Die Geschichte des Kriegerwesens

Teaser: Kennen Sie die Geschichte des Krieger in den historischen Gesellschaftsformen? Die Entwicklung des Kriegerwesens hängt eng mit der umgebenden Kultur zusammen, welche den Rahmen für die Rolle vorgibt, die ein Krieger in einer Gesellschaft einnehmen kann. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, ob alte Traditionen in der Moderne authentisch wiederbelebt werden können.

Vorwort

Wie alles was über eine lange Zeit gewachsen ist, so hat auch die Idee der Krieger eine lange Geschichte. Sie reicht bis in die Frühzeit der Menschen hinein. Selbst im Tierreich finden wir mit den Raubtieren den Keim der Idee. Sie zeigt sich hier ihrer primitivsten Form - im einfachen Kampf ums Überleben. Diesem "natürlichen" Jagdinstinkt kommt beim Homo Sapiens in seiner frühen Form - als Jäger und Sammler - eine besondere Bedeutung zu. Der Mensch gewann seine Stärke durch die Kombination von Kooperation und intelligentem Handeln. Diese Kombination erwies sich evolutionär als so erfolgreich, daß er als einzige Spezies fähig war sogar Raubtiere zu jagen, die ihm physisch überlegen waren.

Krieger JagdSeine besondere Fähigkeit war das intelligente Handeln - also die Fähigkeit aus Erfahrung zu lernen. Diese Fähigkeit machte es möglich, daß er seine Überlebenstechniken im Laufe der Geschichte verfeinern konnte. Die Erfindung der Sprache tat ein übriges, daß Erfahrungen innerhalb eines Stammes weitergegeben werden konnten. So entstand mit der Zeit ein großer Erfahrungsschatz, der den rein triebhaften Anlagen weit überlegen war. Sowohl der Philosoph Feuerbach als auch Goethe formulierten diese Erkenntnis in dem Satz, daß "Menschen nur durch Menschen zum Menschen werden."

Die Untersuchung von Wolfskindern zeigt deutlich, daß das, was wir unter "Menschsein" verstehen, lediglich als Anlange in uns schlummert. Diese reift aber erst durch die Interaktion und dem Lernen von anderen zu ihrer vollen Blüte heran. Der Mensch entwickelt sich durch die gemeinschaftliche Interaktion mit anderen im vorgegebenen Rahmen seiner Kultur.

Zusammenfassend kann man festhalten, daß die Entwicklungsmöglichkeiten des Kriegerwesens immer abhängig von den Fähigkeiten der umgebenden Gesellschaft sind.

Wie die Geschichte zu berichten weiß, haben im Laufe der Jahrtausende bereits viele Gesellschaftsformen ihren Auf- und Untergang erlebt. Gesellschaft ist somit kein statisches "Etwas", sondern ein sich prozeßhaft wandelndes Gebilde. Weiterhin wissen wir heute, daß die vom Menschen gewählte Gesellschaftsform ein Spiegel seiner Denkgewohnheiten und der darin enthaltenen Werte ist, die als gemeinschaftlicher Konsens getragen werden.

Aus diesem Grunde wählte ich bei meinen geschichtlichen Forschungen die Perspektive der Soziologie. Ich ging der Frage nach, welche grundlegenden Gesellschaftsformen wir im Laufe unserer Geschichte entwickelt haben und welche Formen des Kriegerdaseins hieraus entstanden sind. Das Ausgangsmaterial für meine Beobachtungen entnahm ich den soziologischen Studien von Prof. Niklas Luhmann. Er gilt heute wohl als der bedeutendste Soziologe der Neuzeit, dem es erstmals gelang über die Systemtheorie das Phänomen der Gesellschaft umfassend beschreibar zu machen.

Bei meinen weiteren Ausführungen spielt seine Einteilung der Evolution der Gesellschaft die maßgebliche Rolle. Ich habe die Beschreibung so weit vereinfacht, daß der Leser keine speziellen Kenntnisse über Systemtheorie benötigt. Meine Darstellung bezieht sich auf die Folgerungen seiner Theorie, während ich deren Begründung wegen der enormen Komplexität auslasse. Wer sich zusätzlich mit den Hintergründen der Systemtheorie befassen will, kann dies am besten bei Luhmann selbst tun.

Luhmann benennt die evolutionären Stufen der Gesellschaft folgendermaßen:

  • Segmentäre Gesellschaft
  • Stratifikatorische oder hierarchische Gesellschaft
  • Funktional differenzierte Gesellschaft

Sehen wir uns diese Gesellschaftsformen einmal näher an und betrachten die darin entstandenen Kriegerideen.

13.03.2013 © seit 03.2004 Tony Sperber  
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