Gruppenintelligenz und mentale Motivation als Masterkey gegen Niederlagen

Motivation Minderwertigkseitgefühl Entwicklung Ich möchte heute über etwas reden, das bei einem selbst leicht in den Verruf gerät, nämlich auch selbst anhängig zu sein.

Ich weiß sehr genau, wovon spreche, wenn ich von Minderwertigkeitsgefühlen, von Überlegenheitsgefühlen oder gar Überwertigkeitskomplexen rede.

Jeder von uns, sei es der Gütigste, Klügste oder Weiseste kennt von sich gelegentlich das Gefühl der Verachtung, der Minderwertigkeit oder Unsicherheit bestimmten Dingen oder Situationen gegenüber (im Kontext des Vergleiches, den wir im Grunde lassen sollten).

Ich werde anhand einiger weniger „frisierter Beispiele“ zeigen, was „Minderwertigkeitsgefühle“ ausmacht, was sie anrichten können und wie es zum Paradox der „Überlegenheit“ kommt, was diese Begriffe bedeuten und wie sich dies auf unseren Lebenserfolg auswirkt.

Ich möchte den psychologischen Scheinwerfer also auf die großen Lebensfragen richten, damit Sie sie auch aus dieser Perspektive verstehen und sich selbst besser erklären können. Ich werde Ihnen versuchen zu erklären, wo die Ursachen von Ablehnung und Niederlage zu finden sind.

Fragen: Kleines Mentalduell zur Einleitung

Wer von Ihnen liebt sich OHNE Einschränkungen – so wie er ist?

Menschen interessieren sich für Menschen, die sich für sich selbst interessieren!

Wer von Ihnen glaubt, sich selbst zu kennen? Was ist das Schwerste im Leben zu erreichen?

Sich selbst auf die Schliche zu kommen. Die meisten Menschen rennen vor sich selber davon, sie haben förmlich Angst sich selbst zu begegnen! Das größte Manko bei dieser Angst ist das VERTRAUEN. Das größte Defizit bei der Frustration ist Toleranz.

Wie bauen wir Vertrauen in uns auf?

Indem wir uns verstehen lernen. Und, indem wir die drei Faktoren kennen, die Vertrauen ausmachen:

  • Selbstvertrauen
  • Vertrauen in andere (Mutter, Vater, Familie, Freunde …)
  • Vertrauen ins Leben

Wie vergrößern wir unsere Toleranz?

Indem wir motiviert über den Tellerrand blicken! Wie schaut das aus? Durch die Erweiterung unserer Wahrnehmung! Wie erweitern wir unsere Wahrnehmung? Indem wir Neues ausprobieren! Wenn wir nicht wissen wie, dann können wir fragen. (Zum Glück gibt es die Kommunikation.) Was ist neu? Alles, was wir noch nicht kennen!

"Mensch sein heißt – sich minderwertig fühlen" …

… sagte einst Alfred Adler.

Ein Kind verrät durch seine Bewegungen und sein Tun, das Gefühl seiner Unzulänglichkeit. Es strebt nach Vervollkommnung, nach der Lösung seiner Lebensanforderungen. Genauso könnten wir die geschichtliche Bewegung der Menschheit, als eine Geschichte von Minderwertigkeitsgefühlen und seiner Lösungsversuche ansehen. Einmal in Bewegung, ist die lebende Materie stets darauf aus, von einer Minussituation in eine Plussituation zu gelangen.

Diese Bewegung ist darauf ausgerichtet, zur Bewältigung der äußeren Welt zu gelangen, nicht zu einem Ausgleich und schon gar nicht zu einem Ruhezustand (also dem Tod). Freud sagte, dass der Tod die Menschen anzieht, dass sie sogar von ihm träumen. Dies ist allerdings eine Auffassung von voreiliger Antizipation (eine Erwartungshaltung).

Dagegen kann nicht daran gezweifelt werden, dass es Menschen gibt, die den Tod einem Ringen mit äußeren Umständen vorziehen. Dies, weil sie in „ihrer Eitelkeit“ die Niederlage fürchten. Dies sind Menschen, die sich zu sehr nach Verwöhnung sehnen, nach persönlichen Erleichterungen, die durch andere bewerkstelligt werden sollen.

Es gibt in unserer Gesellschaft stets eine Abspaltung. Sie ist gekennzeichnet durch Kinder, junge Generationen und Alte. Diese Abspaltung muss gewissermaßen als Lebenssicherung gesehen werden.

Aber auch unsere ständig wachsende Kultur, alles was uns umgibt, weist auf Sicherungstendenz hin. Sie zeigt den Menschen in der andauernden Stimmungslage eines Minderwertigkeitsgefühls, das stets unser Tun und Handeln anspornt, um zu noch größerer Sicherheit zu gelangen. Lust oder Unlust sind somit Balsam bzw. Hilflosigkeit auf diesem Wege.

Ständiges Streben nach Sicherheit drängt zur Überwindung der gegenwärtigen Realität zugunsten einer Besseren. Ohne diesen Strom der vorwärtsdrängenden Kultur wäre das menschliche Leben unmöglich. Der Mensch wäre dem Ansturm der Naturkräfte unterlegen, wenn er sie nicht zu seinen Gunsten verwendet hätte. (Klima, künstliche Behausung, künstliche Zubereitung von Speisen …)

Unser Leben ist gesichert bei Arbeitsteilung und genügender Vermehrung. Unser Geist und unser Körper arbeiten stets auf Überwindung und auf Sicherung hin. Jedes Kleinkind steht von Natur aus unter dem Zwang der Entwicklung Richtung aufwärts. Dieser natürliche Zwang treibt seinen Körper und seine Seele zum Wachstum an.

Seine Kleinheit, seine Schwäche, der Mangel an selbst geschaffenen Befriedigungen, die kleinen und großen Vernachlässigungen sind individuelle Stachel für seine (Kraft)Entwicklung. Sein Spiel ist auf Zukunft gerichtet, es schafft sich gar neue, eigene Lebensformen, baut ständig ins Leere der Zukunft, getrieben vom Zwang der Überwindungsnotwendigkeit.

Worum es geht: All unser Sein, unsere Persönlichkeit, der Mensch, der wir jetzt sind, ist zurückzuführen auf unsere Kindheit, auf Verwöhnung ebenso wie auf Vernachlässigung. Es geht zudem um unsere individuellen Umweltfaktoren und die erzieherischen Maßnahmen, die nun einmal (in jedem Einzelfalle) so waren – ohne Wenn und Aber.

Drei typische Lebensstile …

Das Kind verwendet diese Einflüsse zur Konkretisierung seines Lebensstils, es schafft sich ein eigenes Ziel, dem es dann anhängt. Entsprechend denkt, fühlt und handelt es. Ich möchte hier kurz drei Typen der Entwicklung eines „typischen Lebensstils“ vorstellen:

1. Menschen, bei denen vor allem die Denksphäre die Ausdrucksform beherrscht:

In der Psychologie sind das die typischen Neurotiker. Hierunter fallen alle Zwänge (putzen müssen, alles kontrollieren müssen, sich ständig die (Hände) waschen müssen, jemanden ständig etwas nachräumen müssen …) sowie Psychosen (diverse Ängste, von Höhen- oder Tunnelangst bis Panikattacken).

2. Menschen, bei denen die Aktivität im Vordergrund steht:

Extraversion (nach außen gewandelte Haltung) – im psychischen Extremfall sind dies Verbrecher und Selbstmörder.

3. Menschen, die von ihrem Gefühls– und Triebleben beherrscht werden:

Hier trifft es wohl alle Formen der Sucht (Alkohol, Drogen, aber auch Karrieresucht oder Magersucht, usw.) am ehesten.

„Der Mensch weiß mehr als er versteht. Er versteht oft von seinem Ziel nichts und folgt ihm dennoch. Er weiß nichts von seinem Lebensstil und ist dennoch stets darin verhaftet. Und wenn sein Lebensstil ihm angesichts eines Problems in eine bestimmte Richtung weist, z. B. einem Trinkgelage, oder ein erfolgversprechendes Unternehmen, dann stellen sich zunächst Gedanken und Bilder ein, wir könnten sie Sicherungen nennen, die diesen Weg schmackhaft machen ohne aber das sie mit dem Ziel sichtbar verbunden sind.“ (Alfred Adler)

Was hat das aber alles mit Gruppenintelligenz oder besser Gemeinschaftsgefühl zu tun? Und warum sollten wir es in uns entwickeln?

Weil der erste schöpferische Akt des Menschen die Einordnung in den Gemeinschaftskreis ist. Zu diesem Akt wird das Kind gewissermaßen getrieben durch sein Minderwertigkeitsgefühl, sowie unter Gebrauch seiner Fähigkeiten.

Diese Einordnung ist natürlich in jedem Falle verschieden. Aber sie ist zugleich eine Bewegung, die ein Ziel in sich trägt, das Ziel der Überwindung hin zur Sicherheit.

Es gibt einen existierenden Widerspruch in der Entwicklung bzw. in unserer Erziehung. Dieser Widerspruch erfüllt die Menschheit entweder mit kleinlichen Zänkereien oder aber mit gewaltigen Kämpfen. Die Strebenden bauen auf und tragen zur Wohlfahrt der Menschheit bei.

Dennoch sind die Widerstrebenden nicht wertlos. Durch ihre Fehler und Irrtümer, die kleine und größere Kreise schädigen, zwingen sie die anderen, stärkere Anstrengungen zu machen. (Konkurrenz, Scharlatanerie usw.)

So gleichen sie dem „Geist, der stets das Böse will und doch das Gute schafft.“ Sie erwecken den kritischen Geist der anderen und verhelfen ihnen zu besserer Einsicht. Sie tragen zum SCHAFFENDEN Minderwertigkeitsgefühl bei!

Fazit

Die Richtung zur Entwicklung des Einzelnen und der Gemeinschaft ist durch den Grad des Gemeinschaftsgefühls vorgeschrieben. Dadurch ist der Standpunkt von richtig und unrichtig gewonnen. Es zeigt sich ein Weg, der sowohl für Erziehung und Heilung, als auch für die Beurteilung von Abwegigkeiten eine überraschende Sicherheit bietet.

Hier macht das Leben die Testprüfungen; jede kleinste Ausdrucksbewegung kann man auf Richtung und Distanz zur Gemeinschaft prüfen. Dennoch ist dies kein Urteil gegen den Einzelnen, nein, keine Schuldzuweisung, denn dieses Dilemma betrifft einen Mangel in unserer Kultur, an deren Mangelhaftigkeit alle anderen mitschuldig sind.

Wir alle können nur auffordern, an der Behebung mitzuarbeiten. Dass ich Sie heute, liebe Leser(innen), viele Jahre nach Alfred Adler dazu aufrufe, natürlich im vorteilhaften Sinne, an das Gemeinschaftsgefühl selbst zu denken, liegt an dem immer noch gering entwickeltem Grad unserer Bewusstheit: weg von der Gemeinschaft, hin zu Individualisierung trotz Globalisierung.

Und typisch für unzureichende Antriebskraft bzw. Motivation – Dinge, Haltungen und Umstände zu verändern – ist folgender Satz: „So kann es nicht mehr weitergehen!“ Aber ich sage Ihnen, OH JA und wie es kann!

Es kann und wird nämlich soooo lange weitergehen, bis ich mich voll und ganz dazu entschließe, es nicht mehr so weitergehen zu lassen!

In der Bibel fragte Jesus die Menschen manchmal: „Wollt Ihr gesund werden?“

„Klar wollen wir gesund werden“, kam stets als Antwort! Doch diese Antwort ist nur scheinbar selbstverständlich. Wenn ich nun ganz bewusst nachhake und frage: „Wollen Sie gesund werden, aber mit allen Konsequenzen, die es für Sie haben kann? Also physisch, psychisch, seelisch, inklusive den „neuen“ Aufgaben und Anforderungen, die sich dann stellen werden und ansonsten ganz der Alte bleiben?“

Was wäre dann Ihre Antwort, lieber Leser(in)?

Und diese Erkenntnis könnten wir nun „ummünzen“ auf den Erfolg.

Wollen Sie erfolgreich sein?

Aber: Wollen Sie erfolgreich sein, mit allen Konsequenzen, die dieser Erfolg für Sie haben kann? Menschen habe eine starke Affinität zu dem Spiel: Wasch mich bitte, aber mach mich nicht nass! Das funktioniert nicht!

Klar wollen die Menschen einerseits ihr Problem beheben, aber sich selbst innerlich verändern, das liegt den meisten nicht wirklich. Erfolg ist immer mit Persönlichkeitsentwicklung verbunden. Wer ist Erfolgsfaktor Nummer 1? Ich selbst! Also kann nur ich mich wirklich motivieren!

Eine typische Geisteshaltung in der Motivation ist die Erwartung, dass sie primär von außen, damit also von Trainern oder eben anderen (Eltern, Lehrern …) kommen sollte! Oder aber sie soll uns auf mysteriöse Weise erfassen und in uns eindringen. Und wenn wir nach einem Training nicht motiviert sind, dann stimmt was mit den Umständen, dem Wetter, dem Trainer oder sonst was nicht! ("movere", ist ein lateinisches Wort mit der Bedeutung -> "sich" bewegen.)

Es geht darum, dass ich mich bewege, also eine aktive Tätigkeit vollziehe! Wir können nicht erwarten uns zu einer Veränderung – mithilfe eines Kinderwagens – hinschieben zu lassen. Sieht dennoch lustig aus, wenn lauter Erwachsene in Kinderwagen sitzen und schimpfen wie die Rohspatzen, weil keiner kommt und sie anschiebt 😉

Der nüchterne Betrachter kommt also nicht umhin festzustellen, dass sie doch eigentlich schon selber laufen müssten! Wie können wir unserer Motivation zur Veränderung aufhelfen?

CG Jung sagte einst: „Die Seele ist konservativ. Nur die allerschärfste Not vermag sie aufzuschrecken.“ Menschen jedoch – kleben an ihren Gewohnheiten und oftmals leider an den weniger Guten!

Ein Beispiel aus der Traumdeutung:

Der Klient sah sich selbst in einem tiefen Keller in einer Bratpfanne mit heißem Fett sitzen. Er reagierte dennoch erstaunlich gelassen auf diesen Anblick. Auf die Frage hin, ob er sich nicht aus dieser misslichen Lage befreien wollte, sagte er: „ Es könnte durchaus schlimmer sein! So geht es ja noch.“ Also ganz offenbar war der innere Leidensdruck noch nicht groß genug.

Eine der mächtigsten Triebfedern auf dem Weg zur Veränderung ist die Not und der damit verbundene Schmerz, also eben auch Niederlagen. Es ist allerdings fundamental wichtig, diese wahrzunehmen. Sie können uns nämlich mächtig mobil machen!

In dem Sinne ist Erfolg wohl, einmal mehr aufzustehen als hinzufallen.

Literatur:

  • Alfred Adler: Der Sinn des Lebens 1933,
  • Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft (1770)
  • Burkhard Bierhoff, Erich Fromm: Analytische Sozialpsychologie und visionäre Gesellschaftskritik (1993)
  • Johannes Claßen: Erich Fromm und die Kritische Pädagogik (1991)

Doreen Anette Ullrich

Scroll to Top