Religionsgeschichte: Der historische Zarathustra

Es kann nicht angehen, daß der Zoroastrismus als erste Offenbarungsreligion dargestellt wird und dessen Entstehung bzw. die Lebenszeit Zoroasters auf das 6. Jahrhundert datiert wird. Denn: Moses lebte erwiesenermaßen um 1000/1100 v. Chr. Und der von ihm verkündete Monotheismus ist nicht weniger als Offenbarungsreligion zu bezeichnen als der Zoroastrismus.

Entweder versetzt man also die Zeit des Zoroaster in eine weitere Vergangenheit, oder aber man betitelt den Zoroastrismus nicht als die „erste“ Offenbarungsreligion. Beides gleichzeitig verträgt sich offensichtlich nicht.

Das 6. Jahrhundert vor Chr. ist meines Wissens die richtige zeitliche Einordnung. Dafür sprechen erhaltene iranische Niederschriften die das Geburtsjahr Zoroasters mit 588 vor Chr. angeben. Natürlich geben sie dabei nicht den Zusatz „vor Chr.“ an, aber sie beschreiben einen zeitlichen Abstand vor der Eroberung Persiens durch Alexander, welcher auf das o.e. Geburtsdatum hinweist. Des weiteren , wiederholt sich in mehreren Überlieferungen die Aussage, daß Zarathustra mit einem König namens Vishtaspa zusammengetroffen ist. Von dem weiß man mit ziemlicher Sicherheit, daß er ebenfalls im 6. Jahrhundert v. Chr. gewirkt hat.

Alle anderen kursierenden Datierungen, die bis in das 2. Jahrtausend v. Chr. reichen, sind daher eher als fragwürdig einzustufen. Zumal sich Dareios 1. in einer in Persepolis gefundenen Inschrift als Sohn des Vishtaspa bezeichnet, was ebenfalls zeitlich mit meinen o.e. Ausführungen übereinstimmt.

Was den zoroastrischen Feuerkult betrifft, so ist dieser im ursprünglichen Sinne durchaus nicht als zoroastrisch anzusehen. Sondern es handelt sich dabei um einen Kult der bereits aus der vorzoroastrischen Zeit des Götterglaubens – namentlich zu Ehren des Sonnengottes Mithra – mit übernommen wurde. Allerdings mit dem Unterschied, daß die Flammen nicht mehr zu Ehren Mithras sondern Ahura Mazdas zum Himmel loderten.

Desweiteren ist die Originalbezeichnung für den bösen Geist nicht Ahriman sondern Anra Mainyu. Der Begriff Ahriman stellt lediglich eine Verfälschung des Originals dar. Ähnlich wie statt dem Begriff „Ahura Mazda“ bisweilen der falsche Begriff „Ormuzd“ gebraucht wurde.

Die meisten Ungereimtheiten bestehen leider immer noch im Bezug auf die Bedeutung und Buchstabierung des Namens Zarathustras selbst. Da gibt es Zoroaster, Zorothustra, Zarathustra, Sartosht, Sarathushtra oder Zorothushtra um nur einige zu nennen. Leider reichen die philologischen Kenntnisse im Bezug auf die im antiken Iran gebräuchlichen Sprachen nicht aus, um den Begriff vollständig zu klären. Weshalb auch die abenteuerlichsten Übersetzungen des Namens bzw. seiner Bedeutung im Umlauf waren und immer noch sind. Vom „goldenen Kamel“ über den „Besitzer alter Kamele“ bis hin zum „Erleuchteten“ sind die merkwürdigsten Interpretationen zu finden.

Dieser Umstand besagt jedoch im Grunde nur, daß die Entschlüsselung der betreffenden altiranischen Sprache noch nicht zu 100% erfolgt sein kann, wie man nicht zuletzt auch an der unterschiedlichen Transkription des Namens feststellen kann. Einerseits spricht man von „Zarathustra“ und andererseits vom „Zoroastrismus“. Es ist nicht zu übersehen, daß hier noch einiges im Argen liegt.

Es ist naheliegend, daß es sich bei den ersten beiden Vokalen („o“ bzw „a“) um Laute handelt die nicht eindeutig dem europäischen Volkal „O“ bzw „A“ zugeordnet werden können. Vielmehr handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit um einen Zwischenlaut ähnlich einem besonders offen gesprochenem „O“ bzw. einem besonders geschlossen gesprochenem „A“ vergleichbar dem ungarischem A welches ohne Apostroph eher wie ein „O“ ausgesprochen wird. Da es hierfür abgesehen vom Ungarischen im Deutschen sowie in den meisten anderen europäischen Sprachen keinen geschriebenen Vokal gibt (vielleicht noch in den Skandinavischen Sprachen) sind diese unterschiedlichen Transkriptionsweisen entstanden.

Dies wäre noch zu verschmerzen, wenn da nicht noch dieser himmelweite Unterschied zwischen dem jeweils zweiten Teil des Namens „-thustra“ bzw „-aster“ bestünde.
Diesbezüglich auf Dialektik oder Sprachentwicklung zu verweisen erscheint mir doch etwas zu freimütig, wenn man bedenkt, daß beide Begriffe sich sozusagen gleichwertig erhalten haben.

Die einzig sinnvolle und logische Erklärung hierfür ist, daß es sich um zwei unterschiedliche Bezeichnungen bzw. Bedeutungen handelt , welche für ein und dieselbe Person verwendet worden sind:

  • Zoroaster
  • Zorotushtra

Aus einer inspirierten Schrift, auf deren Herkunft ich aus bestimmten Gründen nicht näher eingehen möchte, ist zu entnehmen, daß der seinerzeit erwartete und bereits lange vorher angekündigte Prophet die Bezeichnung Zoroaster hatte, was ethymologisch gleichbedeutend mit „der Wegbereiter“ war. Das heißt, den Begriff „Prophet“ im heutigen bzw. biblischen Sinne gab es nicht. Stattdessen wurde der Zoroaster, der Wegbereiter erwartet. Name und Tätigkeit bzw. Berufung waren in dem Fall dasselbe.

Den „Weg (in den Seelen der Menschen) bereiten“ aber sollte er für den Saoshyant (Helfer), den für das Endgericht verkündeten Richter. Sein Wirken als Zoroaster war jedoch lediglich ein Teil seiner Aufgabe und Berufung. Der andere Teil und Lebensabschnitt Zoroasters bestand darin den „Weg zu erhalten“ in dem er Priester ausbildete und sein ihm offenbartes Wissen niederschrieb um es der Nachwelt zu „erhalten“. „Zoro – tushtra“ (= „der Wegerhalter“), wie er sich von da an selbst nannte und genannt wurde.

Wenn man weiß, daß der Name seiner Mutter “ Zarath “ war ist ein weiterer Grund für die Mißverständnisse und Rätsel die mit seinem Namen einhergehen erkennbar. Sein Vater aber hieß Dschami und war Pferdezüchter. Zarathustra selbst ward der Name Saadi gegeben. Zoroaster bzw. Zorotushtra ist ohnehin eher als ein Amt und Berufung zu verstehen als ein Name, obwohl dies in seinem Falle auf dasselbe hinausläuft.

Die Ausführungen die sich auf die inspirierte Schrift beziehen ist lediglich als Anregung für Philologen und Etymologen zu verstehen, falls es noch einige unter ihnen gibt, denen die Wahrheit an sich noch etwas bedeutet und denen daran liegt den vielen Mißverständnissen und Ungereimtheiten ein Ende zu machen.

In Partnerschaft mit Amazon „Demian. Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend.“
von Hermann Hesse,
Broschiert – Suhrkamp, 1974.
Es gibt auch kaum einschlägige Bücher über das Thema, die über reine Spekulationen hinausgehen würden. Allerdings gibt es das Buch „Demain“ von Herrmann Hesse. Das kommt der Wahrheit über Zarathustra noch am nächsten und ist somit als empfehlenswert zu betrachten. (B.Wayne)

Bruce Wayne

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