Worauf sollte man beim Kauf einer Mind Machine achten?

Teaser: In dem Beitrag Mindmachines: Geschichte der audiovisuellen Stimulation hatte ich bereits über die historische Entwicklung und die Wirkungsweise von Mindmachines berichtet. Im vorliegenden Beitrag hingegen stehen die Unterschiede in der Wirkungsqualität verschiedener Geräte im Vordergrund.

Am Markt gibt es inzwischen eine ganze Reihe verschiedener Mindmachines, wodurch es einem potentiellen Interessenten oftmals nicht gerade leicht fällt die richtige Auswahl zu treffen. Viele dieser Geräte sind so genannte Experimentalsysteme - ausgestattet mit einer Vielzahl an technischen Features und Sessions, die dem Benutzer ein hohes Maß an Experimentiermöglichkeiten, optisch-akustischen Effekten, Abwechslungsreichtum und oftmals auch Unterhaltung bieten. Für denjenigen, der dabei auf solche Aspekte Wert legt, ist der Kauf einer experimentellen Mindmachine gewiss nicht die falsche Entscheidung.

Doch worauf kommt es letztendlich bei einem audiovisuellen Stimulationssystem an? Ich unterstelle ganz einfach mal, dass derjenige, welcher sich für den Kauf einer Mindmachine entscheidet, mit dieser in der Regel auch bestimmte Anwendungszwecke verfolgt. Wer dabei Wert auf eine optimale Wirkung im Hinblick auf die von ihm verfolgten Anwendungszwecke legt, der sollte darauf achten, dass bei dem von ihm ins Auge gefassten System auch gewisse Forschungserkenntnisse bezüglich der audiovisuellen Stimulation umgesetzt wurden, auf welche wir im Folgenden näher eingehen wollen:

Simulationsprogramme 1. Stimulationsprogramme

Bekanntermaßen definiert sich eine gute Qualität nicht durch Masse, sondern durch Klasse – dies gilt natürlich ebenso für die in einer Mindmachine enthaltenen Stimulationsprogramme. So ist es ein leichtes und relativ unaufwendiges Unterfangen, auf Basis der Frequenztheorie eine große Anzahl von Stimulationsprogrammen zu erstellen und in einer Mindmachine zu implementieren – doch die Wirkung solcher Programme ist oftmals ungewiss, wobei eine große Programmauswahl dem Benutzer zusätzlich auch die Entscheidung hinsichtlich eines für seine Anwendungszwecke geeigneten Programms erschwert.

Einen weitaus größeren Aufwand hingegen stellt es dar, einzelne Stimulationsprogramme mittels entsprechender Anwendungsstudien im Hinblick auf deren jeweils intendierte Wirkung hin zu überprüfen und gegebenenfalls mehrfach zu modifizieren. Dies erfordert oftmals eine sehr zeitintensive Forschungsarbeit, zumal es auch einer gewissen Anzahl von Probanden bedarf, um die Zuverlässigkeit und Gültigkeit der jeweiligen Forschungsergebnisse zu verifizieren.

So ist beispielsweise einem System, welches eine kleine und selektierte Auswahl wissenschaftlich fundierter Stimulationsprogramme für jeweils bestimmte Anwendungszwecke enthält, in der Regel ein höherer Wert beizumessen, als einem System mit einer großen Auswahl an ungeprüften Experimentalsessions - zumal der Benutzer auch davon ausgehen kann, dass die darin implementierten Programme in der Regel auch halten, was sie versprechen.

2. Technische Konzeption des jeweiligen Gerätes

Doch nicht nur die enthaltenen Stimulationsprogramme bestimmen die Wirkungsqualität einer Mindmachine, sondern auch die technische Konzeption des jeweiligen Gerätes ist entscheidend. Hierbei spielen verschiedene Aspekte hinein, die einen großen Einfluss auf die Wirkungsqualität des Stimulationsprozesses als solchen haben:

a) gleichmäßige Stimulation der Augennetzhaut

Im Rahmen von Forschungsstudien hat sich gezeigt, dass eine gleichmäßige und vollflächige Stimulierung der Augennetzhaut die intensivste und nachhaltigste Stimulationswirkung (Frequenzfolgereaktion des Gehirns) mit sich bringt. Bei den meisten Mindmachines sitzen die LEDs der zugehörigen Lichtbrille jedoch direkt und gebündelt vor der Augenlinse, so dass dadurch nur eine punktuelle und zudem auch oftmals als schmerzhaft empfundene Stimulation des Zentrums der Augennetzhaut erfolgt.

Einige Mindmachines hingegen tragen diesem Stimulationsaspekt dadurch Rechnung, dass die LEDs der zugehörigen Brille in einem größeren Abstand zueinander angeordnet sind, so dass die Lichtimpulse durch Seiteneinstrahlung gleichmäßiger über die Augennetzhaut verteilt werden. Im Idealfall wird das Licht zudem auch noch durch eine vor den LEDs sitzende Diffusorscheibe gestreut, so dass eine optimale und gleichmäßige Verteilung der Photonen über die Augennetzhaut gewährleistet ist.

b) isochronische Stimulationsimpulse

Weiterhin hat sich gezeigt, dass eine optimale Stimulationswirkung mit einer relativen Pulsweite von 50% einhergeht, d.h. wenn die Dauer der „An“- und „Aus“-Phasen der Stimulationsimpulse unabhängig von der Stimulationsfrequenz jeweils gleich lang ist. In einem solchen Fall spricht man von isochronischen Stimulationsimpulsen. Bei vielen Mindmachines jedoch ist die zeitliche Dauer der „An“-Phase eines Impulses frequenzunabhängig festgelegt, so dass bei verschiedenen Stimulationsfrequenzen unterschiedliche Pulsweiten auftreten. Bei niedrigen Stimulationsfrequenzen ergeben sich somit größere Pulsweiten als bei höheren Frequenzen.

Folgende Abbildung soll dies verdeutlichen:

Im Idealfall sollte Ihre Mindmachine daher standardmäßig mit isochronischen Stimulationsimpulsen arbeiten, d.h. die Pulsweite sollte unabhängig von der Stimulationsfrequenz immer 50% betragen, so dass stets eine optimale Stimulationswirkung gewährleistet ist. Falls dies standardmäßig nicht der Fall ist, sollten Sie zumindest darauf achten, dass die Pulsweite am betreffenden Gerät oder in der zugehörigen Session-Software auf 50% eingestellt werden kann.

c) Annpassung der Stimulationsfrequenz bei alternierender Stimulation

Bei vielen Mindmachine-Sessions kommen häufig auch alternierende Stimulationsimpulse zum Einsatz, welche einen Zustand der Dissoziation bewirken und somit den mentalen Entspannungseffekt fördern. Dabei treten die Stimulationsimpulse für linkes und rechtes Ohr bzw. Auge im phasenverschobenen Wechsel zueinander auf, was mit einem optisch-akustischen Pendeleffekt einhergeht. Viele Mindmachine-Hersteller berücksichtigen dabei jedoch nicht, dass sich dadurch automatisch die wahrgenommene Stimulationsfrequenz verdoppelt, da das Gehirn einen jeden Stimulationsimpuls in diesem Fall ja zweimal wahrnimmt, nämlich einmal links – und sodann phasenverschoben wieder rechts.

Ein Beispiel: Bei einer Stimulationsfrequenz von 1 Hz wird bei phasengleicher Stimulation ein Impuls pro Sekunde abgegeben – und zwar links und rechts gleichzeitig. Bei alternierender (also phasenverschobener) Stimulation werden bei 1 Hz jedoch zwei Impulse pro Sekunde abgegeben, nämlich ein Impuls links und sodann ein Impuls rechts – jeweils im Wechsel zueinander. Zwar erfolgt auf einer jeden Kopfhörer- bzw. Brillenseite nur ein Impuls pro Sekunde, doch durch die Phasenverschiebung nimmt das Gehirn in diesem Fall zwei Impulse pro Sekunde wahr und schwingt sich somit auf 2 Hz ein, obgleich die jeweilige Mindmachine mit einer Stimulationsfrequenz von 1 Hz arbeitet.

Wie bereits erwähnt berücksichtigen die meisten Mindmachine-Hersteller diesen Umstand nicht, so dass der ahnungslose Benutzer bei einer vermeintlichen Alphastimulierung von 10 Hz im Falle alternierender Stimulationsimpulse de facto eine Beta-Stimulierung von 20 Hz erhält. Eine durchdachte Mindmachine hingegen ist so konzipiert, dass sie bei alternierenden Stimulationsimpulsen automatisch ihre Stimulationsfrequenz anpasst, so dass die wahrgenommene Stimulationsfrequenz stets der intendierten Vorgabefrequenz entspricht.

Es ließen sich noch eine Reihe weiterer Aspekte benennen, die einen Einfluss auf die Wirkungsqualität von Mindmachines haben, jedoch würde es bei weitem den Rahmen dieses Beitrags sprengen, diese alle anzuführen und zu erläutern. Fakt ist, dass es zwar eine Vielzahl von Herstellern und Anbietern für optisch-akustische Mentalsysteme gibt, doch der ernsthaft interessierte Kunde sollte sich dabei nicht von den technischen Features und der Anzahl an Stimulationsprogrammen der angebotenen Mindmachines beeindrucken lassen, sondern vielmehr davon, inwiefern ein jeweiliges Gerät und dessen Programme auch den zugrunde liegenden Forschungserkenntnissen gerecht wird bzw. einer wissenschaftlichen Überprüfung standhält.

Seriöse Anbieter sind schwer zu finden und eine ehrliche Beratung erhält man leider selten. Es ist relativ leicht, ein Experimentalsystem mit vielen technischen Spielereien und Programmen herzustellen – und noch leichter ist es, ein solches zu verkaufen. Dies heißt natürlich nicht, dass diese Systeme gar keine Wirkung bringen – und sofern Sie Wert auf Abwechslung, Vielseitigkeit, optisch-akustische Effekte und auch ein wenig Unterhaltung legen, dann sind Sie mit einem solchen Gerät unter Umständen sogar besser beraten als mit einem System, welches in Form relativ puristischer Stimulationsprogramme konsequent die Grundprinzipien einer wirkungsoptimalen Stimulation umsetzt.

Doch wer ein fundiertes Mentalsystem sucht, dessen eigentlicher Wert in der darin enthaltenen Forschungs- und Entwicklungsarbeit steckt, der sollte darauf achten, dass er sich von einem fachkompetenten und ehrlichen Anbieter beraten lässt.

Claudius A. Nagel, www.mind-shop.de © 2006

13.10.2013 © seit 01.2006 Claudius Nagel  
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