Kommunikationsprobleme: Niemand versteht mich ...

Teaser: Manche Menschen neigen dazu ihr Erleben zu verabsolutieren, d.h. sie verallgemeinern ein einzelnes Erlebnis. Was zunächst so harmlos klingt, kann dazu führen, daß wir mit solchen Verabsolutierungen unsere Weltsicht völlig verzerren - uns selbst und unsere Mitmenschen nur noch in Extremen wahrnehmen. Wie Sie Verabsolutierungen erkennen und vermeiden können, verrät Ihnen der folgende Artikel.

Verallgemeinerungen führen im Gespräch mit Anderen nicht nur leicht zu Mißverständnissen, sondern können uns Selbstbild negativ verzerren. In diesem Artikel will ich Ihnen eine Fehlgeformtheit der Sprache vorstellen, welche mit dem unbewußten Umgang mit sogenannten "Universalquantoren" zu tun hat. Keine Angst - der Ausdruck klingt zwar zunächst recht technisch und hochtrabend, ist aber eigentlich leicht zu verstehen.

Kommunikationsprobleme Verstehen und Verstanden werdenWas sind "Universalquantoren"?

Universalquantoren sind Mengenangaben von Personen oder Dingen. Universal deshalb, da sie nur die absoluten Werte einer Skala angeben. Universalquantoren "quantifizieren" also Extreme. Beispiele für Univeralquantoren sind: Alle, niemand, keiner, immer, niemals, sämtliche usw. - es ist also ganz einfach!

Wer häufig Universalquantoren in der Sprache benutzt, verallgemeinert Aussagen hin zu einem "Schwarz-Weiß"-Denken.

Beispiele für typische Aussagen:

  • Keiner mag mich ...
  • Niemand versteht mich ...
  • Es ist doch immer dasselbe ...
  • Alle sagen über mich ...
  • Es ist unmöglich jemals seine Meinung zu sagen....

Universalquantoren teilen die Welt in eine Schwarz-Weiß-Perspektive ein, in der keine Graustufen mehr denkbar sind. Hinterfragt man diese Verallgemeinerungen, so kommt man schnell darauf, daß die Aussagen in ihrer Absolutheit falsch oder absurd sind. Außerdem suggerieren uns solche Botschaften auch im eigenen Kopf, daß wir nichts wert sind - alles immer so ist - wir Opfer unseres Lebens sind, an dem wir selbst nichts ändern können.

Wie entkommen wir dieser Falle des Schwarz-Weiß-Denkens?

Um aus diesen Gedankenschleifen heraus zu kommen, müssen wir lernen die richtigen Fragen zu stellen. Verabsolutierungen sind so selbstverständlich geworden, daß wir sie im alltäglichen Gespräch überhören und gar nicht mehr darüber nachdenken, was wir damit überhaupt ausdrücken wollen. Hier einige Beispiele für Fragen, die uns helfen können, die Welt wieder so zu sehen, wie sie wirklich ist.

  • Wer genau mag dich nicht?
  • Wer versteht nicht, was du sagst?
  • Was ist immer dasselbe? Hast du noch nie eine andere Erfahrung gemacht?
  • Wer sagt was über dich?
  • In welchen konkreten Situationen war es nicht möglich deine Meinung zu sagen?

Mit solchen Fragen können wir Verallgemeinerungen als das enttarnen was sie sind - Halluzinationen, die mit unseren konkreten Leben nichts zu tun haben. Das Hinterfragen von solchen Verallgemeinerungen kann uns nicht nur dabei helfen, Streitgesprächen eine konstruktive Wendung zu geben, sondern auch unser eigenes Selbstbild kritischer zu hinterfragen. Sobald wir erkennen, daß solche Gedanken auf Illusionen beruhen, können wir erkennen, daß wir nicht mit dem Leben allgemein, sondern mit einer bestimmten Situation ein Problem haben. Konzentrieren wir uns jedoch auf ein konkretes Problem, so liegen meist die möglichen Lösungen schon auf der Hand.

Wer Probleme in seinem Leben lösen will, muß zunächst einmal lernen, ein konkretes Problem zu bezeichnen. Wer in Absolutismen und Allgemeinheiten denkt, wird die Welt immer Schwarz-Weiß sehen.

Denken Sie daran - das Leben ist schief ... es gibt Millionen von Möglichkeiten, die wir jederzeit ergreifen können. Wenn wir diese Möglichkeiten nicht sehen, liegt das nicht am Fehlen derselben, sondern an unserer eigenen Blindheit. Universalquantoren zu bemerken und zu hinterfragen kann eine Möglichkeit sein, daß Leben wieder bunter und lebendiger zu machen.

21.06.2012 © seit 08.2005 Wacki Bauer  
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