Kommunikationsprobleme: Wie Verallgemeinerungen zu Mißverständnissen führen

Teaser: Verstehen Sie sich gut mit anderen Menschen oder kommt es immer wieder zu unverhofften Streitigkeiten? Eine ergiebige Quelle für Mißverständnisse ist eine zu allgemeine Sprache - ein Verallgemeinern von konkreten Inhalten. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ihren sprachlichen Ausdruck konkretisieren und damit für Andere verständlicher kommunizieren können.

Martin Heidegger sagte einmal: "Die Sprache ist das Haus des Seins." Wir sind das, was wir (und andere) über uns kommunizieren. Wer erfolgreich mit anderen reden will, sollte sich deshalb die Struktur der eigenen Sprache bewußt machen. Es gibt so vieles, was von einer erfolgreichen Kommunikation mit anderen abhängt - Job, Familie, Freunde, Geschäftspartner etc..

Grund genug, sich mit der eigenen Fähigkeit sich auszudrücken zu beschäftigen. Kaum jemanden ist wirklich bewußt, wie sogenannte Fehlgeformtheiten der Sprache zu Mißverständnissen, Streit - und somit letztlich zum Mißerfolg führen. Wir benutzen unsere Sprache meist völlig unbewußt in der Vorannahme, daß jeder das Kauderwelsch, das wir von uns geben, verstehen muß.

Manche dieser Fehlgeformtheiten haben sich derart eingebürgert, daß wir sie verwenden, ohne deren (Un-)Sinn zu erkennen. Eine dieser Fehlgeformtheiten der Sprache ist die Verallgemeinerung - hier im speziellen der fehlende Beziehungsindex - den ich in diesem Tip besprechen will.

Was ist mit "fehlende Beziehungsindex" gemeint?

Verallgemeinert man im Gespräch mit anderen den Beziehungsindex, so verzerrt man Ereignisse und Erfahrungen bis zur Unkenntlichkeit. Man bezeichnet nichts Spezielles mehr, sondern spricht von - etwas, jemand, Leute, die Anderen ... etc. Es werden weder spezifische Personen, noch konkrete Handlungen ausgedrückt.

Beispiele:

1. "Niemand hört mir zu, wenn ich etwas sage."

Diese Aussage ist offensichtlich absurd - denn sie ist zumindest an einen Zuhörer gerichtet. Der verallgemeinerte Beziehungsindex wäre in diesem Falle: "Niemand" und "wenn".

Hier könnten Sie beispielsweise hinterfragen:

  • Wer genau hört dir nicht zu? (Hinterfragen von "Niemand")
  • In welcher konkreten Situationen hat dir X nicht zugehört (Hinterfragen von "Niemand" und "wenn")
  • Was hast du gesagt, das nicht von X gehört wurde? (Hinterfragen von "Niemand" und "wenn")

Wenn Sie den Sprecher so hinterfragen, wird er schnell darauf kommen, daß seine Aussage zu allgemein war. Er hatte eine spezielle Situation und Person im Kopf, als er diesen Satz formulierte. Wenn Sie ihn hinterfragen, kann er darauf kommen, daß er gar kein allgemeines Kommunikationsproblem hat, sondern lediglich mit einer bestimmten Person über eine bestimmte Sache nicht (oder nur sehr schwer) sprechen kann. Sobald ihm dies bewußt wird, können Sie gemeinsam überlegen, wir man mit der konkreten Person über die konkrete Sache erfolgreicher Sprechen könnte.

2. "Man sollte die Gefühle anderer respektieren."

Der verallgemeinerte Beziehungsindex wäre in diesem Falle: "man" und "anderer".

Hier könnten Sie fragen:

  • Wer ist "Man"?
  • Welche "Anderen" sollten die Gefühle von X respektieren? (X steht für eine konkrete Person)
  • Welche Gefühle sollte X respektieren?
  • Was tut "man", wenn man deine Gefühle respektiert?

Meist hat der Sprecher ein konkretes Gefühl im Kopf, welches durch eine bestimmte Art von Feingefühl "nicht verletzt" werden soll. In dieser allgemeinen Form ist die Aussage völlig verschleiert - man müßte schon Gedanken lesen können, um herauszufinden, was der Sprecher konkret meint. Wenn Sie in diesem Fall nachfragen, werden Sie bemerken, daß der Sprecher eine konkrete Person, ein konkretes Gefühl und eine konkrete Handlung im Kopf hat, die von X respektiert werden sollen.

3. Die Anderen reden schlecht über mich ...

Hier könnten Sie fragen:

  • Wer redet über dich? (Wer sind die Anderen?)
  • Was wird genau über dich erzählt? (Was meist du mit "schlecht"?)

Aus diesen Beispielen kann ersichtlich werden, daß eine verallgemeinerte Sprache zu Mißverständnissen führt, bzw. sogar das eigene Selbstbild negativ beeinflussen kann. In jedem der angesprochenen Fälle geht der Sprecher davon aus, daß der Zuhörer "Gedanken lesen kann", d.h. die konkrete Aussage hinter den allgemeinen Anspielung erkennt.

Um erfolgreich zu kommunizieren muß man in diesem Fall lernen, sich konkreter auszudrücken - Verallgemeinerungen erkennen und vermeiden. Denn oftmals entstehen Kommunikationsprobleme genau dann, wenn man sich unverständlich äußert. Und bedenken Sie - ob sie verständlich sprechen oder nicht entscheiden nicht Sie, sondern der (die) Zuhörer!

21.06.2012 © seit 08.2005 Wacki Bauer  
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