Pfingsten: Geschichte und Bräuche des Pfingstfestes

Pfingsten gehört - kirchlich gesehen - mit Ostern und Weihnachten zu einem der drei wichtigsten christlichen Festen. Doch gerade dieses Fest gibt vielen Menschen Rätsel auf.

Es ist nicht klar, was überhaupt gefeiert wird und welche Bräuche rund um das Fest bestehen. Lesen Sie folgenden Artikel, um mehr über Pfingsten und seine früheren bzw. heutigen Bräuche zu erfahren.

Das Wort Pfingsten leitet sich aus dem griechischen Wort "pentekosté" her und bedeutet "der fünfzigste Tag". Gemeint ist der 50. Tag nach Ostern, an welchem Pfingsten gefeiert wird. Genau genommen sind es jedoch 49 Tage. Zählt man den Ostersonntag mit, kommt man auf die Zahl 50.

Pfingsten gehört mit Ostern und der vorgehenden Fastenzeit zum Osterfestkreis. Mit dem Pfingstfest wird der Osterfestkreis geschlossen. Es handelt sich um ein bewegliches Fest, das sich an das Datum Osterns orientiert. Denn Ostern fällt immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond im Gregorianischen Kalender.

Pfingsten: Bräuche und Geschichte

Um die Bedeutung Pfingstens zu verstehen, wird der Osterfestkreis mit den Ereignissen kurz skizziert, denn nur im Zusammenhang bekommt dieses Fest Sinn.

Der Osterfestkreis

Fastenzeit (österliche Bußzeit)

Sie beginnt am Aschermittwoch und endet nach einer 40-tägigen Fastenzeit am Karsamstag, also einem Tag vor dem Ostersonntag. Die Bibel erzählt uns, dass sich Jesus 40 Tage in der Wüste aufhielt, um zu fasten und zu beten. Wer nachrechnet, wird auf mehr als 40 Tage kommen, doch die 6 dazwischenliegenden Sonntage werden abgezogen.

Karwoche

Sie liegt in der Fastenzeit und beginnt am Palmsonntag, also eine Woche vor dem Ostersonntag. Am Palmsonntag zog Jesus in Jerusalem ein, am darauf folgenden Gründonnerstag gab er sein letztes Abendmahl und am Karfreitag wurde er gekreuzigt. Der Karsamstag ist der Tag der Grabruhe.

Osterzeit

Mit dem Ostersonntag beginnt die österliche Freudenzeit durch die Auferstehung Jesus. Sie dauert 50 Tage bis einschließlich Pfingsten. Oft brennt auch so lange die am Ostersonntag entzündete Osterkerze vieler Kirchen.

In diese Zeit fällt auch Christi Himmelfahrt, nämlich 39 Tage nach dem Ostersonntag. Daher handelt es immer um einen Donnerstag. Gefeiert wird die Auffahrt Christi zu seinem Vater Gottes. Er kehrt also als Sohn zu seinem Vater zurück, um zu seiner Rechten zu sitzen. Er hat sich als würdig erwiesen, um emporgehoben zu werden und in den Himmel zurückzukehren.

Pfingsten gehört zur Osterzeit und wird 10 Tage nach Christi Himmelfahrt gefeiert. Pfingsten ist ein Fest des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist wurde an Pfingsten ausgesandt und kam über die Jünger Jesu.

Welche Bedeutung hat das Pfingstereignis?

Bleiben wir vorerst bei den Jüngern von Jesus. Denn aus ihrer Sicht ist es vielleicht einfacher das Ereignis des Heiligen Geistes zu verstehen, zumindest aber sich dem Verständnis zu nähern. Dabei ist es völlig unerheblich, ob wir uns dabei als Christen verstehen oder nicht.

Pfingsten Hintergründe Bräuche Fest GeschichteDass Jesus aus dem irdischen Leben geholt wird, erschüttert seine Jünger. Das lässt sich noch gut nachvollziehen. Mit seiner Auferstehung kehrt Hoffnung und Mut zu ihnen zurück. Doch sie sind nun alleine, auf sich gestellt. Sie haben keinen Menschen mehr, der sie in sehr wesentlicher Hinsicht orientiert. Mit Christi Himmelfahrt erleben sie, dass Jesus nun endlich seinen rechten Platz einnimmt. Zehn Tage später kommt der Heilige Geist über sie. Erst jetzt akzeptieren die Jünger ihre neue Situation. Der Heilige Geist stärkt sie, be-geist-ert sie, ihre Mission zu leben, nämlich die Worte Jesu weiterzutragen. Sie tun dies aus einer inneren Überzeugung heraus ohne äußere Führung.

Die Bibel erzählt, dass die Jünger plötzlich in unterschiedlichen Sprachen sprechen konnten, nachdem sie den Heiligen Geist erfuhren. Das lässt sich dahin gehend deuten, dass sie die richtigen Worte fanden und es sich zutrauten, die Lehre Jesu in die Welt zu tragen und Gehör zu finden. Sie konnten ihre Erfahrungen offen formulieren und anderen mitteilen.

Die Erfahrung des Heiligen Geistes lässt sich als religiöse Erfahrung begreifen (Synonyme sind Transzendenzerfahrungen, auch Nahtoderfahrungen). Eine religiöse Erfahrung ist für den Betreffenden sehr bedeutungsvoll und ändert meist sein gesamtes Leben. Es entsteht das starke Bedürfnis sich anderen Menschen mitzuteilen. Dass die Kirche Pfingsten als ihre Geburtsstunde ansieht, passt hervorragend zu ihrem Missionsauftrag, wo die Sprache und richtigen Worte eine wichtige Rolle spielen. So gesehen lässt sich vielleicht das Ereignis an Pfingsten besser nachvollziehen.

Unabhängig davon, ob das Pfingstwunder nun genauso stattfand, wie in der Bibel beschrieben, hat es auf symbolischer Ebene eine Bedeutung, die sich gut auf das Leben selbst übertragen lässt.

Pfingsten - der Heilige Geist - Geburtsstunde der Kirche

Heiliger Geist Pfingsten Geschichte BräucheGeist (Begeisterung) belebt, spornt an etwas zu tun. Wer sich begeistert, wird aufgerüttelt. Ängste und Vorbehalte, Zweifel und Sorgen treten in den Hintergrund und machen Platz für Aktivitäten, die einem existenziell wichtig sind. Solche existenziell wichtigen Aktivitäten geben dem eigenen Leben Sinn und machen heil. Man ist überzeugt, von dem, was man tut und erlebt sich als einen ganzen (heilen) Menschen. Und genau das geschah auch in vorbiblischen Zeiten.

Der Heilige Geist (heil machende Begeisterung) spornte die Jünger an, ihre neu gefundene Mission zu verfolgen. Schnell schafften sie Gemeinden, die sich kontinuierlich vergrößerten und zu Christengemeinden wurden.

Die mit Pfingsten beginnende Mission sieht die Kirche als ihren Geburtstag an. Denn nach der kirchlichen Lehre wurde der Heilige Geist deshalb ausgesandt, um Person, Wort und Wirken von Jesus lebendig zu halten und auch anderen Menschen und Generationen zu vermitteln.

Ob diese Vermittlung noch heute gelingt, sei dahin gestellt. Eine Erkenntnis der heutigen Zeit ist, dass Begeisterung primär vom Menschen selbst erzeugt wird. Nichts lässt sich von außen in einen Menschen "hineinstopfen". Die Entscheidung wie und was er leben will, trifft er selbst, auch wenn etwas als außen kommend gedeutet wird. Er entscheidet selbst, ob er eine Erfahrung, die scheinbar von außen verursacht wurde, zulässt (hier muss er immerhin eine offene Haltung einnehmen), wie er diese Erfahrung deutet und in der Zukunft handelnd umsetzt.

Wie Weihnachten und Ostern dauert auch das Pfingstfest 2 Tage - Pfingstsonntag und Pfingstmontag.

Traditionelle Wurzeln des Pfingstfestes

Die Wurzeln von Pfingsten sind in einem jüdischen Fest namens "Schawuot" zu finden. Dabei handelte es sich um eines der Hauptfeste der Juden. Während das Passah-Fest (Ostern) den Beginn der Getreideernte markierte, wurde am fünfzigsten Tag darauf der Schawuot gefeiert, nämlich das Ende der Getreideernte und Darbringung der Erstlingsfrüchte. Es handelte sich also um ein Erntedankfest.

Pfingstbräuche - wie wird Pfingsten gefeiert?

Sehr viele Bräuche sind an Weihnachten und Ostern zu beobachten, nicht so an Pfingsten. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum so viele Menschen nicht wissen, was es mit diesem Fest auf sich hat. Allerdings ist das Wissen über Weihnachten und Ostern auch nicht viel größer, was einige Umfragen zeigen.

Wer mehr über Weihnachten und Ostern erfahren will, kann sich hier auf Philognosie informieren. Es gibt zu jedem der beiden Festen einen Wissenstest. Anhand der ausführlichen Auswertung lassen sich mit Sicherheit Wissenslücken schließen:

Es gibt im Verhältnis zu den anderen Festen recht wenige Bräuche zum Pfingstfest. Bräuche, die sich verweltlicht haben, stehen oft in einem Bezug zum Frühlings- und Maibrauchtum (siehe dazu den Artikel: Erster Mai - Mythologie: Beltane, Walpurgisnacht und andere Bräuche). Religiöses Brauchtum ist noch weniger ausgeprägt als das weltliche Brauchtum. Das lässt sich bis ins 5./6. Jahrhundert anhand von Bretonischen Sagen, französischen und deutschen Ritterromanen zurückverfolgen, die von prachtvollen und überfließenden weltlichen Festen erzählen.

Dennoch gibt bzw. gab es Bräuche an Pfingsten:

  • Ein mittelalterlicher Brauch war das Heilig-Geist-Schwingen. Es wurden lebendige Tauben (Symbol für den Heiligen Geist) in der Kirche freigelassen oder eine hölzerne Taube durch eine Öffnung in der Decke der Kirche kreisend herabgelassen. Die Taube wurde von der Gemeinde durch Gebete und Weihrauch empfangen.
  • In Süddeutschland kann man in manchen Häusern, wo es noch einen Herrgottswinkel in Wohnstuben gibt, aufgehängte Heiliggeisttauben sehen.
  • In manchen Orten werden noch Pfingstfeuer entzündet. Denn nicht nur die Taube, sondern auch Feuer und Flammen sind Symbole für den Heiligen Geist. Feuer symbolisiert aber auch Reinigung und Erleuchtung gläubiger Menschen.
  • Auf manchen Frühstückstischen an Pfingsten steht eine Pfingstkerze in der Mitte. Jeder kann seine persönliche Pfingstkerze an ihr anzünden und vor sich stellen.
  • In einigen Regionen gibt es Pfingstprozessionen, v. a. in Schwaben mit Danksagung und teils Abendmahl bzw. Kommunion verknüpft.
  • Es gibt zum Teil verschiedene Wasserbräuche, denn v. a. an den wichtigen christlichen Festen soll das Wasser über eine besondere Segenskraft verfügen. Daher war früher der Brauch sehr verbreitet, sich in einem Bach oder Fluss zu waschen. Das erinnert an die Taufe. Tatsächlich waren Pfingsten und Ostern sehr beliebte Tauftermine.
  • Weltliche Pfingstveranstaltungen (Pfingstkirmessen) gibt es auch heute noch. Dabei handelt es sich oft um Veranstaltungen mit Jahrmarktcharakter, z. T. mit besonderen Highlights, Tanz- und Musikgruppen. Manchmal werden an den Veranstaltungen sportliche Wettkämpfe gezeigt.

Pfingstochse

Der Pfingstochse hat sich einen besonderen Namen gemacht, auch wenn er heute meist als abfällige Bezeichnung bekannt ist, für jemanden, der sich besonders herausputzt.

In vielen ländlichen Gebieten wurde zu Pfingsten das Vieh zum ersten Mal im Jahr auf die Weide getrieben. Dies geschah in Form einer feierlichen Prozession durch die Gassen des Ortes und über die Felder. Dabei wurde das kräftigste Tier besonders schön geschmückt, mit Blumen, Stroh, Kränzen, Glocken und Bändern. Der Pfingstochse führte die Prozession an oder beschloss sie.

Heute wird Pfingsten gerne genutzt, um einen Ausflug mit der Familie zu unternehmen. Deshalb sehen viele Menschen, die sich der Kirche nicht mehr verbunden fühlen, das Pfingstfest primär als Familienfest an.

Was auch immer Sie unternehmen wollen - viel Freude und Spaß dabei!

17.05.2018 © seit 04.2012 Cassandra B.  

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