Manipulation durch Sprache: Macht der Suggestion

Haben Sie schon einmal etwas gekauft, von dem Sie im Nachhinein festgestellt haben: „Eigentlich brauche ich es nicht wirklich!“ oder „Was habe ich mir denn da andrehen lassen?“

Damit Ihnen so etwas nicht "wider Willen" passiert, zeige ich Ihnen in diesem Artikel anhand von Beispielen, wie Sie sprachliche „Manipulationen“ entlarven und wie die "Macht der Suggestion" funktioniert.

Manipulation durch Sprache Beispiele wie Suggestion funktioniertDas Zauberwort heißt Rhetorik – oder genauer – die „suggestive Manipulation der Sprache“. Die Idee dahinter ist, dass man über Sprache nicht nur "neutrale Informationen" übermitteln, sondern sie auch – ähnlich einer Affirmation in der Hypnose – zur Annahme von bestimmten Überzeugungen einsetzen kann.

Mir geht es in diesem Artikel jedoch nicht darum, trockene Rhetorik-Tricks zu besprechen - das dürfte Sie weniger interessieren. Mir geht es darum, einige Beispiele aus der Praxis darzustellen, damit Sie sehen können, wie eine Suggestion durch Sprache funktioniert. (Ups – hier habe ich Sie gerade manipuliert!)

Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, wende ich schon in der Einleitung einige Suggestionen an, die ich im Weiteren entlarven werde. Zusätze wie "das dürfte Sie weniger interessieren" überliest man schnell, doch damit behaupte ich, dass ich genau weiß, was für Sie interessant ist und was nicht - was natürlich Blödsinn ist.

Wenn Sie wissen wollen, wie ich Sie dazu bewege diesen Artikel zu lesen, können Sie sich in den weiteren Abschnitten die nötigen Infos holen. Nun denn - sehen wir uns die suggestive Kraft der Sprache einmal genauer an!

Manipulation durch Sprache: Wie funktionieren Suggestionen?

Manipulation durch Suggestion in der SpracheSuggestive Sprache kennen Sie sicherlich aus Politik, Werbung und dem Verkauf. Vielleicht werden Sie sagen: „Bei mir funktioniert das bestimmt nicht!“ – aber sind Sie sich da wirklich so sicher? Vieles was wir uns tagtäglich anhören und ansehen, wurde bereits in einer suggestiven Sprache formuliert und hat sich klammheimlich in unseren Sprachgebrauch geschlichen. Ja, auch in Ihren!

Worte sind immer auch mit inneren Vorstellungen des Zuhörers verknüpft. Worte erzeugen Bilder, die quasi automatisch vor dem geistigen Auge ablaufen und unsere Zustimmung oder Ablehnung beeinflussen. Auch der Rhythmus der Stimme, der Stimmklang, Gestik und Mimik werden bei einem geschickten Redner die Wirkung des Gesagten noch verstärken.

Vielleicht fragen Sie sich, ob dieser Text das Richtige für Sie ist. Doch Ihr Unterbewusstsein hat bereits entschieden - zumindest dann, wenn Sie wissen wollen, wie ich Ihr Unterbewusstes bis zu dieser Stelle beeinflusst habe. Einige meiner Tricks finden Sie in den folgenden Abschnitten erklärt.

Suggestion oder Ihre Entscheidung?

Natürlich entscheiden Sie, ob Sie diesen Text jetzt oder später weiter lesen wollen. Sie sind sicher auch gespannt, wie es weiter geht! Fällt Ihnen auf, dass ich Sie bisher an keiner Stelle dieses Artikels aufgefordert habe, weiter zu lesen? "Aufgefordert" ist hier in dem Sinne eines Imperatives gemeint – z. B. „Lesen Sie diesen Artikel bis zum Ende aufmerksam durch!“

Wenn Sie sich fragen, warum ich das nicht getan habe, ist meine Antwort einfach. Ich habe es nicht getan, da Sie sonst sofort bemerkt hätten, dass ich Sie zu einer bestimmten Handlung bewegen will. Außerdem sind einige gegen direkte "Befehle" allergisch und würden schon deshalb den Artikel weglegen. Es gibt viel subtilerer Methoden der Suggestion. Wer sie kennt, wird aufmerksamer sein und vermeiden, sich von solchen Sätzen einfangen zu lassen.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Methoden zur Anwendung kamen. Wenn Sie diese Ausführungen aufmerksam lesen, werden Sie erkennen, wie uns z. B. Massenmedien mit suggestiver Sprache beeinflussen können und so im Geheimen mit unserem Unterbewusstsein spielen.

Geheimnis der suggestiven Sprache: Tricks der Manipulation

1. Indirekte Suggestion als Manipulationstechnik

Sie wird oft als Frage formuliert und vermeidet einen direkten Befehl, z. B. „Werden Sie diesen Text lesen, der interessante Manipulationen in unserer Sprache aufdeckt?“

Hier vermeide ich die Befehlsform: „Lesen Sie diesen Text“, denn das könnte Widerstand bei Ihnen auslösen. Aber es ist nicht nur eine einfache Frage, sondern ich suggeriere hier schon verschiedene Vorannahmen. Einmal behaupte ich, dass "Sie diesen Text verstehen werden" und dass er "interessante Inhalte zum Thema Manipulation" enthält.

Die Frageform soll Sie nur ablenken, die darin implizit enthaltenen Aufforderungen zu überlesen. So kann man mit einer harmlosen Frage in den Gedanken des Zuhörers einen Suchprozess auslösen oder ein Interesse suggerieren, das er vor dem Lesen gar nicht hatte.

2. Versteckte Befehle als Manipulationstechnik

Da ich mir bei einer Suggestion nicht erlauben kann, Ihnen einen direkten Befehl zu erteilen, muss ich meine „Aufforderungen“ geschickter verpacken. Sie werden es bemerken, wenn Sie diesen Text weiter aufmerksam lesen. *Ha ha*

Techniken der Manipulation Suggestion versteckter BefehlDer letzte Satz ist ein Beispiel für einen versteckten Befehl, den ich als harmlose Aussage verpackt habe. Obwohl ich Sie direkt ausgesprochen habe, hatten Sie nicht den Eindruck, manipuliert worden zu sein. Ich habe Ihrem Unterbewusstsein vorgegaukelt, dass Sie etwas Interessantes und Geheimnisvolles bemerken werden, wenn Sie weiter aufmerksam meinen Worten folgen.

Wichtig an der Formulierung von versteckten Befehlen ist, dass ich sie positiv – im Sinne dessen was getan werden soll – formulieren muss, denn unser Unterbewusstsein kennt keine Verneinungen.

Der Beweis: Denken Sie jetzt bitte nicht daran, dass ich Sie gerade manipuliert habe. Nein – dieser Text hat mit Manipulation nichts zu tun!

Wie Sie bemerken werden, denken Sie gerade über die Manipulation in diesem Text nach. Ihr Unterbewusstsein hat die Negation einfach überhört.

3. Vorannahmen als Suggestionstechnik

Wie Sie sicher wissen, steckt in jedem Mensch ein „Überzeugungs-Künstler“. Im Grunde müssen wir nur lernen, wie wir die suggestive Sprache gezielt einsetzen können.

Ups – und schon wieder habe ich eine kleine Manipulation vorgenommen. Hier unterstelle ich Ihnen einfach, dass ein „Überzeugungs-Künstler“ in Ihnen steckt. Und Sie müssen nur zuhören, was ich Ihnen sage, um erfolgreich die suggestive Sprache einsetzen zu können.

Hätte ich gesagt: „Sie sind ein Überzeugungs-Künstler“, hätten Sie vielleicht nachgedacht und es wären Ihnen Beispiele eingefallen, wo es Ihnen misslang, einen Menschen zu etwas zu überreden. Wenn Sie wenig Selbstbewusstsein haben, hätten Sie vielleicht gesagt: „Nein, das kann ich nicht, mir hört doch sowieso niemand zu.“

Der Einbau der Vorannahme „Wie Sie sicher wissen ...“ suggeriert, dass ich im Folgenden etwas Selbstverständliches sagen werde, dem jeder „offensichtlich“ zustimmen kann. Weiterhin animiere ich Ihr Unterbewusstsein zu glauben, dass es irgendwo in Ihnen einen „versteckten“ Überzeugungs-Künstler gibt. Damit stimuliere ich den Wunsch etwas zu können, auch wenn man die Fähigkeit gar nicht hat.

Wer wünscht sich nicht insgeheim „Superman“ zu sein, der der Öffentlichkeit seine „schwachen Seiten“ nur vorspielt? Da der Mensch als intentionales Wesen insgeheim immer Erfolg haben will, bestätige ich Sie hier nur in dem Glauben, dass Sie tatsächlich "versteckte Gaben" haben. Der "Clark Kent" in uns hört solches Lob nur allzu gerne!

Ein kleiner Selbstversuch

Wäre es Ihnen möglich den folgenden Absatz zu überspringen? Ups – schon wieder!

Statt Ihnen zu befehlen, den nächsten Absatz zu überspringen, kommt dieser Befehl als völlig harmlose Frage daher. Jetzt sind Sie sicher bereit für den Absatz über die Rhetorik. Oder?

Alles nur Rhetorik oder ...

Mit diesem „Oder?“ formulierten wir bereits die erste rein rhetorische Frage. Sie bringt Sie zu einem gedachten „Ja“ und dazu, dass Sie die zuvor dargestellten Sachverhalte als gegeben akzeptieren. Interessant, nicht wahr? Und schon kommt das nächste Beispiel – aber jetzt lasse ich die rhetorischen Tricks – oder was meinen Sie? ;-)

Manipulation und Suggestionen in der Sprache ...

Nun habe ich Sie mit einigen suggestiven Sprachmustern vertraut gemacht, mit denen man andere manipulieren kann. Mit ihrer Hilfe können Sie in den kommenden Tagen, Reden von Politikern, Verkaufsgespräche und Werbebotschaften selbst analysieren. Gerade Politiker haben die Neigung fast überall suggestive Sprachfetzen einzubauen - gemeint sind Themen und Formulierungen, von denen man annimmt, dass Wähler zustimmen werden - egal ob diese zu der konkreten Frage eines Journalisten passen oder nicht.

Kommunikationstraining Rhetorik Manipulation und Suggestion in der SpracheSie wissen nun, wie einige suggestive Sprachmuster wirken können. Damit lässt sich leicht vorstellen, welche Wirkung man mit deren gezieltem Einsatz in Beruf und Alltag erreichen kann. Hören Sie den Menschen aufmerksam zu, dann werden Sie entdecken, wer mit welchen Mitteln suggestive Sprache einsetzt.

In manchen Berufszweigen – dem Versicherungsvertreter oder dem Verkäufer – lassen sich solche Sprachmuster natürlich ebenso gewinnbringend anwenden.

Im Prinzip ist der Wille, dass unsere Ideen und Intentionen von anderen anerkannt und übernommen werden, schon im "Sinn der Sprache" selbst verborgen. So formulierte einst ein anerkannter Philosoph, dass der Sinn der Sprache "die Anerkennung und Organisation vom kooperativen Miteinander unter Menschen ist."

Wer mit anderen kommuniziert, will, dass die Zuhörer die Kommunikation annehmen. Wer eigene Überzeugungen vertritt, will sie mit anderen teilen. Ich hoffe, dass Ihnen dieser Artikel einige Einblicke in die suggestive Sprache gewährt hat.

Viel Erfolg beim Erkennen von Manipulationen und Suggestionen in der Sprache!

10.05.2016 © seit 02.2005 Axel C. Balzer
Kommentar schreiben