Infotainment: Gags erfolgreich präsentieren

Teaser: Selbst die besten geschriebenen Gags floppen, wenn Sie schlecht präsentiert werden. Es gibt verschiedene Regeln, die dazu beitragen, dass Gags beim Publikum ankommen und dass das Publikum sich gut in den Infotainmentvortrag eingebunden fühlt. Wie Sie das machen erfahren Sie im folgenden Artikel.

Selbst die besten geschriebenen Gags floppen, wenn Sie schlecht präsentiert werden. Es gibt verschiedene Regeln, die dazu beitragen, dass Gags beim Publikum ankommen und dass das Publikum sich gut in den Infotainmentvortrag eingebunden fühlt.

Die Basis für eine gute Präsentation ist, dass Sie in Ihrem Manuskript sog. "Subtexte" vermerken. Der Subtext gibt vor, wie Sie den Text präsentieren wollen (z. B. welche Emotion, welche Stimmlage, Pausen, Einsatz von Accessoire, Standpunkt auf der Bühne u. v. m.)

Klarer Anfang - klares Ende

Wenn Sie auf die "Bühne" treten, nehmen Sie zunächst Blickkontakt auf, finden Ihren Standpunkt und lassen sich für einen Moment vom Publikum ansehen. Genießen Sie, dass alle Sie ansehen. Nach dieser Phase des Einstellens beginnen Sie nun, sich mit Ihren ersten Sätzen "frei zu sprechen". Dieses Opening sollte gleich mit einem zündenden Gag starten, um das Interesse Ihres Publikums zu erhalten.

Was nach einem Auftritt in Erinnerung bleibt, sind oft auch die letzten Worte. Um einen starken Abgang zu haben, gilt es auch hier bewusst einen guten Abschlussgag einzubauen. Bleiben Sie nach Ihren Worten für einen Moment noch bewusst auf der Bühne stehen. Und auch nach dem Applaus sind Sie noch sichtbar für Ihr Publikum und stehen weiterhin im Mittelpunkt. Gehen Sie bewusst und würdevoll ab, wie Sie aufgetreten sind.

Jede Bewegung hat einen Anfang und ein Ende

Jede Bewegung hat einen Anfang und ein Ende. Das bedeutet, wenn Sie gehen, seien Sie sich bewusst, dass Sie gehen. Wenn Sie Mimik oder Accessoire einsetzen, dann zu einem bestimmten vorher überlegten Zeitpunkt. Es bedeutet insgesamt, dass Sie sich für jede neue Bewegung entscheiden. Selbst die Bewegung des kleinen Fingers sollte auf der Bühne eine Bedeutung haben. Setzen Sie Bewegungen bewusst und präzise ein.

Raumnutzung

Raumnutzung betrifft Fragen wie: "Wo stehe ich auf der Bühne?" "Wo ist meine "Spielfläche"? Dazu gehört z. B auch, sich vorab verschiedene Standpunkte festzulegen, von denen auf der Bühne gesprochen wird. (z. B. für verschiedene Figuren, aus denen gesprochen wird?)

Richtiges Staging

Um als Sprecher auf der "Bühne" die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhalten, gilt es diese richtig zu lenken. Zu beachten sind folgende Regeln:

  • Nicht mit dem Rücken oder der Körperseite zum Publikum stehen
  • Kein Splitt Fokus, d. h. geteilte Aufmerksamkeit für Zuschauer. Das passiert, wenn auf der Bühne mehrere Blickpunkte zur Auswahl stehen (z. B. mehrere Personen). Der Zuschauer braucht Klarheit, worauf sein Blick gerichtet sein soll.
  • "Energie zum Sprecher hingeben". Wenn mehrere Personen auf der Bühne stehen, gilt es, dass die gerade nicht aktiven Sprecher gelangweilt auf der Bühne stehen oder irgendwo hinschauen. Dies birgt die Gefahr des Abdriftens bzw. Wegführens. Besser ist, dass die übrigen Personen aktiv den Sprecher anschauen oder im Hintergrund der Bühne stehen, bis sie dran sind.

Interaktion - Zuschauer (geistig) mitspielen lassen

Durch die Beteiligung des Publikums, bleibt dessen Aufmerksamkeit erhalten und es fühlt sich positiv mit eingebunden. Interaktionen gilt es besonders dann vorzubereiten, wenn Teilnehmer lange nur einem Monolog zugehört haben. Sie sind in einer passiven Haltung und müssen erst in die "Mitmach-Haltung geführt werden, sonst ergibt sich eine Überforderung. (Bspw. Armverschränkungsübung, machen nicht gleich alle mit).

Insgesamt gibt es viele Beteiligungsmöglichkeiten, z. B.

  • rhetorische Fragen ans Publikum
  • echte Fragen an das Publikum, z. B. an eine Person gerichtet "Kennen Sie das?"
  • Publikumsreaktionen verstärken, z. B. ein Lachen angesichts einer tragi-komischen Geschichte. "Ja lachen Sie ruhig."
  • Publikum mit einbauen (z. B. Hände schütteln)

Blickkontakt und Aufmerksamkeit für den Raum

Ein wichtiger Teil Ihrer Aufmerksamkeit gehört dem Raum und dem Publikum. Schicken Sie Ihre Energie bis in die letzten Reihen des Raums. Damit ist nicht nur Ihr Blick gemeint zu bestimmten Personen gemeint. Schließen Sie in Ihrem Gefühl alle Zuhörer im gesamten Raum mit ein.

Kurze Pause vor und nach der Pointe

Damit die Pointe wahrgenommen wird, gilt es klar im Sinn zu haben, wann der Zeitpunkt ist, dass Sie die Pointe erzeugenden Worte sprechen (auf den Gag hinspielen bzw. hinsprechen). Machen Sie vor diesen Worte eine kurze Sprechpause, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Machen Sie dann auch nach der Pointe eine kurze Sprechpause. Sonst wird die Pointe leicht überhört. Zuhörer brauchen eine "geistige Verstehens- und Verdauungspause" für den Witz im Sinne "Ja, ich habe es kapiert."

Emotionen hinter den Worten ausdrücken

Ein Beitrag lebt durch Emotionen. Viele Gags erhalten erst durch diese Emotionen bzw. durch dahinterstehende Einstellungen ihre Wirkung. Deshalb ist es wichtig mit Stimme, Körpersprache bzw. Accessoire Ihre Worte zum Leben zu erwecken.

Eine Figur leben

Wenn Sie eine bestimmte Figur (z. B. Ihren Opa) auf die Bühne bringen, aus der heraus Sie einen Gag erzählen, dann versuchen Sie diese Person in Körpersprache, Stimme oder Dialekt nachzuahmen. Die Person muss dabei nicht perfekt parodiert, sondern lediglich "zum Leben erweckt" werden. Eine Figur kann vielerlei sein: eine Pflanze, ein Tier, ein Gegenstand oder eine Person sein. Für eine überzeugende Darbietung ist wichtig, voll und ganz in die Rolle einzusteigen und die entsprechende Figur anzumoderieren, z. B. "Mein Opa sagt dazu immer...."

Hinter dem Beitrag stehen

Die Kernfragen sind: "Haben Sie das Verlangen, die Gags zu erzählen?" "Stehen Sie sicher und überzeugt dahinter." Antworten Sie beide Male mit "nein", ist die Gefahr groß, dass Sie aus Unsicherheit oder Selbstzweifel die Aussagen so wenig pointieren, dass sie an den Ohren der Zuhörer vorbeirauschen (zu schnell gesprochen oder vernuschelt).

Langsames Sprechtempo, Lautstärke und Sprechklarheit

Reden ist hörbar gemachtes Denken. Es gilt die Regel "Jeder muss Sie sowohl akustisch (Lautstärke) als auch in den Worten (Lautstärke und Sprech-klar) gut verstehen können. Häufig ist das Sprechtempo zu schnell. Machen Sie sich klar, dass Ihre Zuhörer Ihre Worte zum ersten Mal hören. Eine Faustregel besagt: "Wenn man sein eigenes Sprechtempo für zu langsam hält, ist es für die Zuhörer genau richtig."

Spontanergänzungen

In der Redesituationen ergeben sich vielfach spontane Ideen, wie Sie Ihre Worte ergänzen können. Nehmen Sie bewusst Ihr Gefühl nach einer Pointe wahr. Wenn Ihnen zu diesem Zeitpunkt noch Worte einfallen, um die Pointe noch weiter zu führen, sprechen Sie diese einfach laut aus.

Lachen lassen

Wenn Ihr Publikum lacht, hat es nicht mehr die Aufmerksamkeit für Ihre nachfolgenden Worte. Machen Sie deshalb eine Sprechpause, um die Aufmerksamkeit zu sammeln. Zum anderen ist es auch ein Zeichen von Würdigung, wenn Sie dem Lachen Raum geben.

Applaus würdigen

Wenn Ihnen die Dankbarkeit vom Publikum in Form von Applaus zurück kommt, bleiben Sie bitte stehen und nehmen Sie die Anerkennung an. Es zeugt von Nichtachtung, wenn Sie den Menschen, die Ihnen für Ihre Leistung danken wollen, Ihren Blick entziehen oder wenn Sie mitten im Applaus abgehen. Schauen Sie Ihr Publikum an, schenken Sie ihm ein Lächeln. Freuen Sie sich darüber und danken Sie.

31.01.2013 © seit 03.2005 Prof. Dr. Axel Koch  
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