Mentales Training: Wie Lernen durch Imagination funktioniert

Das Mentale Training ist eine geistige Form der Übung, bei der Sie sich vorstellen, wie Sie in einer ganz bestimmten, konkreten Situation, denken, fühlen und handeln wollen.

Anleitung zum Mentalen TrainingDas Mentale Training ist eine geistige Form der Übung, bei der Sie sich vorstellen, wie Sie in einer ganz bestimmten, konkreten Situation, denken, fühlen und handeln wollen. Ziel des Mentalen Trainings ist es, das eigene Lernen zu beschleunigen, die vorgestellten Inhalte in einer künftigen Situation faktisch umzusetzen. Lesen Sie im folgenden Artikel, wie mentales Training funktioniert.

Ursprünglich kommt der Begriff "Mentales Training" aus der Sportpsychologie. Dabei handelt es sich um eine Trainingsmethode, die Bewegungsabläufe optimiert und begleitend zum körperlichen Training angewendet wird.

Das Prinzip dieser Lernmethode besteht darin, sich einen bestimmten sportlichen Handlungsablauf wiederholt lebhaft vorzustellen, d.h. sich in einen Bewegungsablauf hineinzuversetzen, ohne die Handlung aktiv auszuführen.

Je besser das gelingt, d.h. je genauer man diesen Bewegungsablauf empfindet, spürt und durchführt, desto besser der spätere tatsächlich ausgeführte Bewegungsablauf. Durch die Kombination mit dem körperlichen Training können Ungenauigkeiten herausgefunden und wiederum im begleitenden Mentalen Training korrigiert werden.

Heute wird unter dem Begriff des Mentalen Trainings bzw. verwandten Begriffen wie Mentaltraining, Mentalcoaching eine fast unüberschaubare Vielzahl von Methoden angeboten, je nachdem, was verbessert oder entwickelt werden soll, z.B. Steigerung der emotionalen Kompetenz, Reduzierung von Angstphänomenen, Entwicklung von Selbstbewusstsein, erfolgreiche Bewerbungsgespräche, Steigerung der Leistungsfähigkeit im Beruf, Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens, Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit, etc.

Auch in der Rehabilitation wird das Mentale Training erfolgreich angewendet, z.B. bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten oder bei Menschen, die nach einer Hüftoperation wieder laufen lernen müssen.

Wie funktioniert das Prinzip des Mentalen Trainings?

Es gibt immer noch Menschen, die solchen Übungen und Wirkungen skeptisch gegenüberstehen. Doch jeder Mensch führt diese Übung durch, seit er denken kann, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist. Mit Sicherheit kennen auch Sie Situationen, wo Sie mit Ihren Gedanken bestimmte Gefühle erzeugen.

Das geschieht z.B. immer dann, wenn Sie eine unangenehme Situation vor sich haben, wenn Sie sich Sorgen machen, etwas Bestimmtes befürchten oder sich einfach ein vergangenes negatives Ereignis wieder in Erinnerung rufen. Die negativen, pessimistischen Gedanken, die dabei ins Gedächtnis gerufen werden, erzeugen Emotionen und Gefühle, genauso, als ob Sie es tatsächlich erleben würden.

Jeder Mensch ist darin geübt, sich Vorstellungen von künftigen oder vergangenen Ereignissen zu machen, die sein Handeln dann auch faktisch beeinflussen.

Dazu ein kleines Experiment

Anleitung und Test des mentalen TrainingsStellen Sie sich eine pralle, schön geformte Zitrone vor. Nehmen Sie die Zitrone in Ihre Hand und befühlen Sie sie. Riechen Sie an der Zitrone - sie riecht leicht säuerlich.

Stellen Sie sich vor, dass Sie die Zitrone mit einem kleinen Obstmesser auseinander schneiden - Sie sehen und spüren, wie etwas Saft der Zitrone über Ihre Hand läuft. Riechen Sie wieder an der Zitrone, sie riecht nun noch intensiver und saurer als zuvor. Beißen Sie nun herzhaft in die Zitrone hinein.

Wenn Sie sich die obige Situation lebhaft vorgestellt haben, sollte Folgendes passiert sein:

  • Der Speichelfluss in Ihrem Mund hat spürbar zugenommen,
  • Sie haben Ihr Gesicht zumindest leicht verzogen.

Unser Gehirn bemerkt nicht den Unterschied zwischen einer Vorstellung bzw. einer tatsächlichen Gegebenheit. Unser Körper hat auf die Vorstellung in eine Zitrone zu beißen genauso reagiert, als wenn es tatsächlich geschehen wäre. Damit ist ein Vorteil verbunden, den das Mentale Training nutzt.

Die nächste kleine Übung soll veranschaulichen, wie mentale Prozesse sowohl negativ als auch positiv eine künftige Handlung hemmen oder erleichtern. Denn der Vorteil obiger Methode soll sich begünstigend auf die Handlungen in der Zukunft auswirken.

Starten Sie dazu ein weiteres Experiment

Wenn Sie wollen - können Sie folgende Übung mit geschlossenen Augen durchführen, das hilft, um sich eine Situation besser vorstellen zu können.

Setzen Sie sich aufrecht hin. Stellen Sie sich vor, wie Sie Ihren Kopf flüssig - in einer kontinuierlichen langsamen Bewegung nach rechts bewegen. Führen Sie diese Handlung nur im Geiste aus. Spüren Sie genau hin - Sie können Ihren Kopf auch mehrmals nach rechts drehen. Im Anschluss drehen Sie nun Ihren Kopf tatsächlich nach rechts, d.h. führen Sie diese Bewegung körperlich aus.

Im zweiten Schritt stellen Sie sich vor, dass Sie Ihren Kopf nach links drehen, wieder in einer kontinuierlichen, langsamen und flüssigen Bewegung. Führen Sie diese Bewegung nur im Geiste aus. Wenn Sie sich diese Situation lebhaft und spürbar vorgestellt haben, drehen Sie jedoch Ihren Kopf faktisch nach rechts also in die entgegengesetzte Richtung.

Wie verlief diese Übung bei Ihnen? Gab es einen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Schritt?

Normalerweise verläuft der erste Teil der Übung, wo die geistige Bewegung mit der dann anschließend körperlichen übereinstimmt, ohne größere Probleme und meist recht flüssig und angenehm. Doch im zweiten Schritt, wo die Vorstellung nicht mehr mit der anschließend faktisch durchgeführten Bewegung übereinstimmt, verspüren die meisten Menschen ein Zögern, eine - wenn auch manchmal kleine minimale - Unterbrechung oder Widerstand, den Kopf in die Gegenrichtung zu drehen. Die Bewegung verläuft nicht so flüssig und angenehm wie im ersten Fall.

Alles nur Einbildung?

Nein, denn all unsere Überzeugungen, Vorurteile, Erwartungen bzw. Vorstellungen haben - unabhängig davon, ob sie uns bewusst oder unbewusst sind - einen entscheidenden Einfluss auf unser Verhalten, Selbstvertrauen, auf unsere Gefühle und unseren Körper. Vorstellungen können sogar erheblich intensiver erlebt werden, als faktische Erlebnisse. Erinnern Sie sich an Ihre Albträume oder an Ereignisse in Ihrem Leben, die Ihnen im Vorfeld große Angst bereiteten.

Aber auch die Vorfreude auf den Besuch eines geliebten Menschen löst starke Empfindungen aus. Der Philosoph Epitet, der vor 2000 Jahren lebte, sagte dazumal sinngemäß: "Nicht die Ereignisse selbst beunruhigen den Menschen, sondern vielmehr die Vorstellungen, die er sich von diesen Ereignissen macht".

Das Mentale Training will die positiven Wirkungen der Vorstellungskraft, die jedem Menschen zur Verfügung steht, nutzen. Damit wird der Mensch - Stück für Stück - der bewusste Schöpfer seines eigenen Lebens. Das Trainieren der Vorstellungskraft ist ein wesentlicher Schlüssel dazu, doch er reicht nicht aus. Es geht vielmehr darum, die bewusst vorgestellten Inhalte im eigenen Leben praktisch umzusetzen. Nur wenn beides Hand in Hand geht, Vorstellung und Umsetzung, können die Chancen signifikant erhöht werden, angestrebte Ziele auch tatsächlich zu erreichen.

Natürlich gibt es im Leben immer wieder Rückschläge. Nicht alles funktioniert so, wie wir es uns vorstellen. Doch es gibt Menschen, die sich von Rückschlägen wieder sehr schnell erholen und ihre Ziele - wenn auch verzögert - dennoch erreichen. Auch die Umgehensweise mit Rückschlägen lässt sich mithilfe des Mentalen Trainings schon im Vorfeld trainieren.

Lesen Sie im folgenden Artikel, anhand eines Beispiels, wie sich das Mentale Training praktisch durchführen lässt "Anleitung: Praktische Durchführung des Mentalen Trainings".

Viel Erfolg beim Entdecken Ihrer Vorstellungskraft!

25.05.2016 © seit 11.2010 Cassandra B.  
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