Deutsch für Ausländer: Wie andere Länder deutsche Worte übernehmen (Rezension)

Viele Deutsche schimpfen darüber, wie die Englische und Deutsche Sprache in unserer Heimat zu einem Sprachkauderwelsch - dem sogenannten Denglisch - mutiert. Aber haben Sie gewußt, daß auch Deutsch fleißig in andere Länder exportiert wird? Lesen Sie in dieser humorvollen Rezension zu Jutta Limbach Buch „Ausgewanderte Wörter“, wie die deutsche Sprache in anderen Ländern Einzug hält.

Da hat uns Jutta Limbach als Vorsitzende des Deutschen Sprachrats und Präsidentin des Goethe-Instituts wieder eine Freude bereitet, diesmal rechtzeitig zu Weihnachten, und zwar mit dem Buch „Ausgewanderte Wörter“. Nach ihrem ersten Buch über „Das schönste deutsche Wort“ geht es in ihrer neuesten Veröffentlichung um deutsche Wörter, die im Ausland als Fremdwörter übernommen worden sind.

KaffeeklatschDie jetzige Veröffentlichung stellt, wie die erste, das Ergebnis einer Ausschreibung dar. Diesmal sollte sich melden, „wer deutsche oder deutschstämmige Wörter in einer anderen Sprache kennt, sollte diese jedoch nicht nur benennen, sondern auch erzählen, was sie in ihrer neuen sprachlichen Heimat bedeuten. "Zusammen mit über 6000 eingereichten "Ausgewanderten Wörtern" haben wir eine Fülle an Einsendungen, Erzählungen und Belegen aus aller Welt erhalten“, berichtet Limbach. Dies beim Lesen zu erfahren, ist ein wahrer Genuß, der zum Schmunzeln, ja vergnügten Lachen herausfordert.

Das Schöne an diesen „Ausgewanderten“ ist, daß sie keine Lücke hierzulande hinterlassen haben, sondern die zauberhafte Eigenschaft besitzen, uns trotz Auswanderung nicht verlassen zu haben.

MaßstabUnsere zusammengesetzten Wörter sind es vor allem, die in ihrer Treffsicherheit und Lebendigkeit im Ausland Gefallen finden, ja teils unersetzlich sind, wie weltanschauung, fingerspitzengefuehl, schadenfreude, strandkorb, kaffeeklatsching, bildungsroman, zeitgeist (alle im englischen Sprachraum), hochštapler, sitzflaijsch, líbes-bríf (tschechisch), besserwisser (schwedisch), bocksbeutel, bierhalle, gasthof (schwedisch, koreanisch, englisch), wanderlust, wirtschaftswunder, kindergarten, wunderkind, leitmotif, bratwurst, leberkaes, sauerkraut, blitzkrieg, hinterland, uebermensch, weltschmerz (in vielen Sprachen).

Oder wie wäre es mit kaffepaussi, vahtimestari (finnisch, sprechen Sie beim letzten Wort das h wie ch, und Sie haben den Wachtmeister, der sich aber in seiner Bedeutung zum Hausmeister gewandelt hat), liebhabervilla (dänisch), poltergeist (englisch, brasilianisch), preiswert (niederländisch), štreber (serbisch), szlafmyca, szlafrok, wihaister (polnisch, der letztgenannte Ausdruck steht für Dingsbums), brandmauer, schlagbaum, luftschiff, buchhalter, masschtab, butterbrot, nach hamburger rechnung (russisch, die letztgenannte Redewendung steht für gerechtes, aufrichtiges Handeln).

BremseWie mit dem Wort Heimat (flandrisch) sind wir „mit unserer deutschen Sprache wahre Meister der Innerlichkeit“, hebt Limbach hervor und nennt auch die Wörter Gemütlichkeit, Geborgenheit, Sehnsucht, die „sich in vielen anderen Sprachen wiederfinden“ und „den Sprechern dieser Sprachen die Möglichkeit (eröffnen), ihre Gefühle zu benennen.“

Überraschend ist, daß selbst die muttersprachlich so bewußten Franzosen deutsche Wörter übernehmen wie blödman (die Silbe man nasal aussprechen!), waldsterben, valise (Felleisen), loustic, le schnaps, le mannschaft, les Krauts (die Deutschen), vasistas (Was-ist-das bezeichnet ein Oberlichtfenster), les neinsager (französische Schweiz).

Auch in Asien und Afrika treffen wir auf deutsche Fremdwörter: krankenhaus, noirooze, entlassen, baumkuchen (Japan), dagi (so werden die Deutschen in Burundi bezeichnet, weil sie zur Begrüßung „guten Tag“ sagen), das Zeichen @ heißt im Hebräischen Strudel, in Israel wird mittags die schlafstunde abgehalten, und wenn man von einer Speise nur eine Kleinigkeit möchte, bittet man dort um einen biss davon. Am Auto gibt es auch in Israel den wischer bzw. zwei oder mehr wischerim.

Überhaupt das Auto: Im Iran hat so manches ein schiebedach, in England bremsstrahlung. In Griechenland heißt der Kleintransporter volkswagen, und in mehreren Ländern kennt man, wie hierzulande, das fahrvergnuegen. Amerikaner sollen leuchtende Augen bekommen, wenn von der autobahn die Rede ist, darf man da doch – im Gegensatz zu entsprechenden Straßen in den USA – streckenweise ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fahren. Was US-Amerikanern auf der autobahn auch noch aufgefallen sein soll: In Deutschland muß es eine ungewöhnlich große Stadt geben, auf die immer wieder hingewiesen wird: Ausfahrt!

„Ich denke, wir können ruhig auch ein wenig stolz darauf sein, daß andere Sprachen unsere Wörter übernehmen und Freude an ihnen haben“, meint Jutta Limbach, und ich kann Ihnen nur empfehlen, in dem – auch buchbinderisch – hervorragend aufgemachten Band selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.

Wenn Sie diese kleine Rezension angeregt haben sollte, mehr über den Export von deutschen Wörtern im Ausland zu erfahren, können Sie sich hier das Buch von Jutta Limbach bestellen!

Viel Vergnügen beim Lesen!

16.03.2017 © seit 12.2006 Heidrun Beißwenger
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