WHtR statt BMI: Gesundheits-Index selbst bestimmen

Teaser: Seit Langem wissen Forscher, dass ein starkes Über- oder Untergewicht die Lebenserwartung von Menschen drastisch herabsetzen kann. Daher suchen sie nach einem Index, der mögliche Risiken gut anzeigen kann. In diesem Artikel stellen wir Ihnen den BMI und den WHtR als Gesundheits-Indexe vor und zeigen Ihnen, wie Sie diese selbst bestimmen können.

Schon seit Längerem ist in der Forschung ein Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht und der Lebenserwartung eines Menschen bekannt. Vor allem Übergewicht oder Fettleibigkeit kann die Lebensspanne eines Menschen drastisch reduzieren.

whtr selbst messenLaut einer Studie der "Cass Business School" kann die Fettleibigkeit die Lebenserwartung von Frauen statistisch um etwa 13 Jahre und von Männern um bis zu 20 Jahren verringern.

Diese Studie beruht zwar nur auf Stichproben und ist daher unter Vorbehalt zu sehen, zeigt aber prinzipiell die Gefahren von Übergewicht recht deutlich auf.

Das Problem bei Übergewicht oder Fettleibigkeit ist, dass das Risiko relativ früh an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu sterben deutlich ansteigt.

Seit dieser Zusammenhang bekannt ist, bemühen sich Forscher einen aussagekräftigen Index zu finden, der möglichst genau anzeigen soll, wann eine gesundheitliche Gefährdung vorliegt. Bislang wurde der sogenannte BMI (Body-Mass-Index) herangezogen, um das Normal-, Über- oder Untergewicht eines Menschen zu bestimmen.

Wie errechnet man den BMI (Body-Mass-Index)?

Ein Beispiel: Ein Mann ist 70 kg schwer und 1,66 m groß. Sein BMI errechnet sich dann wie folgt: 70 kg geteilt durch (1,66 m mal 1,66 m) -> 70 kg : 2,7556 = 25,40 kg/m². Da der BMI in kg/m² angegeben wird, lässt sich nun anhand einer Tabelle die Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen ablesen.

Kategorie BMI (kg/m²)
Starkes Untergewicht < 16

< 18,5 = Untergewicht

Mäßiges Untergewicht 16 – 17
Leichtes Untergewicht 17 – 18,5
Normalgewicht 18,5 – 25
Präadipositas 25 – 30 ≥ 25 = Übergewicht
Adipositas Grad I 30 – 35 ≥ 30 = Adipositas
Adipositas Grad II 35 – 40
Adipositas Grad III ≥ 40

Damit hat man ein einfaches Schema, um bei Menschen Normal-, Über- und Untergewicht schnell zu bestimmen und Risikogruppen möglichst früh erkennen zu können.

Warum der BMI nicht wirklich funktioniert

Nun haben Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität in München herausgefunden, dass der BMI gar nicht so aussagekräftig ist, wie man ursprünglich annahm. Der Grund dafür ist, dass es auf die Verteilung des Fettes im menschlichen Körper ankommt und nicht so sehr auf die rein quantitative Menge.

Normalerweise ist das Fett im Körper relativ gleichmäßig verteilt. Dies ist jedoch nicht immer der Fall, denn Menschen können an den unterschiedlichsten Stellen Fett ansetzen. Betrachtet man beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen, so spielt das Fett in den Hüften, Gesäß oder Oberschenkeln kaum eine Rolle.

Das Fett um den Bauch und die Taille hingegen birgt ein echtes Gesundheitsrisiko. Es kann dort schädliche Fettsäuren abgeben oder zu Entzündungen führen bzw. langfristig wichtige Organe schädigen.

Auch bei Sportlern oder Athleten kann die schwere Muskelmasse zu einem scheinbaren Übergewicht im BMI führen, welches gar nicht als Fett vorhanden ist. Besonders krass ist die Abweichung bei Body-Buildern, deren Muskelmasse besonders groß ist.

Daher haben die Forscher einen neuen Index entworfen, der diesem Umstand besser Rechnung tragen soll - den sogenannten WHtR ("Waist to Height Ratio"). Hier wird das Verhältnis von Hüft- bzw. Taillenumfang zur Körpergröße ermittelt. Dieser Index ist ebenso einfach zu messen und soll eine bessere und eindeutigere Bestimmung des Gesundheitsrisikos ermöglichen.

Wie messe bzw. errechne ich den WHtR (Waist to Height Ratio)?

Die Berechnung des Verhältnisses zwischen der Taille und der Körpergröße ist an sich recht leicht zu ermitteln, doch auf ein paar Feinheiten sollten man trotzdem achten.

Die grundlegende Formel lautet: WHtR = (Taillenumfang in cm / Höhe in cm) + 0.005

Was sollte man bei der Messung um die Taille beachten?

Stellen Sie sich in eine aufrechte und entspannte Haltung.

  • Frauen: Messen Sie ca. 2 cm oberhalb des Bauchnabels bzw. dort, wo der Bauchumfang am kleinsten ist.
  • Männer: Messen Sie ca. 2 cm unterhalb des Bauchnabels bzw. dort, wo der Bauchumfang am größten ist.

Weiterhin werden Empfehlungen für den maximalen Taillenumfang gegeben, der bei Frauen bzw. Männern in der Berechnung verwendet werden soll. Bei Frauen sollte der Maximalwert der Taillenmessung 81 bis 89 cm nicht überschreiten und bei Männern nicht 94 bis 102 cm.

Beispiel: Ein Mann ist 166 groß und hat einen Taillenumfang von 90 cm. Dies entspräche einem WHtR von 90 geteilt durch 166 + 0.005 = 0,54

Wie kann ich den WHtR auswerten?

Nach den bisherigen Studien schlagen die Forscher folgende Grenzwerte vor, die sich nach dem Alter des Menschen richten:

  • unter 40 Jahren: hier sollte ein Wert von 0,5 nicht überschritten werden
  • zwischen 40 und 50 Jahren: hier sollte der Wert 0,5 bis 0,6 nicht überschreiten
  • über 50 Jahren: hier soll der Wert nicht über 0,6 liegen

Hiermit können Sie zumindest "über den Daumen" selbst bestimmen, ob Sie bereits einer Risikogruppe angehören oder nicht. Letztlich ersetzt dies natürlich nicht die kompetente Beratung bzw. Begutachtung durch einen Facharzt.

Wenn Sie jedoch wissen, dass grundsätzlich ein starkes Über- bzw. Untergewicht Ihre Lebenserwartung negativ beeinflusst, könnte dies eine gute Motivation sein, mehr für den eigenen Körper zu tun, oder?

Ich wünsche Ihnen gute Gesundheit und ein langes Leben!

09.06.2012 © seit 03.2010 Andrea Munich  
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