Kommunikationstraining: Streit mit Ich-Botschaften schlichten

30.06.2009
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Cassandra B.
www.aegypten-geschichte-kultur.de/

Jeder kommt in Situationen, wo er wütend, frustriert oder traurig ist. Das Verhalten anderer Menschen kann einen manchmal zum Wahnsinn treiben. Eine häufige Folge davon sind Streits und Verhärtung der Fronten. Das muss nicht sein! Lesen Sie im folgenden Tipp, über eine einfache und wirksame Kommunikations-Methode: "Ich-Botschaften" statt "Du-Botschaften" zu verwenden. Was darunter zu verstehen ist, werden wir im Folgenden erläutern.

Zunächst einige Beispiele für negative "Du-Botschaften":

  • "Du hast schon wieder deine Jacke nicht zugemacht - langsam wird mir das zu blöd mit dir."
  • "Meine Güte bist du dumm, denk doch mal nach, bevor du etwas tust!"
  • "Mensch sind Sie ungeschickt, passen Sie doch besser auf!"
  • "Du Trampel, jetzt ist mein Handy kaputt!"
  • "Tu nicht so scheinheilig, in Wirklichkeit denkst du doch ganz anders über das Thema"

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie soetwas zu hören bekommen? Vermutlich nicht sonderlich gut. "Du-Botschaften" bedeuten, dass man etwas "über den anderen" aussagt. Sind die Aussagen - wie in diesen Beispielen - negativ, dann fühlt sich der Gesprächspartner leicht angegriffen. Wenn Sie Streitgespräche genauer verfolgen, werden Sie feststellen, dass sie mit vielen negativen "Du-Botschaften" durchsetzt sind. Insofern ist ein Streit ohne negative Du-Botschaften gar nicht denkbar, denn sie verletzen die Gefühle des Gegenübers und reizen ihn zu einer Gegenattakte.

Der Gegenbegriff zu "Du-Botschaften" sind "Ich-Botschaften", d.h. wir reden über uns selbst, statt über den/die anderen. In anderen Worten - ich rede über meine Gefühle bzw. mein Verständnis oder mein Erleben der Situation. Damit kann ich über dasselbe Problem reden, wirke aber weder verletzend noch beschuldigend.

Eine "Ich Botschaft" besteht aus drei Komponenten:

  • Gefühle offenbaren: Eigene Gefühle werden geäußert, die sich auf eine konkrete Situation oder Verhalten des anderen beziehen.
  • Sachlich: Die Situation (Auslöser) wird beschrieben, der Grund für die Kritik ist. Hier ist es wichtig konkret zu werden, damit sich der andere die Situation bildhaft vorstellen kann.
  • Auswirkungen: Dem Adressaten werden die Auswirkungen seines Verhaltens mitgeteilt. Manchmal wird in diesem Schritt auch eine Bitte an den Adressaten geäußert.

Ein Beispiel zur Anwendung von Ich-Botschaften: "Es ist kalt draußen und als ich merkte, dass deine Jacke noch offen war, habe ich mir Sorgen gemacht, dass du dich erkälten wirst." (So lässt sich die herausfordernde Du-Botschaft: "Mach endlich deine Jacke zu!" leicht vermeiden.)

Vorteile von Ich-Botschaften

  • Partnerschaftlicher Umgang: Teilt man dem Gegenüber seine eigenen Gefühle mit, zeigt man ihm die eigene Verletzlichkeit. Damit lassen sich Abwehrreaktionen vermeiden. Man stellt sich nicht als gebieterischer Tyrann dar, sondern als Mensch mit Gefühlen und Bedürfnissen.
  • Verstehen: Die konkrete Situation (Fakten) ist wichtig, damit der andere weiß, worum es geht. Jemanden zu sagen, dass er sich generell unzuverlässig verhält, wirkt pauschal abwertend. Besser wäre es zu erwähnen, dass man bereits zweimal vergebens auf ihn gewartet hat.
  • Schutz der Interessen: Benennen Sie die Wirkungen problematischer Verhaltensweisen des anderen auf Sie selbst. So erkennt Ihr Gegenüber die eigenen Befürchtungen (oder den Schaden) und weiß, was er beim nächsten Mal besser machen kann.
  • Akzeptanz und Vertrauen: Ich-Botschaften regen andere Menschen an, ebenfalls Ich-Botschaften zu verwenden. Damit entsteht eine Situation der Offenheit und des Vertrauens. Solche "Selbstoffenbarungen" können auch nach längeren Streits heilsam wirken.
  • Entschärfen und Öffnen: Ich Botschaften entschärfen auch festgefahrene Situationen. Sie können eingesetzt werden, um einen Streit zu beenden. Ich-Botschaften öffnen die Situation. Sie machen es dem anderen leichter nachzugeben und einzulenken.

Vorsicht Falle

Manche Du-Botschaften verkleiden sich (wenn auch meistens schlecht) in halbe Ich-Botschaften. Diese sollten Sie erkennen und entsprechend umformulieren. Einige Beispiele:

  • Verkleidete Du-Botschaft: "Ich finde, dass du unmöglich aussiehst." Hier handelt es sich um eine Du-Botschaft: "Du siehst unmöglich aus". Die Wörter "Ich finde..." reichen nicht aus, um aus einer Du-Botschaft eine Ich-Botschaft zu machen. Achten Sie auf Äußerungen, die wie eine Beschuldigung, Vorwurf oder ein Urteil wirken, unabhängig davon, ob sie mit einem "Ich" beginnen.
  • Versteckte Du-Botschaft: Bei einer Antwort auf etwas Gesagtes: "das ist völlig widersinnig", handelt es sich um eine versteckte Du-Botschaft: "Du äußerst Widersinniges". Auch verdeckte Du-Botschaften wirken verletzend. In einer Ich-Botschaft umformuliert, hört es sich respektvoller an: "Ich verstehe den Sinn in deiner Behauptung nicht."
  • Ich-Bezogenheit: Ich-Botschaften dürfen nicht mit Äußerungen von Ich-bezogenen Menschen verwechselt werden. Wer ausschließlich von sich selbst erzählt, ohne sich auf einen anderen Menschen zu beziehen, äußert keine Ich-Botschaften, sondern wirkt selbst-bezogen.
  • Der ewige Kritiker. Es gibt Menschen, die häufig nur das Haar in der Suppe suchen (und finden). Sie spezialisieren sich auf Themen, über die sie nörgeln können. Dies erzeugt schnell eine negative Erwartungshaltung beim Gegenüber - "Der will mich schon wieder kritisieren!". Hier hilft nur ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Lob und Tadel, sonst wird der Tadel irgendwann per se abgelehnt.
  • Abschwächungen: Vermeiden Sie abschwächende Formulierungen zu verwenden, z.B. "es hat mich ein bisschen geärgert, dass ...", oder: "ich war ein wenig traurig ....". Das wirkt unsicher, manchmal wenig glaubhaft und entwertet das, was Sie sagen wollen. Lassen Sie die Wörter: "ein bisschen", "ein wenig" einfach weg. Äußern Sie Ihre Gefühle ehrlich. Doch Vorsicht: eine Abschwächung kann auch ohne die oben genannten Wörter formuliert werden. Ein Beispiel: "Ich hatte Angst, als du nicht, wie verabredet, nach Hause kamst ... ". Doch das Gefühl war in Wirklichkeit wesentlich heftiger: "Ich war starr vor Angst, als du nicht nach Hause kamst ... ".

Ich-Botschaften zu kommunizieren, will geübt sein. Wandeln Sie jede geäußerte oder gedachte Du-Botschaft in eine Ich-Botschaft um. Das kann auch erstmal nur schriftlich geübt werden. Wenn Sie das regelmäßig tun, dann werden Sie diese wirkungsvolle Methode schnell verinnerlicht haben und erfolgreich anwenden können.

Viel Erfolg im Umgang mit anderen!

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