Was macht Menschen glücklich?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Ihnen fehlt, um richtig glücklich zu sein? Was müsste passieren, um Ihr Glück vollkommen zu machen? Oder halten Sie Glück für reinen Zufall, der nur wenigen Auserwählten beschieden ist? Dieser Artikel beschreibt Wege und Umwege zur Frage "Was macht Menschen glücklich?"

Das Glück und die Wünsche

Fragt man einen Menschen, was ihn glücklich macht, wird man oft eine Antwort in der Art bekommen, eine gesunde Familie, sichere Arbeit oder materieller Wohlstand, "sich dieses und jenes leisten können".

Oder man träumt von einem Sach- oder Geldgewinn, für manchen ist es eine Reise oder Karriere beziehungsweise wachsendes Ansehen und höherer Status bei seinen Mitmenschen. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, doch soll das zur Illustration genügen.

Glücksforschung Was macht Menschen glücklichIn den meisten Beispielen stehen die angenehmen Dinge im Vordergrund, die Schokoladenseite unserer Zivilisation, seien es luxuriöse Dinge oder Statuszuwachs und Anerkennung. Fragen Sie sich: Was würde ich antworten? Nehmen Sie sich Zeit, um darüber nachzudenken und eine Antwort zu finden. Schließlich geht es um Sie - die wichtigste Person in Ihrem Leben.

Ein gewisser Lebensstandard und Ansehen sind natürlich wichtig; es gibt wohl niemanden, der darauf ganz verzichten will. Wenn außer Zweifel steht, dass sie das Leben angenehmer machen, lohnt sich doch die Frage, wie genau sie bewirken, dass man glücklich wird.

Vielleicht verändert sich ja unsere Sicht der Dinge und wir kommen zu dem Schluss, dass sie Platzhalter für dieses schwer fassbare Etwas ‚Glück' sind - und an ihrer Stelle könnte auch etwas ganz anderes stehen, was uns als Menschen viel näher ist. Schon die alte Binsenweisheit "Geld allein macht nicht glücklich" drückt aus, dass Glück nicht in der Natur des Geldes liegt. Wo liegt es dann? Es lohnt sich, dem nachzugehen.

Unsere Kultur hat ihre ganz eigenen Werte und Vorstellungen darüber, was den Individuen wichtig ist, entwickelt und tradiert. Andere Epochen zeichnen sich durch andere Werte aus. Hat unsere Gesellschaft also auch Werte? Ja? Gut, nur - was ist dann mit dem häufig angeprangerten ‚Werteverfall'? Ich halte die Bezeichnung Wertewandel für treffender; die heute propagierten Werte kann jeder im Fernsehen oder anderen Medien erkennen.

Udo Lindenberg in der Anti-Drogenkampagne oder Boris Becker im neuen Mercedes genauso wie die ‚Lindenstraße' oder die Skandale der ‚Bild'-Zeitung stellen doch Werte dar, teilen etwas mit, womit wir uns identifizieren sollen. Was keiner sehen, kaufen, haben will, wird abgesetzt. Nach dem Common sense sind materieller Wohlstand, Sicherheit und stärker auch wieder familiäre Bindungen und Tradition besonders wichtig.

Vorstellungen der Antike

Aristoteles schreibt in der ‚Nikomachischen Ethik': "Jede Kunst und jede Lehre, desgleichen jede Handlung und jeder Entschluss, scheint ein Gut zu erstreben, weshalb man das Gute treffend als dasjenige bezeichnet hat, wonach alles strebt. Das Ziel der Heilkunst ist die Gesundheit, das der Schiffsbaukunst das Schiff, das der Strategie der Sieg, das der Wirtschaftskunst der Reichtum."

So hat jeder Bereich seine eigenen Ziele, die alle für etwas Nachfolgendes wichtig sind. Doch es gibt ein Ziel, ein Gutes, das von allen Menschen um seiner selbst willen begehrt wird, denn es ist der oberste Zweck, das höchste Gut. Im Namen stimmen hier wohl die meisten überein: "Glückseligkeit." Alle anderen Ziele, seien es Ehre, Lust, Verstand oder eine andere Tugend, streben wir an, weil - bzw., nur dann - wenn wir uns erhoffen, dass wir dadurch auch glücklicher werden.

Anders ausgedrückt - jeder erstrebt dasjenige Ziel, was ihn der Glückseligkeit am nächsten bringt. Am glücklichsten wird man, wenn man das tut, wozu man mit allen Facetten seiner Persönlichkeit, mit seinem ganzen Wesen steht. Nicht wir sollen uns irgendeiner beliebigen, geforderten oder erwarteten Aufgabe hingeben und auf irgendeine Weise ‚damit klarkommen'. Sondern wir sollen das anstreben, was uns am meisten gilt.

Denn je höher uns ein Ziel steht, desto näher ist es dem letzten Ziel: dem Glück. Was die "Glückseligkeit" sein soll, darüber entzweit man sich, und eine für alle geltende Antwort kann es nicht geben. Das "Erkenne Dich selbst" des Orakels von Delphi bekommt jetzt eine ganz praktische Bedeutung, denn wie wir sehen, ist Selbsterkenntnis ein notwendiger Schritt, um glücklich zu sein.

Sich selbst tiefer und umfassender kennen schließt ein, klarer zu sehen, was im eigenen Leben wirklich wichtig ist. Was man wirklich will. Nun ist es für uns deshalb schwierig, das herauszufinden, weil wir so komplexe Wesen sind. Wir sind mehr, als wir von uns kennen (und trotzdem kennen wir uns immer besser als jeder andere). Außerdem gibt es für Menschen keine Handbücher wie für jedes technische Gerät.

Die andere Schwierigkeit liegt darin, dass jeder Einzelne sich in ständiger Wechselbeziehung mit anderen befindet, die ihm etwas beibringen, vorleben, fordern ... - und was von dem, was ich tue, kommt von mir und was von anderen? Wo bin ich ich selbst und wo mehr ein Sammelsurium anderer? Die Glückseligkeit, das, was das Individuum erstrebt, ist nicht nur eine Nadel im Heuhaufen - so scheint es - sondern der Heuhaufen ist versteckt in einem Haus in einer unbekannten Stadt in irgendeinem Land. Viel Spaß beim Suchen!

Erkenne dich selbst

Sich selbst erkennen meint, mehr über sich herausfinden und Vorstellungen, die man nur übernommen hat, mit denen man sich jedoch weniger identifiziert, erkennen. Diese zwei Schwerpunkte lassen sich praktisch natürlich nie ganz klar trennen, denn die Übergänge sind fließend. Betrachten wir einmal das Wort, Selbsterkenntnis. Es bedeutet, sich zu erkennen, also über sich Wissen zu erlangen. Wissen ist das Gegenteil von Glauben.

Wo wir wissen, glauben wir nicht mehr, sondern wir sind uns sicher. Wissen bedeutet damit, sich über sich nicht zu täuschen, sich zu ent-täuschen. Sich besser kennenlernen und sich besser verstehen fügt wie bei einem Puzzle die unterschiedlichen Teile einer Person zusammen. Glück setzt dieses Eins-Sein mit sich selbst voraus. Je stärker und vollständiger dies ist, desto glücklicher ist man. Worin besteht nun dieses Eins-Sein mit sich selbst genauer?

Normalerweise wird davon gesprochen, dass man sich mit sich selbst ‚eins fühlt'. Dass dieser gefühlsmäßige Anteil eine wichtige Rolle spielt, dürfte klar sein. Schließlich geht es um Glück und wer kann sich Glück ohne starke positive Gefühle auch nur vorstellen, geschweige denn erleben? Aber ist das Eins-Sein nur ein Gefühl?

15.06.2016 © seit 03.2004 Steward

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