Wege aus der Überschuldung – letzter Ausweg Privatinsolvenz?

Laut einer Statistik der Wirtschaftsauskunftei Creditreform aus dem Jahr 2011 sind 9,38% der Erwachsenen in Deutschland überschuldet.

Auch wenn die Zahl der verschuldeten Personen damit im Vergleich zum Vorjahr um 80.000 auf knapp 6,4 Millionen zurückgegangen ist, ist das Thema Überschuldung nicht weniger aktuell.

Doch was sind die Ursachen der hohen Verschuldungsrate und wie können sich Betroffene aus eigener Kraft von ihren Schulden befreien, um eine Privatinsolvenz zu umgehen?

Ursachen für eine Überschuldung finden

Von einer Überschuldung wird allgemein gesprochen, wenn eine Person in absehbarer Zeit nicht in der Lage ist, ihre bestehenden Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen bzw. das Haushaltseinkommen nicht mehr für die fristgerechte Tilgung der Schulden ausreicht. Die Ursachen dafür sind meist vielschichtig, es gibt jedoch einige Ursachen, die herausstechen.

Arbeitslosigkeit als Grund für Überschuldung

Schuldenfrei werden Überschuldung Hilfe Tipps Einer der Hauptgründe für die Überschuldung in der Bevölkerung liegt in einer plötzlich eintretenden Arbeitslosigkeit. Dadurch sind innerhalb kürzester Zeit die bisher gewohnten Ausgaben nicht mehr zu schultern, sodass sich schnell Schuldenberge auftürmen. Laut einer statistischen Erhebung des Institutes für Finanzdienstleistungen e.V. aus dem Jahr 2011 war Arbeitslosigkeit oder ein reduziertes Arbeitsvolumen in 31,2% aller Fälle Auslöser für eine Überschuldung.

Scheidungen sind ebenfalls häufig Auslöser

Dass Scheidungen oft eine Menge Geld kosten, ist kein Geheimnis. In Deutschland kommt es sogar recht häufig vor, dass zumindest einer der ehemaligen Ehepartner nach der Scheidung mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Das kann vor allem dann passieren, wenn bereits zu Ehezeiten Schulden angehäuft wurden und zum Beispiel das Einkommen beider Ehepartner ungleich verteilt ist. Die Erhebung des Instituts für Finanzdienstleistungen e.V. aus dem Jahr 2011 gibt die Scheidung oder auch den Tod eines Ehepartners mit 12,50% aller Fälle ebenfalls als häufige Ursache für eine Verschuldung an.

Überzogenes Konsumverhalten führt in die Überschuldung

Neben Arbeitslosigkeit und Scheidung führt laut Erhebung des Instituts für Finanzdienstleistungen e.V. in 8,20% aller Überschuldungsfälle ein unangepasstes Konsumverhalten in die Verschuldung. Gerade Einkäufe mit Kreditkarte oder Girocard, bei denen die finanziellen Verhältnisse nicht sichtbar sind, bieten zum Teil verheerende Verlockungen. Vor allem Jugendliche tappen häufig ein diese Falle und geben mehr Geld aus, als sie haben. Zudem wird auch der eigene Dispokredit oft bis zum Rand ausgeschöpft, was hohe Zinskosten mit sich bringt.

Wege aus der Überschuldung: Wie werde ich Schulden los?

Wer sich in einer schwierigen finanziellen Situation befindet und seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr aus eigener Kraft nachkommen kann, muss sich auf die Suche nach Wegen aus der Überschuldung machen. Diesbezüglich gibt es verschiedene Schritte und Maßnahmen, die dabei helfen, das Schuldenproblem in den Griff zu bekommen.

Zu Beginn benötigt man einen Überblick über die Lage

Zunächst sollte man sich einen Überblick über die eigene finanzielle Lage verschaffen, um das Ausmaß der Probleme richtig einschätzen und notwendige Schritte einleiten zu können. Zu diesem Zweck muss in einem ersten Schritt der aktuelle Schuldenstand ermittelt werden. Dazu ist es wichtig, entsprechende Unterlagen wie Kreditverträge, Rechnungen, Mahnungen und Mahnbescheide zu ordnen und die jeweiligen Forderungen zu addieren. Das Ergebnis bringt den aktuellen Schuldenstand zutage.

Die wichtigsten Schritte zur Ermittlung des Schuldenstandes:

  • Wichtige Unterlagen wie Kreditverträge, Rechnungen, Mahnungen und Mahnbescheide ordnen und sichten
  • Forderungen addieren und den Schuldenstand ermitteln

Eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zeigt die finanziellen Möglichkeiten auf

In einem nächsten Schritt sollte eine Aufstellung der monatlichen Einnahmen und Ausgaben durchgeführt werden. Die Einnahmen können sich dabei folgendermaßen zusammensetzen:

  • Lohn und Gehalt
  • Kindergeld
  • Transferleistungen wie Arbeitslosengeld I oder II, Krankengeld, Invalidenrente
  • Eventuelle Zinsen aus Sparbüchern oder anderen Finanzprodukten
  • Mieten

Sind die Einnahmen komplett aufgeschlüsselt und addiert, werden sie den regelmäßigen Ausgaben gegenübergestellt. Diese können sich aus folgenden Faktoren ergeben:

  • Mietkosten
  • Ausgaben für Energie (Strom, Gas, Wasser, Heizöl)
  • Regelmäßige Kosten des Autos (Benzin, Versicherung, Steuern, Inspektion)
  • Telefon und Internet
  • Ernährung
  • Monatliches Budget für Kleidung (aus bisheriger Erfahrung)
  • Hygiene
  • Ratenzahlungen
  • Dispozinsen und weitere bisherige Kreditzinsen

Werden alle Kostenpunkte addiert und von den errechneten Einnahmen abgezogen, lässt sich der monatliche Überschuss bzw. der monatliche Finanzbedarf ermitteln. Ist das Ergebnis negativ, gibt man jeden Monat mehr Geld aus als eingenommen wird. In einem solchen Fall wächst der Schuldenberg kontinuierlich weiter. Erhält man hingegen ein positives Ergebnis, kann ein Teil des monatlichen Überschusses für die Tilgung der bestehenden Schulden verwendet werden.

Sparmöglichkeiten suchen und Ausgaben senken

Um den finanziellen Spielraum zu erhöhen, sollten anschließend Sparmöglichkeiten ausgelotet werden. Dazu gehören beispielsweise Anbieterwechsel im Bereich Strom, Gas sowie Telefon, Handy und Internet. Wer hier günstigere Angebote findet, kann mitunter eine Menge Geld einsparen. Darüber hinaus sollte auch bei den täglichen Ausgaben auf Sparsamkeit gesetzt werden. Dies funktioniert am einfachsten mithilfe eines Haushaltsbuchs, in dem alle täglichen Ausgaben erfasst werden.

Dazu sollten die Quittungen sämtlicher Einkäufe stets aufbewahrt werden. Auf diese Weise lässt sich genau ermitteln, wofür wie viel Geld ausgegeben wird und welche Ausgaben eventuell sogar unnötig sind. Ferner bietet ein Haushaltsbuch gute Ansätze zum Sparen, denn durch den gezielten Überblick lässt sich sofort ermitteln, in welchen Bereich Sparpotenzial besteht. Dass jederzeit ersichtlich ist, wie viel Geld schon ausgegeben wurde und welche Summe für den restlichen Monat noch zur Verfügung steht, erleichtert außerdem die sinnvolle Budgetierung.

Die wichtigsten Sparpotenziale im Haushalt:

  • Anbieterwechsel im Bereich Strom, Gas, Telefon und Internet sowie Handy
  • Mit einem Haushaltsbuch einen Überblick über die täglichen Ausgaben erlangen
  • Kürzungen bei den täglichen Ausgaben vornehmen
  • Budgetierung wird durch das Haushaltsbuch stark erleichtert
10.06.2016 © seit 07.2012 Kilian Fromeyer  

Gesamtstatistik der Bewertungen

  3.0 Gesamtbewertung

  3.0 Thema
  3.0 Information
  3.0 Verständlichkeit

Stimmen: 3

Legende

5 Sterne: super!
4 Sterne: gut gelungen!
3 Sterne: O.K.
2 Sterne: geht so
1 Stern: erträglich

diesen Ratgeber: Bewerten

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.


NACH OBEN