Psychologie: Woran erkennt man eine Psychose?

Allein in Deutschland leiden ca. 2 Prozent der Menschen mindestens einmal im Leben an einer Psychose. Aber was ist eine Psychose und woran kann man sie erkennen? In dieser Einführung zum Thema wollen wir uns näher ansehen, wie und warum Menschen den Bezug zur Realität verlieren.

Was ist eine Psychose?

Das Wort Psychose ist ein Sammelbegriff, in dem unterschiedliche Symptomkomplexe – wie Halluzinationen, Realitätsverlust, Wahnvorstellungen oder Ich-Störungen – auftreten können. Dabei erscheint das Denken, Fühlen, Handeln und Wollen einer Person seltsam verzerrt.

Bei den Betroffenen können eine oder mehrere dieser Symptome gleichzeitig vorkommen. Meist tritt die Psychose nur in einem bestimmten Lebensabschnitt auf und gilt mit einer entsprechenden fachkundigen Beratung als „heilbar“.

Bei Menschen mit einer Psychose hat man den Eindruck, dass sie den Bezug zur „Realität“ verloren haben. Sie tun Dinge, die mit dem gesunden Menschenverstand nicht erklärbar scheinen. Neben dem Denken und dem Gefühlserleben können auch die Sinne (Sehen, Riechen, Tasten, Hören) dramatisch verändert sein.

Was ist eine Psychose

Oftmals verschwimmt bei ihnen der Unterschied zwischen „Innenwelt“ (Vorstellung) und Außenwelt (Realität). Ihre Vorstellungen verzerren den Blick auf die Realität – Gedachtes und Erlebtes können nicht mehr eindeutig voneinander abgegrenzt werden. Auf Kritik oder andere Meinungen reagieren sie sehr dünnhäutig.

Ihre Gedanken bekommen ein seltsames Eigenleben, sodass sie anfangen Stimmen zuhören, die andere nicht wahrnehmen oder sich – auch von ihnen nahestehenden – Menschen verfolgt oder bedroht fühlen. Solche „Botschaften aus einer anderen Welt“ können als bedrohend oder auch als prophetisch erlebt werden.

Aber auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers kann sich verzerren, indem sie das Gefühl haben, sie würden sich körperlich „verändern“. Sie verlieren die Kontrolle, was ihr Körper macht und empfinden die „Mutationen“ als Bedrohung.

Dabei scheinen Ängste aus dem früheren Erleben und unerfüllte oder enttäuschte Wünsche die Richtung der Verzerrungen vorzugeben. Die auftretenden Symptome kann man in folgende Bereiche unterteilen:

  • Halluzinationen
  • Wahnvorstellungen
  • Antriebsarmut
  • Sozialer Rückzug
  • Probleme mit der eigenen Stimmung
  • Denkstörungen

Bei Halluzinationen können alle sinnlichen Eindrücke als Quelle – wie Geräusche, Stimmen, Gerüche, optische „Täuschungen“ usw. – dienen. Selbst „harmlose“ Vorkommnisse können Halluzinationen auslösen. Sie leben in einer „magischen“ Welt, die nur Ihnen zugänglich ist.

Zudem können sie Wahnvorstellung entwickeln, was die Welt tut oder andere von ihnen wollen. Der Klassiker ist ein Verfolgungswahn, wobei jeder noch so geringe Anlass als Beleg dafür gesehen wird, dass es jemand auf sie abgesehen hat. Selbst banale Dinge scheinen einen geheimnisvollen Hintergrund zu haben, der sich nur auf sie bezieht.

Der verzerrte Selbstbezug kann bis zum Größenwahn gehen, bei dem Sie sich selbst den Nabel der Welt sehen. Von ihrem Handeln das Glück der Welt abhängt.

Manche Menschen empfinden dieses Erleben als so belastend, dass sie ihre Motivation / den eigenen Antrieb verlieren. Diese Antriebsarmut führt dazu, dass sie sich zurückziehen und sich auch bei einfachen Dingen schwertun, sie anzugehen oder zu erledigen.

Da sie mit „normalen Menschen“ immer mehr Probleme bekommen, ziehen sich viele zurück und isolieren sich. Dieser soziale Rückzug geht oft mit einer Angst vor dem Kontakt mit anderen Menschen einher. Oder Sie verlieren schlicht das Interesse an einem Gegenüber.

Einschränkungen der Stimmung äußern sich oft in Gleichgültigkeit bzw. der Unfähigkeit etwas zu fühlen. Man lebt wie unter einer Käseglocke, die alle Eindrücke der Welt abschirmt.
Als Denkstörung können Konzentrationsprobleme auftreten, was es schwer macht länger bei einem Gedanken oder Thema zu verweilen. Oder auch eine Art Overflow, d. h. man denkt zu viele Dinge gleichzeitig, um bei einer Sache länger zu bleiben.

Aber wie kann es zu so einer Realitätsverzerrung kommen? Betrachten wir als Nächstes mögliche Auslöser …

Auslöser einer Psychose

Auslöser für eine Psychose können die unterschiedlichsten Gründe sein, wobei ein Charakteristikum der psychischen Instabilität dafür bezeichnend ist.

Für Menschen, mit einer Bereitschaft an einer Psychose zu erkranken, ist oftmals eine vorhergehende Geschichte verantwortlich, wie eine belastende Lebens- oder Beziehungssituation, die sie emotional und rational nicht verarbeiten können und daher zur Psychose führen.

Eine Psychose kann sich schleichend aufbauen, mit anfänglichen Merkmalen von starken Konzentrationsstörungen, Reizüberflutung, undifferenzierter Angst, exzessivem Glücklichsein, beginnende Veränderung der äußeren und inneren Wahrnehmung, die in der Akutphase in Wahnvorstellungen und halluzinatorischen Störungen gipfeln kann. Dabei hat der Betroffene das Gefühl von diesem Prozess völlig aufgesogen zu werden.

Die Auslöser einer Psychose können recht unterschiedlich sein – so wie ihr Verlauf – und viele Menschen hatten im Laufe ihres Lebens bereits Erlebnisse, die man als leicht psychotisch bezeichnen kann, ohne daran zu erkranken.

Ursachen einer Psychose

Hatten Sie nicht schon einmal Fremdheitszustände, wo Sie in einer neuen Situation standen? Undifferenzierte Ängste, Beobachtungsgefühle oder das unbestätigte Gefühl, daß man über Sie redet? Malen Sie sich in Ihrer Phantasie alles zu schwarz oder zu bunt aus? Fühlten sich Sie sich von Ihren Gefühlen regelrecht überschwemmt, daß Ihnen die Objektivität fehlte? Nahmen Sie die Außenreize verstärkt wahr?

Kennen Sie das Gefühl neben sich selbst zu stehen? Hatten Sie oft das Gefühl, andere wollen etwas von Ihnen, ob es nun der Wahrheit entspricht oder nicht? Fühlten Sie sich nicht schon einmal wie in einem anderen Film?

Kennen Sie ein emotionales Erregtsein, dass Sie die ganze Welt umarmen könnten? Fühlen Sie sich oft aufgeputscht? Wenn Sie verliebt waren, waren Sie dann nicht ganz „außer“ sich und sahen alles durch eine rosarote Brille?

Wirkung einer Psychose

Der Betroffene hält das, was er vollkommen verzerrt erlebt für real und ist nicht mehr in der Lage objektiv zu urteilen. Er befindet sich wortwörtlich in einem Film, wo er die Hauptrolle spielt, obgleich er jeder realistischen Einschätzung seiner Person und seiner Umwelt gegenüber durch seinen Ich-Verlust entrissen ist.

Denn Psychose bedeutet Ich-Verlust, man ist nicht mehr Herr seiner Lage, nicht mehr Herr in seinem eigenen Innern, lässt sich von irrationalen Emotionen und Gedanken überschwemmen, die jeglicher Art der bewussten Abgrenzung und der Unterscheidung zwischen Wahrheit und Fiktion enthoben sind.

Es ist, als würde etwas anderes das Steuer übernehmen, dessen Fahrt einer Odyssee gleicht. Der Bezug zur Umwelt und zu sich selbst ist im Allgemeinen gestört. Die Wahrnehmung wird durch Reizüberflutung verzerrt und der Betroffene wird zunehmend handlungsunfähig.

Wirkung einer Psychose

Wir sind ständig von Reizen und Informationen umgeben, aber das Bewusstsein nimmt nur einen Teil davon auf, das, was es verarbeiten kann. Es ist ein natürlicher Schutz unserer Psyche, denn würden wir allen Reizen ausgeliefert sein, könnte die Seele kollabieren. Bei einer Psychose ist dieser Schutzmechanismus gestört – er wird durchlässig und das Unterbewusstsein kann den Schwall von einströmenden Eindrücken und Reizen nicht mehr koordinieren.

Das Bild der Außenwelt verzerrt sich, das innere Erleben bekommt eine eigene Dimension, die der Psychotiker analog nach außen projiziert. So werden die innere Welt des Fühlens und die äußere Welt der Erscheinungen vermischt. Die natürlichen Grenzen sind aufgelöst, der Mensch verliert sich, stürzt in Konfusion und kann nicht mehr zwischen konkreter Wahrnehmung und Fiktion unterscheiden. Es liegt ganz allgemein eine seelische Überforderung vor, oft durch belastende Umstände hervorgerufen, und die Betroffenen sind aufgrund ihrer erhöhten Sensibilität dem gegenüber nicht gewappnet.

Psychose und Depression

Eine Psychose kommt nicht selten allein, die meisten Betroffenen erleben nach einer Akutphase eine Phase der Depression, dessen Erleben vielfach als belastender empfunden wird, als die Psychose selbst. Denn in der Psychose ist der Betreffende durch seinen eigenen „Wahn“ von sich selbst abgelenkt, während die Depression eine Konfrontation mit sich selbst verursacht – einem lähmenden oder destruktiven Erleben, das einen auf sich selbst zurückwirft.

Vorgeschichte als Ursache

Nicht nur eine psychische Erkrankung kann eine Psychose auslösen, es kann eine organische Erkrankung vorliegen, durch Drogen oder Alkohol hervorgerufen oder durch Schlafentzug und Vereinsamung.

Ob und wann ein Mensch an einer Psychose erkrankt oder nicht, ist nicht vorauszusehen. Aber vielfach ist eine Vorgeschichte innerhalb der Herkunftsfamilie eine mögliche Ursache, als auch, daß es in der seelischen Beschaffenheit des Betreffenden selbst liegt.

Aggressive und sensible Psychotiker

Psychotiker sind oft sensible, verletzbare und intelligente Menschen, die labil und daher wenig belastbar sind und Abgrenzungsschwierigkeiten haben. Sie beziehen die Reaktionen der Umwelt oft auf sich, dafür besitzen sie aber Einfühlungsvermögen. Sie brauchen eine klare Struktur in ihrem Leben und geordnete Lebensverhältnisse, denn Chaos wie Isolationstendenzen können psychotische Schübe auslösen.

Es gibt auch aggressive Psychotiker, die zu emotionalen Ausbrüchen und Übergriffen neigen. Sie können, wenn sie gesund sind, sehr umgänglich sein, so daß man ihr aggressives Potential nicht vermutet, das sie in einer Akutphase unberechenbar machen kann. Sie selbst bekommen davon wenig mit.

Aggression und Depression bei Psychosen

Es ist, als ob die ganzen Emotionen und unterdrückten Inhalte des Unterbewußtseins wie Ängste, Komplexe, Aggressionen, Triebe und Urinstinkte usw., mit einem Mal an die Bewußtseinsschwelle dringen und der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, sie vernunft- und verstandesmäßig zu kontrollieren. Sie bewirken dann Bilder – Wahn und Halluzinationen – man ist sozusagen auf einem Trip des Unterbewußtseins. Die Lokalisierung gleicht einer Traumdeutung, denn wenn Psychose auch eine Krankheit ist, ist sie dennoch Ausdruck einer überforderten Seele.

Die wirren Bilder und Erlebnisse sind sehr verschieden, aber eben auch Ausdruck der Persönlichkeit, die sich wortwörtlich in einem dramatischen Auflösungsprozess befindet.

Es gibt immer eine Ursache dafür und die Wurzel hierfür aufzudecken und sie zu lösen – durch Therapie beispielsweise – kann die Krankheitsschübe zum Stillstand bringen, denn man lernt die Zeichen zu deuten, die auf eine anfängliche Psychose hinweisen.

Der Betroffene löst sich immer mehr von der Krankheit, je mehr er versteht, warum er unter bestimmten Konstellationen psychotisch reagiert. Und dies wurzelt oft in der Vergangenheit, in seiner Biografie.

Fazit zur Einführung ins Thema

Soweit zu meinen allgemeinen Beschreibungen, wie man sich eine Psychose in groben Zügen vorstellen kann. Dieser Artikel ist selbstverständlich nur ein kleiner Ausflug in das große Wissensgebiet der Psychologie und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Vielleicht hat er Sie neugierig gemacht, mehr über diese Wissenschaft zu erfahren oder angeregt, sich mehr mit der eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen. Dann habe ich mein Ziel erreicht! Schließlich gibt es immer noch viele ungelüftete Geheimnisse über den Menschen, die noch von den Pionieren des Geistes erforscht werden müssen.

Mehr zu diesem Thema können Sie auch in meinem Buch „Psychose – Leben in Zwischenwelten“ erfahren!

Anmerkung der Redaktion: Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel rein informellen Charakter hat und der Allgemeinbildung dient. Er kann nicht den kompetenten Rat eines Arztes oder Psychologen ersetzen.

Viel Spaß beim Forschen und Lernen!

Jamina Diley

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