Management: Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mitarbeiter

Teaser: Peter ist zufrieden mit sich. Er hält sich für einen guten Manager, der mit den richtigen Strategien Erfolg hat, seine Mitarbeiter versteht, auf Ihre Bedürfnisse eingeht und Zeit für sie hat. Er fällt aus allen Wolken, als er erfährt, dass ihn seine Mitarbeiter für autoritär halten. Wie kann es zu zwei so unterschiedlichen Bildern der Wirklichkeit kommen?

Peter ist zufrieden mit sich. Er hält sich für einen guten Manager, der mit den richtigen Strategien Erfolg hat, seine Mitarbeiter versteht, auf Ihre Bedürfnisse eingeht und Zeit für sie hat. Ein guter Chef ist also zielgerichtet, für seine Mitarbeiter da und erfolgreich. Kein Wunder, dass er aus allen Wolken fällt, als er erfährt, dass ihn seine Mitarbeiter nicht so sehen, ihn sogar für autoritär halten.

Wie kann es zu zwei so unterschiedlichen Bildern der Wirklichkeit kommen? Was ist geschehen?

"Peters Land":
"Ich bin immer für meine Mitarbeiter ansprechbar. Ich stehe Ihnen mit Rat und Tat zur Verfügung. Selbst wenn ich in meinem Büro sitze, bleibt die Tür offen, damit sich jeder jederzeit an mich wenden kann.
Mit Kritik gehe ich vorsichtig um. Interne Kommunikation finde ich ganz wichtig. Man muss miteinander reden können, wenn man miteinander arbeitet. Das heißt aber nicht, dass ich meinen Mitarbeitern mit meinen Sorgen auf der Seele liege. Neue Strategien und Konzepte belasten die Mitarbeiter zu sehr. Darüber rede ich mit ihnen erst, wenn es an die praktische Umsetzung geht.

"Im Land der Mitarbeiter":
Unser Chef ist immer und überall da. Nichts können wir ohne seine Kontrolle machen. Selbst wenn er in seinem Büro sitzt, lässt er die Tür offen, um uns zu beobachten.

Obwohl er ständig herumrennt und über alles mögliche redet – wirklich Zeit hat er nie für uns. Was wirklich los ist, verheimlicht er vor uns. Manchmal müssen wir etwas machen und wissen gar nicht, wozu es gut ist. Erst hinterher erfahren wir, was das ganze soll

Eine Geschichte – verschiedene Legenden

Wie es bei unterschiedlichen Landkarten eine dazugehörige Landschaft gibt, so gibt es auch bei diesen betrieblichen "inneren Landkarten" von Peter und seinen Mitarbeitern eine dazugehörige äußere Landschaft.

Tatsache ist, dass Peter über vieles mit seinen Mitarbeitern redet.
Tatsache ist, dass Peter seinen Mitarbeitern manches nicht erzählt.
Tatsache ist, dass Peter seine Bürotür offen stehen lässt.

Alles andere ist Legende. Eine offene Bürotür bedeutet erst mal gar nichts. Doch sowohl Peter wie auch seine Mitarbeiter haben die Bürotür mit Bedeutung "aufgeladen": Für Peter ist die offene Tür ein Gesprächsangebot, für die Mitarbeiter bedeutet die offene Bürotür Kontrolle.

Was Peter für gelungene interne Kommunikation hält, ist für die Mitarbeiter "Gerede". Wenn Peter glaubt, seine Mitarbeiter vor schwierigen Gedankengängen oder Gesprächen zu schonen, fühlen sich seine Mitarbeiter hintergangen oder unterschätzt.

Das fatale an den "inneren Landkarten" ist, dass sie unser Verhalten bestimmen. Wir reagieren auf das, was wir erleben und wahrnehmen. Wenn wir uns also täuschen, dann reagieren wir auch falsch.

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mitarbeiter

Immer wieder erzählen Vorgesetzte, wie sehr sie sich wünschen, dass ihre Mitarbeiter auf sie zukommen, um Vorschläge zu machen, über Fortschritte zu berichten oder auch über Schwierigkeiten zu diskutieren.

Natürlich ist dieser Wunsch nicht nur verständlich, er spricht auch für den Vorgesetzten. Denn ein regelmäßiger, offener und konstruktiver Austausch ist ein wesentliches Element für eine gute und effiziente Zusammenarbeit.

Allerdings braucht es eine Reihe von Voraussetzungen, um einen solchen Austausch zu pflegen. Hier spielt es eine große Rolle, wie zugänglich Sie für Ihre Mitarbeiter sind und wie Sie sich ihnen gegenüber verhalten.

Wunsch und Realität

Auf die Frage, wie zugänglich und offen Chefs sich ihren Mitarbeitern gegenüber verhalten, heißt es meistens: "Ich bin sehr zugänglich und habe immer ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter." Geht man der Sache aber auf den Grund, stellt sich oft heraus, dass das zwar der Wunsch ist, die Realität aber anders aussieht.
Häufig sind sich die Betroffenen dessen gar nicht einmal bewusst..
Deshalb lohnt es sich, das eigene Verhalten unter die Lupe zu nehmen.

Werfen Sie doch einmal einen kritischen Blick auf sich selbst:

Wie sieht es mit Ihrer Erreichbarkeit aus?
Wie einfach ist es für Ihre Mitarbeiter, ein Gespräch mit Ihnen zu bekommen?
Können Ihre Mitarbeiter erkennen, dass sie willkommen sind?

Wie stark lassen Sie sich auf das Gespräch ein?
Wie viel Zeit verwenden Sie für das Gespräch?
Wie konzentriert sind Sie während des Gesprächs?
Sind Sie auch wirklich bei der Sache oder erledigen Sie nebenbei irgendwelche Arbeit?

Sind Sie ein guter Zuhörer?
Lassen Sie sich auf einen Dialog mit Ihren Mitarbeitern ein?
Sind Sie wirklich interessiert an dem, was Ihnen Ihre Mitarbeiter zu sagen haben?

Wie viel Offenheit und Zugänglichkeit signalisieren Sie im ganz normalen Arbeitsalltag?
Haben Sie Zeit für kurze (auch private) Gespräche? – oder haben Sie es immer eilig?

Welche Stimmung erlebt Ihr Team die meiste Zeit von Ihnen?
Wie ausgeglichen sind Sie? Sind Sie begeistert und können Sie Ihre Mitarbeiter begeistern?

Was haben Ihre Mitarbeiter davon, wenn sie sich an Sie wenden?
Nehmen Sie Ideen und Anregungen auf und machen Sie etwas daraus?

29.01.2013 © seit 02.2004 Peter Schipek  
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