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Ich habe mich in der vorliegenden Ausarbeitung auf Versrhythmen beschränkt, die ein eindeutiges Versmaß aufweisen. Die meisten Dichter bevorzugen heutzutage freiere Formen, d.h. verzichten auf eine geregelte rhythmische Abfolge. Es ist nicht ganz klar, was noch zu Metrik gezählt werden kann, bzw. was zur (rhythmischen) Prosa gehört. In vielen Fällen hat man es mit einer breiten Übergangszone zwischen Vers und Prosa zu tun, so daß nur durch genaue Einzelanalyse entschieden werden kann, inwieweit der Verscharakter noch erkennbar ist.
Die zwei folgenden Beispiele verdeutlichen den Unterschied zwischen einem Gedicht mit freiem Rhythmus und einem mit geregeltem Rhythmus:
| Freier Rhythmus | Geregelter Rhythmus |
|
Eine Erinnerung Es ist ein sehr kleiner Tropfen. Stoffpickel's Ein Farbcamäleon der Anpassung Geheimnisvolle Perle Menschen versuchen sie festzuhalten, Es ist nur eine Erinnerung |
Selbstbetrug (von Goethe) Der Vorhang schwebet hin und her Und ob der eifersüchtge Groll, Doch leider hat das schöne Kind |
Im Rahmen dieser ästhetischen Analyse reicht es aus, einige, wenige Begriffe zu klären. Ich habe darauf geachtet, anhand von zahlreichen Beispielen den Inhalt zu verdeutlichen, und nur die Punkte herauszugreifen, welche praktische Relevanz haben. Z. B. spielt in der Metrik, außer den verschiedenen Formen, die Geschichte, in denen die Formen entstanden, eine wichtige Rolle. Darauf bin ich hier nicht weiter eingegangen.
Ich möchte noch hinzufügen, daß den weiter unten beschriebenen Formelementen kein bestimmter Ausdruckswert zukommt. Ihre Aussagekraft erhalten die Formen erst durch ihren Inhalt. Inhalt und Form bedingen einander. Sie bilden eine dialektische Einheit, wobei dem Inhalt der bestimmende Anteil zukommt. So ist es möglich, daß eine und dieselbe Versform je nach ihrem Inhalt verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten haben kann. Das schließt übrigens nicht aus, daß bestimmte Traditionen der Form einen eigenen Eigenwert schaffen können und sich bestimmte Versarten, für manche Inhalte besser eignen, als andere.
Metrik
(grch. metron (Vers)maß) bedeutet: Die Lehre vom Versmaß (Versrhythmik),
der schematischen Ordnung, die dem Vers zugrunde liegt. Die Strophe wird durch
Angabe der Zeilenzahl bestimmt, ggf. durch Angabe der Untergliederung innerhalb
der Strophe und weiterhin durch Angaben über das Reimschema, wenn vorhanden.
Die Verslehre ist von der Natur ihres Gegenstandes her kein in sich abgeschlossener Wissenschaftszweig; sie betrachtet das dichterische Kunstwerk unter den besonderen Aspekt der Versform. Als Ganzes ist sie Teil der Literaturwissenschaft. Es gibt daher keine selbständige Geschichte der metrischen Formen, weil Entstehung, Entfaltung und Vergehen metrischer Gebilde durch die Gesamtentwicklung der Literatur bedingt, hervorgebracht wurden und werden.
Es gibt verschiedenste Versarten bzw. -formen. Die bekanntesten Versarten sind: Alexandriner, jambischer Fünffüßer, jambischer Vierfüßer, trochäischer Vierfüßer und Fünffüßer, Hexameter, Pentameter; Knittelvers, freie Rhythmen.
Im Vers ist der Rhythmus nach ganz bestimmten Gesetzen geregelt. Für jeden Vers läßt sich ein festes Gerippe herausschälen, das in den ihn umgebenden Versen seine Entsprechung findet. Dieses Gerippe wird das Grundmaß genannt, Versmaß oder auch den metrischen Rahmen. Ein metrischer Rahmen ist nur dem Vers, niemals der Prosa (oder freien Versen) eigen. Der Rahmen tritt im Vers beim Lesen oder beim Vortrag selten rein hervor, weil man nicht mechanisch skandieren (betonen) darf. Das Grundmaß wird vom freien Rhythmus der Sprache umspielt. Dadurch entstehen innerhalb des Versrahmens mannigfache Abstufungen und Variationen.
Demnach begründen zwei Bestandteile den Vers:
Der metrische Rahmen, der das Wesen des Verses bestimmt, ist ein Mischrhythmus. Der Rahmen sowie die akzentuelle Gliederung vereinigen sich. Dadurch ergibt sich der richtige Vortrag: Verse dürfen weder mechanisch skandiert noch als reine Prosa gelesen werden.
Die kleinste rhythmische Einheit ist der Versfuß. Nun gibt es zwei Möglichkeiten
der Betonung. Bei dem Wort Vater wird die erste Silbe betont, die zweite nicht
bzw. weniger. In diesem Fall beginnt das Wort mit einer Hebung, welche mit dem
Symbol "__" gekennzeichnet wird. Bei dem Wort Gedicht, wird mit einer
Senkung begonnen, d.h. die erste Silbe wird nicht (bzw. weniger) betont, während
die (Haupt-) Betonung auf der zweiten Silbe liegt. Das Symbol für eine
Senkung: "U".
Verse, welche mit einer Senkung beginnen, werden als jambisch bezeichnet. Jambisch
bedeutet also nicht mehr, als Vers mit Auftakt: U __ U __.
Verse, welche mit einer Hebung beginnen, werden als trochäisch bezeichnet.
Trochäisch sind Verse ohne Auftakt: __ U __ U.
__ U I __ U I __ U I __ U U I
Abgesehen von der festen Wortbetonung, wie das Beispiel Vater und Gedicht zeigt, gibt es andere Gründe eine bestimmte Betonung zu wählen. Ein weiterer besteht in der Wichtigkeit, die man einem Wort beimißt. Ein wahrscheinlich bekanntes Beispiel:
Er kam gestern (er, nicht sie).
Er kam gestern (gestern nicht heute).
Er kam gestern (ist wirklich gekommen).
Inhaltlich sagen o.g. Sätze dasselbe, aber die Betonung verschiebt jeweils den Blickwinkel.
Ein dritte Möglichkeit die Betonung zu setzen, hängt von rhythmischen Faktoren ab. Je nach Umgebung wird man verschieden betonen müssen: Briefträger - Landbriefträger.
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