Beziehung: Wünsche und Bedürfnisse richtig ansprechen

In einer Beziehung zu einem anderen Menschen entsteht eine besondere Nähe, wenn dem Partner intime Wünsche und Bedürfnisse offenbart werden können.

Dazu ist viel Vertrauen und Offenheit notwendig, denn wir alle haben oft Angst davor, verletzt oder abgewiesen zu werden.

Es ist bereits eine Kunst und für viele Menschen nicht einfach, sich seine eigenen intimen Wünsche oder Bedürfnisse bewusst zu machen. Selbst wenn das gelingt, bleibt immer noch die Frage offen, wie man sie seinem Partner vermittelt.

Intime Geheimnisse in der Beziehung ansprechenDabei sollte man sehr bewusst auf seine Sprache achten, damit der Partner nicht abgeschreckt, sondern einfühlsam reagieren kann. Viele Menschen machen den Fehler, ihre Bitten und Wünsche wie Forderungen zu formulieren.

Dann fühlt sich der andere "genötigt" auf die Forderung einzugehen, da ihm sonst vielleicht negative Konsequenzen - wie schlechte Gefühle, Streit, Ablehnung o. ä. - drohen.

Wer in dieser Weise kommuniziert, läuft Gefahr, dass der Partner mit der Zeit immer mehr auf Abstand geht. So kann eine "Negativ-Spirale" in Gang gesetzt werden, die am Ende die ganze Beziehung gefährdet.

Damit das nicht passiert, informieren Sie sich in diesem Artikel über eine Möglichkeit, wie Sie dem Partner gegenüber einfühlsamer kommunizieren können. Formulieren Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse als "Bitte". Worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie nachfolgend.

Unterschied zwischen einer Bitte und einer Forderung

In der gewaltfreien Kommunikation (nach Marshall B. Rosenberg) wird sehr genau zwischen einer Bitte und einer Forderung unterschieden. Der Grund liegt darin, dass Bitten oft mit Forderungen verwechselt werden, sie also als Forderung beim Gesprächspartner ankommen. Kein Wunder also, dass der andere nur selten bereit ist, eine schlecht getarnte Forderung zu erfüllen.

Sehen wir uns einige Beispiele an:

  • "Dein Zimmer sieht aus wie ein Schweinestall!" Räum es sofort auf - BITTE! - sonst ..."
  • A: "Bitte gib mir mal das Brot rüber" B: "Nein". A: "Das finde ich jetzt ganz schön egoistisch von dir!"

Selbst wenn der andere bereit ist, unsere Forderungen zu erfüllen, wird er es vielleicht nur aus Angst vor negativen Konsequenzen tun. Damit ist aber langfristig gar nichts gewonnen, denn sobald keine negativen Konsequenzen mehr drohen, wird das gewünschte Verhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit aufhören. Eine permanente Kontrolle wäre also notwendig, ist aber in der Praxis nicht durchführbar, ganz zu schweigen davon, dass dies viele Menschen gar nicht wollen.

Sicherlich ist es richtig, dass manches kontrolliert werden muss und dass Forderungen einen wichtigen Platz in unserem Leben einnehmen (z. B. im wirtschaftlichen Bereich). Ohne Forderungen geht es nicht, doch das ist ein anderes Thema.

Eine als Forderung getarnte Bitte kann durchaus höflich vorgetragen werden. Wichtig dabei ist das Augenmerk auf die Reaktion des Bittenden, wenn die Bitte abgelehnt wird.

Wer tatsächlich um etwas bittet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass der andere auch "Nein" sagen darf. Er ist nicht gezwungen, unsere Bitte zu erfüllen. Daher sollten wir ihm ein "Nein", wenn nötig, auch ausdrücklich zubilligen.

Wir haben nur dann eine echte Bitte formuliert, wenn der andere "Nein" sagen darf und wir ihm keine negativen Konsequenzen androhen, ihn erpressen oder anderweitig unter Druck setzen.

Wie sollten Bitten formuliert werden?

Wer seine Bitten richtig formuliert, wird überrascht sein, wie oft und gerne andere Menschen bereit sind, sie zu erfüllen.

Hier einige einfache Regeln, wie Bitten formuliert werden können:

1. Die erste Regel wurde schon oben genannt: Der andere sollte die Möglichkeit haben "nein" zu sagen. Bei der Formulierung einer Bitte kann dem anderen explizit gesagt werden, dass er die Wahl hat, diese Bitte zu erfüllen oder nicht, z. B. "Wenn du meine Bitte nicht erfüllen willst, dann ist das völlig in Ordnung für mich."

Wenn er also "Nein" sagt, akzeptieren Sie seine Antwort. Fragen Sie ggf. nach seinen Gründen, denn der andere wird in der Regel ein Bedürfnis haben, das wichtiger als die Erfüllung Ihrer Bitte ist (vielleicht ist er sehr müde und will sich hinlegen oder hat eine andere dringende Verpflichtung ...).

2. Bitten sollten konkret formuliert werden und erfüllbar sein. Ein Beispiel: "Machst du bitte den Abwasch? Darüber würde ich mich sehr freuen!" Gegenbeispiel: "Bitte bring die Küche wieder in Ordnung."

3. Eine Bitte sollte positiv formuliert werden. Beispiel: "Wärest du bereit heute noch das Wohnzimmer aufzuräumen oder hast du einen anderen Vorschlag?" Gegenbeispiel: "Sei bitte nicht so schlampig" (Negation und Bewertung).

4. Eine Bitte mit einem Bedürfnis und Gefühl zu verbinden, kann dem anderen zeigen, wie wichtig Ihnen Ihr Anliegen ist. Wenn der andere keine dringenderen Bedürfnisse hat (z. B. einen eiligen Termin), wird er in der Regel gerne bereit sein, Ihre Bitte zu erfüllen. Beispiel: "Mir ist ein guter Geruch in der Küche sehr wichtig. Deshalb wäre ich sehr froh, wenn der Mülleimer spätestens am zweiten Tag entleert wird. Kannst du das heute bitte übernehmen?"

5. Vermeiden Sie Bewertungen in Ihre Bitten einzubauen, denn der andere kann die Bitte schnell missverstehen. Ein Beispiel: "Bitte sei ehrlich zu mir!" (Der andere könnte nun denken, dass ihm Lügen unterstellt werden). Besser ist es auch hier konkret bei einer Situation zu bleiben, z. B.: "Es interessiert mich brennend, wie du über das eben besprochene Thema ... denkst. Willst du mir deine Meinung dazu sagen?"

Auf die richtige Form einer Bitte zu achten, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Bitten auch gehört und erfüllt werden können. Dabei muss das Wörtchen "Bitte" nicht immer mit ausgesprochen werden, wie einige oben genannte Beispiele zeigen.

Es geht vielmehr um die Einstellung, einen anderen Menschen ernst zu nehmen, d. h. seine Bedürfnisse und Wünsche zu hören, aber auch dafür zu sorgen, selbst gehört zu werden. Nur dann besteht die Möglichkeit, sich gegenseitig Bedürfnisse oder Wünsche zu erfüllen.

Das gilt auch für Situationen, wo Sie selbst um etwas gebeten werden. Fragen Sie nach, wenn Sie die Bitte nicht verstehen, bzw. der andere sie als Forderung formuliert. Wenn Sie seine Bitte ablehnen, nennen Sie dem anderen Ihren Grund und suchen Sie gemeinsam mit ihm nach äquivalenten Lösungen.

Viel Erfolg beim Erfüllen Ihrer Wünsche!

22.06.2016 © seit 05.2010 Cassandra B.  

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