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Prüfungsangst: Wie Sie Prüfungen selbstbewußt bestehen!
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von Martin Dembowsky
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Datum: 16.12.2003
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Vorbereitung: Wichtige Tipps für eine mündliche Prüfung
Ihre mündliche Prüfung steht bevor. Diese Rahmenrichtlinien sollen Ihnen dabei helfen,
es sich etwas leichter zu machen, Sie auf Ihrem Weg unterstützen, Kleinigkeiten
zu bedenken, die von Wichtigkeit sein können. Wichtig ist nicht nur
das Thema Ihrer Prüfung, die Art des Lernens, sondern auch Ihr Wohlbefinden,
Ihre mentale Einstellung und Ihr Verhalten vor und während der Prüfung. Eine
Prüfung ist ein Prozeß und der Zeitpunkt, an dem Sie Ihren Prüfern gegenübersitzen,
ist der Höhepunkt, bevor er mit Zeugnisübergabe und Feierlichkeiten beendet
wird.
Machen Sie sich klar, was diese Prüfung für Sie bedeutet. Sie beendet nur eine Etappe
auf Ihrem Lebensweg und erschließt Ihnen neue Möglichkeiten für die Zukunft.
Sie legen damit den Nachweis ab, dass Sie in der Lage sind, sich nicht nur Wissen
anzueignen, sondern auch komplexe Zusammenhänge zu verstehen, Ursachen von Sachverhalten
sowie ihre Konsequenzen zu erkennen und diese nach bestimmten Methoden (z.B.
Methode einer best. Wissenschaft) zu deuten und dies auch sprachlich zu vermitteln.
Zweifeln Sie nicht an sich und bleiben Sie stets authentisch, bleiben Sie Sie selbst!
Schritt für Schritt zum Ziel - der Fahrplan
Die Tage vor der Prüfung
- In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Versuchen Sie nicht in Streß
zu geraten: teilen Sie Ihre Zeit genau ein. Nehmen Sie sich neben Lernzeiten ausreichend Zeit für
Freizeit und Schlafen. Achten Sie auf Bewegung (Sport, Spaziergänge) und gesunde
Ernährung. Ausgeglichen und harmonisch ist alles viel leichter, als durch mangelnden
Schlaf, übermäßigen Kaffee- und Nikotingenuss sich zu stressen.
- Denken Sie positiv! Sie können in den Tagen vor der Prüfung eine innere Ruhe und Harmonie
durch Meditationen und Affirmationen (positive Steuerung des Unbewussten)
erreichen. Eine Affirmation ist positiv formuliert, enthält keine Negationen
und wirksame Wortzweiergruppen (leicht und frei; freudig und glücklich). Sie
könnte z.B. lauten: „Mein Atem ist leicht und frei. Jede Zelle meines Körpers
ist belebt von Freude und Glück. Ich bin ausdrucksstark in meiner Rede. Der
Augenkontakt zu meinen Mitmenschen ist freudig und glücklich. Ich kann mich
jederzeit auf meine geistigen Fähigkeiten verlassen. Ich vertraue auf die Kraft
und Wirksamkeit meiner Rede. Ich werde von der Überzeugung getragen, dass
ich meine Umwelt und mein eigenes Leben positiv gestalte.“ (in: G. Hirsch,
„Überzeugend frei reden“, S. 42)
- Üben Sie Ihren Atem zu lenken. Tiefe Bauchatmung lockert und mindert „Lampenfieber“.
Atmen Sie lange aus, machen Sie eine Atempause und atmen dann tief durch die Nase in den
Bauch ein.
- Spielen Sie mit Ihrer Stimme, kräftigen Sie sie. Sprechen Sie Vokale und Konsonanten laut
und deutlich.
- Meiden Sie Massenveranstaltungen, nervende und negativ eingestellte Personen in diesen Tagen. Sie könnten Ihnen Kraft rauben, Sie ablenken.
Es sei denn, Sie beherrschen es, Ihre Aura stabil zu halten und sich niemand
zu Nahe treten zu lassen.
- Versuchen Sie Konfliktsituationen und -gespräche zu meiden (Familien-, Beziehungsstress).
Es sollte jeder, vor allem Freunde und Familie, Verständnis dafür haben, dass
momentan Sie sich selbst und Ihre Prüfung am wichtigsten ist. Seien Sie es sich wert!
- Beobachten Sie Personen genau. Wie bewegen sie sich, was drücken ihre Gesichter,
ihre Gestiken aus? Sind sie nachdenklich, verspannt, fröhlich, glücklich?
- Lächeln Sie wann und wo Sie können. Das steigert Ihr Lebensgefühl durch die
Ausschüttung von Glückshormonen.
- Den Anlauf der Prüfung können Sie mit einem Freund/Freundin im Rollenspiel üben.
Oder beobachten Sie sich im Spiegel, wie Sie sich Ihre Lerninhalte erzählen.
Der Abend vor der Prüfung
Beenden Sie das Lernen zeitig und gehen Sie früh schlafen. Was Sie jetzt nicht gelernt
haben, lernen Sie nimmermehr. Kein übermäßiger Alkoholgenuß, ggf. ein Glas Wein oder
ein Bier zur Entspannung. Machen Sie eine Atemübung, sprechen Sie eine Affirmation,
freuen Sie sich auf die Prüfung; die Beendigung einer Etappe und die neuen Möglichkeiten,
die sich daraus ergeben. Stellen Sie sich vor, wie die Prüfung abläuft, Sie alle Fragen
beantworten, eine lebhafte Diskussion mit dem/den Prüfer/n haben. Sie schlafen ruhig und locker.
Der Morgen der Prüfung
- Genauso zeitig, wie Sie schlafen gegangen sind, werden Sie aufwachen. Sie haben
ruhig und locker geschlafen, sind ausgeruht und freudig. Sie frühstücken
nicht übermäßig und konsumieren nicht übermäßig Kaffee oder Tee. Die Mäßigkeit
fördert die Konzentration, denn Sie brauchen das Blut im Kopf, nicht im Magen
und verhindern ggf. Übelkeit und lästiges Magenknurren gegenüber einem fehlendem
Frühstück.
Sie achten auf Ihre Kleidung, die Sie am Abend zuvor bereit gelegt haben.
Beachten Sie dabei, dass sie sauber und ordentlich ist, keinesfalls zu eng (um
das Atmen zu erleichtern), sondern bequem. Wie bei einem Vorstellungs- oder
Verkaufsgespräch wirkt das äußere Erscheinungsbild auch bei einem Prüfer.
Denn auch er ist nur eine Person und vor subjektiven und unbewussten Einflüssen
nicht gefeit!
- Sie verzichten auf den Gebrauch von zu intensiven Duftmitteln, denn sie können die Konzentration ablenken und in Ihnen oder den Prüfern Assoziationen wecken.
- Sie brechen zeitig und locker zum Prüfungsort, den Sie kennen, auf.
- Sie sind informiert, wer neben Ihrem Prüfer Zweitprüfer, Protokollführer ist.
- Sie sind sich bewusst, dass Ihr Prüfer versucht objektiv und sachlich zu
sein. Er wird Sie wie jeden anderen Prüfling behandeln. Auch wenn er Ihnen
mal eine weniger gute Note oder Bewertung gegeben hat. Er hat nichts gegen
Sie, haben Sie auch nichts gegen ihn! Begegnen Sie ihm vorurteilsfrei, denn der
Gedanke, er könne Ihnen eine schlechte Note geben, weil Sie es sind, könnte zur
"selbsterfüllenden Prophezeiung" werden. Ihr Vorurteil könnte
Wirklichkeit werden, ohne dass dieses vorher Bestand hatte.
- Sie sind pünktlich zur Prüfung, locker, lächeln. Sollten Sie ein wenig
nervös sein, wozu kein Grund besteht, dann atmen Sie tief in den Bauch, das beruhigt.
Die Prüfung
- Lächelnd betreten Sie den Prüfungsraum und begrüßen die Anwesenden mit Namen,
Händedruck, Kommissionen mit Nicken.
- Sie sitzen locker, mit lockeren Schultern, atmen tief in den Bauch. Legen Sie nicht
die Beine übereinander. Ein Blutstau könnte beim Rückfluss Ihre Konzentration
stören.
- Alles was Sie nun tun, machen Sie langsam, bedacht. Ihre Konzentration ist
jetzt 100%! Jetzt ist sie am wichtigsten!
- Beziehen Sie alle Anwesenden vor sich in Ihren Blickkontakt ein.
- Sollten Sie über zwei verschiedene Themen geprüft werden beginnen Sie - wenn
Sie danach gefragt werden - mit dem Thema, bei dem Sie sich besser fühlen. Das
gibt Ihnen Selbstvertrauen und Sicherheit. Prüfungszeit ist beschränkt und nicht
jedes Thema wird gleich lang behandelt.
-
Wer fragt führt die Diskussion. Wiederholen Sie gestellte Fragen im Gedächtnis,
fragen Sie nach, wenn etwas unverständlich ist, grenzen Sie ein. Hören Sie zu.
- Beobachten Sie die Gestik und Mimik Ihres Prüfers. Runzelt sich seine Stirn
nachdenklich? Fragend? Interessiert? Kritisch? Ablehnend? Ist er mit Ihnen oder
seinem Kugelschreiber beschäftigt (gestresst, gelangweilt). Natürlich wird
er aufmunternd und zustimmend sein, sein Gesichtsausdruck freundlich, denn
Sie machen das gut!
- Reden Sie laut, langsam, betont. Sprechen Sie nicht eintönig, keine „Ähhs“. Spielen Sie
mit Tonhöhe und Tonstärke. Teilen Sie, was Sie zu sagen haben, in Sinnabschnitte, machen Sie
Atemzäsuren zur Verlangsamung/Einteilung. Das beruhigt.
- Betonen Sie Ergebnisse, Konsequenzen, Zusammenhänge durch Wiederholung, mit "Signalworten"
und Gestik: "Das ist wichtig..." ; "Daraus folgt..."; "Ich möchte betonen,
dass..." etc.
- Bleiben Sie sachlich und bei der Frage. Schweifen Sie nicht ab. Verwenden Sie keine zu
langen und verschachtelten Sätze. Konzentrieren Sie sich. Bringen Sie Höhepunkte.
- Niemand ist vollkommen und kleine Pannen können immer passieren, ein Stolpern
vor dem Hinsetzen, ein „freudscher Versprecher“. Üben Sie dabei Selbstironie, sehen Sie
es mit Humor. Nichts bringt Sie aus der Ruhe. Entschuldigen Sie sich bei einem
Versprecher.
- Passen Sie Ihre Gestik der Sprache an, sie sollte synchron mit ihr verlaufen.
Machen Sie keinesfalls eine Geste nach oder vor etwas Gesagtem. Die Gestik spielt sich
oberhalb der Gürtellinie ab, die Handflächen sind nach oben gerichtet.
- Verwenden Sie Fremdworte nur, wenn es keine adäquaten deutschen Begriffe gibt und Sie wissen, was sie bedeuten.
- Lächeln Sie stets.
- Bedanken Sie sich am Ende und verabschieden Sie sich von allen.
Lassen Sie mich an Ihren Erfahrungen und Erfolgen teilhaben!
Literatur: Roman Hofmeister: "Handbuch der Redekunst", Weltbild Verlag, 2 Bde,
Augsburg 1990.
Gundula Ingrid Hirsch: "Überzeugend frei reden - Sprach und Rhetoriktraining",
humboldt-Taschenbuchverlag, Reihe Beruf Nr. 942, München 1993
Legende: 5: super - bis 1: erträglich
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