ist Cusanus fasziniert von der
„Reinheit der Form“ seiner Spekulationen? Fühlt er
sich durch sie in seinem Offenbarungsglauben bestätigt?
Verstellen seine Spekulationen nicht vielmehr den Zugang zur
Gottheit, als daß sie ihn ermöglichen?

Insgesamt
macht das Buch einen gezwungenen Eindruck. Das liegt vielleicht
daran, wie Jaspers Cusanus abschließend beurteilte: „Er
ist weder eine Eiche, die fest steht (wie Spinoza oder Kant), noch
ein seelisch bis in den Grund Erschütterter (wie Kierkegaard
oder Nietzsche), der darum nie gehörte Wahrheit zur Sprache
brächte. Er wird für uns keine Orientierung durch die
stellvertretende Größe seines Menschseins“ (S. 245). Da Jaspers Cusanus so einschätzte: Warum hat er dann
seine Zeit mit ihm verschwendet?

Bei „Schelling –
Größe und Verhängnis“
berühren
besonders Jaspers Ausführungen über Schellings
Frau Caroline: „Das einzige ergreifende Gelingen aber war die
Liebe zu Caroline. Unter den großen Philosophen ist es nur
Schelling, für den eine Frau durch ihre Persönlichkeit von
entscheidender Bedeutung wurde, und zwar nicht nur durch erotische
Leidenschaft und menschliche Verbundenheit,
sondern in eins damit ursprünglich durch ihr geistiges Wesen“
(S. 16).

Heute
kann man hinzufügen, daß Jaspers zum zweiten großen
Philosophen geworden ist, auf den das zutrifft: Als er seine
zukünftige Frau Gertrud Mayer kennenlernte, hatte er „das
Gefühl, überhaupt zum erstenmal verstanden zu werden. In
dem, was er suchte, war sie ihm sachlich überlegen: in der
Psychiatrie hatte sie gute Kenntnisse und die Pflegeerfahrung, in der
Philosophie eine bereits geschulte Kenntnis einiger Werke und Denker“
(Saner 26).

Jaspers
selbst schrieb über die erste Begegnung mit Gertrud in seiner
„Philosophischen Autobiographie“ (1953): „Unvergeßlich
für mich der Augenblick, als ich mit ihrem Bruder zum erstenmal
zu ihr ins Zimmer trat. Sie saß an einem großen
Schreibtisch, stand auf, den Eintretenden noch den Rücken
zuwendend, schlug langsam ein Buch zu und wandte sich zu uns. Ich
folgte jeder ihrer Bewegungen, die mir in ihrer ruhigen Klarheit,
ohne Gebärde, ohne Konvention, unbewußt das reinste Wesen,
den Adel ihrer Seele in der Erscheinung auszusprechen schienen. Es
war wie selbstverständlich, daß das Gespräch bald auf
große Grundfragen des Lebens kam, als ob wir uns schon lange
gekannt hätten. Von der ersten Stunde an war ein
unbegreiflicher, nie als möglich erwarteter Einklang zwischen
uns.

[…]
In ihr sah ich die Wirklichkeit einer Seele, die sich nichts
verschleierte. Sie war in der Stille so unendlich leidensfähig.
Mein trotz allem unbefangenes Ja zum Leben traf auf den Geist, der
mir von nun an jede vorzeitige Beruhigung verwehrte. Jetzt begann die
Philosophie auf neue Weise ernst zu werden. Wir wurden in ihr
verbunden, waren aber nicht am Ziel. So ist es bis heute geblieben
auf einem langen gemeinsamen Lebensweg“ (zit. n. Philosophische
Aufsätze, S. 158f).

In Nietzsche
– Einführung in das Verständnis seines
Philosophierens
(1935) wollte Jaspers vor allem Mißverständnisse
ausräumen: „Aber in
jenem Augenblick von 1934 und 1935 wollte das Buch zugleich gegen die
Nationalsozialisten die Denkwelt dessen aufrufen, den sie zu ihrem
Philosophen erklärt hatten. […] Da Nietzsche in
der Tat nicht der Philosoph des Nationalsozialismus werden konnte,
wurde er von diesen in der Folge stillschweigend fallengelassen“ (Vorwort zur 2. und 3. Auflage, 1946 und 1949, S. 6).

6. Politische Schriften

In Die
geistige Situation der Zeit
(1931) „analysiert
Jaspers von seinem existenzphiloso-phischen Ansatz her die geistigen
Grundlagen und Bedingungen der konkreten geschichtlichen Gegenwart“ (Franz-Peter Burkard, in: LPW 302). Die Vermassung des Menschen in
einer von der Technik bestimmten Welt zerstöre die
Individualität und mechanisiere die Arbeit, so daß der
Mensch sich unter Verlust seiner Freiheit selbst verliere. „So
bleibt es schließlich die Aufgabe der Existenzphilosophie, dem
Menschen die Ursprünge seines Selbstseins in Freiheit zu
erhellen, ihn als das Wesen zu zeigen, das noch selbst entscheidet,
was es ist, und mögliche Wege der Selbstverwirklichung in der
Situation der Zeit zu weisen“ (ebd.).

Auf
Nationalsozialismus und Antisemitismus ging Jaspers in dieser Schrift
nicht ein: „Kurz vor
der (nicht erwarteten) Machtergreifung des nationalsozialistischen
Regimes spricht Jaspers hier noch nicht den Nationalsozialismus oder
Totalitarismus, wohl aber den ‚Bolschewismus‘, ‚Faschismus‘ und die ‚Rassentheorie‘ an“ (Leonhard
H. Ehrlich, in: KNLL 8/645).

Jaspers
„Zeitkritik […] wurzelt in dem christlichen Gedanken
der nach einem Heilsplan geordneten
Gesamtgeschichte“, heißt es in der Einleitung (S. 7).
Einige Beispiele: Ein politischer „Führer ist im Grunde so
ohnmächtig wie jeder Einzelne, Vollstrecker dessen, was
Widerhall im Durchschnitt-lichen des Massenwillens finden muß.
Verläßt ihn dieser, so ist er nichts“ (S. 50). „Ehe
ist vielfach nur der Kontrakt, auf dessen Bruch die Unterhaltspflicht
wie eine Konventionalstrafe steht“ (S. 54). „Ärztliche
Behandlung wird weit über das medizinisch-wissenschaftlich
Sinnvolle hinaus beansprucht“ (S. 56). „Der
Sport als Massenerscheinung
,
organisiert zur Zwangsläufigkeit eines geregelten Spiels, lenkt
Triebe ab, welche sonst dem Apparat gefährlich würden. Die
Freizeit ausfüllend, schafft er eine Beruhigung der Massen“
(S. 60). Wer denkt da nicht an das Fußballspiel?

Die Summe von
Jaspers Zeitkritik: „In der Tat ist heute keiner Sache, keinem
Amt, keinem Beruf, keiner Person zu trauen, bevor man sich nicht im
konkreten Einzelfall besser überzeugt hat“ (S. 73).

Eine
Warnung für diejenigen, die nun Appetit auf die Lektüre
bekommen haben sollten: Diese Sätze waren nur Lockvögel im
Rahmen einer großen Hegelei über die „Grenzen der
Daseinsordnung“, den Willen „im Ganzen“, über
„Verfall und Möglichkeit des Geistes“ und das
„Menschsein“ überhaupt (vgl. das Inhaltsverzeichnis,
S. 3f). Diese seine Existenzphilosophie setzt Jaspers der Esoterik
und verschiedenen Weltanschauungen entgegen. Denn: „Durch
Astrologie, Gesundbeten, Theosophie, Spiritismus, Hellsehen,
Okkultismus usw. wird das Zeitalter trübe“ (S. 129). „Keine
Soziologie kann mir sagen, was ich als Schicksal will, keine
Psychologie deutlich machen, was ich bin; eigentliches Sein des
Menschen kann nicht als Rasse gezüchtet werden. […]
Marxismus, Psychoanalyse und Rassentheorie haben eigentümlich zerstörende
Eigenschaften
“ (S. 146).

In Max
Weber. Politiker – Forscher – Philosoph
(1932) wird Jaspers sehr deutlich: „Früh
sah Max Weber den jetzt eingeschlagenen Weg
in den politischen Abgrund
“ (zit. n. Max Weber, S. 55).

„Die
Schuldfrage“
(1946)
ist ein Auszug aus einer „Vorlesungsreihe über die geistige
Situation in Deutschland,
die im Wintersemester 1945-1946 stattfand“ (zit. n. Lebensfragen
der deutschen Politik, S. 36). Jaspers unterscheidet politische,
moralische und metaphysische Schuld. Die politische Haftung trifft
seiner Ansicht nach im modernen Staat, in dem es „kein
Außerhalb“ (S. 68) gebe, alle. Die „Kollektivschuld
eines Volkes
oder einer Gruppe innerhalb der Völker“ (S. 53) lehnt Jaspers ab. Die Prüfung der moralischen Schuld sei
Sache des einzelnen. Unter metaphysischer Schuld
versteht Jaspers den „Mangel an der absoluten Solidarität
mit dem Menschen als Menschen“ (S. 75).

Die „Argumentation:
es ist doch auch Gutes daran“ (etwa „die
Aufhebung der Arbeitslosigkeit“ oder „die
Einverleibung Österreichs“)
hält Jaspers für falsch: „Erkenne
ich das böse Prinzip, so ist alles schlecht, und die scheinbar
guten Folgen sind selber nicht das, was sie zu sein scheinen“
(S. 72).

Am
wichtigsten scheint mir Jaspers‘ Aufruf zur Kommunikation: „Wir
wollen lernen, miteinander zu reden. Das heißt, wir wollen
nicht nur unsere Meinung wiederholen, sondern hören, was der
andere denkt. Wir wollen nicht nur behaupten, sondern im Zusammenhang
nachdenken, auf Gründe hören, bereit bleiben, zu neuer
Einsicht zu kommen. Wir wollen uns innerlich versuchsweise auf den
Standpunkt des andern stellen. Ja, wir wollen das uns Widersprechende
geradezu aufsuchen. Das Ergreifen des Gemeinsamen im Widersprechenden
ist wichtiger als die voreilige Fixierung von sich ausschließenden
Standpunkten, mit denen man die Unterhaltung als aussichtslos
beendet“ (S. 36).

In
einem Nachwort von 1962 beurteilte Jaspers den Nürnberger Prozeß
negativer als 1946: „Der
Prozeß hat nicht einen Weltzustand mit einem Weltrecht
begründet“ (S.
113). „Nicht Recht
wurde begründet, sondern das Mißtrauen gegen das Recht
gesteigert“ (S. 114).

Der
Aufsatz „Volk
und Universität“
(1947)
ist heute insofern wieder hochaktuell, als durch die Einführung
des Bachelor-Studiengangs sogar die Geisteswissenschaften verschult
wurden. Demgegenüber vertrat Jaspers das universitäre
Prinzip von Lehr- und Studierfreiheit, wie es im 1949 erlassenen
Grundgesetz (Art. 5, Abs. 3) eigentlich immer noch vorgesehen ist:
„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die
Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung“
(zit. n. Münch/Kunig).

„Der
enge Zusammenhang der Gewährleistung von Forschung und Lehre
beschränkt die Freiheitsgarantie der Lehre auf die auf der Grundlage eigener Forschung betriebene
wissenschaft-liche Lehre; diese umfaßt jede Form pädagogischer
Vermittlung oder eigenverantwortlicher
Publikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen innerhalb und
außerhalb der Hochschule […]. Zum Begriff der
wissenschaftlichen Lehre gehört unabdingbar die spezifische
wissenschaftliche Eigenverantwortung; sie muß selbständig
und frei von Weisungen durchgeführt werden“,
wurde aber
vom Verfassungsgerichtshof für den Freistaat Bayern „verneint
für Tutoren, die unter der fachlichen Leitung ihres Professors
stehen“ (ebd. Art. 5, Rz. 102).

Zur
Lehrfreiheit „gehört die Bestimmung von Inhalt, Methoden
und Ablauf von Lehrveran-staltungen
oder deren Problemstellung“ (Rz. 105). Für
allgemeinbildende Schulen gilt Art. 5 Abs. 3 GG übrigens nicht
(Rz. 103), aber er gilt für die Abfassung von Dissertationen.
Durch „Studien- und Prüfungsordnungen […] darf […]
nicht die inhaltliche Gestaltungsfreiheit ausgetrocknet oder
manipuliert werden. […] Die Lehrverpflichtung darf […]
nicht so hoch angesetzt werden, daß kein ausreichender
zeitlicher Freiraum für Forschung – und zwar auch solche,
die über die Vorbereitung der Lehre hinausgeht – bleibt“
(Rz. 105).

Jaspers
gab für all dies folgende Begründung: „Würde man
Dozenten und Studenten an die Leine einer Schuldisziplin legen, so
wäre das Leben der Ideen, das Schaffen und Forschen am Ende. Es
erwüchsen keine in ihrer Denkungsart verläßlichen,
kritisch prüfenden und besonnen in jeder Situation die Wahrheit
suchenden Männer [und Frauen; Ergänzung von mir]. Freiheit
ist die Lebensluft der Universität“ (zit. n. Lebensfragen
der deutschen Politik, S. 127).

„Die
Atombombe und die Zukunft des Menschen“
(1958) „ist
die Ausarbeitung eines Vortrags, den ich unter gleichem Titel im
Herbst 1956 am Rundfunk hielt. Auf diesen Vortrag habe ich viele
erwünschte Zuschriften erhalten. Ich bitte alle, die mir
geschrieben haben, um Entschuldigung, daß ich nicht Kraft und
Zeit hatte zu danken. Manche Stellen dieser Schrift bitte ich sie als
Antwort auf ihre Einwände, Fragen und beschwörenden Ausrufe
zu nehmen“ (S. 4), schreibt Jaspers am Anfang des Buchs, noch vor dem Vorwort,
in dem er den Inhalt zusammenfaßt:

„Eine
schlechthin neue Situation ist durch die Atombombe geschaffen.
Entweder wird die gesamte Menschheit physisch zugrunde gehen, oder
der Mensch wird sich in seinem sittlich-politischen Zustand wandeln.
Diese doppelt irreal anmutende Alternative versucht mein Buch zur
Klarheit zu bringen“ (S. 5).

Der
Rundfunkvortrag ist auch enthalten in „Lebensfragen
der deutschen Politik“ (S. 139-157).

Bemerkenswert
ist Jaspers‘ Auseinandersetzung mit Mahatma
Gandhi
(1869-1949). Er
sieht dessen Größe darin, daß er „Ethos
und Religion“ in der Politik „verankert“ habe. Die Grenzen seiner „Lehre
von der Gewaltlosigkeit“ (S. 68) sieht Jaspers beim Kampf gegen totalitäre Regime: Hier
helfe nur größere Gewalt oder der Ungehorsam der
Angestellten des totalitären Apparats, weil sie die Ausübung
ihrer Befehle nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren könnten.
Gandhi hätte sich nur deshalb durchsetzen können, weil die
Engländer den Verlust ihrer Herrschaft über Indien der
Ausübung von totalem Terror vorgezogen hätten. Tatsächlich
hätten damals manche gedacht: „hunderttausend
Inder getötet und dreihundert Millionen sind in Ruhe“ (S. 67). Ob die Entscheidung der Engländer dumm oder weise war,
sei im Jahr 1958 noch unklar.

Was
Jaspers über das Verhältnis von ehemaligen
Kolonialvölkern und deren Opfer
schreibt, ist auch heute
noch aktuell. Wie auch sonst in seinen Werken entwirft Jaspers wieder
Typen und ist sich dessen bewußt, daß er zumindest den
Opfern dadurch Unrecht tut:

„Die
‚Unterentwickelten‘ verlangen Selbständigkeit, Souveränität,
auch in der Verfügung über das, was ihnen geschenkt wird.
Sie wollen keine Bedingungen annehmen. Aber sie beanspruchen die
Hilfe als ihr Recht: Kredite, Investitionen auf ihrem Gebiet,
Lieferungen von Waffen und Maschinen, Hilfe bei Hunger der
Bevölkerung. Sie sind nicht dankbar, wenn sie geleistet wird,
sondern mißtrauisch, daß ihre Unabhängigkeit
angetastet werde. Sie sind empört, wenn ihnen die Hilfe nicht
geleistet wird. Denn ihnen zu verweigern, was ihnen zukommt, ist ein
feindseliger Akt. Investitionen zu nationalisieren, das heißt
zu enteignen, halten sie für ihr souveränes Recht. Sie haben eine Stimmung, daß
das durch abendländische Technik mit gewaltiger Arbeitsleistung
Hervorgebrachte auch ihnen gehöre, ohne daß sie mit
entsprechender Arbeit teilnehmen. Da sie umworben werden von den
beiden Großmächten der freien und der totalitären
Welt [gemeint sind die USA und die UdSSR], verlangen sie noch Dank,
wenn sie bereit sind, die Geschenke anzunehmen.
[…]

Auch
die Helfenden bieten ihrerseits keinen guten Anblick. Sie folgen
eigenen Interessen. Ihre Hilfe ist gar nicht in erster Linie als
Hilfe gemeint. Man will sie leisten, um dadurch eine Sympathie für
den Helfenden, eine Bindung an ihn zu gewinnen (im Wettstreit mit der
anderen sich bewerbenden Großmacht). Man will eine
wirtschaftliche Abhängigkeit schaffen, um dem eigenen
wirtschaftlichen Interesse zu dienen (z. B. Beschaffung von Erdöl).
Oder man denkt im Blick auf die politische Selbstgestaltung der
Eingeborenen: alle Menschen könnten ohne weiteres demokratisch
werden […]. Und wenn ihren Erwartungen nicht entsprochen wird,
halten sie jede Gewaltsamkeit für berechtigt“ (S. 133).

Auch
Jaspers‘ Ausführungen über den Gegensatz
zwischen Freiheit und Totalitarismus
sind heute noch so aktuell wie damals. Von mehreren Gesichtspunkten
greife ich nur Wahrheit und Lüge heraus: „Man
kann durch die Sprache lügen, indem man wissend sagt, was falsch
ist. Dann belügt man den anderen, nicht sich selbst, und
mißbraucht die Sprache. Aber nun ist ein weiterer Schritt
möglich. Aus dem Lügen entsteht der Zustand, daß der
Lügende schließlich glaubt, was er lügt, daß
dann Wahrheit und Lüge ihren Unterschied verlieren“ (S. 161).

Das
Unterkapitel über „Die
Lüge in der UNO
(S.
213-217) könnte auch im Vorfeld des Kriegs gegen den Irak im
Jahr 2003 geschrieben worden sein (vgl. etwa die Bücher von
Corn, Leyendecker, Moore und Sponeck/Zumach). Es beginnt so: „Unwahrheit
ist dem Menschen unerträglich. Er will Wahrheit auch dann noch,
wenn er sie verrät. Daher beruft er sich, auch wenn er lügt,
auf Wahrheit“ (S. 213).

Komplizierter
wird das Problem der Lüge, wenn jemand seine eigenen Lügen
nicht mehr durchschaut, sondern sich selbst belügt, „weil
er wahr und falsch nicht ständig zu unterscheiden strebt. Er
redet sich hinein und redet sich heraus; er lügt nicht, indem er
selbst klar weiß, was wahr ist, sondern er ist im Zustand der
Verlogenheit“ (S. 213).

Hinter
der „‚Diplomatie‘
[…] steht das trotzige Sichselbstbehaupten jedes Daseins, das
die Gewalt dazu hat. Es behauptet sich Dasein auch in seiner
Niederträchtigkeit. Es haßt das Bessere, verachtet das
Schlechtere. Es verlangt erst Gleichberechtigung und dann
Oberherrschaft.

Die
Formen aber der Diplomatie sind mannigfach. […] Man
argumentiert, überredet, bezieht sich auf ein gemeinsam
anerkanntes Recht und auf Wahrheit, aber man tut dies mit den
Methoden der Sophistik: man überhört den springenden Punkt,
wenn er gegen einen spricht. Man lenkt ab auf anderes nach der Weise
der Taschenspieler. Man verschiebt das Thema, schiebt den Worten
unmerklich einen anderen Sinn unter, redet für etwas, das man
als angegriffen behauptet, das aber gar nicht angegriffen ist. Die
Sprache ist dazu da, nicht einfach zu sagen, was man denkt und will,
sondern auch dazu, beides zu verbergen in der Mischung des wirklich
offen und des scheinbar offen Gesagten“ (S. 213).

Was
kann man dagegen tun? Die Lüge ist „nur
in ständiger Umkehr zur Wahrheit […] zu überwinden.
[…] Wahrheit und Freiheit gehören zusammen wie Lüge
und Gewalt. […] Nur eine freie Welt kann zum Frieden kommen.
[…] Jede Unwahrhaftigkeit ist ein Schritt auf dem Wege zum
Totalitären“,
dessen „bedenkenlose Lüge […] sich schließlich
in den eigenen Vorstellungen verstricken“ muß (S. 214f).

Zum Nahostkonflikt: „Rechtliche
Überlegungen können nur sagen, daß die Niederlassung
der Juden ohne Gewalt erfolgt war, der Landkauf Stück um Stück
nach den Gesetzen ohne Betrug und Übervorteilung, ihre Leistung
durch Arbeit und Unternehmung erstaunlich wurde. Niemals konnte vor
1948 von Eroberung die Rede sein“ (S. 180).

Tatsächlich
war es so (vgl. MEL): Seit 1882 siedelten sich Juden zum Zweck der
Staatsgründung in Palästina an. Das Motto von Theodor Herzl
(1860-1904) – „‚ein
Land ohne Volk für ein Volk ohne Land'“ (zit.
n. Hottinger 218) –
war inhaltlich falsch: In Palästina lebte eine alteingesessene
Bevölkerung (die später „Palästinenser“
genannt wurde). Das
wußte Herzl,
so daß man sein Motto als Lüge bezeichnen muß. 1901
verlangte er vom osmanischen Sultan die Deportation dieser
Bevölkerung, wurde aber abgewiesen. 1909 wurde die jüdische
Schutzorganisation Haschomer gegründet,
um arabische Ausschreitungen abzuwehren.

In
einem Brief vom 2. November 1917 („Balfour-Deklaration“)
gestand der britische Außenminister Arthur James Balfour
(1848-1930) dem Zionisten Lord Rothschild die „‚Schaffung einer
jüdischen Heimstätte‘ in Palästina“ zu, „wobei
‚klar verstanden‘ sein sollte, dass ’nichts getan werden dürfe,
das die zivilen und religiösen Rechte der nichtjüdischen
Bevölkerung in Palästina beeinträchtigt'“ (zit.
n. Hottinger 218).

Die
einheimische Bevölkerung fürchtete die Errichtung eines
jüdischen Staats und wehrte sich deshalb ab 1920 vermehrt gegen
die jüdischen Immigranten. Als 1929 Anhänger Vladimir
Jabotinskys (1880-1940), der 1920 die Hagana als Nachfolgerin der Haschomer organisiert
hatte, die Klagemauer in ihren Besitz bringen wollten, kam es zu
Angriffen der Araber auf Juden in ganz Palästina. Insgesamt
„wurden 87 Araber und 120 Juden getötet, Hunderte
verwundet.

Nach
diesen Ereignissen trennten sich die beiden Gemeinschaften in zwei
feindliche Lager“ (Hottinger 219). 1936 erhoben sich arabische
Bauern gegen die Herrschaft der Briten und die judischen Immigranten.
Aus einem Streik, der ein halbes Jahr dauerte, entwickelte sich ein
Bandenkrieg, den die Briten unter Unterstützung jüdischer
Freiwilliger militärisch niederschlugen. 1939 beschränkten
die Briten die Immigrantenzahl, da sich manche Araber, z.B. der Mufti
von Jerusalem, mit den Faschisten verbündeten.

Als
der Zweite Weltkrieg vorbei war, „lösten die jüdischen
Aktivisten einen Terrorkrieg gegen England aus“ (Hottinger 220).
Am 15. Mai 1948 verließen die Briten Palästina und
übergaben ihr Mandat der UNO, die bereits 1947 eine Teilung des
Landes beschlossen hatte. Damit waren die Juden einverstanden, die
Araber nicht.

„Schon
vor dem endgültigen Abzug der Engländer hatten die
jüdischen Streitkräfte grosse Teile der arabischen
Bevölkerung aus Palästina vertrieben. Das Massaker vom 9.
April 1948 an 350 Bewohnern des Dorfes Dair Jassîn bei
Jerusalem durch die ‚Stern-Bande‘ und ‚Irgun‘-Bewaffnete in
Koordination mit ‚Haganah‘ löste zusammen mit andern
Terroranschlägen eine Flüchtlingswelle aus.

Nach
der Proklamation des jüdischen Staates vom 15. Mai 1948
versuchten arabische Heere, in die von der Uno den Arabern
zugesprochenen Teile Palästinas einmarschieren. Doch sie wurden
fast alle von den zahlenmässig überlegenen, besser
ausgebildeten und ausgerüsteten jüdischen Kampfverbänden
zurückgeschlagen.

Die
Zionisten benützten ihre militärische Überlegenheit,
um über 80 Prozent der arabischen Bevölkerung des neuen
israelischen Staates (zwischen 700’000 und 750’000 Menschen) aus
ihren Dörfern und Städten zu vertreiben“ (Hottinger
221).

Wieder
Jaspers: „Der
Zustand aber, der durch einen Krieg geschaffen wird, ist nie durch
Recht zu begründen oder zu verwerfen. […] Daß
dieser Zustand für die Israeli so ungünstig ist und bleiben
muß (weil die Grenzen nur durch Gewalt erweitert werden
könnten), beruht auf dem Eingriff der Engländer, die den
siegenden Juden mit ihrer Luftwaffe drohten und sie zum
Waffenstillstand zwangen, aber keinen Frieden zu errichten vermochten
(der einem Israel als Sieger ohne Zweifel gelungen wäre). Die
Folge dieses Waffenstillstands war die Unbereitschaft aller
arabischen Staaten, Frieden zu schließen, ihr wirtschaftlicher
Boykott und die von ihrer Seite wachsende Drohung, Israel zu
vernichten.

Warum
aber ist dies alles geschehen? Es war die Folge der Schuld der
gesamten Christenheit, in der die Juden durch Jahrtausende immer
wieder an Leib und Leben bedroht, beraubt, verjagt, ermordet wurden.
Die Tötung von sechs Millionen Juden durch Hitler-Deutschland
machte die Rettung der Überlebenden in einer ungewissen Zukunft
(in der das Gleiche sich anderswo wiederholen könnte) zur
Notwendigkeit. […]

Was
durch die Schuld Deutschlands und die Mitschuld der großen
abendländischen Staaten einschließlich Amerikas geschehen
ist, die unumgängliche Selbstbehauptung der verlassenen, mit dem
Tod bedrohten Juden im Jahre 1948, bedeutet jetzt eine Verpflichtung
des gesamten Abendlandes. […]

Die
heutigen Juden sind die Nachkommen derer, die den Schritt zum
Christentum paulinischen Charakters nicht taten […]. Dadurch
haben die Juden die unvergleichliche und einzige Stellung als Gründer
des Christentums und als Ausnahme vom Christentum zugleich. […]

Wer
abendländisch denkt, weiß: Israel gehört durch
Überlieferung und Wirklichkeit ganz und gar zum Abendland. Die
Juden und nun ihr Staat Israel müßten auf Grund
einzigartiger Verpflichtung in den Bund der abendländischen
Selbstbehauptung eingeschlossen sein. Ein Angriff auf Israel müßte
einen Angriff auf das Abendland selber bedeuten und die Folgen eines
solchen Angriffs haben. […] Geht Israel unter, so geht das
Abendland unter – nicht wegen der Einbuße einer winzigen
Machtposition auf der Erde und einiger Millionen Menschen, sondern
wegen seiner sittlich-politischen Verderbnis“ (S. 180f).

Warum
Jaspers die Hälfte des umfangreichen Buchs (506 Seiten!) der „Erhellung
der Situation des Menschen im Umgreifenden“ widmet (so lautet die Überschrift des dritten Teils), erklärt
er gleich am Anfang dieses Teils: „Wenn
das Dasein der Menschheit in Frage gestellt ist, muß das Wesen
des Menschen im ganzen ergriffen werden und zur Antwort in Tat und
Denken kommen“ (S. 252).

Freiheit
und Wiedervereinigung
(1960) enthält acht Aufsätze, ein Interview und
Ausführungen über die „Politische
Denkungsart in der Bundesrepublik heute“: „Damit die
Bundesrepublik auf dem gelegten Grunde als Staat erst eigentlich
wirklich werden könne, ist eine Wandlung im politischen Fühlen
und Denken notwendig. Dieser Staat kann […] Bestand haben […] nur
durch seine innere Verfassung: seine bisher nur äußerlich
bestehende politische Freiheit bedarf der Verwirklichung durch die zu
ihr gehörende politische Lebensform“ (S. 116). Diese Worte sind heute, mehr als zwei Jahrzehnte nach der
Wiedereinigung, die Jaspers 1960 für eine irreale Forderung
hielt (S. 110), noch genauso aktuell wie damals.

Die
Schrift ist übrigens auch in den fast inhaltsgleichen
Sammelbänden „Lebensfragen
der deutschen Politik“ und „Hoffnung und
Sorge“ abgedruckt. „Hoffnung und Sorge“ enthält zusätzlich „Die
Unzuverlässigkeit der Menschenrechte“, „Was ist deutsch?“ und
„Politische Schriftsteller und politisches
Handeln“. Ansonsten bringt der Band eine Überarbeitung
derselben Aufsätze „in einer übersichtlicheren und
leichter lesbaren Form“ (S. 4).

Die Kleine
Schule philosophischen Denkens
(1964) enthält auch eine Vorlesung über das „Werden
des Menschen in der Politik“
(in: Mitverantwortlich, S. 143-150). Da liest man staunend:
„Politiker […] sind opportunistische Realisten,
Betriebmacher, listige Menschen und Erpresser. Unbekümmert vital
handeln sie im Namen der Freiheit gegen die Bedingungen der Freiheit.
Sie entziehen sich, wenn sie bloßgestellt sind, durch Lügen
und durch Witze. Durch ihr Verhalten verhöhnen sie das
Parlament, das, gleicher Art, es kaum merkt und nicht daran denkt,
solche Frevler am Geist der Politik
aus dem Sattel zu werfen. Mit sentimentalen Sprüchen täuschen
sie einen Ernst vor. Sie sind Verderber der Freiheit“ (S. 147).

Man
kratzt sich am Kopf und überlegt: Was war denn Anfang der 1960er
Jahre los? Ach ja: 1961 wurde die Berliner Mauer gebaut.
Chruschtschow kritisierte Stalin auf dem 22. Parteitag der KPdSU.
1962 wurde Adolf Eichmann hingerichtet, die „SPIEGEL-Affäre“
weckte Assoziationen an einen Polizeistaat, in der Kuba-Krise ging
nochmal alles gut. 1963 wurde das zehnte Attentat auf Charles de
Gaulle verhindert, Ludwig Erhard wurde als Nachfolger Adenauers zum
Bundeskanzler gewählt, John F. Kennedy wurde ermordet. 1964
wurde Lyndon B. Johnson US-Präsident. Meinte Jaspers also diese Politiker?

Vielleicht
hilft ein Blick in die Briefe an Hannah Arendt: „Von einem Tag
zum anderen werden alle verrückt. Wo noch ein Zauderer ist, wird
er ermordet. Die Sozialdemokraten bewilligen die Kriegskredite (oder
anders: die Kommunisten überall tun dann das, was Rußland
will)“ (über den Kalten Krieg, 29.10.1964; S. 610).
„Deutschland schweigt [über ein Interview mit Arendt]. Die
Leute dort werden eine Schafsherde und interessieren sich nur für
lächerliche Dinge. Die Literaten dort aber fürchten sich“
(30.10.1964; S. 611). „Unsere Zeit ist vorbei: in der
Bundesrepublik ist vorläufig eine Stimmung der Macht das nunmehr
Geläufige. Kritik ist harmlos auch da, wo sie sich heftig gibt.
Der Druck der Meinungen ist so groß wie von jeher“
(23.12.1964; S. 614).

Was
stimmt hier nicht? Ratlos liest man weiter und erfährt: Jaspers
meinte keine bestimmten Politiker, sondern einen „Typus von
Politikern“. „Sie denken ohne Verantwortung. Daher
unter-werfen sie sich, in Gefahr ratlos, jeder sie vermeintlich
sichernden oder wenigstens rettenden Macht, wie 1933“
(Mitverantwortlich, S. 147). Man kann sich also beruhigt zurücklehnen
– Jaspers hat wieder einmal bloß einen Typus konstruiert

In Wohin
treibt die Bundesrepublik?
(1966) will Jaspers den Nachkriegsstaat nicht verneinen, „sondern eine wenn
auch noch so winzige Hilfe durch die Besinnung“ geben (S. 5). Zu dem Band ist ein Jahr später auch noch eine „Antwort“ erschienen, in der er auf die Kritiken an dem Buch eingeht.

7. Texte zur Pädagogik

Weniger
bekannt sind die zahlreichen Stellen im Werk von Jaspers über
Erziehung, die Hermann Horn unter dem Titel Was
ist Erziehung?
zusammengetragen hat. Zwei Beispiele: „Wer
sich erzogen fühlt, fühlt sich um die eigentliche Liebe
betrogen“ (S. 39). „Wirkliche Erziehung
schien mir immer Selbsterziehung“ (S. 382).

Einen
relativ breiten Raum nehmen hier die autobiographischen Schriften
ein. Die Erziehungs-prinzipien seines Vaters faßte Jaspers so
zusammen: „Solange
die Kinder Säuglinge sind, Dressur; – sowie sie zum Bewußtsein
erwachen, keine Schläge mehr; – sobald die Vernunft erwacht,
vernünftig mit ihnen sprechen und sie überzeugen!“ (S. 155)

Jaspers
meinte, Schüler sollten darauf verzichten, vorzeitig politisch
tätig zu sein (S. 185). Als er im Alter von 18 Jahren „der
Wahrhaftigkeit wegen aus der Kirche austreten“ wollte, gab sein Vater ihm zu bedenken, daß das Verbleiben in
der Kirche eine Ordnung aufrechterhalte, die man nicht durch den
Austritt zerstören solle, was dem Bösen freie Bahn gebe.
Erst mit dem Beenden der Tätigkeiten in der Gesellschaft dürfe
man „reinen Tisch
machen durch Austritt aus der Kirche“ (S. 160). „Mein Vater
ist selbst danach verfahren. Als er mit 71 Jahren aus seinen Ämtern
ausschied, trat er auch aus der Kirche aus“ (S. 163).

Wichtig
ist Jaspers in pädagogischer Hinsicht natürlich vor allem
die Universität, da er ja selbst Hochschullehrer war. Er fand,
daß Studenten dort vor allem eine „Schulung
und Entfaltung der Organe zu wissenschaftlichem Denken“ bekommen sollten. Es sei nicht nötig, „die
Gesamtheit der fachmännischen Ergebnisse im Kopf bereit zu
haben, wie es törichte Examina verlangen. Nach dem Examen wird
schnell vergessen. Dann entscheidet nicht der Besitz an Gelerntem,
sondern die Urteilskraft. Nicht das Wissen hilft, sondern die
Fähigkeit, durch eigene Initiative sich überall das
erforderliche Wissen zu verschaffen, die Fähigkeit, die Dinge
denkend unter Gesichtspunkten aufzufassen. Diese Fähigkeit aber
wird nicht durch Erlernen von Wissensstoff erworben, sondern durch
die Berührung mit der lebendigen Forschung“ (S. 202).

Die
Verschulung der Universitäten lehnte Jaspers selbstverständlich
ab, trat er doch nicht nur für die Freiheit von Forschung und
Lehre, sondern auch die Freiheit des Studiums ein: „Der
Sündenfall der Universitätslehre beginnt, wenn man den
Besuch gewisser Vorlesungen und Übungen obligatorisch macht.
Dann kommt man schließlich zu einer Reglementierung des
Studiums. Die Verschulung will gute Durchschnittserfolge im Besitz
von Lernbarkeiten mit einiger Sicherheit erzielen. Auf diesem für
die Universität verderblichen Weg erstickt mit der Freiheit des
Lernens zugleich auch das Leben des Geistes. Denn dieses ist immer
ein glückliches, unberechenbares Gelingen im Strom des
Versagenden, nicht als Fabrikat des Durchschnitts zu erzielen“ (S. 207).

8. Schriften zur Medizin

Jaspers
war ursprünglich Psychiater, der durch seine Allgemeine
Psychopathologie. Ein Leitfaden für Studierende, Ärzte und
Psychologen
(Berlin 1913) berühmt wurde. „Das
Werk gilt als der erste Versuch einer systematischen methodologischen
Grundlegung der Psychiatrie“ (Franz-Peter Burkard, in: LPW 16).

Für
den Laien interessanter sind die in dem Band Der
Arzt im technischen Zeitalter
gesammelten Aufsätze:

„Die
Idee des Arztes“ handelt von dem Ideal, daß „die
ärztliche Persönlichkeit auf eine legitime Weise selber zu
einer heilenden Kraft wird“ (S. 18).

In
„Arzt und Patient“ plädiert Jaspers für die
Aufrechterhaltung der „Scheidung von ärztlicher Heilung und
dem Bringen des Seelenheils, von Arzt und Seelsorger. […] Der
Arzt darf nicht Ersatz werden“ (S. 37).

In
„Der Arzt im technischen Zeitalter“ unterscheidet Jaspers
„drei unheilvolle Tendenzen“ (S. 57): 1. die Ruinierung des
idealen Arzttums durch die Technik; 2. die Vergewaltigung und
Beschränkung der Patienten durch ein einseitiges
naturwissenschaftliches Denken; 3. den Verlust der Philosophie durch
den Versuch, sie in eine exakte Wissenschaft zu verwandeln. Er hat
dafür folgende Lösungen parat: 1. Ärzte und Patienten
sollen vernünftig bleiben; 2. Ärzte sollen ein universales
Wissen pflegen, anstatt Fachidioten zu werden; 3. Medizin als
Naturwissenschaft braucht die Kritik durch Philosophie.

In
„Zur Kritik der Psychoanalyse“ meint Jaspers einerseits,
die Psychoanalyse ruiniere „das eigentlich ärztliche
Wesen“, sei aber andererseits auch „wie ein Fanal zur
Beschwörung der ärztlichen Selbstbesinnung“ (S. 67).
Die erforderliche Lehranalyse sei als eine Art Menschen-versuch eine
„Gefahr für die Reinheit, Freiheit und das Heil der Seele“
und verletze die Menschlichkeit (S. 66). Denn sie sei eine Art der
Gehirnwäsche, mit der eine Sekte gläubige Mitglieder züchte
(S. 64).

„Wesen
und Kritik der Psychotherapie“ besteht aus zwei Abschnitten aus
der 6. Auflage der „Allgemeinen
Psychopathologie“ (1953). Jaspers gibt darin eine Information
für Patienten, denn: „Wer
sich in psychotherapeutische Behandlung begeben will, sollte wissen,
was er tut und was er zu erwarten hat“ (S. 69).

9. Was ist Philosophie?

So
lautet der Titel des von Hans Saner herausgegebenen Lesebuchs, dem
alle folgenden Zitate entnommen sind. Jaspers hat sich immer wieder
mit der Frage auseinandergesetzt, was die Philosophie ist. Wer
versucht, sie von ihrem Gegenstand her zu bestimmen, kommt Jaspers
zufolge nicht weit: „Es
gibt nichts, was das Philosophieren nicht angeht.“ Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen Vielwisserei und
Philosophie: Jaspers ging es darum, „die
Grundsätze der Wirklichkeit sich in jedem Gebiet zur Klarheit zu
bringen und sie sich zugleich in einem konkreten Detail zu
vergegenwärtigen“ (Ein Selbstporträt, 1966/67, S. 26).

Weitere
Bestimmungen: „Philosophieren
aber heißt, um seine innere Unabhängigkeit ringen unter
allen Bedingungen“ (Einführung in die Philosophie, 1949, S. 97). „Philosophieren
ist der Entschluß, den Ursprung wach werden zu lassen,
zurückzufinden zu sich und im inneren Handeln nach Kräften
sich selbst zu helfen“ (ebd. S. 104). „Philosophie
ist überall, wo Menschen sich ihres Daseins denkend bewußt
werden. […] Wo immer eine Welt ist, wo Maßstäbe
gelten, wo beurteilt wird, da ist Philosophie“ (Die Aufgabe der Philosophie in der Gegenwart, 1953, S. 129). „Philosophie ist:
Bewegung, Frage, Offenheit – Ergriffenheit, Staunen, –
Wahrhaftigkeit, Illusionslosigkeit“ (Über das Tragische, 1947, S. 388). „Es
gibt keine Definition der Philosophie, weil Philosophie nicht von
einem anderen her bestimmbar ist. […] Philosophie bestimmt
sich selber, bezieht sich unmittelbar auf die Gottheit, begründet
sich nicht durch eine Nützlichkeit. Sie erwächst aus dem
Ursprung selber, in dem der Mensch sich geschenkt wird“ (Philosophie und Wissenschaft, 1948, S. 193).

Auch
mit dem Verhältnis des Philosophen zu anderen Menschen hat sich
Jaspers befaßt. Was er darüber schrieb, ist heute noch so
aktuell wie damals: „Die
Philosophie wird aus Überlieferung höflich respektiert, im
geheimen verachtet. Verbreitete Meinung ist: etwas von Belang habe
sie nicht zu sagen. Sie habe auch keine praktische Bedeutung“ (Die Philosophie in der Welt, 1964, S. 121).

„Ein
sich selbst undurchsichtiger Lebensinstinkt haßt die
Philosophie. Sie ist gefährlich. Würde ich sie verstehen,
müßte ich mein Leben ändern. […] Vielen
Politikern ist ihr heilloser Betrieb leichter, wenn die Philosophie
gar nicht da ist. Massen und Funktionäre sind leichter zu
manipulieren, wenn sie nicht denken, sondern nur eine dressierte
Intelligenz haben“ (ebd. S. 122).

10. Was ist Liebe?

Jaspers
hat mehrfach ausführlich über die Liebe geschrieben: In „Psychologie der
Weltanschauungen“, „Philosophie“,
„Von der Wahrheit“ u.a. (die Stellen sind über
die Register leicht zu finden). Doch in seiner Kleinen
Schule des philosophischen Denkens
(1964), einer Vorlesungsreihe für den Bayerischen Rundfunk,
gestand er in der XI. Vorlesung ein, er könne nicht sagen, was
die Liebe sei. „Aber
wir suchen sie zu umkreisen“ (zit. n. Mitverantwortlich, S. 181).

Was
meinte Jaspers also über die Liebe sagen zu können? Im
Anschluß an Paulus (1 Kor 13) folgendes: „In
unserer Liebe sind wir, was wir eigentlich sind. Alles, was in uns
Gewicht hat, ist im Ursprung Liebe“ (S. 181). „Allein die
Liebe trägt unsere Existenz. In unserer Liebe erfahren wir die
einzige Gewißheit, die uns erfüllt und genugtut. Der Liebe
erst geht die volle Wahrheit auf. […] Zwischen Menschen kann
die Liebe selbst das Ewige sein“ (S. 182).

Liebe
und Leidenschaft grenzte Jaspers mehrfach voneinander ab: „Die
Leidenschaft ist an entscheidender Stelle blind, die Liebe
hellsichtig im Ganzen“ (S. 185). „Erotische
Leidenschaft ohne Dauer droht dem Menschen seinen Kern zu nehmen“ (S. 187). „Jede Liebe
etwa, die die zehn Gebote verletzt, ist nicht mehr Liebe, sondern
lügt mit dem Namen der Liebe aus dem Überfallensein durch
fremde Leidenschaften.

Daher
dürfen wir uns nicht berufen auf die Liebe, wenn wir ein
Verhalten, ein Handeln, ein Beurteilen
in seinem Recht begründen wollen. Da wir nicht wissen, was Liebe
ist, können wir nicht mit ihr rational operieren“ (S. 188).

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