Rechtschreibung Apostroph: Was ist richtig / falsch?

Der Apostroph – auch Hochkomma oder Oberstrich genannt – wird heute gerne und viel verwendet. Wer neuere Texte aufmerksam liest, wird sich vielleicht über die kreativen Anwendungen des Apostrophs in deutschen Wörtern wundern. Daher wollen wir uns hier damit beschäftigen, wo er richtig bzw. falsch eingesetzt wird.

Woher kommt der Apostroph?

Erstmalig wurde er als neues Interpunktionszeichen schon im 16. Jahrhundert angewandt. Von da an verwendete man ihn als „Auslassungszeichen“ oder zur Markierung des Wortstamms, wie bei Zusammenziehungen oder einem angehängten Genitiv-s.

Früher noch weitgehend ungenutzt treibt er jetzt sein Unwesen in allen möglichen Wörtern und Formulierungen, wo er nichts zu suchen hat. Wie kommt es, dass wir ihn so gerne verwenden?

Mit dem Apostroph kann man nicht nur Wörter oder Inhalte verkürzen, sondern auch Umgangssprache schriftlich besser darstellen. Sätze wie „Das ist so’ne Sache“ oder „Was für ’n Blödsinn!“ braucht man nicht mehr auszuschreiben, sondern kann sie direkt übertragen.

Apostroph Rechtschreibung richtig falsch

Eine andere Quelle der Beliebtheit liegt wohl in der Vermischung der Sprachen, d. h. an unserer Neigung immer mehr englische Redewendungen zu nutzen bzw. sie in der deutschen Sprache mitzuverwenden. Doch nicht alles, was aus dem „Englischen“ kommt, ist auch bei uns brauchbar – oder richtig.

Etwas zu verkürzen ist sicher sehr beliebt und praktisch. Jedoch wird er mittlerweile zu vielen Stellen eingesetzt und (miss-) braucht. Da man ihn heute sehr häufig sieht, entsteht so einige Verwirrung, wo man ihn – laut Rechtschreibung – richtig oder falsch einsetzt.

Damit Sie in Zukunft keine Apostroph-Sünden mehr begehen, habe ich die größten Fettnäpfchen herausgesucht und zeige, wie sie vermieden werden können.

Irrtum 1: Der Plural-Apostroph

Den Plural-Apostroph gibt es natürlich nicht, aber er wird immer häufiger verwendet. Hier einige Beispiele der falschen und richtigen Anwendung …:

FalschRichtig
die Euro’sdie Euros
die Info’sdie Infos
die PC’sdie PCs
die Hobby’sdie Hobbys
die DVD’sdie DVDs
Rechtschreibung Apostroph Plural

Es handelt sich bei diesen Beispielen um einen ganz normalen Plural – wie viele Handys und viele Videos. Keiner würde statt „Sitze“ etwa „Sitz’e“ schreiben. Doch dieser Irrtum scheint im Plural sehr weit verbreitet zu sein.

Beispielsweise findet Google den Suchbegriff „CD’s“ auf deutschen Seiten unzählige Male. Das ist viel zu häufig für ein Wort, das es in dieser Schreibweise eigentlich gar nicht gibt. Ebenso werden verwandte Rechtschreibfehler wie „Info’s“ nicht seltener gefunden.

Und falls man es selbst nicht weiß – Google weiß es besser: Geben Sie als Suchbegriff „für’s“ ein, fragt die Suchmaschine automatisch nach: „Meinten Sie fürs?“ Wie gut, dass Google für uns mitdenkt – zumindest, wenn wir hingucken!

Irrtum 2: Der Genitiv-Apostroph

Auch den Genitiv-Apostroph gibt es im Deutschen nicht, obwohl das viele denken und ihn entsprechend anwenden. Vermutlich kommen solche Fehler aus der englischen Sprache. Möglicherweise sind Schreibweisen wie „McDonald’s“ der Ursprung dieses Übels.

Kein Wunder, dass sich solchen Trends auch Pommesbuden- oder Boutiquebesitzer anschließen – man will ja modern wirken.

Hier einige Beispiele …:

FalschRichtig
Rosi’s BlumenladenRosis Blumenladen
Peter’s PlattenladenPeters Plattenladen
Berlin’s schönste StraßeBerlins schönste Straße
Marion’s AutoMarions Auto

Beachten Sie: Im Englischen wäre eine Schreibweise wie „Peter’s car“ durchaus korrekt. Wer viel mit englischen Texten zu tun hat – was sich heute kaum vermeiden lässt – überträgt den Apostroph vermutlich auch unbewusst gerne in die deutsche Schreibweise.

Aber es gibt auch im Deutschen eine korrekte Regel dafür. Der Apostroph kann zur Verdeutlichung der Grundform des Eigennamens verwendet werden, z. B. Andrea’s Blumenladen, zur Unterscheidung des männlichen Vornamens Andreas.

Irrtum 3: Der Apostroph ersetzt mehrere Namen

Dieser Fehler ist in vielen Texten zu finden – also absolut klassisch und beliebt.

Hierzu wieder einige prominente Beispiele …:

FalschRichtigVolle Ausschreibung
alles für’s Kindalles fürs Kindalles für das Kind
alles rund um’s Autoalles rund ums Autoalles rund um das Auto

Der Apostroph soll im ersten Beispiel zwei Buchstaben ersetzen: d und a. Das geht nicht. Er kann immer nur einen Buchstaben ersetzen, wie in diesem Beispiel:

  • Schön war’s – ersetzt den Buchstaben e.
  • Mir ist’s egal – ersetzt ein e.

Rechtschreibung: Apostroph und das End „S“

Ein weiterer häufiger Fehler in Texten ist der Einsatz des Apostrophs bei Wörtern, die mit einem „S“ enden. Hier kann man sich die zusätzliche Schreibarbeit einfach sparen und liegt trotzdem richtig.

Beispiele solche Anwendungen sind …:

FalschRichtig
Freitag’sFreitags
Weihnacht’s-GeschenkWeihnachts-Geschenk
Chef’sChefs
Oma’s ApfelkuchenOmas Apfelkuchen

Rechtschreibung: Apostroph bei Verkürzung von „es“ zu „s“ erlaubt

Wenn das Pronomen „es“ zu „s“ verkürzt wird, darf man einen Apostroph setzen.

Beispiele: Mach’s gut – Hol’s der Teufel! – Nimm’s locker – Wirf’s weg – etc.

Rechtschreibung Apostroph Genitiv

Seit der neuen deutschen Rechtschreibung kann man ihn aber auch weglassen, d. h. die verkürzten Wörter einfach zusammenschreiben:

Beispiele: Machs gut – Hols der Teufel – Nimms locker – Wirfs weg.

Dies gilt übrigends auch für eine Verkürzung von „ein/eine“ zu „n„. Hier dürfen auch beide Varianten – also mit Apostroph und Wort zusammenschreiben verwendet werden:

Beispiele: „Hol mal ’n Hamburger“ (Hol mal n Hamburger) – Sie ist ’ne tolle Cheffin (Sie ist ne tolle Cheffin) – beides wäre richtig.

Viele sprechen es verbal sowieso so – nur schriftlich wird es oft als Faulheit (oder schlechter Stil) bewertet, wenn man den unbestimmten Artikel nicht ausschreibt.

Kein Apostroph bei bestimmten Artikeln mit vorangehender Präposition

Wenn man einen bestimmten Artikel mit der vorangehenden Präposition verkürzt, wird ebenfalls kein Apostroph geschrieben.

Beispiele: aufs Auto, hinters Haus, unterm Tisch, vorm Tor, durchs Fenster, übers Gebirge …

Apostroph und Wortauslassungen …

Ein Apostroph muss gesetzt werden, wenn man Buchstaben aus dem Wortinneren auslassen will.


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Beispiele: D’dorf, M’gladbach, K’damm etc.

So etwas kommt in der wörtlichen Rede häufiger vor – zählt aber schriftlich ebenfalls als „schlechter Stil“.

Damit bin ich mit meinem Thema Rechtschreibung bzw. „der Apostroph macht, was er will“ am Ende. Ich hoffe, dass Sie einfache und verständliche Hinweise bekommen haben, wie Sie den Apostroph künftig richtig anwenden können.

Viel Spaß beim korrekten Einsatz des Apostrophs in Ihren Texten!

Andrea Munich

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