Psychologie: Woran erkennt man eine Psychose?

Die Psychologie ist eine Wissenschaft, die versucht dem Geheimnis des Menschen und seines Verhaltens auf die Spur zu kommen. Doch wie kommt es, daß manche Menschen den Bezug zur Realität verlieren?

Wie kann man sich eine Psychose vorstellen? Diese Fragen werden in dem vorliegenden Artikel behandelt. Bitte beachten Sie, daß dieser Artikel informellen Charakter hat und der Allgemeinbildung dient. Er kann nicht den kompetenten Rat eines Arztes oder Psychologen ersetzen.

Was ist eine Psychose?Was heißt Psychose? In der Medizin wird Psychose als Sammelbegriff für eine Geisteskrankheit bezeichnet, der eine funktionelle Störung im Gehirn zugrunde liegt. Zum anderen liegt ihr Grund in einer psychischen Erkrankung. Wissenschaftlich wird diskutiert, ob eine erbliche Komponente vorliegt, die sich auf die nächsten Angehörigen überträgt.

Auslöser für eine Psychose können die unterschiedlichsten Gründe sein, wobei ein Charakteristikum der psychischen Instabilität dafür bezeichnend ist.

Für Menschen, mit einer Bereitschaft an einer Psychose zu erkranken, ist oftmals eine vorhergehende Geschichte verantwortlich, wie eine belastende Lebens- oder Beziehungssituation, die sie emotional und rational nicht verarbeiten können und daher zur Psychose führen.

Eine Psychose kann sich schleichend aufbauen, mit anfänglichen Merkmalen von starken Konzentrationsstörungen, Reizüberflutung, undifferenzierter Angst, exzessivem Glücklichsein, beginnende Veränderung der äußeren und inneren Wahrnehmung, die in der Akutphase in Wahnvorstellungen und halluzinatorischen Störungen gipfeln kann. Dabei hat der Betroffene das Gefühl von diesem Prozeß völlig aufgesogen zu werden.

Er hält das, was er vollkommen verzerrt erlebt für real und ist nicht mehr in der Lage objektiv zu urteilen. Er befindet sich wortwörtlich in einem Film, wo er die Hauptrolle spielt, obgleich er jeder realistischen Einschätzung seiner Person und seiner Umwelt gegenüber durch seinen Ich-Verlust entrissen ist. Denn Psychose bedeutet Ich-Verlust, man ist nicht mehr Herr seiner Lage, nicht mehr Herr in seinem eigenen Innern, läßt sich von irrationalen Emotionen und Gedanken überschwemmen, die jeglicher Art der bewußten Abgrenzung und der Unterscheidung zwischen Wahrheit und Fiktion enthoben sind.

Es ist, als würde etwas anderes das Steuer übernehmen, dessen Fahrt einer Odyssee gleicht. Der Bezug zur Umwelt und zu sich selbst ist im Allgemeinen gestört. Die Wahrnehmung wird durch Reizüberflutung verzerrt und der Betroffene wird zunehmend handlungsunfähig.

Wir sind ständig von Reizen und Informationen umgeben, aber das Bewußtsein nimmt nur einen Teil davon auf, das, was es verarbeiten kann. Es ist ein natürlicher Schutz unserer Psyche, denn würden wir allen Reizen ausgeliefert sein, könnte die Seele kollabieren. Bei einer Psychose ist dieser Schutzmechanismus gestört – er wird durchlässig und das Unterbewußtsein kann den Schwall von einströmenden Eindrücken und Reizen nicht mehr koordinieren.

Das Bild der Außenwelt verzerrt sich, das innere Erleben bekommt eine eigene Dimension, die der Psychotiker analog nach außen projiziert. So werden die innere Welt des Fühlens und die äußere Welt der Erscheinungen vermischt. Die natürlichen Grenzen sind aufgelöst, der Mensch verliert sich, stürzt in Konfusion und kann nicht mehr zwischen konkreter Wahrnehmung und Fiktion unterscheiden. Es liegt ganz allgemein eine seelische Überforderung vor, oft durch belastende Umstände hervorgerufen, und die Betroffenen sind aufgrund ihrer erhöhten Sensibilität dem gegenüber nicht gewappnet.

Die Auslöser einer Psychose können recht unterschiedlich sein – so wie ihr Verlauf - und viele Menschen hatten im Laufe ihres Lebens bereits Erlebnisse, die man als leicht psychotisch bezeichnen kann, ohne daran zu erkranken.

Angst PsychoseHatten Sie nicht schon einmal Fremdheitszustände, wo Sie in einer neuen Situation standen? Undifferenzierte Ängste, Beobachtungsgefühle oder das unbestätigte Gefühl, daß man über Sie redet? Malen Sie sich in Ihrer Phantasie alles zu schwarz oder zu bunt aus? Fühlten sich Sie sich von Ihren Gefühlen regelrecht überschwemmt, daß Ihnen die Objektivität fehlte? Nahmen Sie die Außenreize verstärkt wahr?

Kennen Sie das Gefühl neben sich selbst zu stehen? Hatten Sie oft das Gefühl, andere wollen etwas von Ihnen, ob es nun der Wahrheit entspricht oder nicht? Fühlten Sie sich nicht schon einmal wie in einem anderen Film?

Kennen Sie ein emotionales Erregtsein, daß Sie die ganze Welt umarmen könnten? Fühlen Sie sich oft aufgeputscht? Wenn Sie verliebt waren, waren Sie dann nicht ganz „außer“ sich und sahen alles durch eine rosarote Brille?

Eine Psychose kommt nicht selten allein, die meisten Betroffenen erleben nach einer Akutphase eine Phase der Depression, dessen Erleben vielfach als belastender empfunden wird, als die Psychose selbst. Denn in der Psychose ist der Betreffende durch seinen eigenen „Wahn“ von sich selbst abgelenkt, während die Depression eine Konfrontation mit sich selbst verursacht – einem lähmenden oder destruktiven Erleben, das einen auf sich selbst zurückwirft.

Nicht nur eine psychische Erkrankung kann eine Psychose auslösen, es kann eine organische Erkrankung vorliegen, durch Drogen oder Alkohol hervorgerufen oder durch Schlafentzug und Vereinsamung.

Ob und wann ein Mensch an einer Psychose erkrankt oder nicht, ist nicht vorauszusehen. Aber vielfach ist eine Vorgeschichte innerhalb der Herkunftsfamilie eine mögliche Ursache, als auch, daß es in der seelischen Beschaffenheit des Betreffenden selbst liegt.

Psychotiker sind oft sensible, verletzbare und intelligente Menschen, die labil und daher wenig belastbar sind und Abgrenzungsschwierigkeiten haben. Sie beziehen die Reaktionen der Umwelt oft auf sich, dafür besitzen sie aber Einfühlungsvermögen. Sie brauchen eine klare Struktur in ihrem Leben und geordnete Lebensverhältnisse, denn Chaos wie Isolationstendenzen können psychotische Schübe auslösen.

Es gibt auch aggressive Psychotiker, die zu emotionalen Ausbrüchen und Übergriffen neigen. Sie können, wenn sie gesund sind, sehr umgänglich sein, so daß man ihr aggressives Potential nicht vermutet, das sie in einer Akutphase unberechenbar machen kann. Sie selbst bekommen davon wenig mit.

Es ist, als ob die ganzen Emotionen und unterdrückten Inhalte des Unterbewußtseins wie Ängste, Komplexe, Aggressionen, Triebe und Urinstinkte usw., mit einem Mal an die Bewußtseinsschwelle dringen und der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, sie vernunft- und verstandesmäßig zu kontrollieren. Sie bewirken dann Bilder – Wahn und Halluzinationen - man ist sozusagen auf einem Trip des Unterbewußtseins. Die Lokalisierung gleicht einer Traumdeutung, denn wenn Psychose auch eine Krankheit ist, ist sie dennoch Ausdruck einer überforderten Seele.

verzerrte WahrnehmungDie wirren Bilder und Erlebnisse sind sehr verschieden, aber eben auch Ausdruck der Persönlichkeit, die sich wortwörtlich in einem dramatischen Auflösungsprozeß befindet.

Es gibt immer eine Ursache dafür und die Wurzel hierfür aufzudecken und sie zu lösen – durch Therapie beispielsweise - kann die Krankheitsschübe zum Stillstand bringen, denn man lernt die Zeichen zu deuten, die auf eine anfängliche Psychose hinweisen.

Der Betroffene löst sich immer mehr von der Krankheit, je mehr er versteht, warum er unter bestimmten Konstellationen psychotisch reagiert. Und dies wurzelt oft in der Vergangenheit, in seiner Biografie.

Soweit zu meinen allgemeinen Beschreibungen, wie man sich eine Psychose in groben Zügen vorstellen kann. Dieser Artikel ist selbstverständlich nur ein kleiner Ausflug in das große Wissensgebiet der Psychologie und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Vielleicht hat er Sie neugierig gemacht, mehr über diese Wissenschaft zu erfahren oder angeregt, sich mehr mit der eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen. Dann habe ich mein Ziel erreicht! Schließlich gibt es immer noch viele ungelüftete Geheimnisse über den Menschen, die noch von den Pionieren des Geistes erforscht werden müssen.

Mehr zu diesem Thema können Sie auch in meinem Buch "Psychose - Leben in Zwischenwelten" unterhalb des Artikels erfahren!

Viel Spaß beim Forschen und Lernen!

12.05.2016 © seit 02.2009 Jamina Diley
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