Lesehilfe zu Blaise Pascals philosophischen Schriften

Blaise Pascal (1623-1662) war Mathematiker, Physiker und Philosoph. In diesem Artikel bekommen Sie einen Überblick über sein Leben und Werk. Zudem eignet er sich als Lesehilfe, um seine Auffassungen besser zu verstehen.

Blaise Pascal (1623-1662) war Mathematiker, Physiker und Philosoph. In der Nacht vom 23. auf 24. November 1654 machte er eine innere religiöse Erfahrung mit dem biblischen Gott. Er empfand Gewißheit, Freude und Friede. Außer Gott vergaß er alles und weinte vor Freude. Er unterwarf sich Jesus Christus und seinem geistlichen Führer. Was er mit der Überschrift "Feuer" in der Notiz über sein Erlebnis (zit. in Béguin 111f) meinte, ist unklar: eine Energieerfahrung? eine Feuervision?

"Abhandlung über die Leidenschaften der Liebe"

Blaise Pascal Leben und WerkInteressant ist hier die Gleichsetzung von Liebe und Vernunft: "Liebe und Vernunft sind ein und dasselbe. Eine Unrast der Gedanken drängt sich nach einer Richtung, ohne alles recht zu prüfen, aber immer ist es eine Vernunft […]. Trennen wir also die Vernunft nicht von der Liebe, denn sie ist von ihr unlösbar" (S. 21).

Das ist ein typisch rationalistischer Gedankengang, wenn man unter Rationalismus die Überzeugung versteht, alles Seiende lasse sich vernünftig erklären (vgl. EPhW 3/464).

Die Echtheit dieser kleinen Schrift ist umstritten. Es gibt zwei Manuskripte. Auf dem einen hat der Kopist einen Vermerk angebracht, daß die Abhandlung Pascal zugeschrieben werde. Auf dem anderen Manuskript, das später gefunden wurde, fehlt ein solcher Vermerk.

"Von der Kunst zu überzeugen"

In dieser unvollendeten Schrift, die zwischen 1655 und 1658/59 entstand, verficht Pascal die Methode, Begriffe zu definieren, Axiome aufzustellen und aus ihnen Folgerungen abzuleiten (vgl. Albert Raffelt, in: KNLL 12/981f).

Er selbst gibt folgende Zusammenfassung: Die "Kunst zu überzeugen […] besteht aus zwei wesentlichen Teilen: alle Begriffe […] durch klare Definitionen zu definieren, Grundsätze oder evidente Axiome aufzustellen, um das, was es zu beweisen gibt, zu beweisen und im Verlauf des Beweises in Gedanken immer die Definition an dem Ort des Definierten einzusetzen" (S. 101).

Im Anschluß gibt er acht Regeln für die Definitionen, Axiome und die Beweise (S. 102ff)

"Schriften über die Gnade"

Auch diese Essays (1656-1658) sind Fragment geblieben. "Nach einer Mitteilung P. NICOLES wollte Pascal in diesen Essays die augustinische Gnadenlehre (die er mit der jansenistischen für idenisch hielt) so plausibel darlegen, daß sie ihre scheinbare Härte verlöre und allgemein zugänglich würde" (Albert Raffelt, in: KNLL 12/982).

Der Jansenistenstreit

Cornelius Jansen (1585-1638) wurde 1618 Theologieprofessor in Löwen, 1636 Bischof von Ypern. Sein dreibändiges Hauptwerk "Augustinus" (1840) erschien erst nach seinem Tod. Darin vertrat er eine Gnadenlehre, mit der er an Aurelius Augustinus (354-430) und Michael Bajus (1513-1589) anknüpfte.

Augustinus entwickelte seine Gnadenlehre in der Auseinandersetzung mit derjenigen des Pelagius (vor 384 – nach 418 oder 422), Julian von Aeclanum (um 380 – 454) und anderen. Er veranlaßte, daß Pelagius wegen "'Ablehnung der Notwendigkeit des Gebetes und der Kindertaufe'" (zit. n. MEL 18/352) auf den Synoden von Mileve (416) und Karthago (418) verurteilt wurde, so daß ihn Kaiser Honorius verbannte. Bischof Julian verlor sein Amt und wurde verbannt, weil er 418 gegen die Verurteilung des Pelagius protestierte. Danach wurde er "Wortführer der Pelagianer […] und entschiedener Gegner des Augustinus" (MEL 13/250).

Pelagius lehnte die Lehre von der Erbsünde ab und vertrat die Ansicht, der Mensch könne sich frei zwischen Gut und Böse entscheiden. Die göttliche Gnade zeige sich in dieser Freiheit sowie im Gesetz des Moses und in der Lehre Jesu. Durch eben diese Gnade könne der Mensch durch eigene Anstrengung zum Heil finden.

Augustinus meinte dagegen, Gott überwinde mit seiner Liebe die Sünde des Menschen, der durch Adam schuldig geworden, durch Jesus aber erlöst worden sei.

Während also im Pelagianismus das Individuum mit seiner Willensfreiheit im Vordergrund stand, legte Augustinus den Schwerpunkt auf die göttliche Gnade. Der Gegensatz zeigte sich noch deutlicher in der Verschärfung der Lehre des Pelagius durch Julian: Während Augustinus das sexuelle Begehren für sündhaft hielt, behauptete Julian, sogar Jesus sei von sexuellem Begehren nicht frei gewesen. Aus diesem Grund gebe es ein Recht auf die Ehe.

Bajus betonte wie Augustinus die Erbsünde aufgrund von Adams Sündenfall (vgl. Gen 3,1-24), d.h. er hielt den Menschen für verderbt bis ins Mark. Ohne Jesu Erlösungswerk sei er nicht frei, um sich für das Gute zu entscheiden. "Da der Bajanismus weder der Freiheit des menschlichen Willens noch der Ungeschuldetheit der göttlichen Gnade den ihnen gebührenden Raum gab, wurde er 1567 von Papst Pius V., 1580 von Gregor XIII. verurteilt" (MEL 3/378).

Auch Jansen betrachtete den Menschen als Opfer der sexuellen Begierde, es sei denn, diese werde durch die göttliche Gnade überwunden, so daß der Mensch in guten Taten höhere Befriedigung finde als in der sexuellen Lust. Seine Ideen verbreiteten sich von Belgien über Frankreich, Holland und Italien über ganz Europa. "'Ein Jansenist', hieß es, 'ist ein Katholik, der die Jesuiten nicht liebt.' Nach damaliger Auffassung bedeutete das, daß alle Katholiken Jansenisten waren" (Bokor 168).

"Ab 1635 wurde Port-Royal unter der Äbtissin Angélique Arnauld ein Zentrum des französischen Jansenismus mit bewußt gegen die pädagogischen Methoden der Jesuiten gerichteten Gründungen von Schulen" (MEL 19/126). "Unter Führung des jansenistischen Abtes J. Duvergier de Hauranne (genannt Saint-Cyran) entstanden Einsiedlerzellen für frommes Leben, in denen auch A. Arnauld, P. Nicole und B. Pascal wohnten" (Thomas Rentsch, in: EPhW 3/298).

Das ehemalige Zisterzienserkloster war 1204 bei Versailles gegründet worden. 1625 wurde in Paris eine Zweigniederlassung eröffnet. Seither wurde das ursprüngliche Kloster Port-Royal-de-Champs, die Zweigniederlassung Port-Royal-de-Paris genannt.

1642 verurteilte Papst Urban VIII. den "Augustinus" von Jansen mit der Bulle "In eminenti". 1649 stellte der Jesuit und Doktor der Sorbonne Nicolas Cornet auf der Basis von Jansens "Augustinus" fünf Sätze auf. 1653 erklärte Papst Innozenz X. diese fünf Sätze, in denen angeblich das Wesentliche des Buchs zusammengefaßt wurde, für Ketzerei.

Die Jansenisten anerkannten die Rechtmäßigkeit dieser Verurteilung, behaupteten aber, die fünf verurteilten Propositionen gäben Jansens Auffassung nicht richtig wieder. So waren sie "lediglich zu einem 'Silentium obsequiosum' (= ehrerbietiges Schweigen) bereit" (MEL 13/55).

Arnauld schrieb, "die vom Papst verdammten Maximen seien zwar nicht in dem Buch Jansens enthalten, fänden sich aber dafür bei Augustinus und bei anderen Kirchenvätern.

Die französischen Kleriker, allen voran die Jesuiten, gerieten über die Behauptung Arnaulds in die größte Wut; da kein einziger unter allen diesen geistlichen Würdenträgern das Buch Jansens gelesen hatte, konnte jeder im Vertrauen auf die Unfehlbarkeit des Papstes behaupten, die ketzerischen Sätze befänden sich wirklich in dem Werk des Bischofs von Ypern" (Fülöp-Miller 147).

Eine Nachprüfung wäre ohne weiteres möglich gewesen, kam aber nicht zustande: Die "Beteiligten […] scheuten diese Arbeit und griffen lieber zu den kompliziertesten Hilfsmitteln, um auf andere Weise recht zu behalten. […] Die Jansenisten behaupteten, die Unfehlbarkeit könne doch nur in Dingen des Glaubens in Frage kommen, nicht aber dort, wo es sich um die Feststellung wirklicher Fakten handle." Die von den Jesuiten beeinflußten französischen Kleriker waren entrüstet, denn im "Jesuitenkolleg Clermont verfocht man […] in größeren öffentlichen Diskussionen eifrig die These, daß der Papst auch über 'Tatsachen' unfehlbar zu entscheiden vermöge" (ebd. 148).

Als ein "jesuitischer Beichtvater […] dem Herzog von Liancourt die Sterbesakramente" verweigerte, "weil die Enkelin des Herzogs eine Schülerin von Port Royal war", schrieb der Priester Antoine Arnauld (1612-1694) zwei Streitschriften und wurde deshalb von der Sorbonne ausgeschlossen (ebd. 145).

Daraufhin beauftragte er Pascal mit der Fortführung des Streits. Dessen Provinciales erschienen als einzelne Briefe anonym vom 23. Januar 1656 bis 24. März 1657, nachdem Arnaulds Verteidigungsschrift durch die Sorbonne am 4. November 1655 verurteilt worden war. Noch im Erscheinungsjahr wurden sie am 6. September auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt.

In den ersten vier Briefen argumentiert Pascal, "daß nicht die Sachfragen bei dem Streit verhandelt werden, sondern Verbalkompromisse benutzt werden, um die Jansenisten als Häretiker von den orthodoxen Richtungen zu isolieren" (Albert Raffelt, in: KNLL 12/987).

In den Briefen 5 – 10 greift Pascal die kasuistische Moraltheologie der Jesuiten an. "Sie ist eigentlich eine Beurteilungshilfe für Beichtväter, also keine Handlungsanweisung. Insofern verschiebt Pascal die Problematik" (Albert Raffelt, in: KNLL 12/988).

In den Briefen 11 – 16 verschärft Pascal seine Polemik noch und greift die Methoden des Jesuitenordens an, z.B. "die Billigung der Verleumdung zur Ehre des Ordens" (Albert Raffelt, in: KNLL 12/988). Im 17. und 18. Brief greift Pascal Pater Annat an, den Beichtvater des Königs. Der 19. Brief blieb im Stadium des Entwurfs stecken.

Auf der Seite der Jansenisten kämpften außer Arnauld und Pascal noch die Theologen Jean Ambroise Du Vergier de Hauranne (1581-1643), geistlicher Führer in Port-Royal, und Pasquier Quesnel (1634-1719).

Der Streit zwischen Jesuiten und Jansenisten wurde schließlich "von beiden Seiten mit allen Mitteln der Intrige und Verleumdung geführt. Die Jansenisten beschuldigten ihre Gegner der pelagianischen Ketzerei, die Jesuiten wieder erklärten die Männer von Port Royal für Kalvinisten." Die Jesuiten zweifelten an der Sittlichkeit der Nonnen von Port Royal, die Jansenisten hielten die Jesuiten für Sittenstrolche. Gegenseitig warfen die Parteien einander vor, eine Gefahr für den Staat darzustellen. "Die Jansenisten gruben alle alten Märchen von der königsmörderischen Gesinnung der Jesuiten aus, und ihre Gegner wieder behaupteten, die Leute von Port Royal verwendeten ihre Geldmittel zu Verschwörungen gegen die Sicherheit des französischen Staates" (Fülöp-Miller 145).

1661 wurde der Streit per königlicher Verordnung und militärisch entschieden: Wer sich weigerte, die fünf Propositionen des Jansen zu verdammen, wurde von Soldaten in ein Kloster unter der Kuratel der Jesuiten gesteckt (ebd. 149).

Fast alle unterschrieben das per Hirtenbrief angeordnete Unterwerfungsformular, sogar Arnauld. Nur Pascal, Roannez und Domat wollten weiterhin Widerstand leisten. Pascal verfaßte eigens eine Schrift mit dem Titel "Zur Frage der Unterzeichnung". Doch da er nun sogar von Angehörigen des Klosters von Port-Royal angegriffen wurde, kämpfte er nicht weiter und befaßte sich ab 1662 mit anderen Dingen, z.B. der Einrichtung einer Omnibuslinie in Paris (Béguin 162).

"Ein Wechsel auf dem päpstlichen Stuhl brachte für einige Zeit Beruhigung. Der friedliebende neue Papst Clemens der Neunte empfand die Notwendigkeit, den peinlichen Zwist endlich zu bereinigen. Da er aber niemanden kränken wollte, griff er zu der schon oft bewährten päpstlichen Methode, statt einer der beiden in ihre Ansichten verbohrten Parteien recht zu geben, lieber durch Unklarheit Frieden zu schaffen" (Fülöp-Miller 149).

Er hielt also die Verurteilung der fünf Propositionen aufrecht, erlaubte aber eine "Unterwerfungsformel […], in welcher nicht unbedingt behauptet wurde, diese Sätze rührten von Jansen her. Der Ausgleich wurde so zweideutig formuliert, daß sich nun für lange Zeit überhaupt niemand mehr auskannte; selbst die streitsüchtigsten Kämpfer wußten zunächst nicht recht, wie sie eigentlich die Feindseligkeiten fortsetzen sollten. So kam es zu jener Ruhepause im großen Jansenistenkampfe, die als 'Kirchenfriede von 1669' bezeichnet wird. Die Regierung setzte die Jansenisten, die vorher in der Bastille interniert worden waren, in Freiheit, und die verbannten Nonnen durften in ihre Abtei zurückkehren" (ebd. 150).

Erst 1701 "erklügelte ein theologischer Schlaukopf ein Problem, über welches man sich wieder in die Haare geraten konnte. Darf einem Manne die Absolution erteilt werden, der das päpstliche Formular zwar unterzeichnet hat, dabei aber im Grunde seines Herzens glaubt, der Papst könne in bezug auf Tatsachen irren? Diese Doktorfrage wurde von vierzig Mitgliedern der Pariser theologischen Fakultät bejaht, von fast ebenso vielen verneint, und sogleich begann der Krieg von neuem. […]

Als dieser Streit zu erlahmen drohte, wurde rasch ein neuer Konflikt wegen der kurz zuvor veröffentlichten Bibelübersetzung von Quesnel vom Zaun gebrochen, denn die Jansenisten wollten, wie Voltaire meint, 'immer intrigieren, und die Jesuiten wollten sich wichtig machen'" (ebd. 150).

1705 erklärte Papst Klemens XI. das Schweigen der Jansenisten zur Bulle "In eminenti" (1653) mit der Bulle "Vineam Domini" für unzureichend und verurteilte den Jansenismus endgültig. 1708 wurde das Kloster von Port-Royal per Bulle zum "'Ketzernest'" erklärt, 1709 wurde es aufgelöst und zerstört (ebd. 151; nach einer anderen Version erfolgte die Zerstörung erst 1710-1712, vgl. EPhW 3/298). "Sogar die Leichen verstorbener Jansenisten riß man [Ende 1711] aus dem Friedhof von Port Royal und verscharrte sie in einem Massengrab" (Fülöp-Miller 151).

Mit der Bulle "Unigenitus" verurteilte Klemens XI. im Jahr 1713 101 Thesen in Quesnels Réflexions morales. Das führte zur Aufspaltung der französischen Katholiken in Appellanten, die der Entscheidung widersprachen und für ein Konzil eintraten, und Akzeptanten, die die Entscheidung annahmen.

Wieder stellte sich der Staat auf die Seite der Kirche und unterdrückte die Jansenisten. Louis Antoine de Noailles (1651-1729), Erzbischof von Paris, hatte zwar der Zerstörung von Port Royal zugestimmt, aber wegen einer Intrige des Hofbeichtvaters Le Tellier gegen ihn selbst den Jesuiten das Beichthören verboten. Er kämpfte zuerst gegen die Bulle "Unigenitus", bevor er sich der Autorität der Kirche unterwarf.

Bei der Verteidigung des Jansenismus blieb Pascal zwar erfolglos, doch sein Angriff auf die Tendenz der Jesuiten, Sünden zu verharmlosen, so daß man den Beichtkindern die Absolution erteilen konnte, führte zur Verurteilung der angeblich laxistischen Jesuitenmoral durch die Päpste Alexander VII. (1665/66) und Innozenz XI. (1679). Noch als der Jesuitenorden 1773 verboten wurde, diente diese Moral der Jesuiten "als Grund bzw. Vorwand" für diese Maßnahme (Albert Raffelt, in: KNLL 12/989).

Dabei war auch dieser Erfolg Pascals kein wirklicher Erfolg, denn was er über die Jesuiten schrieb, war vom Grundansatz verkehrt und in den Details überzeichnet bis falsch. Er verkannte die Grundabsicht der Jesuiten (dasselbe gilt für den Talmud und die antiken Kasuisten!), das in der Bibel vorliegende göttliche Gesetz sinnvoll und human auf irdische Verhältnisse zu übertragen. Sie predigten keine laxe Moral, mit der Verbrechen beschönigt oder sogar gerechtfertigt werden konnten, sondern dachten lediglich darüber nach, wie man die Absolution großer Sünden im Beichtstuhl denkerisch rechtfertigen könne. Das ist ein gewaltiger Unterschied: Das erste bedeutet, einen Bösewicht zu seinem Verbrechen zu ermuntern, das zweite, einem reuigen Sünder zurück auf den Weg Gottes zu helfen.

René Fülöp-Miller hat diesem Grundanliegen bis in alle historischen Details nachgespürt. Seine "Kultur- und Geistesgeschichte" der Jesuiten ist also kein Pamphlet, als was sie angesichts der Absurditäten des Jansenistenstreits erscheinen könnte, sondern eine angemessene Würdigung des großen Anliegens von Ignatius von Loyola (1491-1556), der den Jesuitenorden gründete.

In der Kirche setzte sich die Wahrheit irgendwann durch, so daß das Verbot des Jesuitenordens, das nur Preußen und Rußland mißachteten, in den übrigen Ländern 1814 durch Papst Pius VII. wieder aufgehoben wurde.

Daß Hetze und Verleumdungen wider die Jesuiten immer wieder aufblühten, ist ein allgemeines historisches Phänomen, das die allergrößten Geister der Philosophiegeschichte bis ins 20. Jahrhundert mit ihnen teilen mußten: Auch Pythagoras, Anaxagoras und dessen Freundin Aspasia, Sokrates, Platon, Aristoteles, Jesus, Seneca, Apollonios von Tyana, Origenes, Julian Apostata, William Occam, Raimundus Lullus, Dante Alighieri, Thomas Morus, Thomas Campanella, Giordano Bruno, Jakob Böhme, Spinoza, John Locke, Hugo Grotius, Pierre Bayle, Christian Wolff, Voltaire, Rousseau, Kant, Fichte, Hegel, Marx, Blavatsky, Rudolf Steiner, Jaspers, Heidegger (nach Niederlegung seines Rektorats 1934), L. Ron Hubbard, Osho (Bhagwan) und viele andere wurden mit unlauteren bis verbrecherischen Mitteln verfolgt bis umgebracht.

Pascal war übrigens nicht grundsätzlich gegen die Jesuiten voreingenommen: Er schrieb einmal, "Port Royal habe mehr Unrecht als die Jesuiten, weil sie dort zu sehr die Natur ablehnten" (Béguin 60).

16.06.2016 © seit 01.2014 Gunthard Heller
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