Rechtschreibung Apostroph: Was ist richtig / falsch?

Wer neuere Texte etwas aufmerksamer liest, wird sich vielleicht über die kreativen Stilblüten in der Schreibweise von deutschen Wörtern wundern. Zumindest habe ich den Eindruck, dass sich speziell in den letzten Jahren eine Plage eingeschlichen hat – der Missbrauch des Apostrophs!

Rechtschreibung: Der Apostroph macht, was er will!

Früher noch weitgehend unbekannt treibt er jetzt sein Unwesen hinter allen möglichen Wörtern und Formulierungen, wo er nichts zu suchen hat. Wie kommt es, dass wir unsere Sprache komplizierter als nötig gestalten?

Apostroph richtig verwenden

Die Antwort liegt wohl in der Vermischung der Sprachen – wahrscheinlich an unserer Neigung uns immer mehr englische Redewendungen und Sprachgewohnheiten anzugewöhnen bzw. sie in der deutschen Sprache mitzuverwenden. Doch nicht alles, was aus dem „Englischen“ kommt, ist auch bei uns brauchbar – oder richtig.

Damit Sie in Zukunft keine Apostroph-Sünden mehr begehen, habe ich die größten Fettnäpfchen herausgesucht und zeige, wie sie vermieden werden können.

Rechtschreibung Irrtum 1: Der Plural-Apostroph

Den Plural-Apostroph gibt es natürlich nicht, aber er wird immer häufiger verwendet. Hier einige Beispiele der falschen und richtigen Anwendung …:

FalschRichtig
die Euro’sdie Euros
die Info’sdie Infos
die PC’sdie PCs
die Hobby’sdie Hobbys
die DVD’sdie DVDs
Rechtschreibung Apostroph Plural

Es handelt sich bei jedem einzelnen Beispiel um einen ganz normalen Plural: viele Handys und viele Videos. Keiner würde statt „Sitze“ etwa „Sitz’e“ schreiben. Doch dieser Irrtum scheint im Plural sehr weit verbreitet zu sein.

Beispielsweise findet Google den Suchbegriff „CD’s“ auf deutschen Seiten unzählige Male. Das ist viel zu häufig für ein Wort, das es in dieser Schreibweise eigentlich gar nicht gibt. Ebenso werden verwandte Rechtschreibfehler wie „Info’s“ nicht seltener gefunden.

Und falls man es selbst nicht weiß – Google weiß es besser: Geben Sie als Suchbegriff „für’s“ ein, fragt die Suchmaschine automatisch nach: „Meinten Sie fürs?“ Wie gut, dass Google für uns mitdenkt – zumindest, wenn wir hingucken!

Rechtschreibung Irrtum 2: Der Genitiv-Apostroph

Auch diesen Apostroph gibt es im Deutschen nicht, obwohl das viele denken und ihn entsprechend anwenden. Vermutlich kommen solche Fehler aus der englischen Sprache. Möglicherweise sind Schreibweisen wie „McDonald’s“ der Ursprung dieses Übels.

Kein Wunder, dass sich solchen Trends auch Pommesbuden- oder Boutiquebesitzer anschließen – man will ja modern wirken.

Hier einige Beispiele …:

FalschRichtig
Rosi’s BlumenladenRosis Blumenladen
Peter’s PlattenladenPeters Plattenladen
Berlin’s schönste StraßeBerlins schönste Straße
Marion’s AutoMarions Auto

Beachten Sie: Im Englischen wäre eine Schreibweise wie „Peter’s car“ durchaus korrekt. Wer viel mit englischen Texten zu tun hat – was sich heute kaum vermeiden lässt – überträgt den Apostroph vermutlich in die deutsche Schreibweise – unbewusst.

Aber es gibt auch im Deutschen eine korrekte Regel dafür. Der Apostroph kann zur Verdeutlichung der Grundform des Eigennamens verwendet werden, z. B. Andrea’s Blumenladen, zur Unterscheidung des männlichen Vornamens Andreas.

Rechtschreibung Irrtum 3: Der Apostroph ersetzt mehrere Namen

Dieser Fehler ist in vielen Texten zu finden – also absolut klassisch und beliebt.

Hierzu wieder einige prominente Beispiele …:

FalschRichtigVolle Ausschreibung
alles für’s Kindalles fürs Kindalles für das Kind
alles rund um’s Autoalles rund ums Autoalles rund um das Auto

Der Apostroph soll im ersten Beispiel zwei Buchstaben ersetzen: d und a. Das geht nicht. Er kann immer nur einen Buchstaben ersetzen, wie in diesem Beispiel:

  • Schön war’s – ersetzt den Buchstaben e.
  • Mir ist’s egal – ersetzt ein e.

Rechtschreibung: Apostroph und End „S“

Ein weiterer häufiger Fehler in Texten ist der Einsatz des Apostrophs bei Wörtern, die mit einem „S“ enden. Hier kann man sich die zusätzliche Schreibarbeit einfach sparen und liegt trotzdem richtig.

Beispiele solche Anwendungen sind …:

FalschRichtig
Freitag’sFreitags
Weihnacht’s-GeschenkWeihnachts-Geschenk
Chef’sChefs
Oma’s ApfelkuchenOmas Apfelkuchen

Rechtschreibung: Apostroph bei Verkürzung von „es“ zu „s“ erlaubt

Rechtschreibung Apostroph Genitiv

Wenn das Pronomen „es“ zu „s“ verkürzt wird, darf man einen Apostroph setzen.

Beispiele: Mach’s gut – Hol’s der Teufel! – Nimm’s locker – Wirf’s weg – etc.

Seit der neuen deutschen Rechtschreibung kann man ihn aber auch weglassen, d. h. die verkürzten Wörter einfach zusammenschreiben:

Beispiele: Machs gut – Hols der Teufel – Nimms locker – Wirfs weg.

Dies gilt übrigends auch für eine Verkürzung von „ein/eine“ zu „n„. Hier dürfen auch beide Varianten – also mit Apostroph und Wort zusammenschreiben verwendet werden:

Beispiele: „Hol mal ’n Hamburger“ (Hol mal n Hamburger) – Sie ist ’ne tolle Cheffin (Sie ist ne tolle Cheffin) – beides wäre richtig. Viele sprechen es verbal sowieso so – nur schriftlich wird es oft als Faulheit (oder schlechter Stil) bewertet, wenn man den unbestimmten Artikel nicht ausschreibt.

Kein Apostroph bei bestimmten Artikeln mit vorangehender Präposition

Wenn man einen bestimmten Artikel mit der vorangehenden Präposition verkürzt, wird ebenfalls kein Apostroph geschrieben.

Beispiele: aufs Auto, hinters Haus, unterm Tisch, vorm Tor, durchs Fenster, übers Gebirge …

Apostroph und Wortauslassungen …

Ein Apostroph muss gesetzt werden, wenn man Buchstaben aus dem Wortinneren auslassen will.

Beispiele: D’dorf, M’gladbach, K’damm etc.

Kommt in der wörtlichen Rede öfter vor – zählt aber schriftlich ebenfalls als „schlechter Stil“.

Damit bin ich mit meinem Thema Rechtschreibung bzw. „der Apostroph macht, was er will“ am Ende. Ich hoffe, dass Sie einfache und verständliche Hinweise bekommen haben, wie Sie den Apostroph richtig anwenden können.

Viel Spaß beim korrekten Einsatz des Apostrophs in Ihren Texten!

Andi T.

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