Jean-Jacques Rousseau: Menschenrechtler, Freiheitsverfechter oder diktatorischer Pseudodemokrat?

Jean-Jacques Rousseau wurde 1712 in Genf geboren und verstarb 1778 in Ermenonville in der Nähe von Paris. Er gilt als bedeutender Aufklärer und Wegbereiter der Französischen Revolution. Zudem wird ihm ein großer Einfluß auf die politischen Themen des 19. bis 20. Jahrhunderts zugeschrieben.

Einleitung

Die
Schriften von Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) kann jeder
ohne weiteres verstehen, ohne daß sie einer Einführung
bedürfen. Sie bieten nur eine einzige Schwierigkeit – sie sind
sehr umfangreich: „Bekenntnisse“ 867 Seiten, „Emil“
530 Seiten, „Julie“ 795 Seiten, zwei Bände mit
kleineren Schriften zu 563 und 760 Seiten sowie der
„Gesellschaftsvertrag“ mit 153 Seiten (Angaben jeweils ohne
Einführung, Vorwort, Anhang).

Wer das alles hinter sich gebracht hat, fragt sich
unwillkürlich: Was ist jetzt eigentlich hängen geblieben?
Was hat die Lektüre gebracht? Und das Seltsame ist: Es bleibt
keine Erinnerung an eine Philosophie zurück, sondern das Bild
von einem Menschen, den man kennengelernt hat. Dieser Mensch strebte
aus dem religiösen Gefängnis heraus nach einer neuen
Natürlichkeit, nach einer ungezwungenen Menschlichkeit und
erinnert insofern unwillkürlich an die Hippies und Blumenkinder
der 1960er Jahre.

Rousseau Einführung Philosophie Der
Katholischen Kirche war Rousseau ein Dorn im Auge, und so landeten
mehrere seiner Schriften auf dem Index der verbotenen Bücher.
Der „Emil“
und der „Gesellschaftsvertrag“ kamen in Paris und Genf
sogar auf den Scheiterhaufen. Rousseau verteidigte sich mit dem Brief
an Beaumont (in: Schriften 1/497-589), der jedoch ebenfalls
verurteilt wurde. Dasselbe Schicksal ereilte die „Briefe vom
Berge“ (in: Schriften 2/7-252) und die „Julie“. Einem
Haftbefehl entging Rousseau durch Flucht in die Schweiz. Von dort
trieb ihn eine Verbannung schließlich nach England, wohin Hume
ihn eingeladen hatte, bevor er wegen schlechter Presse wieder nach
Frankreich zurückkehrte.

Die
Gründe für die Verurteilungen sind heute nur noch schwer
einzusehen: Im
„Gesellschaftsvertrag“ wehrte sich Rousseau gegen den Zwang
monarchischer Gesetze, obwohl die Könige als „‚von Gott
eingesetzt'“ galten. Also urteilte Ambrosius von Mailand, der ab
1760 als Berater der Indexkongregation tätig war: „‚Dies
nun ist schismatisch und aufrührerisch, fügt der
monarchischen Gewalt Unrecht zu und widerspricht vollkommen der
Autorität der Schriften.'“ Des weiteren zerstöre
Rousseau den „‚Respekt der Söhne vor den Vätern'“
– „‚Wie viele Unruhen würden so entstehen, wie viele
Aufstände und Gemetzel?'“ (zit. n. Godman 267) Weitere
Sünden Rousseaus im „Gesellschaftsvertrag“ seien, daß
er Calvin und Machiavelli lobe, für Revolutionen gegen das
Königtum eintrete und die Kirche kritisiere.

Im „Glaubensbekenntnis
des savoyischen Vikars“ (in: „Emil“ 275-334) leugne
Rousseau die Erbsünde, bezweifle die Schöpfung durch die
Annahme, die Materie habe schon immer existiert, und stelle die
Nächstenliebe über das Evangelium. Außerdem
beanstande er Zölibat, priesterliches Machtstreben und die Lehre
von der Transsubstantiation bei der Eucharistie.

Michael Haringer
(1817 – 1887), ebenfalls Berater der Indexkongregation, ging
auf Rousseau als Mensch los, indem er dessen Leben folgendermaßen
zusammenfaßte: „‚Geboren wurde Rousseau in Genf im Jahre
1712; sein Elternhaus war kalvinistisch. Als junger Mann hat er in
Turin der Ketzerei abgeschworen und den katholischen Glauben
angenommen. Später jedoch hat er die katholische Religion –
und eigentlich jegliche Religion – wieder abgeleugnet. Von
einer Dienerin, die er sich in Paris als Ehefrau oder Gefährtin
erwählt hatte, hatte er vier Söhne, die er allesamt ins
Waisenhaus steckte. Er, der ein Buch über die Erziehung schrieb
[den „Emil“], trat seine väterliche Pflicht mit Füßen
und war nicht willens, seine eigenen Söhne zu erziehen. Seinen
Wohltätern gegenüber erwies er sich als undankbar; die, die
ihm zunächst Freunde waren, überschüttete er später
mit Haß. In seinen letzten Lebensjahren befiel ihn die
Melancholie, und er sah überall nur noch Feinde und Verfolger.
Im Jahr 1778 raffte ihn ein plötzlicher Tod dahin, und nicht
wenige hegten den Verdacht, er habe sich selbst das Leben genommen'“
(zit. n. Godman 275f).

Das
ist eine böswillige Hetze, auch wenn sie den Schein der Wahrheit
erweckt. So schrieb Rousseau am 17. Februar 1763 in Sachen Religion
an Paul Moultou: „Mein
Lieber, ich bin in meiner Religion duldsam aus Grundsatz, denn ich
bin ein Christ; ich dulde Alles, nur die Unduldsamkeit nicht; aber
jede Inquisition ist mir verhaßt. Ich betrachte alle Glaubensrichter als
Trabanten des Teufels. Aus diesem Grunde mag ich ebenso wenig in Genf als in Goa [dort gab es das Inquisitionsgericht bis 1815!] leben. Nur die
Atheisten können in solchen Ländern in Frieden leben, weil
jedwedes Glaubensbekenntniß Diejenigen nichts kostet, welche
gar keins im Herzen haben, und wie wenig ich auch an dem Leben hänge,
so bin ich doch nicht begierig, das Schicksal Servets [wurde 1553 bei Genf auf dem Scheiterhaufen verbrannt] zu theilen.
Adieu denn, ihr Herren Verbrenner! Rousseau ist nicht euer Mann; da
ihr von ihm nichts wissen wollt, weil er tolerant ist, so mag er
nichts von euch wissen aus dem entgegengesetzten Grunde“
(Rousseau’s ausgewählte Briefe S. 140f).

Rousseau „ist
vermutlich der egozentrischste ‚Denker in der Geschichte der
Philosophie“ (Weischedel 160). Und doch kann man ihm das nur schwer vorwerfen,
wenn man seine Schriften und Briefe gelesen hat. Gegenüber
seinen Freunden konnte er leider Fakten, Verdacht und Mißtrauen
nicht immer auseinanderhalten. Ein gebranntes Kind scheut bekanntlich
das Feuer.

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Bekenntnisse

Im Winter 1770/71 las Rousseau daraus im Salon der Comtesse d’Egmont vor. Die Zuhörer
waren entrüstet, die Polizei untersagte weiteres Vorlesen. So
wurde das Werk erst nach seinem Tod veröffentlicht.

Ich greife nur einen Punkt heraus: Wie kann jemand ein Buch über
Erziehung schreiben, aber seine Kinder ins Findelhaus stecken? In
Rousseaus Worten: Wie kann jemand „ohne
jedes Bedenken die süßeste aller Pflichten“ mit Füßen treten? „Auch
keinen einzigen Augenblick lang ist Jean-Jacques jemals in seinem
Leben ein gefühlloser, ein herzloser Mensch und ein
unnatürlicher Vater gewesen“,
schreibt er über sich selbst. „Wohl
habe ich mich täuschen können, aber innerlich verhärtet
bin ich darum doch niemals gewesen“ (S. 501).

Viel über seine Gründe erfahren wir in den „Bekenntnissen“ nicht: „Es
hieße allzuviel wagen, wollte ich die Gründe anführen,
die mich verleitet haben, denn da sie mich verführen konnten,
würde es ihnen auch noch bei anderen gelingen, und ich möchte
die jungen Männer, die mich vielleicht lesen, nicht der Gefahr
aussetzen, sich von denselben Trugschlüssen irreführen zu
lassen“ (S. 501).

Deshalb hören wir nur soviel: Rousseau wollte seine fünf Kinder
nicht durch sein schlechtes Beispiel verderben. Angesteckt von
Platons Staatsutopie in der Politeia meinte
er, daß sie in der Hand ausgebildeter Erzieher bessere
Staatsbürger werden würden. „Mehr als einmal hat mich
meine Herzenqual seitdem gelehrt, daß ich mich damals irrte,
meine Vernunft hat mir jedoch niemals ähnliches offenbart,
sondern ich habe im Gegenteil oft den Himmel gesegnet, meine Kinder
vor dem Schicksal ihres Vaters und vor dem Los bewahrt zu haben, das
sie bedroht hätte, sobald ich sie zu verlassen gezwungen gewesen
wäre“ (S. 502).

Das Thema ist angesichts der Forderung nach mehr Kinderkrippen, Kindertagesstätten
und Ganztagsschulen hochaktuell, wenn auch die Unterbringung im
Waisenhaus eine für die Kinder ungleich einschneidendere
Maßnahme darstellt.

Rousseau überlegte außerdem, seine Kinder der Frau von Épinay oder der Frau
von Luxembourg anzuvertrauen, doch er tat es nicht, weil er sich
sicher war, daß sie bei diesen Frauen gelernt hätten,
„ihre Eltern zu hassen und vielleicht an ihnen zu Verrätern
zu werden, und da ist es hundertmal besser, daß sie sie niemals
gekannt haben“ (S. 502). „Alles erwogen, wählte ich
für meine Kinder das Beste oder glaubte doch wenigstens, daß
es das Beste sei. Ich hätte gewollt und ich wollte noch heute,
ich wäre wie sie aufgezogen und herangebildet worden“ (S.
503).

Das wirft natürlich die Frage nach Rousseaus eigener Kindheit auf. Was war daran so
schlimm, daß er selber seinen Kindern kein Vater sein wollte?

Rousseaus Eltern liebten einander seit ihrer Kindheit. Doch der Vater wurde nach kurz
nach der Geburt von Rousseaus älterem Bruder als Uhrmacher nach
Konstantinopel gerufen. Das hing wohl mit Rousseaus Onkel Bernard
zusammen, der als Kriegsbaumeister unter Prinz Eugen Lorbeeren
einheimste. Rousseaus Mutter blieb ihrem Gatten trotz ihrer Verehrer
treu und bat ihn um seine Rückkehr. Zehn Monate später
wurde Rousseau „krank und schwächlich geboren“. Seine
Mutter starb bei der Geburt. Sein Vater kam nie darüber hinweg.
„Er glaubte sie in mir wiederzuerblicken, ohne jedoch vergessen
zu können, daß ich sie ihm genommen hatte“ (S. 39).
Eine Schwester des Vaters und ein Kindermädchen übernahmen
die Rolle der Mutter. Alle um Rousseau herum liebten ihn, und er
liebte sie wieder.

Man kann also nicht sagen: Was Rousseau als Kind nicht bekommen hat, vermochte er als
Vater nicht zu geben. So bleibt nach der Lektüre der
„Bekenntnisse“ der Eindruck zurück, daß Rousseau
hinsichtlich dieses Themas gerade kein Bekenntnis abgelegt hat.

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Träumereien eines einsamen Spaziergängers

Die Angelegenheit ließ Rousseau keine Ruhe. Das spricht für
ihn. So kam er in seinem letzten Werk (in: Schriften 2/637-760), an
dem er bis zu seinem Tod schrieb, noch einmal darauf zurück. Ein
Herr P. zeigte Rousseau die „Lobrede auf Frau Geoffrin“ (Éloge
de Madame Geoffrin
) von Jean Le Rond d’Alembert (1717 – 1783), die Ende 1777
veröffentlicht wurde.

Während des neunten der insgesamt zehn Spaziergänge erzählt Rousseau: „Der
längste und gesuchteste Abschnitt dieses Stückes handelte
von dem Vergnügen, das Frau Geoffrin daran gefunden hätte,
Kinder um sich zu haben und mit ihnen zu plaudern. Der Verfasser
hielt diese Neigung mit Recht für den Beweis einer guten
Gemütsart. Hierbei ließe er es aber nicht bewenden,
sondern beschuldigte alle, die nicht den nämlichen Geschmack
hätten, ganz entschieden einer schlechten boshaften Gemütsart
und ging so weit, zu behaupten, daß, wenn man alle, die zum Rad
oder zum Galgen geführt würden, darüber befragen
wollte, sie alle eingestehen würden, sie hätten die Kinder
nicht lieb gehabt“ (Schriften 2/744f).

Rousseau empfand die Passage als gezielt gegen ihn selbst gerichtet: „Ich
hatte meine Kinder ins Findelhaus getan, dies genügte, einen
unnatürlichen Vater aus mir zu machen, und nun war diese
Vorstellung erweitert und ausgeschmückt worden, und nach und
nach hatte man die augenscheinliche Folgerung daraus gezogen, ich
hasse die Kinder“ (ebd. 2/745).

Das entsprach seiner Meinung nach der Wirklichkeit in keiner Weise: „Denn
ich glaube nicht, daß je ein Mensch mehr Vergnügen daran
gefunden hat als ich, kleine Kinder herumtollen und miteinander
spielen zu sehen, und ich stehe oft auf der Straße oder auf
Spaziergängen still, ihren Streichen und kleinen Spielen mit
einer Teilnahme zuzusehen, die ich an niemandem sonst bemerke“ (2/745f).

Gerade eine Stunde vor dem Besuch des Herrn P. hatte Rousseau mit den
Kindern seines Wirts Zärtlichkeiten ausgetauscht und sich
darüber gefreut, daß sie sich bei ihm trotz seines Alters
wohlfühlten. Also schrieb er nochmals eine Rechtfertigung
hinsichtlich seiner Entscheidung, seine eigenen Kinder nicht selbst
großzuziehen: Er habe den Kindern nur ein schlimmeres Schicksal
ersparen wollen. Denn ihre Mutter hätte sie „verzogen“,
ihre Verwandten hätten „wahre
Ungeheuer aus ihnen gemacht“,
im Findelhaus würden sie „die
ihnen am wenigsten gefährliche Erziehung erhalten“.
Er würde sich auch jetzt wieder gleich entscheiden und er wisse, „daß
es keinen zärtlicheren Vater gibt, als ich es für sie
gewesen wäre, wäre die Gewohnheit nur etwas der Natur zu
Hilfe gekommen“ (2/746).

Was das heißen soll, führt Rousseau nicht näher aus. Ob
d’Alembert, der mit Denis Diderot bis Band 7 (1758) die Encyclopédie herausgegeben
hatte, die Passage aus Haß gegen Rousseau geschrieben hatte, wie
dieser meinte, sei dahingestellt. Jedenfalls war d’Alembert selbst im
Findelhaus aufgewachsen und hatte in seiner Lobrede seine eigenen
Erfahrungen verarbeitet. Die Zuschreibung des Stachels gebührt
eher Herrn P., der Rousseau „mit
außerordentlich geschäftigem Eifer“ (2/744) aufgesucht hatte, um ihm die Lobrede vorzulesen.

Daß gerade Erwachsene Kinder mitunter deshalb lieben, weil es ihnen
selbst guttut, durchschaute Rousseau: „Frau
Geoffrin lag wenig daran, ob die Kinder an ihr Vergnügen fanden,
wenn sie es nur an ihnen fand. Für mich ist ein solches
Vergnügen aber schlimmer als nichts, es ist negativ, sobald es
nicht geteilt wird, und ich bin weder in der Lage noch in den Jahren,
wo das kleine Herz eines Kindes mit dem meinigen erblühen
könnte“ (2/748).

Man darf nicht vergessen, daß Rousseau seine Entscheidung auch
bereut hat. So hatte er am 10. Oktober 1769 geschrieben: „‚Glücklich
der Mann […], der seine Kinder unter seinen eigenen Augen
aufwachsen sehen kann.'“ Und am 17. Januar 1770: „‚Das
süßeste Leben, das es geben kann, ist das des Heimes …
Nichts ist stärker, beständiger, eins mit uns als unsere
Familie und unsere Kinder … Doch ich, der ich von Familie, von
Kindern spreche … Madame, haben Sie Mitleid mit jenen, deren
eisernes Geschick sie eines solchen Glückes beraubt; haben Sie
Mitleid mit ihnen, wenn sie nur unglücklich sind, bemitleiden
Sie sie um so mehr, wenn sie schuldig sind!'“ (zit. n. Durant
16/462)

Briefe

Am meisten erfahren wir über das heikle Thema nicht in Rousseaus veröffentlichten
Werken, sondern in seinen Briefen. Am 20. April 1751 schrieb er aus
Paris an Frau von Francueil:

„Ja, Madame, ich habe meine Kinder ins Findelhaus gethan. Ich habe ihre
Erziehung der für diesen Zweck errichteten Anstalt übertragen.
Wenn mein Elend und meine Leiden mir die Befähigung entziehen,
einer so schönen Sorge obzuliegen, so ist das ein Unglück,
wofür man mich beklagen muß, und nicht ein mir
vorzuwerfendes Verbrechen. Ich bin ihnen die Subsistenz schuldig; ich
habe ihnen eine bessere oder wenigstens eine sichrere verschafft, als
die, welche ich selbst hätte geben können. Dieser Artikel
geht Allem vor. Dann kommt die Rücksicht auf ihre Mutter, die
nicht entehrt werden darf. Sie, Madame, kennen meine Lage; ich
verdiene mein Brod von einem Tag zum andern mühevoll genug. Wie
würde ich noch eine Familie ernähren? Und wenn ich
gezwungen würde, zum Schriftstellermetier zu greifen, wie könnte
ich über den häuslichen Sorgen und dem Lärm der Kinder
in meiner Spelunke die Ruhe des Geistes bewahren, welche zu einer
gewinnbringenden Arbeit erforderlich ist? Die Schriften, welche der
Hunger diktirt, tragen nicht viel ein, und diese Hülfsquelle ist
bald erschöpft. Also müßte ich zu den Protektionen
meine Zuflucht nehmen, zur Intrigue, zur Verstellung; ich müßte
mich um irgend ein niedriges Amt bewerben, es ausbeuten durch die
gewöhnlichen Mittel, denn sonst würde es mich nicht
ernähren und mir bald entzogen werden; kurz, ich müßte
mich allen Infamien hingeben, gegen die ich von einem so gerechten
Abscheu durchdrungen bin. Mich, meine Kinder und ihre Mutter von dem
Blute der Unglücklichen nähren! Nein, Madame, es ist
besser, sie sind Waisen, als wenn sie einen Schurken zum Vater
hätten.

Mit einer schmerzlichen und lebensgefährlichen Krankheit belastet, kann
ich nicht auf ein langes Dasein hoffen. Wenn ich nun auch, solang ich
lebe, diese armen Kinder erhielte, die doch eines Tages zum Leiden
bestimmt wären, so würden sie den Vortheil theuer bezahlen,
etwas zärtlicher gehalten worden zu sein, als es da geschehen
kann, wo sie jetzt sind. Ihre Mutter, das Opfer meines indiskreten
Eifers, beladen mit Schmach und Sorgen, fast ebenso kränklich
wie ich und noch weniger im Stande, sie zu ernähren, als ich,
würde gezwungen sein, sie sich selbst zu überlassen, und
ich sehe dann für sie nur die Wahl, Stiefelputzer oder Banditen
zu werden, was bald auf dasselbe hinauskommt. Wenn nur wenigstens
ihre Herkunft legitim wäre, so würden sie leichter ihr
Auskommen finden. Da sie aber zugleich die Unehre ihrer Geburt und
die ihrer Armuth zu tragen hätten, was sollte aus ihnen werden?

Warum ich mich nicht verehelicht habe, werden Sie mich fragen. Befragen Sie darüber
Ihre ungerechten Gesetze, Madame. Es konvenirte mir nicht, eine ewige
Verbindung einzugehen, und nie wird man mir beweisen, daß
irgend eine Pflicht mich dazu bestimmen müßte. Gewiß
ist, ich ging keine solche ein und will es nicht thun. Aber man muß
keine Kinder machen, wenn man sie nicht ernähren kann! Verzeihen
Sie mir, Madame, die Natur will es, da die Erde genug hervorbringt,
um alle Menschen zu ernähren; allein der Stand der Reichen, Ihr
Stand ist es, der dem meinigen das Brod meiner Kinder stiehlt. Die
Natur will auch, daß man auf ihre Erhaltung bedacht sei; das
habe ich gethan. Wenn es kein Asyl für sie gäbe, würde
ich meine Pflicht thun und mich eher dazu entschließen, selbst
Hungers zu sterben, als sie nicht zu ernähren.

Sollte das Wort ‚Findelkinder‘ einen so schrecklichen Eindruck auf Sie
machen? Als ob man diese Kinder in den Straßen fände, dem
Untergang ausgesetzt, wenn der Zufall sie nicht rettet! Seien Sie
überzeugt, Sie würden nicht mehr schaudern als ich vor dem
unwürdigen Vater, der sich zu einer solchen Barbarei
entschließen könnte; sie liegt meinem Herzen zu fern, als
daß ich Verwahrung dagegen einlegen möchte. Man hat
bestimmte Regeln; erkundigen Sie sich nach denselben, und Sie werden
erfahren, daß die Kinder nur aus den Händen der Hebefrau
kommen, um in die einer Amme zu gelangen. Ich weiß, daß
diese Kinder nicht zärtlich erzogen werden; desto besser für
sie, sie werden kräftiger dadurch; man gibt ihnen nichts
Ueberflüssiges, aber sie haben das Nothwendige. Man macht aus ihnen keine Herren, aber Ackerbauer oder Handwerker.
Ich sehe in dieser Erziehungsweise Nichts, was ich nicht für
meine Kinder wählen würde. Wenn es in meiner Macht stände,
so würde ich sie nicht durch Verweichlichung zu den Krankheiten
vorbereiten, welche die Anstrengung und die Veränderungen der
Luft für Diejenigen herbeiführen, die nicht daran gewöhnt
worden sind. Sie würden weder tanzen, noch reiten lernen, aber
sie würden gute, unermüdliche Beine haben. Ich würde
weder Schriftsteller, noch Beamte aus ihnen machen; ich würde
sie nicht üben, die Feder zu handhaben, sondern den Pflug, die
Feile oder den Hobel, Instrumente, welche ein gesundes, arbeitsames,
unschuldiges Leben führen lassen, nie zum Uebelthun gemißbraucht
werden und dem Rechthandelnden keine Feinde zuziehen. Dazu sind sie
bestimmt; durch die bäurische Erziehung, die man ihnen gibt,
werden sie glücklicher sein als ihr Vater.

Ich entbehre das Vergnügen, sie zu sehen, und habe nie das süße
Gefühl gekostet, die eigenen Kinder zu umarmen. Ach! Ich habe es
Ihnen schon gesagt, ich sehe darin nur einen Grund, mich zu beklagen,
und ich befreie sie vom Elend auf meine Kosten. So wollte Plato in
seiner Republik alle Kinder erziehen lassen; jedes sollte seinem
Vater unbekannt bleiben, und alle sollten die Kinder des Staates
sein. Aber diese Erziehung ist niedrig und gemein! Seht, das ist das
große Verbrechen! Diese Worte imponiren Ihnen wie den Andern,
und Sie sehen nicht, daß Sie, indem Sie stets den Vorurtheilen
der Welt folgen, das für die Unehre des Lasters halten, was nur
die der Armuth ist“ (S. 9-12).

Der Übersetzer der Briefe, Fr. Wiegand, hält Rousseaus Gründe
für „Scheingründe“ und weist darauf hin, daß er später ihre „Nichtigkeit“ eingesehen und gefühlt habe, „wie
Gewissensbisse quälen“ (Anm. S. 10).

Jedenfalls schrieb Rousseau am 12. Juni 1761 aus Montmorency an die Frau Marschall von Luxembourg:

„Sie sollen wissen, daß ich seit sechzehn Jahren mit diesem armen
Frauenzimmer, welches mit mir zusammenwohnt, ganz intim gelebt habe.
– Aus dieser Verbindung sind fünf Kinder hervorgegangen, welche
alle ins Findelhaus gethan worden sind, und zwar mit so wenig
Vorsorge, sie eines Tags wiederzuerkennen, daß ich nicht einmal
das Datum von ihrer Geburt aufgehoben habe. Seit mehreren Jahren
stören die Gewissensbisse von dieser Vernachlässigung die
Ruhe meiner Seele, und zu meinem und der Mutter tiefstem Bedauern
werde ich sterben, ohne das Vergehen gut machen zu können. Nur
in die Windeln des Erstgebornen ließ ich eine Marke thun, deren
Duplikat ich aufbewahrt habe. Die Geburt geschah, glaube ich, im
Winter von 1746 auf 47, oder etwas später. Das ist alles, woran
ich mich erinnere. Wenn es ein Mittel gäbe, dieses Kind
wiederzufinden, so würde seine Mutter dadurch glücklich
gemacht werden; allein ich verzweifle daran, und ich nehme diesen
Trost nicht mit mir. Die Gedanken, mit denen mich mein Vergehen
erfüllte, haben zum großen Theil dazu beigetragen, mich
zur Ausarbeitung meiner Abhandlung von der Erziehung zu bewegen, und
Sie werden im ersten Buche derselben eine darauf bezügliche
Stelle finden [„Emil“,
s.u.].
Ich habe die Mutter nicht geheirathet, und ich war nicht dazu
verpflichtet, da ich ihr, bevor ich mich mit ihr verband, erklärt
habe, daß ich sie nie heirathen würde; aber übrigens
habe ich sie immer wie meine Frau geliebt und geehrt, wegen ihres
guten Herzens, ihrer beispiellosen Uneigennützigkeit und ihrer
makellosen Treue, gegen die sie mir auch nicht zu dem geringsten
Verdacht Anlaß gab. Dies, Frau Marschallin, ist der gerechte
Grund meiner Besorgnisse über das Schicksal dieser Armen, wenn
sie mich verloren haben wird. Ja, ich müßte, wenn ich
weniger Vertrauen zu Ihrer Freundschaft für mich und zu der des
Herrn Marschalls hätte, im tiefsten Schmerz über ihre
Verlassenheit scheiden; aber ich vertraue sie Ihnen an und werde in
dieser Hinsicht in Frieden sterben“ (S. 92f).

Daß Thérèse Rousseau später doch untreu wurde, zeigt
der Tagebucheintrag von James Boswell (1740-1795) vom 12. Februar
1766, der sie zu ihrem „Mann“ nach England brachte: „‚Bin
gestern morgen sehr früh zu Bett gegangen und hatte es einmal
getan; dreizehn im ganzen. War wirklich leidenschaftlich zu ihr. Um
zwei Uhr [morgens] schlich ich mich hinaus.‘ Am gleichen Abend
brachte er Thérèse zu Hume in London und versprach ihr,
‚die affaire nicht
zu erwähnen bis nach ihrem Tode oder dem des Philosophen‘. Am
13. Februar ‚übergab er sie‘ Rousseau“
(Durant 15/246).

An einem Donnerstag im Jahr 1757 schrieb Rousseau an Frau von Epinay
„über das, was ich von der Freundschaft verlange und was
man von mir zu erwarten hat.“ Er nannte seine Prinzipien
„Maximen“ (S. 54), die in seinem Charakter gründeten.
Deshalb wollte er sie nicht ohne weiteres abändern.

Da sich Rousseaus Ausführungen über einen weiteren undatierten Brief an
dieselbe Adressatin erstrecken und insgesamt mehrere Seiten umfassen
(S. 54-57), versuche ich es kurz zu machen:



  1. In einer Freundschaft sollen beide Beteiligten einander die Freiheit lassen.
  2. Freunde dürfen einander alles sagen.
  3. Wer seinen Freund verachtet, soll ihn verlassen.
  4. Freunde sind durch Liebe, nicht durch Dienstleistungen verbunden.
  5. Wer einen Streit anfängt, soll ihn auch beenden.
  6. Kleinigkeiten sollen Freunde übergehen.
  7. Freunde sollen nach Pythagoras „nie das Feuer mit dem Schwerte schüren“ (S. 56), d.h. lieber schweigen als einen Streit vom Zaun brechen.
  8. Man soll die Freundschaft nicht durch Förmlichkeiten verderben.
  9. Die Anwesenheit eines Freundes verscheucht jeden Verdruß.

In Rousseaus Brief an Lord George Keith vom 17. März 1763 stehen noch Ausführungen über die Ehe: Freundschaft ist dauerhafter, Vertrauen wertvoller
als die Liebe. Das wahre Glück finden wir in uns, nicht draußen (S. 147).

Emil oder Über die Erziehung (1762)

Zunächst die im Brief an Frau Marschall von Luxembourg erwähnte Stelle über die elterliche Erziehung der Kinder:

„Wir dürfen uns nicht wundern, wenn ein Mann, dessen Frau es ablehnt, die Frucht
ihrer Vereinigung zu ernähren, seinerseits ablehnt, sie zu
erziehen. Es gibt kein lieblicheres Bild als das der Familie. Ein
falscher Strich aber verdirbt alle anderen. Ist die Mutter zu
schwach, das Kind zu ernähren, so ist der Vater zu beschäftigt,
es zu erziehen. Die Kinder, aus dem Hause gegeben, in Pensionaten,
Klöstern und Internatsschulen verstreut, wenden ihre Liebe vom
Elternhaus ab, oder besser gesagt, sie gewöhnen sich daran, an
nichts gebunden zu sein. Die Geschwister kennen einander kaum. Führt
sie ein Familienfest zusammen, so werden sie sehr höflich
zueinander sein, aber sie behandeln sich wie Fremde. Gibt es keine
Vertrautheit mehr zwischen den Eltern und keine Gemeinsamkeit in der
Familie, so hält man sich an schlechten Sitten schadlos. So dumm
ist keiner, diese Zusammenhänge nicht zu erkennen.

Wenn ein Vater nur Kinder zeugt und ernährt, so erfüllt er nur ein Drittel
seiner Pflicht. Dem Geschlecht schuldet er Kinder, der Gesellschaft
gemeinschaftsfähige Menschen und dem Staat Bürger. Jeder,
der diese dreifache Schuld zahlen kann, und nicht zahlt, ist
schuldig, und noch schuldiger vielleicht, wenn er nur zur Hälfte
zahlt. Wer nicht seine Vaterpflichten erfüllen kann, hat nicht
das Recht, Vater zu werden. Weder Armut, noch Arbeit, noch
Rücksichten entbinden ihn der Pflicht, seine Kinder zu ernähren
und zu erziehen. Ich sage jedem, der ein Herz hat und trotzdem diese
heilige Pflicht verletzt, voraus, daß er seine Fehler bitter
bereuen und sich niemals darüber trösten wird.

Aber was tut denn dieser reiche Mann, dieser angeblich so überlastete
Familienvater, der seine Kinder im Stich lassen muß? Er bezahlt
einen anderen, die Mühen auf sich zu nehmen, die er tragen
müßte. Glaubst du, feile Seele, für dein Geld deinem
Sohn einen Vater kaufen zu können? Täusche dich nicht!
Nicht einmal einen Herrn kannst du ihm dafür kaufen, nur einen
Knecht. Und der wird aus ihm den zweiten machen“ (S. 23).-

Aus seiner Auffassung, daß der Mensch an sich gut sei, schließt
Rousseau, daß er durch die Erziehung verdorben werde. Das hatte
er schon in seiner „Abhandlung
über die Wissenschaften und Künste“ (1749/50) dargelegt, mit der er für einen Wettbewerb folgende
Preisfrage beantwortet hatte: „Hat
die Wiederherstellung der Wissenschaften und der Künste etwas
dazu beigetragen, die Sitten zu läutern oder zu verderben?“ (Schriften 1/31)

Rousseaus provokative Antwort: Sie haben Sitten und Moral verdorben. Daraus
folgt laut „Emil“ für die Erziehung, daß sie vor allem Schaden vermeiden soll: Es sei
besser, die Kinder vor Lastern zu schützen als ihnen Tugenden
einzuimpfen, es sei besser, sie vor Irrwegen zu bewahren als ihnen
Wahrheiten einzutrichtern. In dem Augenblick, in dem ein Kind
erkennen könne, was wahr und gut sei, werde es das auch
umsetzen. Predigten seien zwar ein gutes „Schlafmittel“.
Doch gerade aus diesem Grund solle man sie tagsüber nicht
einsetzen (S. 116). „Denn unsere wahren Lehrmeister sind die Erfahrung und das Gefühl“ (S. 173).

Am Schluß des Werks sagt Emil zu seinem Lehrer: „Gott
möge verhüten, daß ich Sie auch den Sohn erziehen
lasse, nachdem Sie den Vater aufgezogen haben“ (S. 530).

„Wie kühn Rousseaus Thesen zu ihrer Zeit waren, kann heute, da sie
zum großen Teil praktisch verwirklicht sind, kaum noch
nachempfunden werden. Seine Idee, die Eigenart der kindlichen Psyche
systematisch zu erforschen und die experimentelle Methode auf den
Bereich der Erziehung zu übertragen, leitete eine Revolution der
Pädagogik ein“ (Redaktion Kindlers Literatur Lexikon, in: Kindlers neues
Literatur-Lexikon 14/391).

Will und Ariel Durant sehen die Erziehungsideale im „Emil“
eher pessimistisch: „Da
er selbst nie Kinder aufgezogen hat, weiß er nicht, daß
ein durchschnittliches Kind von ‚Natur‘ ein eifersüchtiger,
habsüchtiger, herrschsüchtiger kleiner Dieb ist. Wenn wir
warten, bis es Disziplin ohne Gebote lernt und Fleiß ohne
Unterweisung, wird es sich auswachsen zu einem indolenten, haltlosen
und anarchischen Schädling, ungewaschen, ungekämmt und
unerträglich“ (15/221).

Mag Rousseau auch nicht gewußt haben, wie ein „durchschnittliches
Kind“ ist, so erinnerte er sich doch an die eigene Kindheit:

„Ich hatte die Unarten meines Lebensalters: ich war ein Plappermaul, ein
Vielfraß und manchmal auch ein Lügner. Ich würde auch
Früchte, Süßigkeiten und Leckerbissen gestohlen
haben, niemals aber habe ich Vergnügen daran gefunden, Böses
zu tun, Schaden anzurichten, andere zu bezichtigen oder arme Tiere zu
quälen. Nichtsdestoweniger entsinne ich mich, einmal in den
Kochtopf einer unserer Nachbarinnen, die Frau Clot hieß, gepißt
zu haben, während sie in der Kirche war. Ich gestehe sogar, daß
diese Erinnerung mich noch heute zum Lachen bringt, denn die übrigens
sonst ganz gute Frau Clot war das brummigste alte Weib, dem ich in
meinem ganzen Leben begegnet bin. Dias ist die kurze und wahrhaftige
Geschichte aller meiner kindlichen Missetaten“
(Bekenntnisse S. 43f).

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Julie oder Die neue Heloise (1761)

Es handelt sich um einen Briefroman, dem Rousseaus (im Roman: Saint-Preux) unglückliche
Liebe zu Madame d’Houdetot (im Roman: Julie) zugrundeliegt. Außer
ihrem Verehrer Rousseau hatte sie noch einen von ihr verlassenen
Gatten und einen Liebhaber namens Marquis de Saint Lambert (im Roman:
Wolmar), die beide im Krieg waren.

Am 24. Juni 1761 schrieb Rousseau über Wolmar an den Genfer Pastor
Jacob Vernes, der den „Emil“
ablehnte: „Sein Zweck war, die entgegengesetzten Parteien durch
wechselseitge Achtung einander zu nähern; den Philosophen zu lehren, daß man an Gott glauben kann, ohne ein Heuchler zu
sein, und den Gläubigen,
daß man ungläubig sein kann, ohne ein Schurke zu sein. Die
fromme Julie ist eine Lehre für die Philosophen, der Atheist
Wolmar ist eine für die Unduldsamen.“ Am Schluß des
Romans werde übrigens „seine Bekehrung […] mit einer
Klarheit angedeutet, welche keine weitere Entwicklung gestattete,
ohne in eine Kapuzinerpredigt auszuarten“ (S. 93f).

Der Erfolg des Romans ist heute kaum begreiflich. Die Prinzessin von
Talmont versäumte wegen ihm einen Opernball, für den sie
schon angekleidet war, weil sie die ganze Nacht durchlas. Erst um
vier Uhr in der Früh ließ sie die bereitgestellte Kutsche
wieder ausspannen und las dann weiter. Am 19. November 1760 schrieb
Rousseau an den aufklärerischen Philosophen Charles Pinot
Duclos, er glaube, „daß
diese Lektüre für Mädchen sehr gefährlich ist“ (S. 89). Andererseits konnte ein Voltaire den Roman nur verspotten
und verhöhnen. Viele Zeitgenossen hielten das Werk für
schlecht.

Julie vertritt hier Rousseaus Ansichten über Erziehung. Ein Beispiel: „Indem
man vom frühesten Kindesalter an eine Sprache mit ihnen redet,
die sie nicht verstehen, so gewöhnt man sie daran, sich mit
Worten abspeisen zu lassen, andere damit abzuspeisen, alles, was man
ihnen sagt, zu überprüfen, sich für ebenso weise zu
halten als ihre Lehrmeister, streitsüchtig und widerspenstig zu
werden; und alles, was man von ihnen durch vernünftige
Beweggründe zu erlangen glaubt, erlangt man in der Wirklichkeit
nur durch die Beweggründe der Furcht oder der Eitelkeit, die man
stets gezwungen ist, den andern hinzuzufügen“ (S. 590).

Der Tenor des Romans ist derselbe wie in der (früheren) „Abhandlung
über die Wissenschaften und Künste“
und im „Emil“ (der Rousseau „zwanzig Jahre Nachdenken
und drei Jahre Arbeit“ gekostet hat, zit. n. Bekenntnisse 542):
„Die Natur hat alles aufs beste eingerichtet; aber wir wollen es
besser machen und verderben alles“ (S. 640). „Das wahre
Buch der Natur ist für mich das menschliche Herz“ (S. 691).
In ihm gilt es zu lesen, nicht in Büchern …

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Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts (1762)

Das ist Rousseaus bekanntestes Werk. Er schrieb es 1754, überarbeitete
es 1758 und veröffentlichte es erst 1762, also im selben Jahr
wie den „Emil“.
Es „gehört zu den wichtigsten Veröffentlichungen der
neuzeitlichen Staatsphilosophie überhaupt“ (Maximilian
Forschner, in: Kindlers neues Literatur-Lexikon 14/388).

Was Rousseau will, schreibt er gleich im ersten Satz des ersten von vier
Büchern: „Ich will untersuchen, ob es in der bürgerlichen
Ordnung irgendeine rechtmäßige und sichere Regel für
das Regieren geben kann“ (S. 5). „Leitend ist die Frage,
wie das Postulat unverzichtbarer menschlicher Freiheit mit dem
Erfordernis politischer Herrschaft zu vereinen ist“ (Forschner,
a.a.O. 14/388).

Am 30. Mai 1762 schrieb Rousseau an Paul Moultou, er ziehe im „Gesellschaftsvertrag“ „offen die Aristokratie jeder andern Regierung vor“ (Briefe
S. 104). In seinem undatierten Brief an einen gewissen Marcet heißt es, „daß die aristokratische Verfassung die beste von allen ist“ (ebd. S. 117).

Tatsächlich meinte er aber im „Gesellschaftsvertrag“, die Demokratie sei zu gut für die Menschen: „Wenn es ein Volk von Göttern
gäbe, würde es sich demokratisch regieren. Eine so vollkommene Regierung paßt für Menschen nicht“ (S. 74).

Der Einfluß des Werks auf die Französische Revolution darf nicht übertrieben werden. Zwar wollten die Jakobiner einiges von ihm umsetzen, „so
z. B. die vollständige Übertragung der Rechte des Individuums im Gesellschaftsvertrag an den Staat, die Allmacht des Gesetzes als Ausdruck der volonté
générale
, den Kult des höchsten Wesens und die Festschreibung bestimmter Dogmen im Sinn der religion civile, die in schlichten Bürgerfesten sich organisierende Vaterlandsliebe, die moralistische Unerbittlichkeit der Bürgertugend.“ Doch „ist die (verbreitete) Meinung überzogen, Rousseaus Contrat
social
habe Anfang und Verlauf der Französischen Revolution wesentlich beeinflußt“ (Forschner, a.a.O. 14/389).

Rousseau im Urteil seiner Interpreten

Kant rechnete Rousseau in seinem „Versuch
über die Krankheiten des Kopfes“ „unter
die Doktoren der Sorbonne“
(II 896). Über der Lektüre des „Emil“ versäumte
er sogar seinen täglichen Spaziergang. Rousseaus Meinung über
die Frauen, nämlich, daß sie kaum mehr als große
Kinder seien, teilte er in seinen „Beobachtungen über das
Gefühl des Schönen und Erhabenen“ allerdings nicht.
Kant verstand Rousseaus Standpunkt dahingehend, daß dieser „als
ein so großer Verteidiger des schönen Geschlechts“ in
Frankreich darüber entrüstet gewesen sei, „daß
man demselben nicht mit mehr wirklicher Achtung daselbst begegnet“
(II 873). Im Klartext: Kant achtete die Frauen weniger als Rousseau
es tat. Tatsächlich sprach er mit ihnen nur über das Kochen
und die Haushaltsführung.

In „Mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte“
formulierte Kant die folgende Theorie ganz im Geiste Rousseaus: „Die
Geschichte der Natur fängt also vom Guten an, denn sie ist das Werk
Gottes
; die Geschichte der Freiheit vom Bösen, denn sie ist Menschenwerk.
[…] Auf diese Weise kann man auch die so oft gemißdeuteten,
dem Scheine nach einander widerstreitenden Behauptungen des berühmten J.
J. Rousseau unter sich und mit der Vernunft in Einstimmung bringen“ (XI 93).
Auch darin stimmte Kant mit Rousseau überein, daß er in
derselben Schrift die Gleichheit der Menschen vertrat, „und zwar
nicht die der Naturgaben oder Glücksgüter, sondern des
allgemeinen Menschenrechts derselben“ (XI 95).

In der „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ meinte Kant
zu Rousseaus Pädagogik: „Rousseau wollte im Grunde nicht,
daß der Mensch wiederum in den Naturzustand zurückgehen,
sondern von der Stufe, auf der er jetzt steht, dahin zurücksehen sollte. Er nahm an: der Mensch sei von Natur (wie
sie sich vererben läßt) gut, aber auf negative Art,
nämlich von selbst und absichtlich nicht böse zu sein,
sondern nur in Gefahr, von bösen oder ungeschickten Führern
und Beispielen angesteckt und verdorben zu werden. Da nun aber hiezu
wiederum gute Menschen erforderlich sind, die dazu selbst haben erzogen werden
müssen und deren es wohl keinen geben wird, der nicht (angeborne
oder zugezogene) Verdorbenheit in sich hätte: so bleibt das
Problem der moralischen Erziehung für unsere Gattung,
selbst der Qualität des Prinzips, nicht bloß dem Grade
nach, unaufgelöst; weil ein ihr angeborner böser Hang wohl
durch die allgemeine Menschenvernunft getadelt, allenfalls auch
gebändigt, dadurch aber doch nicht vertilgt wird“ (XII
681).

Hegel betrachtete in seinen „Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie“
Hume und Rousseau als „die beiden Ausgangspunkte der deutschen
Philosophie“ (20/311). Rousseau habe „in der Freiheit schon
das Absolute aufgestellt“ (20/331).

In „Denker des Abendlandes“ schrieb Russell über Rousseau: „Im strengen Sinne des Wortes war er,
ausgenommen vielleicht seine politischen und pädagogischen
Werke, kein Philosoph“ (S. 320).

In seiner früher verfaßten, umfangreicheren „Philosophie
des Abendlandes“ war Russell präziser: Rousseau sei, „wenn
auch ein ‚philosophe‘ im
Sinne des achtzehnten Jahrhunderts, kein ‚Philosoph‘ nach heutiger
Auffassung. […] Er appellierte vor allem an das Herz und an
das, was man damals ‚Empfindsamkeit‘ nannte; darin lag in der
Hauptsache seine Bedeutung. Er ist der Vater der romantischen
Bewegung, der Initiator von Gedankensystemen, die von menschlichen
Gefühlen auf nicht-menschliche Tatsachen schließen, und
der Erfinder der politischen Philosophie pseudo-demokratischer
Diktaturen im Gegensatz zu traditionellen absoluten Monarchien.
Seither haben die Menschen, die sich für Reformatoren hielten,
stets zwei unterschiedlichen Gruppen angehört: die einen folgten
Rousseau, die anderen Locke. […] In unserer Zeit war Hitler
eine Folgeerscheinung Rousseaus; hinter Roosevelt und Churchill stand
der Geist Lockes“ (S. 693).

Da Russells letzter
Satz, besonders die erste Hälfte, einigermaßen erstaunlich
klingt, kümmere ich mich ein wenig um die Rezeption von Rousseau
durch die Nationalsozialisten:

Alfred Rosenberg meinte in seinem „Mythus des 20. Jahrhunderts“: „So
sehr nun aber auch unsere heutige Charakterologie und
Leib-Seele-Einheitslehre von der naiven Naturschwärmerei
Rousseaus und Tolstois sich unterscheidet, so ist beiden Bewegungen
doch zweierlei gemeinsam: ein Kulturpessimismus und ein rührender
Glaube an die ‚Weltsicherheit‘ des vom ‚Geist‘ noch unverdorbenen
Menschen“ (S. 139).

Im Register zu Hitlers „Mein Kampf“ fehlt Rousseau. Dafür finden wir
dort die drei Revolutionäre Danton, Marat und Robespierre. Auch
in den Registern zu „Hitlers Tischgesprächen im
Führerhauptquartier“ (hg. v. Henry Picker) und zur
fünfbändigen Auswahl der Tagebücher von Goebbels ist
Rousseau nicht zu finden.

Hitler lehnte Rosenbergs „Mythus“ ab (vgl. das Tischgespräch am
Abend des 11.4.1942), doch zwischen 1919 und 1921 hat er viele Bücher
ausgeliehen, darunter eines mit „Gedanken von Montesquieu und
Rousseau“. „Er kann sie unmöglich alle gelesen haben“
(Orzechowski 117). Hitler ging eben auf seine Art mit Büchern
um: Er benutzte sie als Steinbrüche für seine eigene
Weltanschauung (vgl. „Mein Kampf“ S. 36ff).

Im Register zu Houston Stewart Chamberlains „Grundlagen des
neunzehnten Jahrhunderts“ sind unter dem Stichwort Rousseau 15
Seitenzahlen genannt. Chamberlain teilt Rousseaus Kulturpessimismus
nicht, d. h., er sieht keine Veranlassung „Jean Jacques
Rousseau’s Gebet nachzusprechen: ‚Allmächtiger Gott, erlöse
uns von den Wissenschaften und verderbenbringenden Künsten
unserer Väter! Gieb uns die Unwissenheit, die Unschuld und die
Armut wieder als die einzigen Güter, aus welchen uns Glück
entstehen kann, und welche vor deinem Angesichte Wert besitzen!'“
(S. 37)

Andererseits schreibt er an einer anderen Stelle: „Rousseau’s Wort ‚il
n’y a que de grandes passions qui fassent de grandes choses‘
[große Dinge entstehen nur durch große Leidenschaften],
ist wahrscheinlich nicht so allgemein wahr als er glaubte, doch gilt
es uneingeschränkt für uns Germanen“ (S. 902).

Und: „Mit Recht unterscheiden Diderot und Herder scharf zwischen
Genie und dem bedeutendsten Talent. Ähnlich trennt auch Rousseau
das Genie von Talent und Geist, doch, seiner Art gemäss, mehr
subjektiv, indem er meint, wer nicht selber Genie besitze, werde nie
begreifen, worin Genie bestehe. […] Ausserdem hat Rousseau
eine ganze Schrift dem Helden [im Original gesperrt] gewidmet, und dieser ist der Bruder des
Genies, gleich ihm ein Triumph der Persönlichkeit; die
Verwandtschaft zwischen beiden deutet Schiller an, indem er die Ideen
des Genies als ‚heldenmässige‘ bezeichnet. ‚Ohne Helden kein
Volk!‘ ruft Rousseau aus und verleiht dadurch germanischer
Weltauffassung kräftigen Ausdruck“ (S. 1068f).

Doch Chamberlain lehnte alle Arten von Gefolgschaften ab: Die Anerkennung eines Mannes
als Prophet sei „semitisch, nicht germanisch […]. Wer
wahre Ehrfurcht vor hervorragender geistiger Grösse empfindet,
wird nie ein Parteigänger sein; er lebt ja in der hohen Schule
der Unabhängigkeit“ (S. 1125).

Chamberlains Etikettierungen passen mit der Wirklichkeit leider nicht zusammen:
Wer das Alte Testament kennt, weiß daß die Juden oft nicht auf
ihre Propheten hörten, und wer in der Schule halbwegs aufgepaßt
hat, weiß, daß der Antisemit Hitler das angeblich
semitische Führerprinzip verwirklichte. Das ist ein winziges
Beispiel für den nationalsozialistischen Irrsinn. Immerhin hat
meine kleine Recherche gezeigt, daß Russell schon einen
richtigen Riecher hatte.

Daß Kant Rousseau als Menschenrechtler, Hegel ihn als
Freiheitsverfechter, Russell ihn dagegen als diktatorischen
Pseudodemokraten sah, liegt nicht nur an den Interpreten, sondern
auch an Rousseau selbst. Der Erzieher, den er im „Emil“
schildert, ist ein absoluter Diktator. Einige Beispiele:

„Ich überliste seine Sinne durch andere sinnenvolle Gegenstände; ich lenke
seinen Geist von dem Lauf ab, den er nehmen möchte, indem ich
ihm eine andere Richtung gebe: ich halte die Phantasie auf, indem ich
seinen Körper schwerer Arbeit unterwerfe. Wenn die Hände
hart schaffen, ruht die Phantasie; wenn der Körper müde
ist, bleibt das Herz kalt“ (S. 342f).

Emil „braucht eine neue Beschäftigung, die ihn durch ihre Neuheit
interessiert, die ihn in Atem hält, die ihm gefällt, die
ihn fesselt und anstrengt, eine Beschäftigung, die ihn
begeistert und die ihn ganz gefangennimmt. Die einzige, die mir alle
diese Bedingungen zu erfüllen scheint, ist die Jagd. […]
Die Jagd härtet das Herz ebenso ab wie den Körper; Blut und
Grausamkeit wird zur Gewohnheit. Man hat aus der Diana die Feindin
der Liebe gemacht. Die Allegorie stimmt: Liebessehnsucht entsteht nur
bei süßem Nichtstun; angestrengte Körperbewegung
erstickt die zarten Empfindungen“ (S. 343).

„Was ist denn die wirkliche Liebe anderes als Sinnestäuschung, Lüge,
Einbildung? Man liebt viel mehr das Bild, das man sich macht, als den
Gegenstand, auf den man es bezieht. Wenn man das, was man liebt,
genauso sähe, wie es ist, so gäbe es keine Liebe mehr auf
Erden. Wenn man aufhört zu lieben, bleibt die Person, die man
liebte, die gleiche wie vorher, aber man sieht sie anders. Der
Schleier der Verklärung fällt und die Liebe schwindet“
(S. 354).

„In der Tat lasse ich ihm scheinbar seine Unabhängigkeit, niemals war er mir
aber besser unterworfen; denn er ist es, weil er es will. Solange ich
nicht Herr seines Willens war, war ich Herr seiner Person; ich
verließ ihn keinen Schritt. Jetzt überlasse ich ihn
manchmal sich selbst, weil ich ihn immer beherrsche“ (S. 358).

„Der Zögling darf nichts ohne Wissen und Willen des Lehrers tun, selbst wenn es
unrecht ist; es ist hundertmal besser, wenn der Erzieher einen Fehler
billigt und sich täuscht, als daß er von seinem Schüler
getäuscht wird und der Fehler geschieht ohne sein Wissen“
(S. 360).

Im Hinblick auf den „Gesellschaftsvertrag“ haben sich gar
„zwei entgegengesetzte Interpretationstraditionen […]
fest etabliert: Die eine liest in ihm die Verteidigung menschlicher
Freiheit, die Apologie direkter Demokratie, die Forderung
gesellschaftlicher Gleichheit, das Plädoyer für ein
nichtkompetitives, einfaches, solidarisches Bürgertum; die
andere findet vorwiegend Züge, die in das Bild eines totalitären
Konzepts politischer Herrschaft sich fügen; (noch) in der
Minderzahl ist eine dritte Gruppe von Interpreten, die im Contrat
social
aus
der geschichtsphilosophischen Perspektive Rousseaus einen mit
begrifflichen Mitteln neuzeitlicher politischer Theorie formulierten
Abgesang auf eine (vor allem in der griechischen und römischen
Antike) gelungene politische Existenzform des Menschen sehen“
(Forschner, a.a.O. 14/389).

Will und Ariel Durant zählen in den Kapiteln über Rousseau
(15/15-52.181-250 und 16/461-472) genüßlich die
Widersprüchlichkeiten innerhalb von Rousseaus Werken und
zwischen seinen Lehren und seinen Taten auf: Er warb um eine
verheiratete Frau, klagte aber die mangelnde öffentliche Moral
an; er schrieb Theaterstücke, giftete aber gegen die Bühne;
in dem einen Werk predigte er Individualismus, in dem andern
Gesetzestreue und Gemeinschaftssinn; einerseits trat er für die
politische Freiheit ein, andererseits gab er den Polen
stockkonservative Ratschläge für eine Regierungsreform;
zuerst griff er das Privateigentum an, später hieß er den
Feudalismus gut; er war gegen die Leibeigenschaft, doch wollte er sie
erst abschaffen, wenn die Leibeigenen gut erzogen waren. Er empfahl
anderen Menschen Religion, bekannte sich selber aber zu keiner.

Einerseits bestritt Rousseau alle Widersprüchlichkeiten (das ist nicht schwer, da er
seine Aussagen ja zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen
Zusammenhängen machte), andererseits meinte er, daß er
nicht so klug sei wie diejenigen, die seinen „Gesellschaftsvertrag“
wirklich verstünden …

Die zweite Hälfte von Russells Einschätzung im Hinblick auf John Locke (1632 –
1704) ist leichter nachvollziehbar: In seinem „Brief über
Toleranz“ (1689) trat Locke für die Trennung von Staat und
Kirchen ein. Seine Forderung der Toleranz galt gegenüber
abweichenden Religionsbekenntnissen, nicht gegenüber Atheisten,
denen er unterstellte, daß sie „Versprechen, Verträge
und Eide“ mißachten würden (S. 95). Als Kirche
betrachtete Locke jede Versammlung von zwei oder drei Personen in
Jesu Namen (vgl. Mt 18,20). Im Hinblick auf die etablierten Kirchen
plädierte er für freie Wahl der Kirche und die Möglichkeit
des Austritts ohne irgendwelche negative gesellschaftliche
Konsequenzen. Die Anwendung von Gewalt räumte er nur dem Staat
ein, und zwar ausschließlich zu dem Zweck, Leben oder Eigentum
seiner Bürger zu sichern. Die Kirchen sollten sich darauf
beschränken, ihre Anhänger zu überzeugen, sie
aufzufordern, sie zu ermahnen, ihnen zu raten und, falls das alles
nichts nütze, sie auszuschließen. Zwingen dürften sie
in Glaubensangelegenheiten nicht, da ein derartiger Zwang nur
Heuchelei produziere, und was wäre denn das für ein Gott,
der dadurch zufriedengestellt werden könne!

Literaturverzeichnis

CHAMBERLAIN,
Houston Stewart: Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts, 2 Bände
(durchlaufende Seitennummerierung), München 201935

DURANT, Will und Ariel: Kulturgeschichte der Menschheit (The Story of Civilization), 18 Bände, Köln 1985; Band 15: Europa und der Osten im
Zeitalter der Aufklärung, Band 16: Am Vorabend der Französischen Revolution, beide übersetzt von Leopold Voelker

GODMAN, Peter: Die geheimen Gutachten des Vatikan – Weltliteratur auf dem Index, Wiesbaden 2006

GOEBBELS, Joseph: Tagebücher, hg. v. Ralf Georg Reuth, 5 Bände, München/Zürich 1992

HEGEL, Georg Wilhelm Friedrich: Werke, 20 Bände, Register von Helmut Reinicke, Frankfurt am Main 11986

HITLER, Adolf: Mein Kampf, o. O. o. J.

HOLMSTEN, Georg: Jean-Jacques Rousseau mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt, Reinbek bei Hamburg 1988

KANT, Immanuel: Werkausgabe, hg. v. Wilhelm Weischedel, 12 Bände, Frankfurt am Main 1974-1988 (Bei den Zitaten habe ich gesperrt gedruckte Wörter im Kursivdruck
wiedergegeben.)

KINDLERS NEUES LITERATUR-LEXIKON, hg. v. Walter Jens, 21 Bände, München 1996

LOCKE, John: Ein Brief über Toleranz (A Letter concerning Toleration), Englisch-deutsch, Übersetzung von Julius Ebbinghaus, Hamburg
1957

MEYERS ENZYKLOPÄDISCHES LEXIKON, 25 Bände, Mannheim/Wien/Zürich 91980/81

ORZECHOWSKI, Peter: Schwarze Magie – Braune Macht, Ravensburg o. J.

PICKER, Henry: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier – Entstehung, Struktur, Folgen des Nationalsozialismus, Berlin 21997

ROSENBERG, Alfred: Der Mythus des 20. Jahrhunderts – Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit, München 49/501935

ROUSSEAU, Jean-Jacques: Bekenntnisse (Confessions, 1781), aus dem Französischen von Ernst Hardt, Frankfurt am Main 11985


  • Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts (Du contract social; ou principes du droit politique, Amsterdam 1762), Übersetzung von Hans Brockard und Eva Pietzcker, Stuttgart 1986
  • Julie oder Die neue Héloise – Briefe zweier Liebenden aus einer kleinen Stadt am Fuße der Alpen (Lettres de deux amans, habitans d’une petite ville au pied des Alpes, 1761), Übersetzung von Johann Gottfried Gellius, München 1988
  • Emil oder Über die Erziehung (Émile ou de l’éducation, 1762), Übersetzung von Ludwig Schmidts, Paderborn/München/Wien/Zürich 81987
  • Schriften, hg. v. Henning Ritter, 2 Bände, Frankfurt am Main 1988

ROUSSEAU’S
AUSGEWÄHLTE BRIEFE, aus
dem Französischen von Fr. Wiegand, Leipzig o. J. [ca. 1890] (Bei
den Zitaten habe ich gesperrt gedruckte Wörter im Kursivdruck
wiedergegeben.)

RUSSELL,
Bertrand: Denker des Abendlandes – Eine Geschichte der
Philosophie (Wisdom
of the West
,
London 1959), aus dem Englischen von Károly Földes-Papp,
München 51997



  • Philosophie des Abendlandes (A History of Western Philosophy,
    London 1945), aus dem Englischen von Elisabeth Fischer-Wernecke und
    Ruth Gillischewski, durchgesehen von Rudolf Kaspar, München/Zürich
    2004

SCHWEIZER, Frank:
Nur einer hat mich verstanden … Philosophenanekdoten,
Stuttgart 2006

VOLPI, Franco/NIDA-RÜMELIN, Julian (Hg.): Lexikon der philosophischen
Werke, Stuttgart 1988

WEISCHEDEL, Wilhelm: Die philosophische Hintertreppe – 34 große
Philosophen in Alltag und Denken, München 121984

WOLF, Hubert: Index – Der Vatikan und die verbotenen Bücher,
München 12007

Gunthard Heller

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