Mythologien: Geschichte und Wandel religiöser Vorstellungen

Teaser: Seit alters her erfinden die Menschen große Geschichten über den ewigen Kampf zwischen "gut" und "böse" und versuchen damit das Schicksal der Welt zu erklären. So entstehen die Grundlagen von Weltbildern, die ganze Völker und Kontinente prägen. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Geschichte und den Wandel von Mythologien.

Die Wissenschaft der Mythologie beschäftigt sich mit den Mythen (Sagen, Legenden) der Völker und daraus resultierend auch mit der Entstehung von Geschichten über die Erschaffung oder den Untergang der Welt, bzw. dem "ewigen" Kampf zwischen Ordnung und Chaos, der sich zumeist in Konflikten zwischen diversen Göttern und ihren dunklen Gegenspielern wie Teufeln oder Dämonen darstellt.

Die Ursprünge von Mythologien und die daraus resultierenden religiösen und spirituellen Vorstellungen, liegen weit zurück in der Zeit des Urmenschen.

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass sich vor ca. 400.000 Jahren erste Denkansätze im Bewusstsein des Menschen formten. Sie entstanden im harten Alltag der Menschen und waren in der Hauptsache geprägt von einem permanenten Überlebenskampf.

So geht man heute davon aus, dass Dinge, die für unsere Vorfahren nicht zu erklären waren und die ihnen Angst einjagten, die Initialzündung für die Bildung mythologischer oder religiöser Vorstellungen waren. Da waren zum einen Naturerscheinungen wie Gewitter, Sonne, Mond und Stürme, die willkürlich und unbeeinflussbar das Leben der Urmenschen bestimmten.

Dazu gehörte auch die Gefahr durch Krankheiten (z.B. sind eine Vielzahl von Dämonen aller Mythologien personifizierte Krankheiten) und "last but not least" die tiefste aller Ängste - die Furcht vor dem Tode. Seine gedankliche Realisierung war für die Menschen oft verbunden mit einem tiefen Verlustschmerz. Dies alles führte zu einem Glauben an übernatürliche Mächte bzw. Wesen, die dem Menschen gut oder böse gesonnen waren und die scheinbar in der Lage waren dessen Geschicke zu beeinflussen.

Im Laufe der Jahrtausende bildeten sich dann aus den anfänglichen, noch relativ unstrukturierten „mystischen Gedanken“ klare Vorstellungen von Wesen (Göttern) heraus und somit auch Vorstellungen von der Entstehung der Welt und des Menschen selbst. Manche dieser Vorstellungen muten auf Basis der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse eher etwas skurril an.

So glaubten die Mayas beispielsweise daran, dass der Mensch zuerst aus Erde und Ton geschaffen wurde, da sich das aber als wenig haltbar erwies und die Menschen schnell zerbröselten, schnitzten die Götter den Menschen aus Holz. Das erwies sich zwar als deutlich haltbarer, aber diese Holzmenschen hatten kaum Emotionen und vergaßen ihre Schöpfer, die Götter anzubeten bzw. ihnen zu huldigen.

So wurde auch dieser Bauplan wieder verworfen und man kam von göttlicher Seite auf den Gedanken die Menschen aus Mais zu erschaffen. Diese Maismenschen erwiesen sich dann nach einigen Modifikationen und weiterer göttlicher Zutaten als die tatsächlichen Urahnen der Menschheit!

Neben den unterschiedlichsten Vorstellungen zur Entstehung, gab es natürlich auch immer in jeder Mythologie ein Szenario des Untergangs der Welt. Diese Untergangsszenarien waren meistens geprägt durch eine letzte Entscheidungsschlacht zwischen „guten“ und „bösen“ Göttern, bei denen nicht selten die letzteren die Oberhand behielten.

Solche Endzeitmythen finden sich sehr ausgeprägt, z.B. in der germanischen Mythologie in Form von Ragnarök, bei der der Sitz der Götter (Walhalla) durch die Feuerriesen und allerlei verbündeten Ungeheuer wie der Midgardschlange und dem Fenriswolf erstürmt wurde. Die Götter wurden getötet und die Welt versank im Meer.

Aus dem Untergang entstand dann wieder ein Neuanfang, der meistens einen Glaubenswandel nach sich zog. Denn nun gab es nicht mehr viele verschiedene Götter mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, sondern nur noch einen Gott.

Diese Entstehung einer monotheistischen Religionsvorstellung (Eingottglaube) wandelte die breite Palette menschlicher Charaktereigenschaften der alten Göttern langsam hin zu einem ‚Schwarz/Weiß-Bild’, das auf der einen Seite einen rundum guten Gott und auf der anderen Seite einen ausschließlich negativ gesinnten bösen Gegenspieler hervorbrachte.

Dahinter mag wohl der Wunsch des Menschen nach klaren Verhältnissen stehen, über die man nicht näher nachdenken muss und die eine differenzierte Betrachtung unnötig machen. Zudem ist ein solch einfach gestrickter Glaube auch leichter und problemloser - seitens der jeweils göttlichen Repräsentanten auf Erden - zu vermitteln.

Vergleicht man alle Mythen untereinander, so gibt es übrigens immer wiederkehrende Übereinstimmungen, die mehr oder weniger modifiziert die Basis für alle religiösen Erzählungen bilden. Als eines von vielen Beispielen mag hier die christliche Geschichte der Sintflut dienen, die nahezu deckungsgleich aus dem summerisch-babylonischem Gilgamesch-Epos kopiert und übernommen wurde. Oder auch der Mythos des Verräters, der göttliche Geheimnisse an die Menschen weitergab und dafür auf ewig verdammt ist. Hierfür stehen z.B. Luzifer (christl. Mythologie), Prometheus (griech. Mythologie) oder Loki (germ. Mythologie).

Auf jeden Fall ist eines klar: Die Erforschung von Mythologien und deren Ursprünge ist eine äußerst spannende Sache und nur wer sich hier mit der Vergangenheit beschäftigt, wird lernen die Gegenwart besser zu verstehen.

08.09.2017 © seit 07.2009 Aza Zel  
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