Diskussionsleiter Leitfaden: Regeln der Diskussionsleitung

Wer sich nebenberuflich oder ehrenamtlich engagiert, kann in die Situation kommen, dass er - beispielsweise bei einer Vereinssitzung - eine Diskussion leiten soll. Dabei können auch problematische Themen wie Dissense, Kontroversen oder schwierige Entscheidungen zur Sprache kommen, die einen frischgebackenen Diskussionsleiter (oder Moderator) entsprechend fordern.

Diskussionleiter Leitfaden einfache Regel einer DiskussionsleitungDamit die Kontroverse nicht aus den Fugen gerät, kann man als Diskussionsleiter (oder Moderator) der Diskussion eine Struktur geben, d. h. mit den Teilnehmern einen Leitfaden beschließen, der eine konstruktive Auseinandersetzung leichter macht.

In unserem Artikel "Regeln für Diskussionsleiter: Wie moderiere ich ein Gespräch?" haben wir die wichtigsten Eckpunkte für eine professionelle Gesprächsmoderation für Diskussionsleiter zusammengestellt. Da diese Eckpunkte Anfänger oft überfordern, werde ich in diesem Artikel einen einfachen Leitfaden für Diskussionen vorstellen, der auch für Anfänger schnell zu erlernen und anzuwenden ist.

Dieser Leitfaden eignet sich besonders gut, um organisatorische Fragen in einem Verein (oder kleinerem Team) zu klären und einen Konsens bei wichtigen Entscheidungen herbeizuführen. Hier muss sich der Diskussionleiter oder Moderator nur darauf konzentrieren, dass die Struktur eingehalten wird, d. h. die Teilnehmer anleiten, Fragen zu beantworten, Abschweifungen höflich aber bestimmt zu unterbrechen und zum Thema zurückzuführen.

Leitfaden für Diskussionsleiter: Vorbereitung

Diskussionsleitung Leitfaden für Moderatoren DiskussionsleiterBesorgen Sie sich eine Tafel - oder Flipchart - auf der die zu besprechenden Themen notiert werden können. Drucken Sie diesen Leitfaden aus und geben Sie ihn an die Diskussionsteilnehmer, damit sie die Vorgehensweise stets vor Augen haben.

Wenn eine konkrete Entscheidung zu treffen ist - z. B.: Soll der Verein künftig für XY mehr Geld ausgeben? - gehen Sie diese Frage einfach Punkt für Punkt, anhand des Leitfadens, durch. Unter jeder Frage habe ich eine kurze Erläuterung angefügt, damit der Sinn dieses Vorgehens verständlich wird.

Wenn Sie alles richtig gemacht haben, sollten Sie am Ende zu einer brauchbaren Entscheidung kommen. (Anmerkung: Dieser Leitfaden ist für schwierige Fragen ausgelegt, d. h. falls sich nicht ohnehin ein Konsens von vornherein abzeichnet. Sind sich die Teilnehmer schon früh einig, kann man auch intelligent entscheiden, welche Punkte - z. B. Argumentation - übersprungen werden können.)

Kurzer Leitfaden für Diskussionsleiter

1. Verständnis-Diskurs - Leitfaden

1.1. Notieren Sie das Thema auf die Tafel

Suchen Sie nach einer kurzen, konkreten und prägnanten Formulierung oder Frage, die das Thema auf den Punkt bringt. Also nicht "Geldausgeben?" - sondern "Wie viel Geld soll der Verein für die Fußballjugend XY 2014 investieren?"

Falls Ihnen ad hoc keine wirklich treffende Formulierung oder Frage einfällt, stellen Sie folgende Orientierungsfrage an sich bzw. die Teilnehmer ...

1.2. Was ist das Ziel des Themas? Welche Entscheidung(en) sind zu treffen? Was genau soll geklärt werden?

Diese Fragen nach dem Ziel erleichtert es, ein Thema klar zu formulieren und zu treffende Entscheidungen verständlich zu konkretisieren.

Falls sich herausstellt, dass mehrere Fragen oder Entscheidungen anliegen, müssen Sie an dieser Stelle die Themen in einzelne Fragen auflösen und nacheinander behandeln.

Ist dies geklärt, können Sie zum nächsten Punkt übergehen ...

1.3. Prüfung der Fakten: Welche Fakten oder Infos liegen vor?

Hier wird geprüft, welche Daten und Fakten den Anwesenden zu einer konkreten Frage / Thema bekannt sind - z. B. werden Anträge verlesen, mündliche Infos weitergegeben. Außerdem wird geprüft, ob die Fakten/ Daten verständlich und vollständig sind. Wenn nicht, wird das Thema verschoben und ein Verantwortlicher bestimmt, der die fehlenden Informationen zu einem bestimmten Termin einholt.

Sind alle Fakten / Daten vollständig bekannt, geht man in die Phase der Diskussion über ...

2. Argumentation - Leitfaden

2.1. Sammeln der Pro- und Kontra-Argumente

Wer eine Tafel oder Flipchart zur Verfügung hat, kann sie durch einen senkrecht gezogenen Strich in Pro und Kontra teilen. Dann werden die Teilnehmer aufgefordert, Pro- bzw. Kontra-Punkte zum Thema kurz und prägnant zu nennen. Diese werden stichpunktartig vom Moderator / Diskussionsleiter auf der Tafel für alle sichtbar notiert.

In der Diskussionsphase soll der Moderator (Diskussionsleiter) speziell darauf achten, dass die Teilnehmer beim Thema bleiben und nur Pro- und Kontra-Argumente (keine Schlussfolgerungen!) benennen. Damit soll der Moderator gewährleisten, dass eine Entscheidung erst nach der Offenlegung aller Fakten getroffen wird - oder umgekehrt - man sich nicht über Entscheidungen streitet, bevor alle Argumente bekannt sind.

Sind alle Argumente bekannt, wird die Entscheidungsphase eingeleitet ...

3. Entscheidung - Leitfaden

3.1. Schlussfolgerungen vorstellen

Die Teilnehmer werden aufgefordert ihre Schlussfolgerung in der Form - die Argumente A+B+C legen die Entscheidung X nahe - zu nennen. Lassen Sie jeden, der seine Schlussfolgerung formulieren will, zu Wort kommen.

Zeichnet sich ein Konsens ab, notieren Sie das Ergebnis (siehe Punkt 3.3.).

3.2. Mit Kontroversen umgehen

Entstehen jedoch Kontroversen fragen Sie die Teilnehmer, wie mit der strittigen Frage umgegangen werden soll. Eine Option wäre die Teilnehmer zu fragen ...:

  • ob es eine Lösung (Synthese beider Ergebnisse) gibt, die beide Standpunkte befriedigend auflöst /berücksichtigt.
  • ob ein Kompromiss denkbar ist, d. h., könnte eine bestimmte Modifizierung dazu beitragen, dass der Kontrahent mit der anderen Entscheidung leben kann /einverstanden ist.
  • ob die Kontrahenten bereit sind ihre Meinung zur Abstimmung freizugeben und einen Mehrheitsentscheid zu akzeptieren.

Ist eine dieser Lösungen akzeptabel, können Sie zum letzten Schritt übergehen.

3.3. Entscheidung + Verantwortlicher + Termin protokollieren

Am Ende wird die Entscheidung in der Form "Aufgrund der Argumente A+B+C treffen wir die Entscheidung X" protokolliert. Zudem sollte notiert werden, wer für die Umsetzung (Verantwortlicher) bis wann (Termin) bestimmt wird.

Mit diesem einfachen Leitfaden sollte es auch "Nicht-Profis" leichter fallen, organisatorische Gespräche erfolgreich zu moderieren.

Viel Erfolg beim Anwenden dieses einfachen Leitfadens für Diskussionen!

12.05.2016 © seit 03.2008 Aris Rommel  
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