Hannah Arendt und das Böse - Lektüretips

Hannah Arendt (1906-1975) hielt sich nicht für eine Philosophin, sondern bezeichnete ihr Fachgebiet im Fernsehgespräch mit Günter Gaus als "politische Theorie" (in: Ich will verstehen, S. 44). Ihr wesentliches Anliegen war das "Verstehen" (ebd. S. 46).

Wer nur ihre politischen Schriften (z. B. "Was ist Politik?", "Übungen im politischen Denken I/II", "Über die Revolution") liest, kennt Arendt jedoch nicht ganz. Was sie für ein Mensch war, zeigen ihre Briefwechsel: In ihren Briefen an ihren zweiten Mann Heinrich Blücher erfahren wir sie als liebende Frau, die vor Leben und Zärtlichkeit sprüht, in ihren Briefen an Karl Jaspers als zeitkritische Philosophin (der Briefwechsel mit Mary McCarthy lohnt die Lektüre nicht).

In ihren biographischen Porträts ("Rahel Varnhagen", "Menschen in finsteren Zeiten") erleben wir Arendt als Menschenkennerin. Ihre eigentlichen philosophischen Werke ("Vita activa", "Vom Leben des Geistes") sind unsagbar trocken und langweilig.

Hannah Arendt über das Böse Antisemitismus TotalitarismusIm vorliegenden Aufsatz beschränke ich mich auf Arendts Auseinandersetzung mit dem Bösen, das heißt konkret: mit dem Antisemitismus und dem Totalitarismus in der Gestalt von Nationalsozialismus und Stalinismus.

Arendt, jüdischer Herkunft, schrieb aus persönlicher Betroffenheit heraus über die Nationalsozialisten: 1933 wurde sie von der Berliner Gestapo verhaftet, weil sie den Zionisten half, antisemitische Veröffentlichungen zu sammeln. Nach ihrer Freilassung floh sie über Prag, Genua und Genf nach Paris. 1937 verlor sie die deutsche Staatsangehörigkeit. 1938/39 arbeitete sie für die Pariser Jewish Agency. 1940 wurde sie im KZ Gurs (Südfrankreich) interniert, aber nach fünf Wochen wieder freigelassen. 1941 reiste sie mit Blücher und ihrer Mutter über Lissabon in die USA (vgl. Heuer).

1. "Über das Böse" (1965)

In dieser Ethikvorlesung stellte Arendt fest: "Das größte begangene Böse ist das Böse, das von Niemanden getan wurde, das heißt, von menschlichen Wesen, die sich weigern, Personen zu sein" (S. 101). Solche Wesen findet man am ehesten in der Bürokratie "mit ihrer unvermeidlichen Tendenz, welche aus Menschen Funktionäre, schlichte Rädchen in den Verwaltungsmaschinen macht, sie also entmenschlicht" (S. 22).

2. "Eichmann in Jerusalem" (1963)

Das Paradebeispiel eines solchen Wesens lernte Arendt als Berichterstatterin über den Eichmann-Prozeß kennen. Hier sah sie jemand, der Befehle befolgte anstatt zu denken, der angesichts seiner Mitwirkung bei der Ermordung von 5-6 Millionen Juden (so Eichmanns Schätzungen, vgl. Hilberg 1280) "kein spezifisches Unrechtsbewußtsein" (Hans Mommsen, a.a.O. S. 20) entwickelte, so daß Arendt ihm lediglich "Realitätsferne und Gedankenlosigkeit" bescheinigen konnte (S. 57).

Für dieses Buch auf der Basis von Prozeßakten und Hilbergs Destruction of the European Jews als Hauptquellen wurde Arendt heftig angegriffen. Streitthemen waren folgende Fragen:

  • Hätten "die Juden sich […] wehren können oder müssen" (S. 53)?

  • Hat die Führung der Juden versagt?

Julius H. Schoeps beruft sich in seinem Artikel "Zwischen Kollaboration und Widerstand – Die Judenräte im historischen Urteil der Nachwelt" (in: Die Zeit vom 24.11.1978) bei der Beantwortung dieser Fragen auf Judenrat. The Jewish Councils in Eastern Europe under Nazi Occupation von Isaiah Trunk (New York 1977). Der Sachverhalt ist eindeutig, ebenso die Bewertung: Die Judenräte wurden gezwungen, Widerstand war nur in der Form des Selbstmords möglich und ansonsten aussichtslos. Einzelne, die sich korrumpieren ließen, wurden nach Kriegsende durch jüdische Ehrengerichte verurteilt (in: Über Juden und Deutsche 38-43).

Die Reaktionen auf Arendts Buch waren heftig: "Fast alle jüdischen Organisationen in den USA verurteilten das Buch […] mit dem Argument, es liefere den Antisemiten Argumente" (Heuer 60). Am 20. Oktober 1963 berichtete Arendt darüber an Karl Jaspers: "Es ist ein klassischer Fall von Rufmord; die Methode ist immer die gleiche: man behauptet, ich hätte Dinge gesagt, die ich nie gesagt habe, um zu verhindern, daß man erfährt, was ich wirklich gesagt habe. Augenblicklich wird die deutsche Ausgabe als ungeheuer gefährlich dargestellt, da ich die Deutschen exkulpiert hätte – Implikation: die Wiedergutmachung steht auf dem Spiel!" (Arendt/Jaspers 559)

Jaspers kommentierte am 25. Oktober 1963: "Dazu kommt dann die Organisation der Meinungsbildung. Sie wirkt, weil sie auf eine Bereitschaft stößt. Wenn das so ist, wird bei 'den Juden' an Dir hängen bleiben, Du seist keine Jüdin, wie an mir, daß ich kein Deutscher sei. Das hilft ihnen nicht. Es kommt die Zeit, die Du nicht mehr erlebst: daß Juden Dir, wie jetzt dem Spinoza in Israel, einen Granitstein setzen, und Dich stolz für sich in Anspruch nehmen, und auch dann noch wird es Juden geben, die wie vor kurzem H. Cohen und Rosenzweig haßerfüllt der Synagoge gegen den Verräter recht geben, Dich verwerfen. Aber es sind niemals 'die Juden', auch wenn sich jetzt noch kein Jude Dir öffentlich zuzustimmen wagt" (ebd. S. 653).

3. Was ist Antisemitismus?

In ihrem Aufsatz "Ceterum Censeo …" (1941; in: Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher, S. 29-35) schrieb Arendt über den Antisemitismus: "Es ist nicht wahr, daß wir immer und überall die unschuldig Verfolgten sind. Wäre es aber wahr, so wäre es furchtbar: Es würde uns nämlich endgültiger ausscheiden aus der Geschichte der Menschheit als alle Verfolgungen" (S. 31).

Der Begriff "Antisemitismus" stammt von W. Marr (1879) und "ist insofern irreführend, als antisemitische Bestrebungen gegen die Juden, nicht gegen die Gesamtheit der semitischen Völker gerichtet sind." Er "entzündete sich primär an der religiösen und sozialen Absonderung der Juden von den Einwohnern des Gastlandes, die die jüdischen Minderheiten schon vor der Durchsetzung des Christentums als fremdartig erscheinen ließ" (MeL 2/345).

Während der Antisemitismus in der Frühzeit der NSDAP (1919-1923) "lediglich eine Verdichtung und Radikalisierung der völkisch-imperialistischen Ideen aus der Zeit vor 1918" darstellte, wandelte er sich später zu einem Amalgam aus "Rassenutopie, Gesellschaftsbiologie und Rassenhygiene […]. Das 'internationale Judentum' wurde als treibende Kraft hinter allen innen- wie außenpolitischen Problemen gesehen, da ihm ein Streben nach Weltherrschaft zugeschrieben wurde" (Werner Bergmann, in: EdN 366).

Seit der Ausrufung des Staates Israel am 15. Mai 1948 wird die Haltung zu diesem Staat in die Definition des Antisemitismus eingeschlossen und als "neuer Antisemitismus" bezeichnet. So heißt es im 3. Kapitel der Broschüre "Die Diffamierungskampagne gegen Israel", die die Botschaft des Staates Israel im Jahr 2010 herausgegeben hat: "Eine berechtigte, wenn auch negative Analyse der israelischen Politik sollte nicht als antisemitisch angesehen werden, genauso wenig wie Kritik an anderen Ländern als rassistisch zu betrachten ist." Erst wenn die Grenze zur Verunglimpfung überschritten werde, gelte eine derartige Kritik als antisemitisch. Daß die Grenzziehung schwierig sei, wird ausdrücklich eingeräumt (S. 5). Kurz: "Rational begründete Kritik an Israel hat nichts mit Antisemitismus zu tun" (S. 6).

Wer jedoch den israelischen Staat als böse betrachtet und die Israelis mit den Nationalsozialisten vergleicht (Dämonisierung), an Israel andere Maßstäbe als an andere Staaten anlegt (Doppelstandard) oder Israel das Existenzrecht abspricht (Delegitimierung), gilt nach dem Aufsatz "Anti-Semitism in 3-D" (2004) des früheren Ministers Nathan Sharansky als Antisemit (S. 5f).

Autoren wie Norman G. Finkelstein, John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt sind also keine Antisemiten, auch wenn es in der o.g. Broschüre in Kapitel 17 heißt, daß die "Haltung", "dass eine jüdische oder israelische Lobby hinter den amerikanisch-israelischen Beziehungen steht", "nichts anderes als eine Verschwörungstheorie" sei und "Vorwürfe in Richtung eines unverhältnismäßigen jüdischen Einflusses […] eine Erweiterung alter antisemitischer Mythen" seien, "die besagen, eine jüdische Kabale würde die Medien, das Weltfinanzsystem und Regierungen beherrschen" (S. 16).

Denn die genannten Autoren behaupten das nicht, was ihnen hier unterstellt wird. Sie stellen nicht in Abrede, daß die traditionelle Freundschaft zwischen den USA und Israel auch ohne Lobbyisten bestehen würde. Die von ihnen genannten Organisationen existieren tatsächlich und beeinflussen die amerikanische Politik so wie nichtjüdische Organisationen auch. Ihr Einfluß ist nicht unverhältnismäßig, sondern leider immer wieder objektiv schädlich, und zwar für die USA, für Israel und für andere Staaten. Mit antisemitischen Mythen hat all das nichts zu tun, da es um belegbare Tatsachen geht, die jeder nachprüfen kann.

Zur Illustration gebe ich eine Zusammenfassung des 8. Kapitels des Buchs "Die Israel-Lobby" von Mearsheimer/Walt, in dem ausführlich (S. 320-365) dargestellt wird, wie es zum Irak-Krieg 2003 kam:

Mitte der 70er Jahre lieferte Frankreich dem Irak einen Atomreaktor. 1981 bombardierten ihn die Israelis, bevor er fertig war. Von da an lief die irakische Atomforschung im Geheimen weiter. Über den Golfkrieg 1991 waren die Israelis begeistert, hofften sie doch, daß Saddam Hussein gestürzt werden würde. Dazu kam es nicht, aber immerhin wurde nun sein Waffenarsenal zerschlagen bzw. kontrolliert.

Mitte der 90er Jahre meinte eine Gruppe von US-Neokonservativen, der Sturz Saddams würde für die USA und Israel nützlich sein. 1998 drückten sie den Iraq Liberation Act durch, um Saddam zu stürzen, eine Demokratie im Irak einzusetzen und 97 Millionen Dollar für ihr Vorhaben abzukassieren. Am 31.10.1998 unterschrieb Präsident Clinton dieses Gesetz, weil Zwischenwahlen anstanden und er wegen der Lewinski-Affäre sein Amt zu verlieren drohte; doch er tat kaum etwas, um es umzusetzen. Auch sein Nachfolger George W. Bush interessierte sich nicht für das Gesetz. Anfang 2000 schrieb Condoleezza Rice, daß die USA mit einer Atommacht Irak "durchaus leben" könnten (S. 342). Vizepräsident Dick Cheney hielt es die ganzen 90er Jahre für falsch, den Irak erobern zu wollen.

Diese Haltung änderte sich nach dem Attentat vom 11.9.2001. Erst jetzt wurde ein Präventivkrieg gegen den Irak spruchreif. Paul Wolfowitz ging Bush regelrecht damit auf die Nerven, den Irak noch vor Afghanistan anzugreifen, wo sich Bin Laden versteckte. Am 21.11.2001 gab Bush den Auftrag zur Entwicklung von Invasionsplänen für einen Irak-Krieg, den Colin Powell Anfang 2003 immer noch für eine "'fixe Idee'" hielt (S. 344). Das ganze Außenministerium war genauso skeptisch, mit Ausnahme zweier Neokonservativer: John Bolton und David Wurmser. CIA-Chef George Tenet unterstützte zwar die Regierung, war aber wie die meisten Geheimdienstler nicht für einen Krieg. Auch Generalstabschef Eric Shinseki äußerte Bedenken und erntete dafür scharfe Kritik von Donald Rumsfeld.

Am 20.9.2001 veröffentlichten Neokonservative einen offenen Brief an den Präsidenten. Darin stand, daß die Terrorismusbekämpfung Saddams Entmachtung einschließen müsse und Israel in diesem Kampf Amerikas treuester Verbündeter sei. Es folgte nun ein anderthalb Jahre dauernder Propagandafeldzug der Neokonservativen für den Irak-Krieg. Am 3.4.2002 schickten sie einen zweiten offenen Brief an Bush, in dem sie ihn für die Unterstützung Israels beim Kampf gegen die Terroristen lobten und ihn drängten, den Sturz Saddams zu beschleunigen. Denn er sei zusammen mit Bin Laden und Arafat eine Gefahr für die USA und Israel. Kenneth Pollack rührte die Kriegstrommel mit seinem Buch "The Threatening Storm" (2002). Im August 2002 sagte General Wesley Clark dasselbe wie Philip Zelikow, der Leiter der Untersuchungskommission zu 9/11, am 10.9.2002: Saddam sei keine Bedrohung für die USA, sondern für Israel.

Schimon Peres hielt Saddam und Bin Laden für gleich gefährlich. Ariel Scharon sagte am 12.8.2002, der Irak sei "'die größte Gefahr, der sich Israel gegenübersieht'" (S. 327). Beide, Israelis und Neokonservative, verglichen Saddam mit Hitler und Kriegsgegner mit Appeasementpolitikern à la Neville Chamberlain. Der Irak sei das "'Zentrum des Weltterrors'" (New York Times). Die Hauptrolle bei der Manipulation von Geheimdienstberichten hatte I. Lewis "Scooter" Libby. Er lieferte Powell die Vorlagen für seinen blamablen UN-Vortrag voller Irrtümer. Der israelische Geheimdienst überzeugte Wolfowitz, der CIA nicht zu trauen, die der Massenvernichtungswaffen-Lüge keinen Glauben schenkte. Das Office of Special Plans (OSP) verließ sich auf Falschinformationen des Exilirakers Ahmed Tschalabi und die Übertreibungen von Scharons Privat-Geheimdienstlern. Die Neokonservativen betrachteten Tschalabi als demokratischen Nachfolger Saddams, während die CIA und das Außenministerium ihm mißtrauten - zu Recht, wie sich später herausstellte.

Richard Perle meinte, daß der Irakkrieg nicht stattgefunden hätte, wenn Bush seine Regierung anders besetzt hätte. Thomas L. Friedman machte im Mai 2003 25 Neokonservative für den Krieg verantwortlich. Um das Öl ging es nicht. Da wäre Saudi-Arabien lukrativer gewesen. Die Demokratisierungsidee für den Nahen Osten hatte Natan Sharansky, von dessen Schriften Bush beeindruckt war. Ehud Barak und viele andere Israelis teilten diese Idee und entwickelten die zweite Dominotheorie: Fiel Saddam, würden auch die andern fallen.

Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Der Krieg schadete allen: Abgesehen von den zahlreichen Toten und Sachschäden wurde der Ruf der USA massiv geschädigt; die Israelis leben seither unsicherer als vorher, da der Krieg den Iran und den Terrorismus stärkte; im Irak herrscht immer noch Chaos. So meinte Schin-Bet-Chef Yuval Diskin im Februar 2006: "'Ich bin mir nicht sicher, ob wir Saddam nicht vermissen werden'" (S. 362).

Zur Erinnerung nochmals die bereits zitierte Passage von Arendt: "Es ist ein klassischer Fall von Rufmord; die Methode ist immer die gleiche: man behauptet, ich hätte Dinge gesagt, die ich nie gesagt habe, um zu verhindern, daß man erfährt, was ich wirklich gesagt habe."

Nun haben Sie wenigstens eine ungefähre Vorstellung, was die als Antisemiten verleumdeten Autoren Mearsheimer und Walt gesagt haben. Was von der offiziellen 9/11-Version (The 9/11 Commission Report) zu halten ist, erfahren Sie aus den Büchern von Bröckers/Hauß, Bröckers/Walther, von Bülow, Hersh, Rothkranz und Wisnewski), nämlich nichts.

Wer den Vorwurf des Antisemitismus unbegründeterweise für die Durchsetzung politischer Interessen einsetzt, sorgt dafür, daß dieser Vorwurf "allmählich seine Macht, jegliche Diskussionen zu ersticken, verliert" (Mearsheimer/Walt 274) und "echter Antisemitismus" nicht mehr erkannt wird: Echte Antisemiten grenzen Juden aus, verfolgen sie und bezeichnen deren legitimes politisches Engagement als Verschwörung (ebd. 273). Kurz: Ein Antisemit ist jemand, der die Juden haßt, weil sie Juden sind.

4. "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" (1951)

Arendts Hauptwerk ist trotz seines riesigen Umfangs (1015 Seiten!) spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Teil 2 enthält ein eigenes Kapitel über die Bürokratie als "Erbschaft des Despotismus" (S. 515-529).

Das Buch ist angesichts der EU-Politik heute so aktuell wie damals, schreibt doch Gerhard Wisnewski in seinem Jahrbuch 2013 von "den zunehmend totalitären Zügen dieser 'EUdSSR'" (S. 346). "Es ist das Europa einer ständig wachsenden Bürokratie, die Regelungen für fast alle Lebensbereiche ausspuckt" (Oldag/Tillack 11), so daß gar von "dem an Wahnsinn grenzenden Eifer der Eurokraten" die Rede ist, "auch wirklich alles zu normieren und in irgendwelche Richtlinien zu gießen, seien sie sinnvoll oder nicht" (Angres/Hutter/Ribbe 167).

5. "Macht und Gewalt" (1970)

Arendt charakterisiert die Bürokratie als "Niemandsherrschaft", weil "es hier tatsächlich Niemanden mehr gibt, den man zur Verantwortung ziehen könnte" (S. 39f). Bei Gruppen allgemein sieht sie mit vielen andern "von Plato bis Nietzsche […] die fast instinktive Feindseligkeit der Vielen gegen den Einen, der sich von ihnen absondert", erinnert jedoch zusätzlich daran, "daß es im Wesen einer Gruppe und der von ihr erzeugten Macht liegt, sich gegen Unabhängigkeit, die mit Stärke Hand in Hand geht, zu wehren" (S. 46).

6. "Französische politische Literatur im Exil" (1943)

In einem der Aufsätze der Sammlung "Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher" bespricht Arendt u. a. Bernanos' Lettre aux Anglais (1942). Neben dessen Schwächen und Vorurteilen wie Rassismus und Antisemitismus übersieht sie nicht seine wirklichen Einsichten – "wie der, daß der Faschismus, der so viel von Jugend schwatzt, die Kindheit getötet und aus Kindern bösartige Zwerge gemacht hat" (S. 111).

© Gunthard Rudolf Heller, 2013

Literaturverzeichnis

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ARENDT, Hannah: Ich will verstehen – Selbstauskünfte zu Leben und Werk, München/Zürich 31998

  • Was ist Politik? - Fragmente aus dem Nachlaß, München/Zürich 2003
  • Zwischen Vergangenheit und Zukunft – Übungen im politischen Denken I (Between Past and Future: Eight Exercises in Political Thought, New York 1968), Übersetzung aus dem Amerikanischen von Ursula Ludz (Vorwort, Texte Nr. 4, 5, 8, 11), München/Zürich 2012
  • In der Gegenwart – Übungen im politischen Denken II, Übersetzung aus dem Amerikanischen von Ursula Ludz (Texte Nr. 4, 5, 7, 9, 13, 17, 18), München/Zürich 2000
  • Über die Revolution (On Revolution, New York 1963), München/Zürich 42000
  • Rahel Varnhagen – Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik, München/Zürich 132005
  • Menschen in finsteren Zeiten (Men in Dark Times, New York 1968), Übersetzung aus dem Amerikanischen von Hannah Arendt, Meinhard Büning, Wolfgang von Einsiedel, Hellmut Jaesrich und Ursula Ludz, München/Zürich 1989
  • Vita activa oder Vom tätigen Leben (The Human Condition, Chicago 1958), München/Zürich 2002
  • Vom Leben des Geistes – Das Denken. Das Wollen (The Life of the Mind. Thinking, The Life of the Mind. Willing, New York 1977/78), aus dem Amerikanischen von Hermann Vetter, München/Zürich 1998
  • Das Urteilen – Texte zu Kants Politischer Philosophie (Lectures on Kant's Political Philosophy), aus dem Amerikanischen von Ursula Ludz, München/Zürich 1998 (= The Life of the Mind. Judging)
  • Über das Böse – Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik, aus dem Englischen von Ursula Ludz, München/Zürich 42010
  • Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen, aus dem Amerikanischen von Brigitte Granzow, mit einem einleitenden Essay von Hans Mommsen, München/Zürich 112001
  • Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft – Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus (The Origins of Totalitarianism, New York 1951), München/Zürich 82001
  • Macht und Gewalt (On Violence, New York 1970), aus dem Englischen von Gisela Uellenberg, München/Zürich 142000
  • Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher – Beiträge für die deutsch-jüdische Emigrantenzeitung "Aufbau" 1941-1945, München/Zürich 2004

ARENDT, Hannah/BLÜCHER, Heinrich: Briefe 1936-1968, München/Zürich 1999

ARENDT, Hannah/JASPERS, Karl: Briefwechsel 1926-1969, München/Zürich 22001

ARENDT, Hannah/McCARTHY, Mary: Im Vertrauen – Briefwechsel 1949-1975, München/Zürich 1997

ASTER, Ernst von: Geschichte der Philosophie, Stuttgart 181998 (in dem Buch von 532 Seiten Umfang ist Hannah Arendt auf S. 460 ein Abschnitt von einer knappen halben Seite gewidmet)

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BRÖCKERS, Mathias/HAUSS, Andreas: Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9., Frankfurt am Main 352003

- Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9., Frankfurt am Main 82003

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BÜLOW, Andreas von: Die CIA und der 11. September – Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste, München/Zürich 2004

CLINTON, Bill: Mein Leben (My Life), aus dem Englischen von Stefan Gebauer, unterstützt von Annemarie Pumpernig und Ulrike Zehermayr, Berlin 12005

ENZYKLOPÄDIE DES NATIONALSOZIALISMUS, hg. v. Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß, München 31998 (EdN)

ENZYKLOPÄDIE PHILOSOPHIE UND WISSENSCHAFTSTHEORIE, hg. v. Jürgen Mittelstraß, 4 Bände, Stuttgart/Weimar 2004

FINKELSTEIN, Norman G.: Die Holocaust-Industrie – Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird (The Holocaust Industry, London 2000), aus dem Amerikanischen von Helmut Reuter, München/Zürich 2002

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HERSH, Seymour M.: Die Befehlskette vom 11. September bis Abu Ghraib, Reinbek bei Hamburg 2004

HEUER, Wolfgang: Hannah Arendt mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt, Reinbek bei Hamburg 62001

HILBERG, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden (The Destruction of the European Jews, Chicago 1961), aus dem Amerikanischen von Christian Seeger, Harry Maor, Walle Bengs und Wilfried Szepan, 3 Bände, Frankfurt am Main 1997 (durchlaufende Seitennummerierung)

HOTTINGER, Arnold: Der Leidensweg des palästinensischen Volkes, in: Sumaya Farhat-Naser: Thymian und Steine – Eine palästinensische Lebensgeschichte, Basel 22001, S. 217-236

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LEXIKON DER PHILOSOPHISCHEN WERKE, hg. v. Franco Volpi und Julian Nida-Rümelin, Stuttgart 1988 (enthält Artikel über Vita activa und On Revolution)

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MEYERS ENZYKLOPÄDISCHES LEXIKON, 25 Bände, Mannheim/Wien/Zürich 91980/81 (MeL)

THE 9/11 COMMISSION REPORT – Die offizielle Untersuchung zu den Terrorattacken vom 11. September 2001, Potsdam 2004

OLDAG, Andreas/TILLACK, Hans-Martin: Raumschiff Brüssel – Wie die Demokratie in Europa scheitert, Berlin 2003

RIVERBEND: Bagdad Burning – Ein Tagebuch (New York 2005), aus dem Englischen von Eva Bonné, Reinbek bei Hamburg 2007

ROTHKRANZ, Johannes: Was am 11. September 2001 wirklich geschah – Eine kriminalistische Rekonstruktion, Kempten 2008

SCHOEPS, Julius H.: Über Juden und Deutsche – Historisch-Politische Betrachtungen, Sachsenheim/Stuttgart/Bonn 1986

WISNEWSKI, Gerhard: Operation 9/11 – Angriff auf den Globus, München 2003

  • Mythos 9/11 – Der Wahrheit auf der Spur, München 2004
  • verheimlicht – vertuscht – vergessen. Was 2012 nicht in der Zeitung stand. 2013 – Das andere Jahrbuch, München 2013
16.06.2016 © seit 02.2014 Gunthard Heller
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